{"id":3238,"date":"2015-09-20T12:13:10","date_gmt":"2015-09-20T12:13:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=3238"},"modified":"2015-09-24T10:12:00","modified_gmt":"2015-09-24T10:12:00","slug":"das-examen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=3238","title":{"rendered":"Das Examen"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts3238&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts3238&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Es war bei Gott kein Tag f\u00fcr eine Pr\u00fcfung. Der St\u00f6rungseinfluss hatte weiter zugenommen. An der Alpennordseite war es seit Tagen schon bew\u00f6lkt mit zeitweisem Schneefall. Morgen sollte es noch schlimmer kommen. Das nasskalte Wetter machte Rheumatikern ohnedies schon genug zu schaffen. Kurt qu\u00e4lte sich die Treppe zur Universit\u00e4t hoch, seine fertige Diplomarbeit, gebunden, in dreifacher Ausfertigung, unter den linken Arm geklemmt. Schwei\u00dftropfen standen auf seiner Stirn.<br \/>\nDie ganze Nacht \u00fcber hatte er sich unruhig im Bett gew\u00e4lzt, Fragen, die er sich selber stellte, beantwortet. Und immer dann, wenn er beinahe schon eingenickt war, schreckte er wieder hoch. Da stand er vor ihm. Hoch aufgerichtet, mit sch\u00fctterem Haar \u00fcber dem roten, aufgedunsenen Gesicht, die H\u00e4nde am m\u00e4chtigen K\u00f6rper schlapp hinunterh\u00e4ngend, schwer atmend, Professor Lot. Nein, nur in seiner Fantasie. Ein Albtraum. Kurt zog sich erneut die Decke \u00fcber den Kopf. Irgendwann musste er dann doch eingeschlafen sein, sagte er sich.<\/p>\n<p>Aber jetzt, ja, jetzt sollte es ernst werden. Mit seiner ganzen Kraft schob er die schwere Glast\u00fcre zum Eingang auf, dann durch die Aula, Stiege f\u00fcnf, links. Sein Herz schlug wie ein Hammerwerk. Sollte er den Lift nehmen oder die Treppe? Besser die Treppe. Was w\u00e4re, wenn der Lift wieder steckenblieb, so wie neulich? Ganze zwei Stunden war er zusammen mit einer Sekret\u00e4rin Gefangener zwischen Himmel und Erde. Eine durchaus nette Vorstellung, die Dame war weit \u00fcber f\u00fcnfzig und brachte gut und gern an die hundert Kilo auf die Waage. Vielleicht war ihr Gewicht der Ausl\u00f6ser f\u00fcr den Defekt gewesen? Ja ja, dachte er, jeder ist, wie er ist.<br \/>\nKurt verdr\u00e4ngte die Erinnerung an dieses ungewollte Abenteuer. Nun war er bereits oben angelangt. Welches Zimmer? Mein Gott, welches Zimmer? Wo ist denn der verdammte Zettel? Kurt kramte aufgeregt in seiner Manteltasche. Die Hausschl\u00fcssel, Taschentuch, Zehn-Cent-M\u00fcnze. Verflucht! Dann eben in der anderen. Ja, da vorne musste es sein, das Zimmer 411. Das Sterbezimmer, dachte Kurt. Das Schicksalszimmer w\u00fcrde es sein. Ja, er wusste es. Er hatte es immer schon gewusst. Und er w\u00fcrde darin aufgebahrt. Mit Kerzen, links und rechts von ihm.<\/p>\n<p>Mein Gott! Die ganze Sache w\u00e4re von vornherein zum Scheitern verurteilt. Er h\u00e4tte sich nie auf diesen Pr\u00fcfer festlegen sollten. H\u00e4tte ja genug andere gegeben. Warum war er nicht einfach zum Knoll gegangen? Der Knoll, das war ein friedlicher Mensch. Berechenbar, nett. Und nicht so ein Kapazunder wie dieser Lot! \u00dcber die Lande hinaus bekannt. Der konnte ja jede Menge Diplomanden haben. Konnte sich seine Leute aussuchen, musste nicht jeden nehmen. Warum hatte er gerade ihn genommen, fragte sich Kurt? Lot kannte er von einigen seiner Vorlesungen. Aber Kurt war dem sicher nie sonderlich aufgefallen.<br \/>\nWarum musste er sich gerade bei dem anbiedern? Manno! Aber Lots Vorlesungen hatten ihm gefallen, weil sie so erfrischend waren, so neu. Vermittelten irgendwie ein weites Umfeld. Um den rissen sich alle, klar, weil das, was er sagte, anerkannt war, Gewicht hatte, Kompetenz und so. Der war eine Koryph\u00e4e! Aber er, Kurt, war eben blo\u00df Durchschnitt, und das wussten sie beide, Lot und Kurt selbst.<\/p>\n<p>Doch jetzt war es zu sp\u00e4t. Das h\u00e4ttest du dir fr\u00fcher \u00fcberlegen m\u00fcssen, haderte Kurt mit sich und z\u00e4hlte die Zimmert\u00fcren. Ach, w\u00fcrde doch nie die Zahl 411 kommen. 405, 403, 402, verdammt, die falsche Richtung. Kurt hetzte zur\u00fcck, bog um die Ecke. Schei\u00df Uni! Da vorne, da war es ja. 409, 410, oh mein Gott, bitte hilf mir jetzt, dass ich das \u00fcberleb\u00b4! 411! Kurt war atemlos. Bis zum Hals schlug sein Herz, stotterte manchmal, hatte kleine Aussetzer. Das ist normal, das hatte ich immer schon, beruhigte er sich. Er hob den rechten Arm, wollte anklopfen, hielt pl\u00f6tzlich inne, den Zeigefinger schon gekr\u00fcmmt, abgewinkelt, bereit, ihn als T\u00fcrklopfer einzusetzen.<\/p>\n<p>Was hatte er wegen diesem Lot nicht schon alles durchgemacht, ha! Der Dativ ist des Genitivs Tod, fielen ihm dessen Worte wieder ein. Das war dem Lot seine Vorlesung! Ach was! Als er begonnen hatte, die Diplomarbeit zu schreiben, war ausgemacht, er lieferte ihm w\u00f6chentlich so f\u00fcnf bis acht Seiten. Das hatte er auch getan. Lot hatte sie jedes Mal wohlwollend in Empfang genommen und Kurt gelobt. Gut, gut, hatte er immer gesagt. Machen Sie das so weiter. Vielleicht \u00e4ndern Sie dies und jenes, hatte er manchmal angef\u00fcgt. Ob er die Zitate am Fu\u00dfende so lassen k\u00f6nne, hatte Kurt gefragt. Nat\u00fcrlich, lassen Sie die so, hatte Lot geantwortet. Danach war Kurt wieder sich selbst \u00fcberlassen. W\u00fchlte in unz\u00e4hligen B\u00fcchern in der Fachbibliothek, sa\u00df stundenlang in der Mensa bei einem oder zwei Kaffee, kopierte, exzerpierte, redigierte und inhalierte eine Zigarette nach der anderen.<\/p>\n<p>Weihnachten stand kurz vor der T\u00fcr. Dies bedeutete drei Wochen ohne Betreuung. Beinahe als wenn \u2026 was ist, wenn dein Psychiater auf Urlaub f\u00e4hrt? Kurt fragte sich, das gibt\u00b4s nicht, oder? Wie, wie sollte er denn ohne ihn auskommen? Ohne diesen Lot! Wom\u00f6glich ist er mit dem, was ich da zusammenschreibe, nicht zufrieden. Dann kann ich die ganze Schei\u00dfe noch mal von vorne machen! Im Feber w\u00fcrde die Pr\u00fcfung sein. Bis dahin musste Lot seine Arbeit korrekturgelesen haben, sie dem Zweit- und Drittpr\u00fcfer \u00fcbergeben haben und und und!<br \/>\nDas ginge sich doch nie aus! Kurt war verzweifelt. Dann w\u00e4re das Stipendium auch futsch und er m\u00fcsste arbeiten. Ja, arbeiten! Man w\u00fcrde irgendeinen Job finden. Ja, doch. Sicherlich. Irgendeinen Job w\u00fcrde er schon finden. Geschirrsp\u00fclen in der Mensa oder so. Oder dort an der Kassa sitzen. Er kannte den Mensa-Chef fl\u00fcchtig. Ein verkrachter Medizinstudent im Gott wei\u00df wievielten Semester. Musste auch jobben. Na und? Irgendwann w\u00fcrde man schon damit fertig sein. Im schlimmsten Fall k\u00f6nnte man noch einmal antreten.<\/p>\n<p>Da war dieses Zimmer 411! Kurt hielt sein Ohr n\u00e4her an die T\u00fcr. Sie waren schon da. Verdammt! Die Professoren waren drinnen. Er konnte die Stimmen zweier M\u00e4nner h\u00f6ren. Ob das Lots Stimme war? Kurt war sich nicht sicher. Die andere kam ihm vertraut vor. Nat\u00fcrlich, Professor Wendelin, sein Zweitpr\u00fcfer. Vielleicht h\u00e4tte er sogar bei dem schreiben sollen? Allemal besser als beim Lot. Oder doch beim Knoll? Schei\u00dfe! Jetzt war es doch egal! Hauptsache, es ging rasch vor\u00fcber.<br \/>\nHoffentlich stellten die anderen keine unangenehmen Fragen, durchfuhr es Kurt. Der Wendelin w\u00fcrde nicht so schlimm sein, aber wer war der dritte? Die Meier, die alte linke Lesbe? Bitte nicht, die fehlte ihm gerade noch. Kurt atmete tief durch. Die Beine wollten versagen. Aber dann &#8211; dann klopfte er vorsichtig. Nichts. Sollte er noch einmal? Keine Reaktion. Noch einmal, poch poch poch. Blo\u00df nicht zu laut. Wer wei\u00df, vielleicht kreideten sie ihm an, dass er sich so aufdr\u00e4ngte? Konnte ja sein.<\/p>\n<p>Bei Professoren wusste man nie, wie sie reagieren. Einmal hat einer eine Studentin w\u00e4hrend eines Seminars zur Sau gemacht, vor allen anderen, blo\u00df weil sie auf die Toilette gegangen war. Ob sie ihren Stoffwechsel nicht in der Pause erledigen k\u00f6nnte, hatte er ihr ins Gesicht geschleudert. Als ob man noch auf der Schule w\u00e4re! Kindergartenall\u00fcren! Nahm sich nicht einmal die M\u00fche, hochdeutsch zu sprechen. Do hot der Mann ihm das Buch gebroocht (sic!), hatte er einmal gesagt.<br \/>\nDie Studenten haben gelacht, besonders die Deutschen. Wie kann so einer auf der Germanistik sitzen, haben sie gefragt und sich gewundert. \u00dcberhaupt gab es dort die witzigsten Typen unter den Professoren. Einer, der w\u00e4hrend seiner Vorlesungen st\u00e4ndig ins Libretto abgerutscht war, sobald er sich im Biedermeier und der Romantik befunden hatte, war Professor Keller. Ein Beau. Ein Original! Und optisch doch ein Klon &#8211; Mittelding aus Charlton Heston und Maximilian Schell. Aber &#8211; ein Mann des Librettos. Ja, das Libretto, seine Leidenschaft.<br \/>\nAls er wieder einmal abglitt, ins seichte Fach der Musen, begannen einige Studenten in Trichter zu blasen, die Tischtrommel zu r\u00fchren und den Bariton zu mimen. Eine Sage machte seit seither unter den H\u00f6rern die Runde, dass jene ihm w\u00e4hrend dieser Vorlesung eine regelrechte Kapelle ausgerichtet h\u00e4tten, mit Topfdeckeln als Tschinellen und Trichtern als Trompeten und nebenbei allerlei Schlagwerk und vielstimmigen Gesang. Daraufhin hatte Keller die Vorlesung abgebrochen und diejenigen unter ihnen aufgefordert, die vorh\u00e4tten, ernsthaft zu studieren, ihm ins naheliegende Caf\u00e9 zu folgen, wo er seinen Vortrag fortzusetzen gedachte. Die Kapelle eskortierte ihn und die Studierwilligen artig bis vor die Pforten der Restauration. Allein der Oberkellner verweigerte deren Eintritt energisch. Ob das alles so stimme, wusste Kurt nicht. Trotzdem, es hatte ihn stets am\u00fcsiert. Doch das war jetzt nicht von Belang.<\/p>\n<p>Als Kurt zum dritten Mal anklopfen wollte, \u00f6ffnete sich pl\u00f6tzlich die T\u00fcre und vor ihm stand Professor Wendelin. \u201eAch, Sie sind\u00b4s! Na, da haben wir aber heute ein Pech. Soeben hat uns der Kollege Lot angerufen, dass er heute nicht kommt, weil er krank ist. Tut leid\u201c, f\u00fcgte er hinzu. Was war das? Der Lot ist heute krank, an seinem Pr\u00fcfungstag? Ja, ist das denn die M\u00f6glichkeit? Kurt traf beinahe der Schlag! \u201eJa, aber aber\u201c, stotterte Kurt, \u201ewann, also wann muss ich denn dann\u2026?\u201c \u201eMachen Sie mit ihm einen neuen Termin aus, Herr Kollege\u201c, sagte Wendelin beinahe v\u00e4terlich, \u201eirgendwann wird er ja wieder gesund werden, nicht wahr? Wie gesagt, heute, tut leid!\u201c Mit dieser k\u00fcmmerlichen Phrase lie\u00df er Kurt am Korridor stehen und schloss die T\u00fcre hinter sich.<br \/>\nKurt stand da, verstand die Welt nicht mehr, w\u00e4hrend die Gedanken in seinem Gehirn Purzelb\u00e4ume schlugen. Alles vergebliche M\u00fche, dachte er. Ich werde verr\u00fcckt! Die schlaflose Nacht! Das ganze Hin und Her! So eine verdammte Schei\u00dfe!, \u00a0und verlie\u00df die Universit\u00e4t auf k\u00fcrzestem Wege.<\/p>\n<p>Vier bange Wochen waren vergangen, als Kurt zum neu ausgemachten Termin seiner Diplompr\u00fcfung eilte. Das Wetter war um nichts besser als beim letzten Mal. Doch diesmal sollte das Pr\u00fcfungszimmer im Parterre sein.<br \/>\nNaja, wenigstens eine kleine Erleichterung, dachte Kurt und eilte durch die engen G\u00e4nge. Sein Herz, wie sollte es anders sein, raste ebenso wie damals. Die Beine wollten wie immer versagen. Der Mund war ausgetrocknet wie eine Zisterne in der W\u00fcste Gobi. Vielleicht war er wieder krank, der Lot? Vielleicht war was mit seinem Blutdruck? Weil er immer so rot war? Vielleicht war er sogar \u00fcberraschend verstorben? Alles w\u00e4re ihm recht gewesen. Bitte, lieber Gott, hab Erbarmen!<br \/>\nDoch diesmal fand er die T\u00fcre gleich beim ersten Anlauf. Schei\u00df Uni, wie \u00fcblich, durchfuhr es ihn, und oh mein Gott, bitte hilf mir jetzt, dass ich das \u00fcberleb\u2018!, fl\u00fcsterte er wie gew\u00f6hnlich. Er war atemlos. Bis zum Hals schlug das tapfere Herz, stotterte manchmal, hatte kleine Aussetzer, wie immer, nichts Neues bei Kurt. Alles normal, habe ich immer, sagte er sich. Da! Da vorne, da musste es sein.<\/p>\n<p>Diesmal z\u00f6gerte er nicht und klopfte, todesmutig, gleich. Eine harsche Stimme rief schnarrend herein. Kurt wurden die Knie noch weicher. Sein Darm wand sich verd\u00e4chtig und vom Magen her stiegen ihm hei\u00dfe Wallungen auf. Ach du gro\u00dfe Schei\u00dfe! Alle waren sie da, der Lot mit dem roten Gesicht, nein, nicht tot. Der Wendelin und die Dritte, wie er es geahnt hatte, die linke Lesbe, die Meier. Kurt stand da wie angewurzelt. Sein Unterhemd war pitschnass, und man hatte noch nicht einmal begonnen, ihn zu foltern. Lot stellte seinen Pr\u00fcfling vor und bat ihn, Kurt, m\u00f6glichst kurz \u00fcber seine Arbeit zu sprechen, um sie den anwesenden Kollegen in den Grundz\u00fcgen vorerst einmal vorzustellen.<\/p>\n<p>Jetzt ist es so weit! Jetzt filetieren sie dich, dachte Kurt. Er stotterte etwas von er h\u00e4tte wenig Zeit gehabt die letzten Wochen und so weiter und wolle sich bem\u00fchen, eine Zusammenfassung der Arbeit vorzustellen. Zun\u00e4chst beleuchtete er das Thema von den klassischen Wurzeln her, leitete dann etwas zittrig im Ton zu den theoretischen Schriften im 19. Jahrhundert \u00fcber und stellte schlie\u00dflich fest, dass es bemerkenswert sei, dass die Vermengung der rhetorischen und sprachlichen Formen seit der Antike nachweisbar und eine ziemliche Dehnungsbreite im heutigen Sprachgebrauch aufwies. Es w\u00e4re gut, winkte Lot ab.<br \/>\nNun wetzten sie die Messer. Kurt sp\u00fcrte die Einstiche, noch ehe sie die Klingen angesetzt hatten. Die beiden anderen Pr\u00fcfer, die bisher keine Fragen gestellt hatten, nickten wohlwollend und reichten Lot ihre vorher erhaltenen Exemplare von Kurts Diplomarbeit. \u201eIch werde Sie nun noch etwas anderes fragen\u201c, sagte Lot dann, und Kurt stieg die hei\u00dfe Wallung aus der Magengegend erneut nach oben. Was will er denn noch, fragte er sich erschrocken? Ich wei\u00df doch gar nichts mehr!<\/p>\n<p>\u201eErz\u00e4hlen Sie uns etwas \u00fcber das Verb. Was gibt es denn da alles?\u201c Schei\u00dfe, durchzuckte es Kurt, der pr\u00fcft Grammatik. Aber davon war doch nie die Rede, verdammt! In Grammatik bin ein Trottel, dachte er. \u201eDas Verb, also es gibt..\u201c, stotterte Kurt. Lot, mit hochrotem Kopf, seinetwegen?, dachte Kurt, \u00a0zog Dackelfalten auf der Stirn. \u201eNun, Sie werden doch etwas \u00fcber das Verb wissen, nicht wahr?\u201c, bohrte Lot. \u201eWer regiert denn eigentlich den Satz, wissen Sie das vielleicht?<br \/>\nKurt schwitzte. Er rutsche unruhig auf seinem Stuhl umher und dachte fieberhaft nach. \u201eDas, den Satz, der, den Satz regiert, \u00e4h, das Substantiv\u201c, w\u00fcrgte er gebrochen heraus. Zack! Bl\u00f6der h\u00e4tte es nicht kommen k\u00f6nnen. Was hatte er da gesagt? Er wollte das doch gar nicht. Es war ihm pl\u00f6tzlich so herausgerutscht.<br \/>\nDie Pr\u00fcfer sahen sich an. Was f\u00fcr Blicke! \u201eWas reden Sie denn da zusammen?\u201c, grantelte Lot und sein Gesicht wurde noch roter. Kurt dachte immer, farbliche Adjektiva lie\u00dfen sich nicht steigern. Er wollte in einem Mauseloch verschwinden.<\/p>\n<p>Eine Frage folgte der anderen, Kurt wand sich wie ein Wurm. Doch man konnte es drehen und wenden, wie man wollte, er hatte ja doch keine Ahnung von der Materie. Raunen im Professorium. Dann fragte Lot vorwurfsvoll: \u201eHaben Sie nicht auf meine Homepage gesehen? Dort steht, was ich im Allgemeinen so verlange.\u201c<br \/>\nNein, hatte er nicht, h\u00e4tte er ihm ja sagen k\u00f6nnen, Mann! Schlie\u00dflich hatte er noch drei Tage vor Abgabetermin verlangt, die Zitate aus allen Seiten unten zu l\u00f6schen und im Anhang zu bringen, und das, nachdem er jedes einzelne Blatt schon seit Oktober gesehen und korrigiert hatte. Das ganze Programm war zusammengebrochen. In drei Tagen schrieb Kurt alles noch einmal. W\u00e4re etwas dabei gewesen, wenn er ihm gesagt h\u00e4tte, he, Sie, werfen Sie mal einen Blick auf meine Homepage. Dort steht, was Sie f\u00fcr die m\u00fcndliche Pr\u00fcfung brauchen, oder? W\u00e4re das zu viel verlangt gewesen?<\/p>\n<p>Und dann fiel das Messer des Schafotts. Es kam, wie es hatte kommen m\u00fcssen. Zack! \u201eAlso, das ist zu wenig, Herr Kollege\u201c, sagte Lot enerviert. Man wird doch noch so etwas fragen d\u00fcrfen,\u00a0 heutzutage, nicht wahr? Kommen Sie im Juni wieder.\u201c Schwarz! Kurt wurde es schwarz vor Augen. Er h\u00f6rte und sah nichts mehr. Wie ein Blitz hatte ihn die Nachricht getroffen. Das war\u00b4s. Aus! Ende! Verschissen! \u201eTut leid\u201c, fl\u00fcsterte der Knoll und grinste. Die linke Lesbe verzog keine Miene, stand auf und ging, ohne sich zu verabschieden. Kurt erhob sich wie in Trance, gr\u00fc\u00dfte artig, wenigstens das funktionierte bei ihm wie bei einem Roboter, nahm seine Sachen und verlie\u00df den Raum mit einem leisen \u201eAuf Wiedersehen\u201c auf den Lippen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Norbert Johannes Prenner<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at |Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=408\">an Tagen wie diesen \u2026<\/a> | Inventarnummer: 15117<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war bei Gott kein Tag f\u00fcr eine Pr\u00fcfung. Der St\u00f6rungseinfluss hatte weiter zugenommen. 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