{"id":3615,"date":"2015-11-12T17:47:01","date_gmt":"2015-11-12T17:47:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=3615"},"modified":"2015-12-03T09:09:50","modified_gmt":"2015-12-03T09:09:50","slug":"die-klavierstunde","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=3615","title":{"rendered":"Die Klavierstunde"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts3615&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts3615&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Der Kalender zeigt Dezember neunzehnhundertdreiundsechzig. Ein Freitag, wieder einmal. Immer wieder ein Freitag, an dem man, gut verschn\u00fcrt, mit Schal und Wintermantel, die Tasche unter den Arm geklemmt, losmarschiert, in Richtung Musikschule. Die magische Uhrzeit, in der man seine Stunde eingeteilt bekommen hat, lautete, man musste sie wiederholen, Freidoch umma drei, also, Freitag, f\u00fcnfzehn Uhr. Um diese Zeit l\u00e4uten immer die Kirchenglocken und erinnern an die Leiden Jesu. So auch an diesem Freitag.<\/p>\n<p>Aus der fernen Stadt hat\u00a0 s i e\u00a0 offensichtlich ohne gr\u00f6\u00dfere Schwierigkeiten hierher gefunden. Auf einem Motorroller. Ein Puch hundertf\u00fcnfundzwanzig, in vergilbtem Grasgr\u00fcn, am Gep\u00e4cktr\u00e4ger ein Reservereifen befestigt. Hatte was, das Ding da hinten drauf. War ein echter Hingucker f\u00fcr den Buben. Drei Jahre sp\u00e4ter sollte sie ihn gegen ein VW-Cabrio tauschen, in Silbergrau, mit schwarzem Verdeck. Toll! So eines hatte man von Matchbox, in Miniatur.\u00a0 S i e\u00a0 ist jedenfalls die Klavierlehrerin, und gleichzeitig auch die Leiterin der Musikschule des Ortes. Blond, vollschlank, Mitte vierzig, mit Brille und einem seltsamen Dialekt. Sie verlangt den Oswes (den Ausweis) von einem, ehe die Unterrichtsstunde beginnt. Man kriegt einen Stempel und einen Krakel hinein. Meist in Rot. Rot ist keine wirklich willkommene Farbe, besonders wenn es sich um Schulisches handelt, das wei\u00df man bereits. Sie sagt ooch (sic!) anstatt auch, und neen (sic!), wenn sie nein meint. Aber man gew\u00f6hnt sich daran.<\/p>\n<p>Die Musikschule ist im Westfl\u00fcgel jener Schule untergebracht, von der bereits die Rede war. In diesem Teil des Geb\u00e4udes befinden sich auch einige Dienstwohnungen, in welcher nicht nur sie, sondern auch jener Lehrer, der lieber Politiker sein wollte, ihre Bleibe haben. Der Politikus hat Familie. Sie lebt allein. Interessant f\u00fcr alle in der Gemeinde.<br \/>\nDer Weg in die Musikschule dauert normalerweise zehn Minuten, wenn man nicht tr\u00f6delt. Weil aber die Angst vor der Klavierstunde derart gro\u00df ist, nimmt man einen Zickzack-Kurs durch die Stra\u00dfen, der einen zun\u00e4chst \u00fcber eine Br\u00fccke f\u00fchrt. Unter dieser Br\u00fccke flie\u00dft ein Bach, und der f\u00fchrt Hochwasser, wegen der spontanen Schneeschmelze, und das Anfang Dezember. Das Wasser ist braun und zeigt viele Strudel, die die Fantasie anregen, wie es denn so w\u00e4re, wenn man von einem erfasst und hinuntergezogen w\u00fcrde, in die Tiefe. Zahllose Albtr\u00e4ume bearbeiten dieses Thema schon l\u00e4ngst und f\u00fchren immer wieder zum selben Schluss, man f\u00e4llt in diese braune Br\u00fche und ers\u00e4uft j\u00e4mmerlich. Danach erwacht man schwei\u00dfgebadet, holt erst mal Luft und schl\u00e4ft dann beruhigt weiter. Es ist ja nur ein Traum. Nebenan schnarchen die Eltern. Alles in Ordnung.<\/p>\n<p>Wenn man also diese Br\u00fccke passiert hat, kommt man an einer Buchhandlung vorbei, faszinierendstes Gesch\u00e4ft im Ort. Zumindest in dem Alter. Gleich in der ersten Auslage ist eine elektrische Spielzeugeisenbahn aufgebaut, mit Tunnels und so, und wenn man Gl\u00fcck hat, ist sie eingeschaltet. Dann fahren zwei Z\u00fcge, meist eine gr\u00fcne E-Lok und eine Dampflok auf zwei Gleisen durch zwei mit gr\u00fcner Rasenstreu getarnte, felsenartig naturgetreu nachempfundene Tunnels aus Karton. Um dort alles genauestens zu inspizieren, ben\u00f6tigt man mindestens f\u00fcnf Minuten, inklusive der Zeit, in der man sich vorstellt, selbst in einer dieser Lokomotiven zu sitzen, oder noch k\u00fchner, selbst eine solche Eisenbahn zu besitzen, was allerdings v\u00f6llig ausgeschlossen ist. Nicht einmal dran denken, sagt der Vater immer. Oder er bl\u00e4st seine Wangen auf, schl\u00e4gt mit der Hand kurz drauf, sodass die Luft lautstark wie ein Furz durch den Mund hinausf\u00e4hrt, und sagt, dort fliegt sie.<\/p>\n<p>Dann muss man aber weiter. Die Rathausuhr hat schon dreiviertel geschlagen. Jetzt kommt man an der Zuckerb\u00e4ckerei vorbei. Dort liegen schon die roten S\u00e4ckchen mit allerlei Naschzeug f\u00fcr den Nikolaus- und Krampustag bereit. Aus manch einem S\u00e4ckchen ragt eine Weidenrute heraus, mit einem roten Samtmascherl drauf und einem samtgr\u00fcnen Drahtteufelchen mit einem roten Gesicht und einem langen Schwanz. Das sind die interessanteren. So eines h\u00e4tte man gern. Aber zum Zuckerb\u00e4cker geht man erst, nachdem die Folter mit dem Klavier vorbei ist und das junge Leben wieder Sinn macht.<\/p>\n<p>Den langen Gang \u00fcber den Hauptplatz begleiten einen bange Gedanken. Die H\u00e4nde werden feucht, der Mund trocknet aus, das Herz beginnt schneller zu schlagen. Was wird heute wieder sein? Was wird sie heute wieder sagen? Wird sie wieder herumbr\u00fcllen? Man h\u00e4tte \u00fcben sollen, ja, sicher. Aber wegen der Spielzeugkiste, deren Inhalt wichtiger ist als das bl\u00f6de Klavier, hat man es immer wieder vergessen, oder gerne vergessen wollen. Schule ist ohnehin schon genug.<br \/>\nDas Schulhaus ist schon in Sicht. Jesus Christus hat f\u00fcr uns gelitten. Und dieses Leiden beginnt nicht erst am Kreuz von Golgatha.<br \/>\nLieber Gott, lass diese Stunde an einem vor\u00fcbergehen, und warum l\u00e4sst du das zu?, betet man inst\u00e4ndig, und gib, dass der Zuckerb\u00e4cker heute nicht wieder dieselben Katzens\u00e4cke mit demselben Inhalt hat, von dem man ohnehin schon alles doppelt und dreifach besitzt. Den roten Kreisel mit der blauen Spitze, die Plastikarmbanduhr mit den drei K\u00fcgelchen drinnen, die man in die L\u00f6cher kriegen muss, und die Gummischleuder aus Kunststoff, die immer gleich bricht, wenn man den Gummi zu stark spannt und eben sonst so alles.<br \/>\nUnd dann steht man unweigerlich vor den Treppen, die zur Garderobe f\u00fchren und steigt diese mit mulmigem Gef\u00fchl im Bauch nach oben.<\/p>\n<p>Ob der gef\u00e4hrliche Schulwart, der unberechenbare, irgendwo auf den G\u00e4ngen ist, und kontrolliert, ob man die Hausschuhe anhat? Manchmal wirft er mit dem Besen, dem gro\u00dfen, breiten und man muss schnell die Stiegen hinauflaufen, sonst erwischt er einen und man f\u00e4ngt eine Ohrfeige. Geschafft! Er ist noch im Turnsaal besch\u00e4ftigt, man h\u00f6rt das Geklapper seines Besens und der Mistschaufel.<br \/>\nHeilige Jungfrau Maria, lass nie den dritten Stock kommen! Man riecht schon den Zigarettenrauch. Immer, wenn einer gerade Klavier spielt, macht sie eine Zigarettenpause auf dem Flur und sagt, \u00fcbe gef\u00e4lligst, ich h\u00f6re alles. Dann kommt sie nach zehn Minuten wieder in das kleine Zimmer mit der schrecklichen Topfpflanze, die mit ihren Bl\u00e4ttern den gesamten Raum vereinnahmt wie ein Riesenkrake. Es ist ein Fikus oder so \u00e4hnlich, den sie mehr liebt als alles andere, und w\u00e4hrend man spielt, zupft sie immer die alten Bl\u00e4tter ab und spielt bei den neuen Geburtshelfer, indem sie sie aus ihrem Bl\u00e4tterkokon heraussch\u00e4lt. Genau, den liebt sie mehr als ihre Klaviersch\u00fcler, bis auf eine vielleicht, oder zwei, weil die so toll spielen, und ihre selbstgekn\u00fcpften Teppiche, die liebt sie auch.<br \/>\nUnd manchmal bleibt sie eine Viertelstunde weg, um eine Reihe zu kn\u00fcpfen, oben, in ihrer Wohnung und man muss \u00fcben, bis sie wiederkommt. Und dann schimpft sie ohnehin nur. Und die Frau Klavierlehrerin riecht schrecklich nach Zigarettenrauch und Alkohol, weil sie drau\u00dfen auf dem Gang so viel raucht und auch immer Schokoladenbonbons, die mit Schnaps gef\u00fcllt sind, isst.<\/p>\n<p>Ihre Finger sind runzelig und gelb, und sie stinken nach Tschik. So sagt zumindest die Schwester immer, die, die immer alles wei\u00df und selber so toll ist, und die viel besser Klavier spielt als man selbst, und neben der man immer schlechter dasteht und die einem oftmals eine knallt, wenn man ihr auf die Nerven geht und zu ihr sagt, du Duttelsau. In der Wut, versteht sich, weil man neidisch ist auf sie und weil man das irgendwo aufgeschnappt hat. Der Vater hat gelacht und die Mutter auch. Also kann es nicht so schlimm gewesen sein, denkt man. Aber sie, die Schwester, versteht keinen Spa\u00df, und man kriegt zwei ordentliche Watschn daf\u00fcr, wenn man nicht aufpasst. Einmal nimmt man ihr eine Erdbeere weg und isst sie schnell, ehe sie sie einem wieder wegnehmen kann. Daraufhin setzt es eine Watschn, infolge der man mit der Nase auf die Tischkante st\u00f6\u00dft und sich die Nase bricht. Alles ist voll Blut und man kriegt geschimpft, nicht sie, weil man so sekkant ist und einem da eben leicht die Hand ausrutscht. Seit dieser Zeit ist sie leicht verbogen, die Nase.<br \/>\nAber jetzt wei\u00df man immerhin auch, was ein Tschik ist. Auf einem Finger tr\u00e4gt die Klavierlehrerin einen goldenen Dukaten zu einem Ring verarbeitet, so mit Verzierungen, wie ein Gel\u00e4nder rundherum.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich steht man endlich vor dieser verdammten T\u00fcr. Aber das Kindervokabularium kennt diesen Ausdruck noch nicht. Und wenn, dann nur vom Religionsunterricht und dass es was ist, was man nicht sagen darf. Denn die Verdammten sind die in der H\u00f6lle, sagt der Kaplan immer. Dessen ist man sich aber gar nicht mehr so sicher. Durch die T\u00fcre h\u00f6rt man das Geklimper eines ihrer Sch\u00fcler. Pl\u00f6tzlich h\u00f6rt man von drinnen schreien: Fis!, und man zuckt vor Schreck zusammen.<br \/>\nWird es bei einem selbst auch bald so weit kommen? Die Knie werden weich. Aber man muss jetzt endlich klopfen, denn es ist bereits Punkt drei auf der Ganguhr. Herrrein!, br\u00fcllt sie und es h\u00f6rt sich an, als sei man nicht willkommen. Das Herz ist nicht mehr zu beruhigen. Eine zittrige, feuchte Hand bem\u00fcht sich, die Klinke der T\u00fcre zu dr\u00fccken, sie vorsichtig zu \u00f6ffnen, um sich, so lautlos und unauff\u00e4llig wie m\u00f6glich, in die Folterkammer zu zw\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Die Sch\u00fclerin drinnen, hochrot im Gesicht, atmet erleichtert auf. Die ersehnte Abl\u00f6se ist da. Man w\u00fcrde alles geben, um an ihrer Stelle zu sein, auch sein bestes Rennauto. Aber M\u00e4dchen machen sich nichts aus Rennautos, h\u00f6chstens aus Puppen, hei\u00dft es. Der Sch\u00fclerwechsel geht formlos vonstatten. Nun sitzt man auf dem verhassten schwarzen Folterstockerl. Herunter, zu hoch! Die Klavierlehrerin schraubt ihn missmutig herunter. So, jetzt, aufsitzen. Den Oswes. Da, bitte. Das Haus\u00fcbungsheftchen! Hier. So, die Tonleiter. Was f\u00fcr eine Tonleiter? Na die, die sie aufgeschrieben hat. Wo steht das? Da oben. D-Dur. Wie geht die?<br \/>\nZaghafter Beginn, wie das denn so gehen k\u00f6nnte. Fis, du Trottel! Noch einmal von vorn. Mit den zittrigen Fingern, den feuchten, geht das gar nicht so einfach. Sie schl\u00e4gt einem die H\u00e4nde von den Tasten. Schreibt etwas ins Heft. Nichts Gutes, wird vermutet. Etwas, damit der Vater wieder was zum Meckern hat. Dann die Et\u00fcde. Czerny, Vorschule der Gel\u00e4ufigkeit. Beil\u00e4ufigkeit, \u00e4tzt die Schwester, die bl\u00f6de, immer, weil sie \u00e4lter ist und gescheiter, und immer alles besser kann. Weiter als drei Takte sind nicht drin.<br \/>\nDa schmei\u00dft sie den Klavierdeckel auf die kleinen Finger. Autsch! Tr\u00e4nen tr\u00fcben das Notenbild. Der Deckel wird wieder ge\u00f6ffnet. So, jetzt \u00fcbst du das, du Faultier!, schreit sie, z\u00fcndet sich eine Zigarette an und geht auf den Gang hinaus. Ich h\u00f6re alles, ruft sie noch von drau\u00dfen herein. Jetzt erst rinnen die Tr\u00e4nen so richtig fett und kugelig \u00fcber die Wangen.<\/p>\n<p>Die Mutter wei\u00df von alldem nichts und ist weit weg. Vielleicht gerade einkaufen? Hoffentlich vergisst sie die Bensdorp-Schokolade nicht, die blaue? Also dann, Note f\u00fcr Note wird heruntergespult bis \u2013 was ist das f\u00fcr ein Ton? Hoffnungslos sucht man in der Umgebung dieser Note eine \u00e4hnliche, die man vielleicht schon einmal gespielt hat und jetzt nur nicht gleich erkennt? Aber es findet sich keine. Nochmal von vorne. Doch vor der gro\u00dfen unbekannten Zweischlagnote ist wieder Endstation.<br \/>\nE!, schallt es von drau\u00dfen herein, E wie Esel! Die Tr\u00e4nen h\u00e4ngen wieder tief. Fehlt nicht viel, sie zu wecken. Wie lange wird es noch dauern, bis man wieder vor seiner Spielkiste sitzen darf? Man muss doch noch den einen Kran fertig bauen. Der Metallbaukasten ist ein sinnvolles Spielzeug f\u00fcr dieses Alter, sagt der Vater. Alles muss immer sinnvoll sein. Klavierspielen ist nicht sinnvoll.<br \/>\nJetzt setzt sie sich neben einen und z\u00e4hlt laut mit. Ens, zwe, dre! Doch der verflixte Ton an dieser Stelle l\u00e4sst sich nicht bezwingen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu erklingen. Sitz gerade! Die kantige Ecke eines h\u00f6lzernen Lineals f\u00e4hrt einem unsanft in den R\u00fccken. Man schnellt empor in die Idealstellung und verharrt in dieser Position, ohne erneut zu wagen, wieder in sich zusammenzusinken und einen Katzenbuckel zu machen.<br \/>\nMist!, sagt sie, das ist lauter Mist. Was ist mit der Sonatine? Was soll schon mit der Sonatine sein? Her mit dem Heft. Seite f\u00fcnf muss das gewesen sein, die Seite, die ohnehin schon so vollgeschmiert ist mit ihren Kugelschreiberhinweisen, Vorzeichen, lauter, leise, cis, du Trottel und so weiter, dass man die Noten kaum mehr sieht.<br \/>\nAber aus Clementis Sonatine wird leider nichts. Noch einmal von vorne.<br \/>\nJetzt steigen die Tr\u00e4nen wieder in die Augen, bis man erblindet. So geht es noch weniger.<\/p>\n<p>Die Klavierlehrerin nimmt das Sonatinenalbum und schl\u00e4gt es einem mit derben H\u00e4nden unsanft auf den Kopf. Schoo, dass d\u2018 rooskommst, damit ich dich nicht l\u00e4nger sehen muss!, schreit sie hysterisch und wirft das Heft hinterher, das sich im Flug in seine einzelnen Seiten aufzul\u00f6sen beginnt.<br \/>\nMan darf das alles aber nicht zu Hause erz\u00e4hlen, sonst schimpfen wieder alle mit einem und das Aufgabenheftchen mit den grauslichen Bemerkungen kann man auch irgendwo verstecken. Dann hat man zumindest eine Woche lang Ruhe. Und eine Woche ist schon eine kleine Ewigkeit.<br \/>\nDer Schulwart rumort jetzt im Obergescho\u00df, aber man ist schon drau\u00dfen aus dem verhassten Bau und eilt in der kalten Luft, befreit im Herzen, dass die Folter nun f\u00fcr dieses Mal vor\u00fcber ist, \u00fcber den Hauptplatz, dem einzigen positiven Ziel des Tages entgegen, der Konditorei, mit ihren Schaumspitzen, Kaugummis, Katzens\u00e4cken, Kokosstangerln und Akim- und Tibor-Heftchen, die der Vater zu besitzen strengstens verboten hat, denn er ist auch der Direktor der Volksschule und nimmt jedem solche Heftchen ab, wenn er eines erwischt, denn es sei Schund, sagt er.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Norbert Johannes Prenner<br \/>\nRomanauszug aus &#8222;Der Chronist&#8220; &#8211; in Entstehung<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at |\u00a0Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=3365\">anno<\/a> | Inventarnummer: 15144<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Kalender zeigt Dezember neunzehnhundertdreiundsechzig. 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