{"id":3398,"date":"2015-10-13T16:35:05","date_gmt":"2015-10-13T16:35:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=3398"},"modified":"2015-10-19T19:11:47","modified_gmt":"2015-10-19T19:11:47","slug":"vom-stinken-und-staenkern","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=3398","title":{"rendered":"Vom Stinken und St\u00e4nkern"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts3398&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts3398&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>\u201eDu stinkst ja erb\u00e4rmlich! H\u00f6rst du, ich rede mit dir.\u201c<br \/>\nSie hatte ihr unbekannte Gegenden Wiens auf dem Stadtplan betrachtet, w\u00e4hrend sie auf die U-Bahn gewartet hatte. In der Station hatte es nach Abfall gerochen.<br \/>\n\u201eGeh dich duschen! Du bist so grindig.\u201c<br \/>\nHatte der junge Bursche mit ihr gesprochen? Unsicher hatte sie den Kopf zur Seite gedreht und ihn angeschaut. Sein herausfordernder Blick hatte ihr best\u00e4tigt, dass er tats\u00e4chlich sie gemeint hatte. Die M\u00e4dchen neben ihm hatten gekichert.<\/p>\n<p>Jetzt stand sie starr unter der hei\u00dfen Dusche und imaginierte viele Male, was sie ihm h\u00e4tte antworten k\u00f6nnen. Sie hatte versucht, ihn, seine l\u00e4cherlichen Anschuldigungen und die gackernden M\u00e4dchen zu ignorieren. \u201eDu bist gemein\u201c, hatte die eine lachend gesagt.<br \/>\nSie hatte so getan, als sei nichts gewesen, war stehengeblieben, wo sie war, und hatte ein paar elendlange Minuten auf die vermeintlich erl\u00f6sende U-Bahn gewartet.<br \/>\nEr hatte noch nicht genug gehabt. \u201eGott sei Dank kommt die U-Bahn. Ich steige auf keinen Fall in ein Abteil mit der. Die verpestet alles.\u201c Bei der Vorstellung, sich absichtlich direkt neben ihn zu setzen, hatte sie l\u00e4cheln m\u00fcssen. Sie hatte sich nicht getraut.<\/p>\n<p>\u201eAlso echt, das war doch arg, oder? Das war sicher sie. Gut, dass sie jetzt nicht mehr da ist.\u201c Er hatte sich in seiner Rolle als Alleinunterhalter der M\u00e4dchen gefallen. Was er dabei von sich gab, war vollkommen nebens\u00e4chlich gewesen.<br \/>\n\u201eSie steht da hinten\u201c, hatte eines der M\u00e4dchen gemeint. \u201eDort\u201c, hatte ein anderes gekichert und auf sie gezeigt. \u201eWo?\u201c, hatte er gefragt.<br \/>\n\u201eHier\u201c, hatte sie so bestimmt, wie sie nur konnte, gesagt und ihn ver\u00e4chtlich angesehen. Mehr Protest war ihr nicht m\u00f6glich gewesen. Vollkommen unvorbereitet hatten sie seine Beschimpfungen getroffen. Sie war entsetzt gewesen, wie ungeniert er sich so \u00f6ffentlich \u00fcber sie lustig gemacht hatte.<br \/>\n\u201eSchleich dich, du grausige Sau!\u201c, hatte er ihr entgegengerufen.<\/p>\n<p>Sie hatte die Wut in sich hochsteigen gesp\u00fcrt. Wut in Form von ohnm\u00e4chtigen Tr\u00e4nen. \u201eDer kann dir doch egal sein!\u201c, hatte sie sich einzureden versucht. Den Triumph, sie sichtlich verletzt zu haben, hatte sie ihm keinesfalls zugestehen wollen.<br \/>\nBei der n\u00e4chsten Station waren er und seine Begleiterinnen ausgestiegen, nicht ohne ihr noch einige derbe Beleidigungen an den Kopf zu schmei\u00dfen.<br \/>\nDer Gedanke, all den fremden Leuten in der U-Bahn zu zeigen, wie sehr sie der Vorfall aus der Fassung brachte, war ihr unertr\u00e4glich gewesen. \u201eNur noch zwei Stationen\u201c, hatte sie sich gesagt. Dann hatte sie nachgegeben. Hei\u00dfe Tr\u00e4nen waren ihr \u00fcber die Wangen geronnen.<\/p>\n<p>Zu Hause hatte sie ihrem Freund den Vorfall geschildert. Wieder hatte sie es nicht geschafft, ihre Tr\u00e4nen zu unterdr\u00fccken. Sie sch\u00e4mte sich daf\u00fcr, der Freund verstand es nicht. \u201eDa musst du dr\u00fcber stehen. Der ist doch beschr\u00e4nkt. Stell dir vor, was der erlebt haben muss, um so zu werden. Wenn er sich nur traut, M\u00e4dchen, die alleine sind, anzugreifen, ist er echt geistig beschr\u00e4nkt.\u201c<\/p>\n<p>Es lag nicht daran, was er zu ihr gesagt hatte. Seine Vorw\u00fcrfe waren l\u00e4cherlich und haltlos. All die Passanten hatten nicht ein einziges Wort gesagt, um ihn zum Schweigen zu bringen oder sie zu verteidigen. Warum auch? Nicht einmal sie selbst wusste sich zu wehren. Sie f\u00fchlte sich gedem\u00fctigt und entw\u00fcrdigt. Das warme Wasser der Dusche tat sein Bestes, um diese Gef\u00fchle wegzusp\u00fclen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Judith Wiesauer<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=408\">an Tagen wie diesen \u2026<\/a>|Inventarnummer: 15128<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDu stinkst ja erb\u00e4rmlich! H\u00f6rst du, ich rede mit dir.\u201c Sie hatte ihr unbekannte Gegenden Wiens auf dem Stadtplan betrachtet, w\u00e4hrend sie auf die U-Bahn gewartet hatte. In der Station hatte es nach Abfall gerochen. \u201eGeh dich duschen! Du bist so grindig.\u201c Hatte der junge Bursche mit ihr gesprochen? 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