{"id":3794,"date":"2015-12-02T15:42:55","date_gmt":"2015-12-02T15:42:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=3794"},"modified":"2015-12-28T16:25:33","modified_gmt":"2015-12-28T16:25:33","slug":"kenntnisse-einer-ehebrecherin-teil-4","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=3794","title":{"rendered":"Kenntnisse einer Ehebrecherin Teil 4"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts3794&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts3794&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Ach, Isabella, du skrupelloses Wesen. Wie kannst du nur denken, ich w\u00fcrde einen Mann kennenlernen wollen, der eine feste Beziehung sucht, und von Anfang an planen, ihn zu betr\u00fcgen. Vors\u00e4tzlich, bewusst und ohne jegliche Moral. Einfach nur, um ausstehende oder unterversorgte Bed\u00fcrfnisse zu befriedigen, einen Unschuldigen hintergehen, bel\u00fcgen, dem\u00fctigen.<br \/>\nIsabella, du t\u00e4uschst dich in mir. So bin ich nicht. Ich werde diesen anderen Mann, deinen Nachbarn, kennenlernen, so weit folge ich deinem Plan. Aber dann werde ich deinen Ehemann abservieren, sobald ich wei\u00df, ob mir der Unbekannte gef\u00e4llt, und du kannst selbst zusehen, wie du dir wieder eine ungef\u00e4hrliche Geliebte f\u00fcr deinen G\u00f6ttergatten heranziehst, damit du deine Ruhe hast und gleichzeitig sein Appetit gestillt wird. Ich verstehe dich ja, du willst verheiratet bleiben, nicht nur wegen der Kinder, und du willst nicht tagt\u00e4glich Sex mit ihm haben. Gut, den letzten Punkt kann ich eigentlich nur halb nachvollziehen. DAS kann er von mir haben. Oder konnte, wenn mir der andere gut gef\u00e4llt. Jetzt geht es nur noch um Ehrlichkeit. Dein Mann hat mir nie etwas B\u00f6ses gewollt, er hat direkte, offene Worte verdient. Und sogar, als er mit der Dritten zu turteln (und mehr) begonnen hat, hat er mich eingeladen, mir ein Bild von der Neuen zu machen. Ich bin es ihm also schuldig, reinen Tisch zu machen. Aber zuerst muss ich mir den von dir gepriesenen Single-Mann ansehen, den du, durchtriebene Isabella, mir zus\u00e4tzlich zugedacht hast. Ich gebe doch nicht f\u00fcnfmal besten Sex die Woche auf, f\u00fcr nichts und wieder nichts. Ich bin zwar nicht die Unmoralischste aller Frauen, aber dumm bin ich auch nicht.<\/p>\n<p>Zwei Tage sp\u00e4ter. Ich habe mir das gut \u00fcberlegt, so gut es eben m\u00f6glich ist, in meiner Situation. Um keinen Verdacht zu erregen, habe ich mit Isabellas Mann wie gewohnt mein Sch\u00e4ferst\u00fcndchen genossen. Er muss jetzt heim zur Familie, und ich muss jetzt die Weichen stellen f\u00fcr mein zuk\u00fcnftiges Leben. Ich werde mich aus dem alten verabschieden, ich werde nicht mehr lange in den Armen eines Mannes st\u00f6hnen, der mich nicht liebt. Ich werde mit diesem oder (falls es nicht klappt) einem anderen Mann eine ganz normale Beziehung f\u00fchren, der Sex wird grandios sein, weil Liebe im Spiel sein wird, z\u00e4rtliche Hingabe, Seelenverbundenheit und was wei\u00df ich noch alles. Hatte ich ja noch nie. Aber jetzt: Die Spiele m\u00f6gen beginnen.<\/p>\n<p>Ich habe mich so gekleidet, wie es die meisten gebildeten M\u00e4nner m\u00f6gen. Nicht zu aufdringlich, aber die Erotik kommt auch nicht zu kurz. Nichts Schreiendes, daf\u00fcr Andeutungen, Vorfreuden auf vielleicht M\u00f6gliches. Dann warte ich auf Isabellas Nachricht. Sie will ihn anrufen und fragen, wie lange er heute noch arbeiten wird, ihn also unter einem Vorwand aus dem B\u00fcrogeb\u00e4ude herauslocken, damit ich nicht ewig in der Bar nebenan warten muss. Sehr r\u00fccksichtsvoll von ihr. Schlie\u00dflich sind sie Nachbarn und er wird sich nichts dabei denken. Sie meint dann, er solle besser schnell nach Hause kommen, eine Erw\u00e4hnung von Ger\u00e4uschen aus seiner Garage oder \u00c4hnliches wird es wohl tun, dass er gleich im B\u00fcro zusammenpackt und sich rasch auf den Weg nach Hause macht. Und ich sause nach Isabellas Verst\u00e4ndigung aus der Bar nebenan und kreuze seinen Weg, der Rest wird sich schon ergeben. Auf mein gutes Aussehen war immer noch Verlass, und ich gelte als Improvisationstalent. Wir werden sehen.<\/p>\n<p>Ich nippe nerv\u00f6s an einem Longdrink mit Gr\u00fcnzeug. Isabellas Nachricht ist eingetroffen, ich zahle sofort nach Erhalt. Der Kellner sieht mich fragend an. Ich sch\u00fcttle den Kopf. Nonverbal reicht oft v\u00f6llig.<br \/>\nDann ziehe ich langsam meinen Mantel an, den ich absichtlich gleich neben mir auf dem Hocker abgelegt habe, lasse ihn offen, behalte durch die gro\u00dfen Fenster das Haus nebenan im Auge. Da sollte er jetzt auftauchen. Und schon schwingt wie geplant diese gebannt beobachtete T\u00fcre auf, heraus tritt ein gro\u00dfer, dunkelhaariger Mann im Business-Outfit, eine lederne Laptoptasche unter den Arm geklemmt, einen Autoschl\u00fcsselbund in der anderen Hand haltend, und ich st\u00fcrme mit einem Sprintstart aus der Bar hinaus ins Licht der Stra\u00dfenlaterne.<br \/>\nWeil mir nichts Besseres einf\u00e4llt, gebe ich die Verwirrte. Wie passend. Ich bleibe abrupt vor ihm stehen und sehe ihn verbl\u00fcfft an. Er sieht sehr gut aus, erinnert mich an einen Schauspieler. Und seine Stimme ist sehr tief, warm und klingt fragend. Warum fragend? Ja, weil er etwas von mir wissen m\u00f6chte, aber ich stehe v\u00f6llig neben mir. Ich murmle etwas Entschuldigendes, er scheint sich Sorgen zu machen, denn diese F\u00fcrsorglichkeit in der Stimme, die fehlte vorhin noch. Vielleicht sollte ich mich besser auf den Inhalt des Gesagten konzentrieren. Jawohl. Konzentration.<\/p>\n<p>Ist aber schwierig, denn ich bemerke, wie meine Beine mir den Dienst versagen. Ich schwanke bereits gef\u00e4hrlich auf meinen nicht zu hohen Abs\u00e4tzen, als er mir seinen freien Arm anbietet, den mit der schl\u00fcsselhaltenden Hand, denn die Laptoptasche unter dem anderen sollte wohl besser nicht zu Fall kommen. Ich aber auch nicht, und darum bem\u00fcht er sich sehr, mich zu st\u00fctzen, auch ohne seine hilfreiche, aber anderweitig besetzte Hand zu benutzen. Haben Sie schon einmal versucht, jemanden, der gerade einen Kreislaufkollaps erleidet, mit einem Arm zu st\u00fctzen, dessen dazugeh\u00f6rige und dringend ben\u00f6tigte Hand durch einen Schl\u00fcsselbund gehandicapt ist? Eben.<\/p>\n<p>Wir gehen beide zu Boden, ich zuerst, er f\u00e4llt auf mich drauf. Seine teure Laptoptasche fliegt in elegantem Bogen in eine Pf\u00fctze. Die Schl\u00fcsselfaust landet beinahe auf meinem Kopf. Der Mann liegt auf mir, in seiner ganzen Pracht und Herrlichkeit. Und bei mir lichten sich die Nebel wieder, sodass ich diese besondere Situation endlich wahrnehmen kann. Er erhebt sich, zuerst ein Knie vorsichtig auf den Asphalt gesetzt, dann ganz edler Ritter, mein Befinden erkundend. So kniet dieser wundervolle Mann vor mir und ich liege ihm zu F\u00fc\u00dfen. Kann es einen besseren Start in eine romantische Beziehung geben?<\/p>\n<p>Wohl kaum. Ich hatte ihm versprochen, da er wirklich dringend nach Hause musste (irgendetwas sei mit seiner Garage nicht in Ordnung), ein andermal mit ihm zusammen auf einen Drink in die Bar zu gehen, ich m\u00fcsse ihm genau erz\u00e4hlen, wie ich hierhin geraten sei. Und so nahmen die Dinge ihren Lauf, er meine Handynummer und in der Folge diese neue, ersehnt umfassende, hoffnungsvolle Beziehung ihren Anfang.<\/p>\n<p>Drei Tage sp\u00e4ter der ersehnte Anruf, heute ginge es sich endlich aus, er k\u00f6nne einmal etwas fr\u00fcher als sonst Schluss machen in der Arbeit (das Los der F\u00fchrungskr\u00e4fte, niemals vor 20 Uhr nach Hause\u2026) und w\u00fcrde sich sehr freuen, mich in der Bar zu treffen.<\/p>\n<p>Ich war etwas fr\u00fcher dort als er, derselbe Kellner hatte Dienst. Er setzte wieder sein Fragegesicht auf, und ich nickte Richtung Karte, in die ich mich vertiefte, um nicht mit ihm reden zu m\u00fcssen. Auf die T\u00fcr, herein der Mann! Er war schon wieder meine Rettung, diesmal vor der Neugierde des Servierpersonals.<br \/>\nDer Abend verlief freundlich, angenehm, ich war angetan von seiner zuvorkommenden Art und seinem Charme. Falls Isabellas Mann so etwas draufhatte, hatte er es gut versteckt. Der war eher der direkte Typ. Das konnte man meiner neuen Bekanntschaft wiederum kaum nachsagen. Er bem\u00fchte sich sehr, auch bei den folgenden Treffen, nicht den Eindruck entstehen zu lassen, er wolle mir an die W\u00e4sche oder sonst wohin. Er wollte mir wohl das Gef\u00fchl geben, mich als Person zu sch\u00e4tzen und nicht nur als die attraktive Frau, die ich nun einmal auch war.<\/p>\n<p>Nun ja, irgendwie ist es mir etwas peinlich, aber da meine neue Bekanntschaft zwar aufmerksam und als vollendeter Gentleman, aber ansonsten wenig offensiv Richtung k\u00f6rperliche Begegnung auftrat, konnte ich mich auch nach den weiteren, \u00e4hnlich verlaufenden Treffen nicht aufraffen, Isabellas Mann abzuservieren oder ihm auch nur anzudeuten, dass da etwas anderes im Entstehen sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Es war mir bedeutend lieber, ein Treffen mit dem neuen Traumprinzen ges\u00e4ttigt und entspannt zu absolvieren (da eine gute Stunde davor hochbefriedigt von Isabellas fremdgehendem Ehegespons), als danach zu lechzen, wann er denn endlich seine starke Hand gen meine Oberschenkel bewegen wollte (\u00fcberfl\u00fcssig zu erw\u00e4hnen: Er wollte bisher nicht).<\/p>\n<p>So konnte das noch ein Weilchen weitergehen, wenn es nach mir ging. Auch kannte ich die Gepflogenheiten bei Anbahnung \u201eernsthafter\u201c Beziehungen nicht wirklich, vielleicht geh\u00f6rte das wochenlange Beschnuppern einfach dazu? Bei mir war das immer irgendwie anders gelaufen: zuerst gemeinsam ins Bett, auf die R\u00fcckbank, auf den Teppichboden oder sonst wohin, dann sehen wir weiter.<br \/>\nAu\u00dferdem forderte mich zur gleichen Zeit mein Langzeitgeliebter wie nie, er konnte gar nicht genug von mir bekommen, und so hatte ich nicht wirklich das Gef\u00fchl, etwas zu vermissen, mit meinem anscheinend eher sexscheuen Traumpartner in spe.<\/p>\n<p>Auf anderer Linie entwickelte sich unsere Beziehung pr\u00e4chtig. Wir gingen gemeinsam ins Kino, mochten die gleichen Filme, wir gingen schick essen und bevorzugten \u00e4hnliche Speisen, wir sch\u00e4tzten die selben Autoren und verfluchten die gleichen Parteien. Wir hatten \u00e4hnliche Interessen, Kunst, Reisen, Geldverdienen, bis auf das Sexuelle nat\u00fcrlich, dazu konnte ich nichts sagen. Noch nicht.<\/p>\n<p>Langsam begann ich mich zu fragen, wie lange das noch so weitergehen sollte, zwei Monate waren ins Land gezogen, es ging mittlerweile auf Weihnachten zu, und noch immer keine Bescherung in Sicht.<br \/>\nSchlie\u00dflich kamen die Feiertage heran, und mein eifriger Gespiele warnte mich vor: Sexreduktion aufgrund der famili\u00e4ren Verpflichtungen, Feiertage waren immer Mangeltage in dieser Hinsicht, als Geliebte eines Verheirateten eine \u00e4rgerliche Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Aber damit war jetzt Schluss. Schlie\u00dflich hatte ich einen Freund. Und der musste jetzt seinen Mann stehen, ich war zu allem bereit.<\/p>\n<p>Warf mich in ein sexy Weihnachtsmannkost\u00fcm mit Strapsen, h\u00fcllte mich nur notd\u00fcrftig in meinen Mantel und l\u00e4utete am dritten Weihnachtsfeiertag an seiner Haust\u00fcre. Ausgehungert, da beinahe t\u00e4gliche S\u00e4ttigung ge- und nun seit ein paar Tagen entw\u00f6hnt, wollte ich es wissen.<br \/>\nIch schoss alle Bedenken in den Wind, die mich die Wochen davor zu gro\u00dfer Zur\u00fcckhaltung bewogen hatten. Ich hatte meinen Freund bisher nur selten zu Hause besucht, und das sollte auch so bleiben, so lange ich mit meinem direkt neben ihm wohnenden Liebhaber noch nichts gekl\u00e4rt hatte. Eine \u201eEntdeckung\u201c der sich anbahnenden ernsthaften Beziehung wollte ich nat\u00fcrlich nicht riskieren. Obwohl ich gerade ihm, dem permanent Fremdgehenden, keinesfalls Rechenschaft schuldig war, das verstand sich von selbst.<\/p>\n<p>Mein Freund machte mir die T\u00fcr auf, immerhin hatte ich mich telefonisch angek\u00fcndigt und er sich gefreut.<br \/>\nAls er mir galant aus dem Mantel half, fielen ihm beinahe die sch\u00f6nen blauen Augen aus seinem edlen Kopf. Er sah auf meine Beine, die hohen Schuhe, in mein Dekollet\u00e9, seitlich auf meinen Hintern, dann auf meinen rotgeschminkten Mund, meine schwarzbestrumpften Schenkel und hatte den Mund offenstehen. Das nutzte ich gleich, um ihm einen Zungenkuss angedeihen zu lassen, der saftiger nicht h\u00e4tte sein k\u00f6nnen. Unser erster \u00fcbrigens, kaum zu glauben. Mir gefiel das gut, ich machte munter weiter, er wich dabei zur\u00fcck. Na warte, du entkommst mir nicht! Ich bekam ihn am Hosenbund zu fassen. Ich neckte ihn, rieb mich an ihm, dr\u00e4ngte die meinen zwischen seine kr\u00e4ftigen Oberschenkel. Ich sp\u00fcrte etwas Hartes, sehr weit rechts, unerwartet. Es war eine Fernbedienung, schnell in die Hosentasche gesteckt, als er mich an der T\u00fcre geh\u00f6rt hatte.<\/p>\n<p>Was soll ich noch erz\u00e4hlen? Am besten alles, jetzt bin ich schon dabei.<\/p>\n<p>Es ist nicht sch\u00f6n, was jetzt kommt. Und ich bin nicht stolz darauf. Ich wurde sanft zur Seite geschoben, bei den Schultern festgehalten wie ein kleines M\u00e4dchen, und er redete beruhigend auf mich ein: nicht alles zerst\u00f6ren, was wir uns aufgebaut haben, nicht immer nur das Fleischliche uns lenken lassen, sch\u00f6ne Verbindung, gedankliche Harmonie, Gleichklang der Seelen. Blablabla. Ich wurde w\u00fctend: \u201eSag doch gleich, dass du keinen hochbekommst!\u201c<\/p>\n<p>Er war getroffen, widersprach aber nicht. Ich kam in Fahrt, deutete Richtung Nachbarhaus: \u201eDein Nachbar, das ist ein Kerl! Der v\u00f6gelt seine Frau jeden Sonntag, seine Freundin immer samstags und seine Geliebte die restlichen Tage der Woche, manchmal auch zwei-, dreimal hintereinander, und das seit Jahren!\u201c<\/p>\n<p>Ach ja, eine Frau, die keinen Sex bekommt, ist nicht zu untersch\u00e4tzen. Sie kann jetzt nicht mehr aufh\u00f6ren. Es wird immer schlimmer: \u201eUnd wei\u00dft du, wer diese Geliebte ist? Dreimal darfst du raten!\u201c<\/p>\n<p>Er sah mich an, lange und unbewegt. Ich nickte nur. Er drehte sich um und ging ins Wohnzimmer zur\u00fcck, holte sein iPhone und tippte darauf herum. Er schaute mich an und hielt es ans Ohr, dann n\u00e4her an seinen Mund: \u201eAh, hallo, gut, dass ich dich erwische, tut mir leid, am Feiertag, aber es ist wichtig, kannst du kurz zu mir her\u00fcberkommen? Ich brauche dich schnell, da geh\u00f6rt etwas gekl\u00e4rt.\u201c<\/p>\n<p>Keine drei Minuten sp\u00e4ter war Isabellas Ehemann da. (Er sagte mir sp\u00e4ter, er h\u00e4tte mich in der Auffahrt schon zuvor gesehen gehabt, bei meiner Ankunft bei seinem Nachbarn, durch sein Vorzimmerfenster.)<br \/>\nEr sah mich an, als wollte er mich gleich aufessen, auf der Stelle, mitsamt der sch\u00f6nen Weihnachtsmannverzierung. (Vermutlich war auch er auf Entzug, viel zu brav bei seinen Familienangelegenheiten, und mehr als einmal Sex pro Woche lie\u00df sich seine Frau auch dann nicht abtrotzen.) Schlie\u00dflich blickten sich die beiden M\u00e4nner wortlos an, mein zur\u00fcckhaltender, wenn nicht lustloser Freund brach das Schweigen: \u201eAlso, wenn das stimmt, was sie (er warf mir einen kurzen Blick zu, als er das sagte) behauptet, das muss ich deiner Frau sagen. Wir sind befreundet, das bin ich ihr schuldig.\u201c<\/p>\n<p>Wie wir beide da lachten, mein Liebhaber und ich! Schlie\u00dflich beruhigten wir uns und kl\u00e4rten meinen Freund auf, den armen Toren. Dann war ich an der Reihe mit meinem Folge-Gest\u00e4ndnis: Isabellas Plan kam zur Sprache, ihr Mann schien kaum schockiert, nur etwas nachdenklicher als zuvor; aber mein Freund, f\u00fcr den st\u00fcrzte eine Welt ein in diesem Moment.<br \/>\n\u201eKein Grund f\u00fcr Dramatisierungen\u201c, meinte der Nachbar. \u201eUnd wozu das sch\u00f6ne Kost\u00fcm verschwenden?\u201c Gl\u00fchend blickte er mich an. Dann, an seinen Rivalen, der eigentlich keiner war, gewandt: \u201eIch zeige dir, wie sie es gerne mag. Sieh es als nachbarschaftlichen Freundschaftsdienst. Dann muss ich ohnehin wieder hin\u00fcber, wir bekommen gleich Besuch von meiner Schwiegermutter. Und du kannst dann in Ruhe weitermachen.\u201c<\/p>\n<p>Ich war entsetzt, was er sich herausnahm, und im ersten Moment sprachlos. F\u00fcr meinen Freund musste das ein furchtbarer Affront sein. Doch wie erstaunt war ich, als ich seinen sich rasch ver\u00e4ndernden Gesichtsausdruck beobachtete: Erwartbare Wut erkannte ich zuerst, den Impuls, dem unversch\u00e4mten Nachbarn eine zu verpassen, damit der sein vorlautes Maul hielt. Aber dann, ein Zweifel, eine Spur von Aufhellung, und so sehr mich das \u00fcberraschte: Anscheinend war er im Begriff, sich das mit diesem \u201eAngebot\u201c ernsthaft zu \u00fcberlegen. Ich schaute meinem Freund direkt in die Augen, er wich meinem Blick aus:<br \/>\nScheinbar war Isabella wieder einmal auf dem besten Weg, ihren Willen zu bekommen.<\/p>\n<p>Doch da regte sich etwas in mir, Widerstand, ein Gef\u00fchl, es diesmal nicht geschehen lassen zu k\u00f6nnen; wer war ich denn, mir von dieser Frau meine intimsten Entscheidungen abnehmen zu lassen? Die beiden M\u00e4nner, bei denen schien ihr das ganz gut zu gelingen, sie plante und lenkte, und alle tanzten nach ihrer Pfeife. Die beiden sollten ruhig weitertr\u00e4umen. Nein, lieber doch nicht. Damit war jetzt Schluss: Klare Worte waren angesagt.<\/p>\n<p>\u201eIhr habt es wohl nicht ganz, ihr zwei!\u201c, fuhr ich die beiden M\u00e4nner an. Mein Freund protestierte, spielte das Unschuldslamm, schlie\u00dflich sei der unm\u00f6gliche Vorschlag ja von seinem perversen Nachbarn gekommen und nicht von ihm. Ich unterbrach ihn sofort: \u201eVergiss es! Ich wei\u00df genau, dass du es in Erw\u00e4gung gezogen hast!\u201c Und an den Nachbarn gewandt: \u201eUnd du zisch ab zu deiner Frau, was soll denn das??? Ich bin doch nicht dein Spielzeug!\u201c<br \/>\nIch kam in Fahrt, pl\u00f6tzlich standen mir da Parallelen zu meiner Arbeit vor Augen, und wie sehr ich dabei stets darauf bedacht war, den Klischees zu entkommen: \u201eUnd au\u00dferdem, ihr zwei Helden, was glaubt ihr eigentlich, womit ich mein Geld verdiene? Ihr habt mich nie genau danach gefragt. Dreimal d\u00fcrft ihr raten\u2026\u201c<\/p>\n<p>Ich war so in Rage, dass ich keine Antwort abwartete; sie waren ohnehin so baff, dass da noch ein Weilchen nichts gekommen w\u00e4re.<br \/>\nDann drehte ich mich um, zerrte meinen Mantel vom Garderobenhaken und st\u00fcrmte hinaus. Was glaubten die eigentlich? Und Isabella, der w\u00fcrde ich auch bald einmal meine Meinung sagen m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Tina Fanta<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=430\">\u00fc18<\/a> | Inventarnummer: 15137<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ach, Isabella, du skrupelloses Wesen. Wie kannst du nur denken, ich w\u00fcrde einen Mann kennenlernen wollen, der eine feste Beziehung sucht, und von Anfang an planen, ihn zu betr\u00fcgen. Vors\u00e4tzlich, bewusst und ohne jegliche Moral. Einfach nur, um ausstehende oder unterversorgte Bed\u00fcrfnisse zu befriedigen, einen Unschuldigen hintergehen, bel\u00fcgen, dem\u00fctigen. Isabella, du t\u00e4uschst dich in mir. 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