{"id":3796,"date":"2015-12-02T15:44:52","date_gmt":"2015-12-02T15:44:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=3796"},"modified":"2016-01-22T06:49:15","modified_gmt":"2016-01-22T06:49:15","slug":"kenntnisse-einer-ehebrecherin-teil-5","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=3796","title":{"rendered":"Kenntnisse einer Ehebrecherin Teil 5"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts3796&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts3796&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Ich wei\u00df nicht, was sie nach diesen Worten \u00fcber mich gedacht, was sie anschlie\u00dfend \u00fcber mich geredet haben. Vielleicht vermuteten sie auch, ich sei eine Edelprostituierte. Ich wollte mich nicht erkl\u00e4ren, wollte mich nicht melden, einfach eine Zeitlang meine Ruhe haben.<br \/>\nMein Freund jedenfalls meldete sich v\u00f6llig aufgel\u00f6st und verzweifelt ein paar Tage sp\u00e4ter, telefonisch. Er bat um ein Treffen. Die Ungewissheit mache ihn fertig, er k\u00f6nne kaum noch schlafen, er m\u00f6chte wissen, woran er sei, wer ich sei, er wisse gar nichts mehr.<\/p>\n<p>Gut, soll sein, ich sagte zu. Wir vereinbarten als Treffpunkt der Einfachheit halber das Pub neben seinem B\u00fcro, wo ich vor dem allerersten Zusammentreffen schon auf ihn gewartet hatte. Er war bereits dort, als ich ankam, hatte anscheinend schon etwas getrunken, ein fast leeres Cocktailglas stand vor ihm, obwohl ich p\u00fcnktlich war.<br \/>\nEr sah schrecklich aus, Ringe unter den Augen, fahle Haut, er gr\u00e4mte sich offensichtlich seit Tagen und N\u00e4chten.<br \/>\nEr stand auf, als er mich hereinkommen sah und entschuldigte sich beinahe sofort: \u201eDu hast recht gehabt. Ich habe tats\u00e4chlich kurz \u00fcberlegt, ob dir das gefallen w\u00fcrde. Und ob es mir gefallen w\u00fcrde. Es tut mir leid.\u201c Das entwaffnete mich sofort, und ich hatte Mitgef\u00fchl mit ihm, er war da in eine widerliche Situation geraten, und das nur wegen meiner promiskuitiven Anwandlungen. (Denn, um ehrlich zu sein, auch wenn wir, er und ich, noch keinen Sex gehabt hatten: Unbedingt gewollt hatte ich es, ich war also eindeutig bereit gewesen, zweigleisig zu fahren.)<br \/>\nIch \u00e4u\u00dferte Verst\u00e4ndnis, sagte ihm aber auch, dass mich diese Sichtweise sehr gekr\u00e4nkt hatte, diese Vereinbarung unter M\u00e4nnern \u00fcber meinen Kopf hinweg, wenn auch von seiner Seite stillschweigend. Viel mehr Wut hatte ich klarerweise auf seinen Nachbarn, meinen mittlerweile Ex-Sexpartner, von dem hatte ich wirklich genug. Und das sagte ich meinem Freund auch unverbl\u00fcmt, was ihn zu freuen schien, ein bisschen zumindest. Er gestand mir, dass sie beide tats\u00e4chlich noch ger\u00e4tselt hatten, was ich mit meinem letzten Satz gemeint haben k\u00f6nnte, bevor der Nachbar sich wieder zu seiner Familie verdr\u00fcckt hatte.<br \/>\nSie hatten nat\u00fcrlich beide gewusst, dass ich ein Studium an der Akademie der Sch\u00f6nen K\u00fcnste abgeschlossen hatte, jetzt Freelancerin war, meine Zeit sehr frei einteilen konnte, manchmal reiste und von meiner Profession gut leben konnte: irgendetwas K\u00fcnstlerisches, Kreatives. (Bei mir zu Hause fanden sich Werke aus meiner Studienzeit, vermutlich hatten sie den Schluss gezogen, dass sich auch mein Arbeitsleben so gestaltete und finanzierte, durch darstellende Kunst.) Ich war aber in der Beschreibung dessen, was mir derzeit mein Leben tats\u00e4chlich so ausgezeichnet finanzierte, bewusst immer vage geblieben, ich f\u00fcrchtete mich vor den Filmen, die daraufhin in den K\u00f6pfen unweigerlich zu laufen beginnen w\u00fcrden. Aber nun ging es nicht mehr anders, das sah ich ein, die Karten sollten auf den Tisch.<br \/>\nAls ich gerade begonnen hatte mit meiner etwas verworrenen Erkl\u00e4rung, kam der Kellner, der uns schon die ganze Zeit w\u00e4hrend der Zubereitung unserer Bestellungen unter Beobachtung gehabt hatte, und unterbrach durch sein Erscheinen meine Worte. Er stellte die Drinks auf das Tischchen, und mein Freund lief in der Zwischenzeit rot an. Er war kurz vor der Explosion. Es muss ihn viel \u00dcberwindung gekostet haben, noch zu warten, bis der Kellner unseren Tisch wieder verlassen hatte.<\/p>\n<p>\u201eDu verdienst dein Geld mit\u2026 mit\u2026 Pornos???!!!!???\u201c, rief er schlie\u00dflich aus. Er konnte sich nicht mehr beherrschen, es war ihm egal, ob der Angestellte ihn h\u00f6rte oder nicht. Dem fielen gerade die Augen aus dem Kopf und der Mund stand ihm offen. Ich war so damit besch\u00e4ftigt, die Reaktionen der beiden zu beobachten, dass ich ganz verga\u00df, dass ich ja unterbrochen worden war und da vielleicht noch eine winzige Erg\u00e4nzung angebracht w\u00e4re.<br \/>\nEr hatte offensichtlich die erste H\u00e4lfte meines Satzes geh\u00f6rt, dann hatte sein Gehirn ausgesetzt.<br \/>\n\u201eJa, ich arbeite f\u00fcr die Pornoindustrie. Als freie Schriftstellerin. Ich schreibe Pornos f\u00fcr Frauen. Die haben gerne eine gute Story mit viel Sex, anspruchsvollere Dialoge, exotische Settings auf der ganzen Welt, und ich verfasse die Drehb\u00fccher dazu. Das sind aufw\u00e4ndige Produktionen, nat\u00fcrlich mit kompletter Filmcrew. Und die Producer sind Vollprofis, die mich engagieren, wenn sie eine Idee haben, da gibt es jede Menge Meetings, Vorbesprechungen. Und die bezahlen gut. Manchmal fliege ich vor einem neuen Projekt sogar zu den Schaupl\u00e4tzen, um mir ein Bild zu machen, damit ich auch wei\u00df, wovon ich schreibe.\u201c<\/p>\n<p>Manchmal ist es doch gut, keine voreiligen Schl\u00fcsse zu ziehen. Das gilt f\u00fcr ihn, meinen Freund, und auch f\u00fcr mich, die mit der Klarstellung meinen Brotberuf betreffend so lange hinter dem Berg gehalten hatte. Ich hatte mich vor der Reaktion gef\u00fcrchtet, aber so, nach dieser Vorgeschichte, machte sich einfach nur Erleichterung breit, bei beiden.<br \/>\nDer Kellner sieht mich zwar bis heute an, als ob ich das achte Weltwunder w\u00e4re, wenn wir hie und da einen Beislbesuch dort machen, aber mein Freund und ich haben unseren Spa\u00df dabei, ihn im Ungewissen zu lassen.<\/p>\n<p>Ach ja, und Sex haben wir inzwischen auch miteinander. Mein Freund und ich. Nicht der Kellner und ich. Oder mein Freund, der Kellner und ich.<br \/>\nWenn ich mir das so \u00fcberlege &#8211; das w\u00e4re aber zumindest ein guter Titel f\u00fcr ein neues Filmdrehbuch: \u201eMein Freund, der Kellner und ich\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Tina Fanta<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=430\">\u00fc18<\/a> | Inventarnummer: 16003<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich wei\u00df nicht, was sie nach diesen Worten \u00fcber mich gedacht, was sie anschlie\u00dfend \u00fcber mich geredet haben. Vielleicht vermuteten sie auch, ich sei eine Edelprostituierte. Ich wollte mich nicht erkl\u00e4ren, wollte mich nicht melden, einfach eine Zeitlang meine Ruhe haben. Mein Freund jedenfalls meldete sich v\u00f6llig aufgel\u00f6st und verzweifelt ein paar Tage sp\u00e4ter, telefonisch. 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