{"id":3719,"date":"2015-11-22T16:18:26","date_gmt":"2015-11-22T16:18:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=3719"},"modified":"2015-12-14T16:01:02","modified_gmt":"2015-12-14T16:01:02","slug":"spark","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=3719","title":{"rendered":"Spark"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts3719&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts3719&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p><em>(inspired by TWD)<\/em><\/p>\n<p>\u201eHey. Wie sieht&#8217;s aus?\u201c Maggie stand in der T\u00fcr des Wachturms. Aleks stand mit dem R\u00fccken zu ihr und beobachtete den Zaun und das Gel\u00e4nde dahinter in \u00f6stlicher Richtung. \u201eMhm. Es werden wieder mehr. Wir m\u00fcssen uns auf einen Schub gefasst machen.\u201c Aleks drehte sich um und nahm ihr Gewehr. Dann l\u00e4chelte sie Maggie kurz an.<br \/>\n\u201eIch gehe runter und helfe am Zaun weiter.\u201c Maggie stellte sich Aleks in den Weg und verschr\u00e4nkte die Arme. Aleks blieb \u00fcberrascht stehen. \u201eWas soll das?\u201c, fragte sie verst\u00e4ndnislos. \u201eAleksandra, du musst mal wieder schlafen. Du bist seit 24 Stunden wach. Geh essen und schlaf dich aus!\u201c, sagte Maggie ruhig und sah Aleks in die Augen.<\/p>\n<p>Aleks sah wieder hinaus zum Zaun und seufzte. Maggie war ein paar Jahre j\u00fcnger als sie, und mittlerweile wie eine kleine Schwester. Aleks hatte sich der Gruppe angeschlossen, kurz bevor sie das Gef\u00e4ngnis entdeckten. Gemeinsam konnten sie es von den Bei\u00dfern befreien und hatten sich hier niedergelassen. Seit \u00fcber einem Jahr waren sie bereits hier. Die zweifache Absperrung mit den Gitterz\u00e4unen bot ihnen guten Schutz.<br \/>\nInnerhalb der Gruppe hatte jeder einen Aufgabenbereich. Aleks war keine geborene Hausfrau. Sie ging mit den M\u00e4nnern hinaus, um Lebensmittel und Medikamente aufzutreiben und die Gegend zu erkunden. Oder sie \u00fcbernahm einen der Wachposten innerhalb des Gel\u00e4ndes.<br \/>\nAleks war kr\u00e4ftig und konnte gut schie\u00dfen. Carol hatte ihr beigebracht, noch besser mit dem Jagdmesser umzugehen. Das war unverzichtbar, wenn man im Nahkampf Bei\u00dfer ausschalten musste. Sie war aber nicht gemacht f\u00fcr Babysitting, Kinder- oder Altenbetreuung. Sie hatte sich zwar in die Gemeinschaft eingegliedert, aber ihr sozialer Kontakt mit den anderen war eher zur\u00fcckhaltend. Nach wie vor.<br \/>\nMaggie beobachtete sie. Sie wusste, dass Aleks eine Einzelg\u00e4ngerin war. Kein Mensch gro\u00dfer Worte. Aleks war sich ihrer Aufgaben bewusst und erledigte sie. Ohne zu fragen. Sie war eine St\u00fctze f\u00fcr die Gruppe. Trotz ihrer introvertierten Art wurde sie von allen in der Gruppe gesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>Aleks musste sich eingestehen, dass Maggie Recht hatte. Sie war vorhin im Stehen kurz eingenickt. Das durfte nicht wieder passieren. Sie schloss kurz die Augen und nickte dann. \u201eIn Ordnung. Aber am Zaun sage ich noch Bescheid. OK?\u201c, sagte sie ergeben und schulterte ihr Gewehr.<br \/>\nMaggie l\u00e4chelte und machte den Weg frei. \u201eGutes M\u00e4dchen\u201c, grinste sie. \u201eSoll ich Glenn dann raufschicken?\u201c, fragte Aleks grinsend und hob erwartungsvoll die Augenbrauen. \u201eMach, dass du weiterkommst\u201c, rief Maggie lachend und klopfte ihr im Vorbeigehen auf die Schulter.<br \/>\nAleks hob zum Gru\u00df kurz die Hand und ging langsam die Stufen des Wachturms hinunter. Die Treppe im Inneren des Turms war nur schwach beleuchtet. Unten angekommen streckte sie sich kurz. Es war Herbst, aber die Sonne war noch stark.<br \/>\nDann marschierte sie z\u00fcgig zum \u00f6stlichen Teil des Zauns, den sie vorhin beobachtet hatte. Dort waren Sasha, Glenn und Carl seit einiger Zeit dabei, die Bei\u00dfer, die gegen den Zaun dr\u00fcckten, mit Hilfe von Eisenstangen zu erledigen.<\/p>\n<p>\u201eHallo Leute. Es kommt wieder ein Schub. Ich habe von oben ein paar gr\u00f6\u00dfere Gruppen gesehen, die auf dem Weg hierher sind\u201c, erkl\u00e4rte sie den anderen, als sie bei ihnen angekommen war. Gleichzeitig stellte sie ihr Gewehr ab und nahm ebenfalls eine Eisenstange, um ihnen zu helfen. F\u00fcr einen Augenblick z\u00f6gerte sie und dachte an die Vereinbarung mit Maggie, abzuschalten und auszuschlafen. Aber ihre Hilfe wurde gebraucht. Also half sie.<br \/>\nCarl trat einen Schritt zur\u00fcck und wischte sich den Schwei\u00df von der Stirn. \u201eDas ist uns auch schon aufgefallen, danke f\u00fcr die Info\u201c, sagte er mit einem sarkastischen Unterton und betrachtete den Zaun. Aleks registrierte den Tonfall, nahm es aber nicht pers\u00f6nlich. Er war ein Teenager in einer Welt, in der er viel zu schnell erwachsen werden musste. Sie warf ihm einen gelangweilten Blick zu und stach weiter durch den Zaun auf die Bei\u00dfer ein.<br \/>\n\u201eWenn noch mehr kommen, wird der Zaun nicht mehr lange halten. Wir m\u00fcssen die toten Bei\u00dfer vom Zaun wegbringen und verbrennen\u201c, sagte er laut und hob kurz seinen Sheriff-Hut, um sich die Haare zur\u00fcckzustreifen.<br \/>\nDer Hut war ihm heilig, er hatte ihn von seinem Vater. Rick war der Anf\u00fchrer der Gruppe, und Carl versuchte ihm gerecht zu werden. Aleks&#8216; Vater war auch Polizist, aber ihr Verh\u00e4ltnis war nicht so gut gewesen.<\/p>\n<p>Aleks musterte zuerst Carl, dann den Zaun, der sich schon leicht nach innen bog. \u201eDu hast Recht. Wir m\u00fcssen die Masse woanders hinlotsen, damit wir zu den K\u00f6rpern kommen. Am besten einer von euch holt Verst\u00e4rkung. Sowohl f\u00fcr hier drin als auch f\u00fcr drau\u00dfen\u201c, meinte Aleks und blinzelte kurz, bevor sie wieder zustach.<br \/>\nSasha lie\u00df ihre Stange fallen und ging r\u00fcckw\u00e4rts. \u201eIch geh schon\u201c, sagte sie leise und drehte sich um, um zum Gef\u00e4ngnis zu laufen. \u201eWo ist Maggie?\u201c, fragte Glenn und machte ebenfalls kurz eine Pause. \u201eSie hat mich im Wachturm abgel\u00f6st\u201c, antwortete Aleks. \u201eKommt, wir k\u00f6nnen ja schon anfangen, sie in die andere Richtung zu treiben\u201c, meinte sie und ging ein paar Schritte weiter den Zaun entlang, bevor sie wieder einem Bei\u00dfer die Eisenstange durch den Kopf stie\u00df.<br \/>\n\u201eAlles klar\u201c, sagte Carl und tat es ihr gemeinsam mit Glenn gleich. Die Masse auf der anderen Seite des Zauns tat vorhersehbar genau das, was die drei wollten: Sie folgte ihnen. Zwischenzeitlich h\u00f6rten sie von hinten Gespr\u00e4chsfetzen und das innere Tor, das verschlossen wurde.<\/p>\n<p>Die drei warteten darauf, dass Carol, Hershel, Beth, Michonne, Daryl und Rick zu ihnen stie\u00dfen. Rick und Daryl betrachteten den Zaun und sahen sich um. \u201eWir sind schon etwas vom Hauptanlaufpunkt weggegangen, damit man von der anderen Seite besser dazukommt\u201c, erkl\u00e4rte Carl und deutete auf den Leichenberg, der mehrere Meter entfernt auf der anderen Seite des Zauns zu sehen war.<br \/>\n\u201eEs kommen noch mehr. Wir m\u00fcssen gleich was tun, das Feuer kann einige abhalten, wenn wir Gl\u00fcck haben\u201c, meinte Aleks und sah abwechselnd zu Rick und Daryl. Daryl war Ricks rechte Hand. Ebenfalls ein ruhiger Typ, ein \u00dcberlebensk\u00fcnstler.<br \/>\nEr hatte etwas an sich, das ihn anziehend machte. Geheimnisvoll, m\u00e4nnlich. Sein Blick war oft pr\u00fcfend, seine blauen Augen stachen aus dem immer leicht dreckigen Gesicht und den schwarzen Haaren hervor. Auch wenn er nicht viel redete, so wie sie selbst, war seine Meinung f\u00fcr Rick und die anderen wichtig. Seine Vorschl\u00e4ge waren ab und an sogar besonnener als jene von Rick.<\/p>\n<p>\u201eDann legen wir gleich los. Carl, du bleibst mit Beth, Hershel, Aleks und Carol hier und lotst die Bei\u00dfer weiter in westlicher Richtung den Zaun entlang. Ihr anderen kommt raus mit mir\u201c, legte Rick fest und nickte der Gruppe zu. \u201eIch kann drau\u00dfen mehr helfen, Rick. Jedes Paar H\u00e4nde mehr macht uns schneller\u201c, schaltete Aleks sich sofort ein. Sie wollte helfen, sie hatte die Kraft und das K\u00f6nnen.<br \/>\nDass Rick sein eigenes Kind nicht mit rausschickte, war klar. Hershel war alt und hatte ein Holzbein, und Beth war nicht sehr kr\u00e4ftig. Allein mit Carol hatte er noch eine wichtige St\u00fctze auf dieser Seite des Zauns.<br \/>\nRick musterte Aleks kurz. Als sie es merkte, stellte sie sich breitbeinig hin und sah ihm ruhig in die Augen. Daryl und Rick wechselten kurze Blicke, und Daryl nickte Rick kurz zu. Daryl wusste so wie Maggie, dass Aleks seit einem Tag auf den Beinen war. Ihre Ersch\u00f6pfung konnte sie k\u00f6rperlich zwar verstecken, aber ihr Blick war m\u00fcde, ihre Augenringe sprachen B\u00e4nde.<br \/>\nIhren Gedankengang schien er aber nachvollziehen zu k\u00f6nnen. \u201eSie hat Recht\u201c, murmelte Daryl und griff nach seinem Jagdmesser. Er hielt es ihr hin, sie nahm es mit einem leisen \u201eDanke\u201c an. \u201eKeine Sch\u00fcsse, sonst sind sie noch schneller da\u201c, kl\u00e4rte Rick die Runde auf. Dann machten sie sich auf den Weg zum \u00e4u\u00dferen Tor. Einzelne Bei\u00dfer verfolgten sie, konnten aber schnell erledigt werden.<\/p>\n<p>Aleks bemerkte, dass Daryl in ihrer N\u00e4he blieb, w\u00e4hrend sie die Bei\u00dfer in eine Grube warfen. Der Plan funktionierte, die Bei\u00dfer, die sie angriffen, blieben in einer \u00fcberschaubaren Menge. Carl und die anderen hatten die gro\u00dfe Gruppe mittlerweile an die dreihundert Meter weit weggelockt und versuchten weiter, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.<br \/>\n\u201eIch brauche &#8230; kein &#8230; Kinderm\u00e4dchen, Daryl\u201c, keuchte sie genervt, w\u00e4hrend sie eine weitere Leiche Richtung Grube zog. \u201eIch seh weder ein Kind, noch bin ich ein M\u00e4dchen\u201c, sagte Daryl trocken, behielt sie aber weiter im Blick. Er sah ihr an, dass sie nicht mehr konnte. Und doch trieb sie sich selbst weiter an, um zu helfen.<br \/>\nIn den letzten Wochen hatte er sich \u00f6fter dabei ertappt, wie er sie beobachtete. Ihre Gespr\u00e4che waren kurz, und doch war es ihm ein Bed\u00fcrfnis, mit ihr zu sprechen. Er fand es angenehm, in ihrer N\u00e4he zu sein. Sie war ihm \u00e4hnlich. Er wusste aber nicht viel \u00fcber sie. Ihr Vater, ein Polizist, hatte sie allein gro\u00dfgezogen. Sie schien einiges erlebt zu haben, denn sie wirkte \u00e4lter, erfahrener als ihrem wirklichem Alter entsprechend.<\/p>\n<p>Michonne pfiff kurz laut. Die Gruppe schreckte hoch und sah zu ihr. Sie deutete auf den Waldrand, wo mehr als ein Dutzend Bei\u00dfer auf dem Weg zu ihnen war. \u201eAufpassen Leute, jetzt wird&#8217;s spannend\u201c, rief sie und ging ihnen entgegen, w\u00e4hrend sie ihr Schwert zog.<br \/>\nAleks schleppte den Bei\u00dfer, den sie gerade trug, zur Grube und war im Begriff, ihn \u00fcber die Kante zu schieben, als sie abrutschte und mit ihm in die Grube fiel. Sie kam unsanft auf dem Boden auf und schrie auf. Ein stechender Schmerz durchzuckte ihr linkes Schulterblatt. Vor ihren geschlossenen Augen schossen Lichtblitze durch das Schwarz.<br \/>\n\u201eAleks?\u201c, rief Daryl. Aleks \u00f6ffnete die Augen und murmelte etwas Unverst\u00e4ndliches. Ihr Schulterblatt brannte. Langsam stand sie auf und sah hoch zur Kante. Michonne hatte sie im Blick, w\u00e4hrend sie die Angriffe abwehrte. \u201eSie steht wieder\u201c, rief sie den anderen zu und k\u00e4mpfte weiter. Aleks st\u00f6hnte und beugte sich nach vor, um ihren R\u00fccken zu entlasten.<br \/>\nDie Schmerzen in der Schulter waren kaum auszuhalten. Es war nicht ihre erste Verletzung an dieser Stelle. Sie versuchte, den Arm zu bewegen, doch sobald sie ihn anhob, schossen die Schmerzen durch ihre Schulter. Sie sah hoch und wusste, dass sie alleine nicht aus der Grube kommen w\u00fcrde. Sie konnte zwar mit den Fingerspitzen die Wiese erreichen, aber sich selbst hochzuziehen w\u00fcrde sie nicht schaffen. \u201eGlenn, sieh nach!\u201c, h\u00f6rte sie Ricks Stimme rufen.<\/p>\n<p>Glenn tauchte an der Kante auf und sah zu ihr hinunter. Ihr schmerzverzerrtes Gesicht verriet ihm, dass sie Hilfe brauchte. Er legte sich hin und hielt ihr eine Hand entgegen. \u201eKomm, ich zieh dich rauf\u201c, rief er. Daryl hielt ihm den R\u00fccken frei, w\u00e4hrend Michonne und Rick auf der anderen Seite der Grube die Angreifer erledigten.<br \/>\nAleks griff nach der Hand und versuchte sich hochzuziehen. Sie schrie auf, als sie versuchte, ihren linken Arm zu belasten. \u201eFuck\u201c, schrie sie w\u00fctend und lie\u00df wieder los. Sie griff sich mit der rechten Hand an die linke Schulter und sah sich mit der letzten Konzentration, die sie noch aufbringen konnte, um.<br \/>\nSie deutete mit dem Kopf in eine der Ecken. \u201eIch versuch&#8217;s dort, ich kann den Arm nicht belasten\u201c, rief sie Glenn zu, w\u00e4hrend sie sich auf den Weg machte. \u201eAlles klar\u201c, antwortete er und lief zur besagten Stelle. \u201eDa, nimm das\u201c, h\u00f6rte sie Daryl rufen, w\u00e4hrend sie \u00fcber die Bei\u00dfer hinweg in die Ecke stolperte. Die Erdw\u00e4nde waren dort nicht so glatt, sie hatte mehr M\u00f6glichkeiten, mit den Beinen zu arbeiten.<\/p>\n<p>Schwei\u00df stand ihr auf der Stirn. Glenn warf ihr Daryls G\u00fcrtel nach unten. \u201eSchnall ihn dir um die Brust und gib mir das G\u00fcrtelende, dann kann ich dich besser raufziehen\u201c, erkl\u00e4rte Glenn und nickte ihr zu. Sie band den G\u00fcrtel um und wollte ihm das Ende entgegenhalten, als sie hinter sich etwas aufschlagen h\u00f6rte.<br \/>\nSie drehte sich um und sah einen Bei\u00dfer, der in die Grube gefallen war und nun auf allen Vieren auf sie zugekrochen kam. \u201eAleks, komm schon!\u201c, rief Glenn nerv\u00f6s. Doch Aleks zog das Jagdmesser und ging auf den Bei\u00dfer zu, um ihm die Klinge in den Kopf zu rammen. Sie musste schnell sein. Nachdem sie ihren linken Arm aufgrund der Schulterschmerzen kaum bewegen konnte, konnte sie sich auch nicht verteidigen.<br \/>\n\u201eWir m\u00fcssen rein, es werden zu viele!\u201c, rief Michonne und ging langsam r\u00fcckw\u00e4rts, w\u00e4hrend sie sich weiter verteidigte. Wieder fielen zwei Bei\u00dfer in die Grube. Aleks atmete tief durch und griff den an, der n\u00e4her war. Sie sp\u00fcrte bereits die H\u00e4nde des anderen auf ihrer Schulter, als er in sich zusammensackte und liegen blieb. Sie drehte sich um und sah, dass ihn Daryl mit einem Pfeil erledigt hatte.<br \/>\nAleks zog den Pfeil aus dem toten Kopf, klemmte ihn am R\u00fccken hinter ihren Hosenbund und stolperte wieder zur\u00fcck zu Glenn. Er griff nach dem G\u00fcrtelende und zog an, w\u00e4hrend Aleks versuchte, sich mit einer Hand weiter hinaufzuhanteln. Der Zug unter ihren Achseln durch den G\u00fcrtel dr\u00fcckte auch auf ihr Schulterblatt. Aleks schrie schmerzerf\u00fcllt auf.<br \/>\nIhre Kraft verlie\u00df sie, und sie rutschte ab. Kurz bevor sie wieder in die Grube zur\u00fcckfiel, tauchte Michonne neben Glenn auf und griff an Aleks&#8216; R\u00fccken nach dem G\u00fcrtel. Zu zweit gelang es Glenn und Michonne schnell, Aleks&#8216; K\u00f6rper \u00fcber die Kante auf die Wiese zu bef\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Aleks st\u00f6hnte und wimmerte leise vor sich hin. Sie bekam nichts mit, konnte nicht klar erkennen, welche Personen Bei\u00dfer oder Menschen waren. Verzweifelt versuchte sie, am Boden kriechend Richtung Tor zu robben. \u201ePass auf, ihr Arm ist verletzt\u201c, rief Glenn, wenig sp\u00e4ter sp\u00fcrte Aleks, wie sie von ihm und Michonne hochgehoben wurde. Sie trugen sie mit schnellen Schritten zur\u00fcck zum Tor.<br \/>\nDumpf h\u00f6rte sie Rick hinter sich. \u201eRein mit euch!\u201c Daryl sicherte den Weg ab. Nachdem Rick das Feuer entfacht hatte, kamen er und Daryl nach. Aleks versuchte, selbst zu gehen, war aber zu schwach. Beim Tor warteten Carl und die anderen auf sie. Auch Maggie stand dabei und wartete besorgt darauf, dass alle zur\u00fcckkamen.<\/p>\n<p>\u201eWas ist passiert?\u201c, fragte Hershel und versuchte, bei Aleks einen Puls zu messen. Ihr war schwindlig, ihr K\u00f6rper zitterte. Sie schnaufte laut durch die Nase, wollte ihren Schmerz nicht laut hinausschreien. Stumm liefen Tr\u00e4nen \u00fcber ihr Gesicht. \u201eIrgendetwas mit ihrer Schulter. Sie hat starke Schmerzen\u201c, sagte Glenn. \u201eSie ist \u00fcbern\u00e4chtig, hat die Nacht durchgemacht, Dad\u201c, erkl\u00e4rte Maggie weiter.<br \/>\n\u201eIhr Puls ist stark erh\u00f6ht, auf ihrer Haut steht der kalte Schwei\u00df. Sie muss sich hinlegen, kannst du sie alleine tragen?\u201c, fragte Hershel Glenn. \u201eIch nehm sie\u201c, kam Daryls Stimme aus der hinteren Reihe. Ohne weitere Worte nahm er Aleks in die Arme und achtete darauf, ihre verletzte Schulter nicht zu ber\u00fchren oder zu belasten.<\/p>\n<p>Aleks bekam mit, dass sie von zwei starken H\u00e4nden getragen wurde. Sie roch das Leder und den Jeansstoff von den Jacken, die Daryl trug. Es war ein angenehmes Gef\u00fchl, nicht mehr auf den Beinen stehen zu m\u00fcssen. Die Schmerzen waren noch da, aber der Schlaf \u00fcbermannte sie. Die Augen fielen zu und ihr K\u00f6rper entspannte sich.<br \/>\nDaryl bemerkte auf dem Weg Richtung Zellenblock, dass ihre K\u00f6rperspannung nachlie\u00df. Er blieb stehen und sah sie an. Schwei\u00dfnasse Haarstr\u00e4hnen klebten an ihren Wangen, die von der Anstrengung ger\u00f6tet waren. Aus ihren Augen flossen Tr\u00e4nen, ihr Atem war flach. \u201eHershel\u201c, sagte Daryl leise und wartete, bis er bei ihm war.<br \/>\n\u201eSie ist bewusstlos. Ist momentan auch besser f\u00fcr sie. Ich muss sie untersuchen. Bring sie in ihre Zelle, ich hole meinen Koffer\u201c, sagte Hershel ruhig und machte sich so schnell, wie es ihm m\u00f6glich war, auf den Weg zu seinem Arztkoffer. Maggie folgte Daryl in Aleks&#8216; Zelle. Er legte sie vorsichtig auf ihr Bett und ging dann einen Schritt zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Maggie kniete sich an das Kopfende des Bettes und wischte Aleks das Gesicht trocken. \u201eSie ist wahnsinnig. Macht \u00fcberall mit, will immerzu helfen\u201c, sagte sie leise. \u201eSie will eben nicht nur hier herumhocken und nichts tun. Versteh ich\u201c, murmelte Daryl und betrachtete Aleks.<br \/>\nIhm ging es genauso. Er konnte nicht den ganzen Tag herumsitzen und vor sich hin leben. Er musste auch etwas tun. F\u00fcr sich. F\u00fcr die anderen. Jeden Tag das Leben hier sicherstellen. Lebensmittel, Medikamente, Sicherheit. Situationen, die er nicht beeinflussen konnte, waren ihm zuwider.<br \/>\n\u201eEs ist toll, dass sie helfen will. Aber nicht, wenn es auf Kosten ihrer Gesundheit geht. Oder auf Kosten der Sicherheit anderer. Meinst du nicht?\u201c, fragte Maggie und drehte sich zu Daryl. Er lehnte mit verschr\u00e4nkten Armen in der Ecke des Raums und fixierte Aleks weiter mit seinem Blick. Dann zuckte er mit den Schultern. \u201eStimmt\u201c, sagte er leise.<\/p>\n<p>Hershel kam in die Zelle und setzte sich auf den einzigen Stuhl. Dann kramte er ein paar Utensilien aus seinem Koffer. \u201eMaggie, mach ihren Oberk\u00f6rper frei. Wir m\u00fcssen rausfinden, was das f\u00fcr eine Verletzung ist\u201c, sagte er. \u201eIch geh dann mal\u201c, sagte Daryl leicht verlegen und verlie\u00df die Zelle.<br \/>\n\u201eWas sind das f\u00fcr &#8230; Dad? Wurde sie &#8230;?\u201c, fragte Maggie ihren Vater. \u201eArmes Kind\u201c, seufzte Hershel. Daryl \u00fcberkam ein ungewohnter Schauer, als er den Dialog hinter sich h\u00f6rte. Ihm war nicht klar, ob er sich umdrehen sollte. Was war los? Wurde sie von den Bei\u00dfern verletzt? W\u00fcrde sie eine von denen werden? So lange er sie im Auge gehabt hatte, war ihr kein Bei\u00dfer zu nahe gekommen. Und den letzten hatte er auch noch rechtzeitig erwischt. Er konnte sich nicht konzentrieren und lief Carol in die Arme.<\/p>\n<p>\u201eHey, was ist mit dir?\u201c, fragte Carol und hielt ihn fest. Er sah sie verst\u00f6rt an. Wollte sprechen. Brachte aber keinen Ton heraus. Carol sah ihn durchdringend an. Sie kannte ihn schon so lange. Er war wie ein Bruder f\u00fcr sie. Er hatte auf ewig einen Platz in ihrem Herzen. Weil er bis zum Schluss daran geglaubt hatte, dass Sophia lebend zur\u00fcckkehren w\u00fcrde. Sogar dann, als sie selbst die Hoffnung aufgegeben hatte.<br \/>\nCarol suchte seinen Augenkontakt. Dann l\u00e4chelte sie zaghaft. \u201eDu magst sie, hm\u201c, fl\u00fcsterte sie. Daryl blinzelte und runzelte die Stirn. \u201eAch h\u00f6r doch auf\u201c, blockte er ab. \u201eIch kenne dich, Daryl Dixon. Und ich sage, du magst sie. Und du machst dir Sorgen. Ist doch OK. Das zeigt wiedermal, dass auch du dein Herz am rechten Fleck hast\u201c, sagte sie schmunzelnd und schlug mit ihrer Hand sanft gegen seine linke Brust.<br \/>\nDaryl sch\u00fcttelte genervt den Kopf. \u201eLass das\u201c, meinte er und nahm ihre Hand von seiner Brust. Sie hob entschuldigend ihre H\u00e4nde in die Luft. \u201eDann nicht\u201c, sagte sie. Als sie an ihm vorbeiging, blieb sie noch einmal kurz stehen. \u201eSie schafft das schon. Sie ist stark\u201c, sagte sie leise, dann ging sie weiter in ihre Zelle. Daryl fuhr sich mit einer Hand \u00fcber den Nacken und ging wieder hinaus in den Hof.<\/p>\n<p>In der Zwischenzeit war Aleks dabei, wieder aufzuwachen. Als sie ihre Augen \u00f6ffnete, nahm sie Hershel und Maggie wahr. Die Schmerzen in der Schulter hatten ein wenig nachgelassen, ihre Gedanken waren wieder klarer. \u201eHallo, junge Dame\u201c, sagte Hershel v\u00e4terlich und l\u00e4chelte sie an. Aleks blinzelte. \u201eWas ist passiert?\u201c, fragte sie leise. \u201eSag du es uns\u201c, meinte Maggie und strich ihr eine Str\u00e4hne aus dem Gesicht.<br \/>\nAleks atmete tief durch und \u00fcberlegte. \u201eIch bin ausgerutscht und in die Bei\u00dfergrube gefallen. Hab mir die Schulter verletzt. Glenn und Michonne haben mich rausgezogen. Dann &#8230; keine Ahnung\u201c, murmelte Aleks leise.<br \/>\n\u201eDann hat dich Daryl reingebracht. Du warst bewusstlos\u201c, erkl\u00e4rte Maggie weiter. Aleks nickte leicht. Daryl, genau. Leder und Jeans. F\u00fcr eine Sekunde glaubte sie, den Geruch wieder in der Nase zu haben.<\/p>\n<p>\u201eIch habe dir ein bisschen Morphium gegeben, damit die Schmerzen ertr\u00e4glicher werden. Aleksandra, ich habe deinen R\u00fccken gesehen\u201c, begann Hershel sanft und nahm Aleks Hand. Aleks sah den fragenden Blick in seinen Augen, w\u00e4hrend Maggie ein wenig zur\u00fcck rutschte.<br \/>\n\u201eDann hast du wohl mein tolles R\u00fcckengem\u00e4lde entdeckt\u201c, sagte Aleks mit einem zynischen Unterton. \u201eDie Wunden sind alt. Wer hat dir das angetan?\u201c, fragte Hershel nach. \u201eEs gibt Polizisten-V\u00e4ter, die sind so wie Rick. Versuchen, ihr Kind mit Liebe und Verst\u00e4ndnis, aber auch Strenge und Disziplin zu erziehen\u201c, begann Aleks und versuchte, sich langsam aufzusetzen.<br \/>\nSie griff nach der Bettdecke, um ihren Oberk\u00f6rper damit zu bedecken. \u201eMein Daddy hatte sich haupts\u00e4chlich auf Strenge und Disziplin eingestellt. Haushalt nicht in Ordnung? Disziplin. Schlechte Noten in der Schule? Disziplin. Und so weiter\u201c, erz\u00e4hlte Aleks ruhig.<br \/>\n\u201eDer beste Freund meines Vaters war sein Schlagkn\u00fcppel. Mit zehn Jahren habe ich ihn das erste Mal kennengelernt. Nach au\u00dfen hin der liebende Vater, aber in den eigenen vier W\u00e4nden der Teufel in Person. Acht Jahre lang hatte ich nur zwei Gedanken: erstens so lange durchhalten, dass ich an meinem 18. Geburtstag meine Sachen packen und gehen konnte. Zweitens nie so zu werden wie er. Erstens ist mir gelungen, zweitens auch, wenn man die Bei\u00dfer nicht mitrechnet.\u201c<br \/>\nIhr Tonfall war seltsam monoton. Wie ein Roboter erz\u00e4hlte sie ihre Geschichte. Hershel und Maggie h\u00f6rten aufmerksam zu. Sie waren ergriffen von Aleks&#8216; Vergangenheit und \u00fcberrascht, wie emotionslos Aleks die Erlebnisse wiedergeben konnte.<br \/>\n\u201eKannst du dich an eine Verletzung deines Schulterblattes erinnern?\u201c, fragte Herschel nach. Aleks seufzte, bevor sie ihn wieder ansah. \u201eIch war 15. Zuerst ein paar Ohrfeigen. Dann ein Schlag, dass ich gegen den T\u00fcrstock knallte. Mit dem n\u00e4chsten Schlag fiel ich die Treppen hinunter. Linkes Schulterblatt gebrochen\u201c, erz\u00e4hlte sie in knappen S\u00e4tzen den Vorfall.<br \/>\n\u201eIch hab es \u00fcber die Jahre immer wieder mal gesp\u00fcrt. Verspannungen, Wetterf\u00fchligkeit, solche Sachen. Es war teilweise abgesplittert, nicht nur gebrochen\u201c, sagte Aleks weiter. Hershel nickte. \u201eDann hat dein Aufprall die Verletzung wieder beleidigt. Die Splitter sind m\u00f6glicherweise in Bewegung und beeintr\u00e4chtigen Sehnen oder Muskeln. Gebrochen ist sicher nichts, da kann ich dich beruhigen. H\u00f6chstens geprellt\u201c, erkl\u00e4rte er ihr seine \u00dcberlegungen.<\/p>\n<p>\u201eRuhe und Erholung sind jetzt wichtig f\u00fcr dich. In ein paar Tagen wird der Schmerz nachlassen\u201c, sagte Hershel weiter, w\u00e4hrend er seine Tasche wieder zusammenpackte. \u201eEin paar Tage\u201c, rief Aleks aufgeregt. \u201eAber ich kann doch nicht &#8230;\u201c \u201eOh doch, meine Liebe, du kannst!\u201c, schaltete Maggie sich dazwischen. \u201eDu hast mir vorhin versprochen, dass du dich hinlegst. Stattdessen haben wir dich aus der Bei\u00dfergrube ziehen k\u00f6nnen. Das alles h\u00e4tte auch ganz anders ausgehen k\u00f6nnen!\u201c, rief sie aufgebracht.<br \/>\nAleks war \u00fcberrascht von ihrem Gef\u00fchlsausbruch. Maggie setzte sich zu ihr auf das Bett. \u201eVersteh mich nicht falsch, Aleks. Du bist eine gro\u00dfartige Hilfe f\u00fcr die Gruppe. Aber solange du nicht wieder fit bist, bringst du dich und andere nur in Gefahr. Verstehst du das?\u201c Sachte legte Maggie eine Hand auf Aleks&#8216; Knie und sah sie freundlich, aber bestimmt an. Aleks seufzte. \u201eJa\u201c, murmelte sie leise und nickte leicht.<br \/>\n\u201eLass dich ein bisschen verw\u00f6hnen hier drin. Du hast es dir verdient\u201c, sagte Maggie, stand auf und verlie\u00df mit Hershel die Zelle. Aleks starrte vor sich hin, an die gegen\u00fcberliegende Wand. Verw\u00f6hnen lassen? Verdient? Wer&#8217;s glaubt. Maggies Argumentation war nachvollziehbar, da konnte sie ihr nichts entgegensetzen. Es war zwar der gute Wille gewesen, aber im Nachhinein betrachtet die falsche Entscheidung, mit nach drau\u00dfen zu gehen.<\/p>\n<p>Langsam stand sie auf, warf sich umst\u00e4ndlich eine Weste \u00fcber die Schultern und suchte sich frische W\u00e4sche zusammen. Sie wollte duschen. Danach essen. Und schlafen. Wie sie es Maggie versprochen hatte. Im Untergeschoss des Gef\u00e4ngniskomplexes waren die Sanit\u00e4reinrichtungen. Sie nahm ein frisches, gro\u00dfes Handtuch und ein St\u00fcck Seife. Dann zog sie sich vorsichtig aus und stellte sich unter die Dusche.<br \/>\nDas Wasser war hei\u00df. Die Tropfen prasselten auf ihr Gesicht, ihren Kopf. Sie hielt die Augen geschlossen. Tr\u00e4nen mischten sich zwischen die Wassertropfen. Aleks beschloss, dass jeder Tropfen ihre Vergangenheit wieder in den Abfluss sp\u00fclen sollte. Dass Geschehene zu erz\u00e4hlen, hatte sie innerlich aufgew\u00fchlt. Vor den anderen hatte sie es wohl gut verheimlichen k\u00f6nnen.<br \/>\nAber die Gedanken an ihren Vater und ihre Kindheit brachten Gef\u00fchle hervor, die sie seit Jahren verdr\u00e4ngt hatte. Wut, \u00c4rger, Trauer, Hass, Liebe. Ja, auch Liebe. Sie liebte ihren Vater, obwohl er ihr das angetan hatte. Er war schlie\u00dflich ihr Vater. Und die ersten zehn Jahre ihres Lebens hatte er gut f\u00fcr sie gesorgt. Sie wusste nicht, was mit ihm passiert war, dass er sich so ver\u00e4ndert hatte.<br \/>\nAleks senkte den Kopf und stand mit dem Gesicht zur Wand. Dann ging sie langsam in die Knie und setzte sich mit angezogenen Beinen so unter den Wasserstrahl, damit er auf ihre verletzte Schulter treffen konnte. Das hei\u00dfe Wasser war angenehm, wie eine Massage. Sie versuchte herauszufinden, welche Bewegungen der Schulter mehr oder weniger schmerzten.<br \/>\nIhre Stirn an ihre Knie angelehnt, sp\u00fcrte sie einen leichten Luftzug, jemand schien ebenfalls hier im Waschbereich zu sein. Es st\u00f6rte sie nicht weiter. Die Wasserstrahl-Massage tat ihrer Schulter gut. Sie atmete ruhig und tief.<\/p>\n<p>Das war es also. Er war betroffen. Daryl stand einige Meter entfernt im Gangbereich der Waschkojen und sah Aleks am Boden sitzen. Nackt. Sie sah ihn nicht. Ihr K\u00f6rper war durchtrainiert. Und ihr R\u00fccken war &#8230; mit Narben \u00fcbers\u00e4t. Ihre linke Schulter war ger\u00f6tet. Striemen und dunkle Flecken waren \u00fcber ihren R\u00fccken verteilt, von den Schultern bis hinunter zum Becken.<br \/>\nSie hatten mehr gemeinsam als er vermutet hatte. Er wusste, wie sehr er gelitten hatte, als sein Vater ihn geschlagen hatte. Er hatte sich wehren k\u00f6nnen. War ihr das auch gelungen? Seine Magengegend krampfte sich zusammen, er wollte ihr helfen, sie besch\u00fctzen, sie vergessen lassen.<\/p>\n<p>Aleks hatte das Gef\u00fchl, beobachtet zu werden. Sie war sich nicht sicher, ob sie sich umdrehen sollte. Sie wollte wieder mit sich ins Reine kommen. Wer auch immer in diesem Raum war, sah ihren R\u00fccken. Dieses Geheimnis hatte sie bis heute gut verbergen k\u00f6nnen. Keiner wusste davon. Von ihrem Pr\u00fcgel-Vater. Sie wollte nicht, dass andere ihn schlecht machten. Die ihn nicht gekannt hatten.<br \/>\nSie griff langsam nach dem Wasserhahn und drehte das Wasser ab. Die letzten Tropfen gurgelten durch den Abfluss in den Kanal, w\u00e4hrend sie sich mit einer Hand \u00fcber das Gesicht fuhr und die Augen \u00f6ffnete.<br \/>\nIn diesem Moment wurde ihr von hinten das Handtuch um die Schultern gelegt, das sie sich zuvor zurechtgelegt hatte. Sie griff nach den Enden und wickelte sich darin ein. Die helfenden H\u00e4nde hatte sie gleich erkannt. Ein kleines L\u00e4cheln durchzuckte ihre Mundwinkel.<\/p>\n<p>Daryl lehnte sich an die Fliesenwand und ging neben ihr in die Hocke, um sie ansehen zu k\u00f6nnen. \u201eWie geht&#8217;s?\u201c, fragte er leise und sah ihr pr\u00fcfend in die Augen. Sie erwiderte seinen Blick mit einem kurzen L\u00e4cheln. \u201eZiemlich durchgehangen und angeschlagen, was soll ich sagen\u201c, versuchte sie die Sache herunterzuspielen.<br \/>\nDann r\u00e4usperte sie sich und sah auf die Enden des Handtuchs. \u201eDanke, dass du mich reingetragen hast. Ich kann mich nicht dran erinnern, Maggie hat es mir erz\u00e4hlt. Ich hab nur &#8230;\u201c, brach sie pl\u00f6tzlich ab und runzelte kurz die Stirn.<br \/>\n\u201eWas hast du nur?\u201c, hakte Daryl nach. Er lie\u00df seinen Blick \u00fcber ihren geschlagenen K\u00f6rper wandern. Sie war zwar in das Handtuch geh\u00fcllt, aber auch auf den Beinen sah er ein paar Narben, die definitiv vor der Apokalypse entstanden sein mussten. Er sp\u00fcrte Wut in sich aufsteigen. Wie konnte man eine Frau, ein M\u00e4dchen, ein Kind, blo\u00df schlagen? Was konnte denn blo\u00df aus solchen Menschen werden?<br \/>\n\u201eIch hab mich wohlgef\u00fchlt, das wei\u00df ich noch. Ich hab dich gerochen\u201c, sagte sie leise und tippte mit ihren Zehen in den letzten nassen Pf\u00fctzen auf dem Fliesenboden. Das h\u00f6rte sich jetzt wohl ziemlich bl\u00f6d an. Aber es stimmte. Und diese Welt war einfach nicht mehr daf\u00fcr geschaffen, zu l\u00fcgen.<br \/>\nDaryl schnaufte. Andere Leute h\u00e4tten wohl gelacht, aber Daryl war nicht der Typ dazu. Er wusste aber nicht, wie er darauf reagieren sollte. \u201eKann schon sein. Ich war in der Nacht in der N\u00e4he der Kl\u00e4ranlage\u201c, versuchte er ihre Aussage zu relativieren. Jetzt war Aleks diejenige, die schnaufte und sich ein Grinsen verbiss.<\/p>\n<p>\u201eWer hat dich verletzt?\u201c, fragte Daryl ernst und lehnte sich etwas in ihre Richtung, um ihren Blick aufzufangen. \u201eMein Vater\u201c, sagte Aleks nach einer langen Pause. Daryl atmete tief durch und nickte langsam mit dem Kopf. V\u00e4ter. Nat\u00fcrlich. Aleks blinzelte und sch\u00fcttelte kurz den Kopf.<br \/>\n\u201eHey. \u00c4hm. Nichts f\u00fcr ungut. Aber das ist ein Kapitel in meinem Leben, das ich nicht jedem auf die Nase binde\u201c, erkl\u00e4rte sie mit br\u00fcchiger Stimme. Sie versuchte sich zu konzentrieren, sie wollte nicht wieder weinen. \u201eWei\u00df es Rick?\u201c, fragte Daryl leise nach. \u201eNur Maggie und Hershel. Und jetzt du\u201c, antwortete Aleks und sah ihn mit glasigen Augen an.<br \/>\n\u201eUnd ich h\u00e4tte gerne, dass das so bleibt. Es \u00e4ndert nichts. Ich bin hier, helfe wo ich kann und habe einen sicheren Platz und Verpflegung. OK?\u201c Ihre Augen hielten die Tr\u00e4nen nicht mehr, und sie flossen ihr wieder \u00fcber die Wangen. Aleks verbarg ihren Kopf im Handtuch und schluchzte.<\/p>\n<p>Daryl stand auf und \u00fcberlegte kurz, was er tun sollte. Es war ungewohnt, eine Frau weinen zu sehen. Nein. Es war ungewohnt, Aleks weinen zu sehen. Er trat hinter sie und packte sie vorsichtig an der Taille, um sie hochzuheben. Das Handtuch war gro\u00df genug, dass es \u00fcber ihre Schulter bis oberhalb ihrer Knie fiel.<br \/>\nAleks lie\u00df sich leicht widerwillig hochheben. Sie stand noch immer mit dem R\u00fccken zu ihm und hielt den Kopf gesenkt. Seine Arme waren von der Taille auf ihre Oberarme gewandert und strichen leicht dar\u00fcber. \u201eIch will nicht weinen. Ich will allein sein\u201c, schluchzte sie leise.<br \/>\n\u201eOh Mann. Ich kenne diese S\u00e4tze. Die habe ich fr\u00fcher immer gesagt, nachdem mich mein Alter windelweich gepr\u00fcgelt hat\u201c, seufzte Daryl und drehte Aleks vorsichtig zu sich um. Sie lie\u00df es geschehen. Ihre Augen waren ger\u00f6tet, nasse Haarstr\u00e4hnen fielen ihr ins Gesicht.<br \/>\nEr strich ihr eine Str\u00e4hne hinter das Ohr und hob ihr Gesicht zu sich, damit sie ihn ansehen musste. \u201eAber jetzt, eine Ewigkeit sp\u00e4ter, wei\u00df ich, dass es die falschen S\u00e4tze waren\u201c, erkl\u00e4rte er und sah ihr in die Augen. Sie sah ihn fragend an. \u201eEs m\u00fcsste hei\u00dfen: Ich will weinen. Ich will nicht allein sein\u201c, sagte er ruhig.<br \/>\nHemmungslos fing Aleks zu weinen an und umarmte Daryl. Mit einer Hand krallte sie sich auf seinem R\u00fccken in seine Jacke und vergrub ihr Gesicht in seiner Brust. Er umarmte sie fest und achtete darauf, ihre Schulter nicht zu ber\u00fchren. Sie standen da. Einige Minuten. Ohne Worte.<br \/>\nEs tat gut, den Frust, die Gef\u00fchle, einfach alles rauszulassen. Aleks lie\u00df es zu. Sie f\u00fchlte sich sicher. Seine Umarmung war sanft, obwohl er doch so stark war. Sie kuschelte sich weiter an ihn. Und er lie\u00df es geschehen. Es war lange her, dass er einer Frau so nah gewesen war.<\/p>\n<p>Als er merkte, dass sie sich beruhigt hatte, l\u00f6ste er sich vorsichtig von ihr und ging einen Schritt zur\u00fcck. Er sah sie an und versuchte zu l\u00e4cheln. Mehr als ein paar Zuckungen um den Mund brachte er aber nicht zusammen. \u201eZieh dich an. Ich hole dir etwas zu essen und bringe es in deine Zelle\u201c, sagte er in einem fast f\u00fcrsorglichen Tonfall.<br \/>\nAleks nickte und ging zu dem W\u00e4schehaufen, w\u00e4hrend Daryl sich auf den Weg machte, um etwas Essbares aufzutreiben. Sie sah ihm nach, als er den Waschraum verlie\u00df und dachte nach. Diese Seite hatte sie noch nicht an ihm gekannt. Und es war eine Seite, die ihr Herz ihm gegen\u00fcber ein St\u00fcck mehr \u00f6ffnete. Sie hatte gewusst, dass auch er von seinem Vater geschlagen worden war.<\/p>\n<p>Vorsichtig zog sich Aleks an und ging zur\u00fcck in ihre Zelle, wo Daryl bereits wartete. Er deutete auf den Nachttisch, auf dem ein Tablett mit einem Becher Wasser, Brot, einem St\u00fcck gebratenem Fleisch und einer Karotte lag. \u201eVon allem etwas\u201c, sagte er kurz und stellte sich an die gegen\u00fcberliegende Wand.<br \/>\nAleks setzte sich auf das Bett und biss vom Fleisch und anschlie\u00dfend vom Brot ab. Sie sah ihn an und merkte, dass er sie wieder beobachtete. \u201eIss weiter\u201c, forderte er sie auf, doch sie sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eEs schmeckt, aber ich bin zu m\u00fcde\u201c, sagte sie leise und sah sich auf ihrem Bett um.<br \/>\nIhre roten Augen waren geschwollen und ihre Lider fielen ihr zu. Sie schien gleich im Sitzen einzuschlafen. Als Daryl die Zelle verlassen wollte, hielt sie ihn am Arm fest. Sie sah ihn hilfesuchend an. \u201eIch will nicht allein sein\u201c, fl\u00fcsterte sie.<br \/>\nDaryl war \u00fcberrascht von ihrer Offenheit. Er schien kurz zu \u00fcberlegen, was er tun sollte, denn sein Blick wanderte f\u00fcr einen Moment hinaus auf den Gang. Doch es war ruhig im Trakt. Er nickte, zog die Jacke aus und setzte sich zu ihr aufs Bett.<br \/>\nEr schnappte sich den Polster und machte es sich bequem. Dann sah er sie abwartend an. Vorsichtig legte sie sich zu ihm. Zuerst legte sie z\u00f6gerlich ihren Kopf auf seine Brust. Die Hand ihrer verletzten Schulter lag auf seinem Bauch. Er griff nach ihrer Decke und deckte Aleks zu. Einen Arm hatte er um sie gelegt.<br \/>\nSie h\u00f6rte seinen Herzschlag, der ruhig und dumpf aus seiner Brust ert\u00f6nte. Sofort fielen ihr die Augen zu und sie schlief ein. Sie f\u00fchlte sich geborgen und sicher. Als er ihre tiefen Atemz\u00fcge h\u00f6rte, griff er nach ihrer Hand, die auf seinem Bauch lag, und streichelte sie sanft.<br \/>\nEin leichtes Zucken in ihrem Arm und ihren Fingern lie\u00df ihn erkennen, dass sie darauf reagierte. Da war ein Funke zwischen den beiden. Ein Funke von Sympathie, der mehr zu werden schien.<\/p>\n<p>Er war froh, dass er ihr helfen konnte. Er war froh, dass er es war, der ihr helfen konnte. Und er w\u00fcrde weiter auf sie aufpassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Petra Hechenberger<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=3714\">fantastiques<\/a> | Inventarnummer: 15154<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(inspired by TWD) \u201eHey. Wie sieht&#8217;s aus?\u201c Maggie stand in der T\u00fcr des Wachturms. Aleks stand mit dem R\u00fccken zu ihr und beobachtete den Zaun und das Gel\u00e4nde dahinter in \u00f6stlicher Richtung. \u201eMhm. Es werden wieder mehr. Wir m\u00fcssen uns auf einen Schub gefasst machen.\u201c Aleks drehte sich um und nahm ihr Gewehr. 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