{"id":4007,"date":"2016-02-01T18:16:34","date_gmt":"2016-02-01T18:16:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=4007"},"modified":"2016-02-06T18:13:18","modified_gmt":"2016-02-06T18:13:18","slug":"fleiss-und-fruehaufstehen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=4007","title":{"rendered":"Flei\u00df und Fr\u00fchaufstehen"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts4007&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts4007&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p><em>Ein bisher unentdecktes Fragment einer untersagten Predigt aus dem Melker Stift, dem Kaplan Andreas Corvinus (1684(?) -1749) zugeschrieben<\/em><\/p>\n<p><em>\u00dcbers.: Bernd Remsing<\/em><\/p>\n<p>\u2026(s)agt man doch: \u201eFlei\u00dfig wie die Bienen\u201c, aber: Stehet denn die Biene fr\u00fch auf, concret: Wann verlasset sie dann ihre Schlafst\u00e4tt? Nachdem die Biene aber denen Insekten angeh\u00f6ret und noch nie die k\u00fchle Morgenstunde von solchen aufgesucht wurde, bedarf sie der W\u00e4rme. Sie brauchet der W\u00e4rme, ist dahero Langschl\u00e4fer. Dem Winter ist sie zu rein gar nichts zu gebrauchen, sondern n\u00e4hret und st\u00e4rket kl\u00fcglich sich f\u00fcr die Tempora, wo\u2018s ihrer Kr\u00e4fte bedarf. Und wie wertvoll und kostbar ist ihr Honig \u2013 er hat sogar die Kraft, Krankheiten zu besiegen (it est: Keuchhusten, Haarwurzelkatarrh, Schlagfluss, Gicht etc.) und hilft dem Menschen selbst gar gegen die Pestilenz! Was Teureres k\u00f6nnte es geben auf dieser Welt? Und doch geben sie ihr fl\u00fcssig Gold dem Menschen hin ohne unversch\u00e4mte Forderung, nur ein wenig Platz wollen sie f\u00fcr sich, in Form von K\u00e4sten und K\u00f6rben. Welch gottgef\u00e4llig bescheiden Anspruch!<\/p>\n<p>Hingegen die H\u00fchner! Welch ziellos unruhig Treiben! Noch schlummert die Sonne hinter dem Donaufluss, da springet diese Hellenbrut verst\u00f6rt von ihren Stangen, ohne Zweck und Vorhaben, nur rein der Unrast wegen. Merket: Wenn denn fr\u00fches Aufstehen Flei\u00df sein soll, dann m\u00fcsst es folglich hei\u00dfen: Flei\u00dfig wie die H\u00fchner \u2013 man sagt ja doch aber: \u201ewie die Bienen!\u201c Nein! Nein zum Huhn und tausendmal nein! Es stolpert und torkelt den ganzen Tag ziel- und planlos durch Raum und Zeit, machet best\u00e4ndig und in l\u00e4stiger Weise auf sich aufmerksam, laufet gef\u00e4hrdend zwischen den F\u00fc\u00dfen argloser Leut herum. Zwar zahlt\u2018s schuldigen Tribut mit Eiern, doch hat man jemals geh\u00f6rt, dass es aus ihm Heilmittel wie der Bienen Honig gewonnen? So wenig, wie du ein Nagel in den Brunnenstrahl schl\u00e4gst! Du sagst, nicht wenige Melker schmiern sich H\u00fchnerdreck in die Haar, meinend dessen Wachstum zu f\u00f6rdern, ist dies Thun aber mehr als nur ein Zeichen l\u00e4sterlichen Aberglaubens, sondern wird nachweislich das Hirn davon geschrumpfet bis auf die Gr\u00f6\u00dfe einer Erdnuss oder Rosine, bis sie selber gackern wie das Federvieh! Ganz wie Adagia 2, 4 lehret: Piscis primum a capite foetet! Aber nicht nur dero piscis, sondern wie viel mehr die Gacker\u2013Gallinae, die unser Herr nicht im Zeichen getragen, verstinken dem den Kopf, der sich mit ihrem Kot bestreichet! Du fragst: Reuet dero H\u00fchner wenigstens ihr Unverstand? Nichts dergleichen! So wenig wie dass sich der Mensch auf den caput sehn kann, ahnet die Beschr\u00e4nktheit ihre Enge oder schlimmer noch treibt\u2018s auch noch gro\u00df und siehet sich als Erbe und Statthalter dieser GOttbed\u00fcrftig Welt! Ganz wies denn auch hei\u00dfet in der heiligen Vulgata, Psalm 42,8 Abyssus abyssum invocat! Nein, Schutz fordert er, der l\u00e4rmend Geistvernichter, der gefiedert Beelzebub und gar Schirm noch gegen die zahllosen Gefahren, die seiner ungeschickten Art drohn! So hilflos sind dero H\u00fchner worden durch die sch\u00e4ndlich und folglich sch\u00e4dlich Fr\u00fchaufsteherei, dass sie sogar das Fliegen verlernt haben \u2013 welchs doch ureigen Vogelpflicht darstellet! Bedarf\u2018s denn noch eines einzigen Beweises mehr, dass die Schlafk\u00fcrzung ein sichren Weg darstellt, analogum die g\u00f6ttlich Gabe des Gedankenflugs s\u00fcndhaft zu vernichten? Wird dem Tiere selbst darob nichts Args geschehn, aber den Kindern Adams droht Gericht und H\u00f6llenfeuer schon ob geringster Sodomie und ist dies nur Vergehen des Corpus, wie arg erst die Straf bei S\u00fcnd am Geiste, der GOtt doch weit n\u00e4her stehet? Jetzto wirst du denken: Wohin f\u00fchrte aber die schrecklich Fr\u00fchaufsteherei gar noch? Zu nichts Wenigerm als dies Beispiel dir zeiget: Das itzo noch n\u00fctzlich und gottgef\u00e4llig Tagwerk der H\u00fchner, n\u00e4mblich, dass sie uns ihre Eier legen, wird sicherlich bald auch noch ihr Geisteskraft \u00fcbersteigen, das Einzige, was sie dann noch treiben, ist ihr gar zu arg und ziellos Gel\u00e4rm.<\/p>\n<p>(&#8230;) H\u00fchner sind bald ihres Wirkens in der Welt verlustig gangen und wissens wohl. Doch versuchen s\u2018 diesen Mangel, statt durch Bu\u00df und Einkehr, etwa durch t\u00e4glich hart \u00dcben des Langschlafs, durch desto wilder Geschrei und Rastlosigkeit wettzumachen, was sie in wahrhaft GOttloser Verblendung f\u00fcr das Zeichen verdienstvollen Tuns halten. Infolge all dessen werden sie vom Menschen, der nach biblischem Gebote sucht, die Tierwelt zu nutzen, nur in der Weise gesch\u00e4tzt, dass er ihre Nachkommen frisst. Ja, merket es wohl und besinnet euch gr\u00fcndlich: Treibt\u2018s nicht auch ihr allzu gern nach dero H\u00fchner Art? Musst ich etwas nicht gestern \u00e4chzend aus dem Kissen fahrn, als ich mir grad den Kopf gar fr\u00f6mmlich schwer getrunken, aufgeschreckt von hellisch Marktgel\u00e4rm und euren vermaledeiten Fuhrwerkfahrn auf und ab und hin und her, wie eben begleitet noch durch den ohrenbet\u00e4ubend L\u00e4rm des sinnlosen Gackerviechs? Merket: So beschaffen sind diese Gesch\u00f6pf, dass selbst deren Brut gefressen wird, noch bevor diese aus dem Ei gebrochen! Und selbst das ist noch nicht gnug Straf f\u00fcr best\u00e4ndig Schlafverk\u00fcrzen, werden sie doch am Ende noch selbst verzehret (It est: Brathuhn, Suppenhuhn, Huhn mit Citrusfrucht, Birngespicktes Huhn, welches sehr wohlbek\u00f6mmlich \u2013 etc.)! Dem Huhne bleibet dahero nur das kl\u00e4gliche Geschrei und Gezappel vor dem Fallbeil&#8230;<\/p>\n<p>(&#8230;) Wie viel gl\u00fccklicher aber die lobsam langschl\u00e4ferisch Biene! Drohte jenen der Mensch mit dem Beile, w\u00e4re er nicht lange dieses Vorhabens gl\u00fccklich! (\u2026)<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Bernd Remsing<br \/>\n<a href=\"http:\/\/fm4.orf.at\/stories\/1704846\/\" target=\"_blank\">http:\/\/fm4.orf.at\/stories\/1704846\/<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=3365\">anno<\/a> | Inventarnummer: 16019<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein bisher unentdecktes Fragment einer untersagten Predigt aus dem Melker Stift, dem Kaplan Andreas Corvinus (1684(?) -1749) zugeschrieben \u00dcbers.: Bernd Remsing \u2026(s)agt man doch: \u201eFlei\u00dfig wie die Bienen\u201c, aber: Stehet denn die Biene fr\u00fch auf, concret: Wann verlasset sie dann ihre Schlafst\u00e4tt? Nachdem die Biene aber denen Insekten angeh\u00f6ret und noch nie die k\u00fchle Morgenstunde [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[100],"tags":[102],"class_list":["post-4007","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-remsing-bernd","tag-anno"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4007","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4007"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4007\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4027,"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4007\/revisions\/4027"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4007"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4007"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4007"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}