{"id":3050,"date":"2015-08-26T16:19:57","date_gmt":"2015-08-26T16:19:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=3050"},"modified":"2015-08-27T08:05:31","modified_gmt":"2015-08-27T08:05:31","slug":"vertrieben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=3050","title":{"rendered":"Vertrieben"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts3050&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts3050&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Vor langer Zeit herrschte in einem von der \u00fcbrigen Welt bislang v\u00f6llig unbeachteten Land ein m\u00e4chtiger und reicher Herrscher. Er war ein Mann, der sehr darauf achtete, dass seine Befehle, die er gab, auch eingehalten wurden und drohte jedem mit der Todesstrafe, der sich seinen Anordnungen widersetzte, aber auch jenen, die \u00fcber ihn schlecht redeten oder gar \u00fcber ihn lachten. Als dieser strenge Landesherr nach vielen Jahren absoluter Machtaus\u00fcbung schlie\u00dflich von ein paar unzufriedenen Untertanen ermordet wurde, eine Tat, die in diesem Lande nichts Besonderes oder gar Seltenes war, \u00fcbernahm sein Sohn die Macht und wurde mithilfe eines selbst ernannten Kaisers, dem das Votum des Volkes v\u00f6llig gleichg\u00fcltig war, an die h\u00f6chste Position der Politik gesetzt, da er dessen G\u00fcnstling war.<br \/>\nEr wurde zum obersten Befehlshaber einer Sicherheitstruppe, dem die Menschenrechtsorganisationen im Laufe seiner Amtsperiode die verschiedensten Verbrechen zur Last legten, wie etwa Totschlag, Entf\u00fchrung oder auch Folter, ohne diese jemals beweisen zu k\u00f6nnen. Kurze Zeit sp\u00e4ter wurde er auf Vorschlag des Kaisers zum Premierminister ernannt und durch eine Parlamentswahl zum Pr\u00e4sidenten des Landes gemacht, nachdem er das drei\u00dfigste Lebensjahr erlangt hatte, das Mindestalter, welches als Voraussetzung daf\u00fcr galt, ein derartiges Amt auch annehmen zu k\u00f6nnen. Als solcher versprach er, das Land, das zuvor durch Kriege zerst\u00f6rt worden war, wieder aufzubauen, durch weitreichende wirtschaftliche Hilfe und Reformpl\u00e4ne wieder instandzusetzen und den Terrorismus im Lande zu bek\u00e4mpfen. Dies alles sollte mit finanzieller Hilfe des Kaisers sowie steigenden Erl\u00f6sen aus dem \u00d6lgesch\u00e4ft rasch umgesetzt werden.<br \/>\nDurch den Tod des Vaters und durch die Protektion des m\u00e4chtigen Landesf\u00fcrsten war jener nun also an die vorderste Front des Landes gelangt und nicht zuletzt auch f\u00fcr die Sicherheit des Landes verantwortlich. Zu viel Macht f\u00fcr einen einzigen Menschen, wie sich herausstellte, denn es entwickelte sich ein Personenkult um ihn, der darin gipfelte, dass sich von nun sein Portrait in \u00fcberdimensionaler Gr\u00f6\u00dfe \u00fcber das ganze Land verteilt, in Stra\u00dfen und St\u00e4dten, an W\u00e4nden und Hausmauern, wiederfand.<br \/>\nVom Gr\u00f6\u00dfenwahn gepackt, wie schon sein Vater zuvor, umging er in allen Belangen Entscheidungen des Parlaments, um sich selbst den Titel \u201ePr\u00e4sident\u201c an die eigene Brust zu heften, oder sich auch noch gleich \u201eImam\u201c oder sogar \u201eVater des Volkes\u201c nennen zu wollen. Doch der \u201eVater des Volkes\u201c handelte nicht wie ein sorgender Vater, sondern unterdr\u00fcckte seine Mitmenschen aufs Furchtbarste. Auch das hatte immer schon Tradition in diesem weiten Landstrich.<\/p>\n<p>Eines Tages floh ein Mann aus dem Volke, um der Welt da drau\u00dfen mitzuteilen, welcher Schreckensherrschaft er soeben entronnen war. Er wandte sich an den Europ\u00e4ischen Gerichtshof und legte dort Fotos von Gefolterten in seinem Lande vor, Zeugenaussagen misshandelter B\u00fcrger und Berichte \u00fcber Vergewaltigungen und Entf\u00fchrungen. Monate sp\u00e4ter wurde er von Agenten des Pr\u00e4sidenten in einer der friedlichsten St\u00e4dte der Welt am helllichten Tag auf offener Stra\u00dfe erschossen.<br \/>\nDer Pr\u00e4sident, den man international mit dieser Tat in Verbindung brachte, bestritt nat\u00fcrlich jeden Zusammenhang mit diesem Mord. Dar\u00fcber hinaus war bekannt geworden, dass es im Land zu zahlreichen Frauenmorden gekommen war, welche offiziell als Ehrenmorde bezeichnet worden waren. Der Pr\u00e4sident verdammte solche Morde zun\u00e4chst in der Presse als unmoralisch und distanzierte sich vehement von derartigen Verbrechen, um sich allerdings in einem darauffolgenden Interview sofort zu widersprechen. Vielmehr m\u00fcsse sich ein Vater sch\u00e4men, sagte er, wenn dieser seine Tochter im Falle einer Vergewaltigung nicht auch noch sofort t\u00f6te. Seinen Feinden jedoch, die Kritik an ihm \u00fcbten, lie\u00df er ausrichten, sie w\u00fcrden unweigerlich in der H\u00f6lle braten, w\u00fcrde er sie eines Tages in die H\u00e4nde kriegen.<\/p>\n<p>In diesen schweren Zeiten also verlie\u00dfen immer mehr und mehr Menschen dieses Land, um anderswo ein neues, geordneteres und sichereres Leben beginnen zu k\u00f6nnen. Eine dieser Fl\u00fcchtlinge hie\u00df Milana. Sie war verheiratet, hatte neun Kinder und lebte gl\u00fccklich und zufrieden mit ihrem Gatten seit \u00fcber f\u00fcnfzehn Jahren in einem gro\u00dfen Haus in einem kleinen Dorf nahe der Grenze zum Nachbarland.<br \/>\nEines Tages klopften zwei Beamte des Pr\u00e4sidenten an die schwere Eichent\u00fcr des Vierkanthofes. Milana \u00f6ffnete z\u00f6gernd. Man h\u00e4tte ihren Mann verhaftet, sagte einer von ihnen, weil dieser sich geweigert h\u00e4tte, die Zustimmung zum Verkauf eines bestimmten Grundst\u00fccks zu geben, welches angeblich f\u00fcr den Bau einer wichtigen Stra\u00dfe gebraucht w\u00fcrde. Aber jeder wusste, dass es auf diesem Grundst\u00fcck \u00d6l gab. \u00d6l, das kaum einen Meter tief unter der Erde sprudelte. Und solche Grundst\u00fccke gab es viele. Milana sagte, davon w\u00fcsste sie nichts. Der Beamte dr\u00e4ngte sie, anstelle ihres Gatten das Papier zu unterschreiben. Doch Milana meinte, sie w\u00fcrde nie etwas Derartiges ohne die Zustimmung ihres Mannes tun.<br \/>\nDaraufhin kehrten sie Milana den R\u00fccken und stiegen in ihr Auto. In der folgenden Nacht umstellten f\u00fcnf Milit\u00e4rlastwagen das Gel\u00e4nde um Milanas Haus. Soldaten sprangen von den Ladefl\u00e4chen, schlugen mit Brechstangen das Tor ein und trieben Milana und ihre Kinder aus den Betten in den Innenhof. Die Frau war im achten Monat schwanger. Einer der Soldaten fragte sie, wo sie das Geld und den Schmuck aufbewahre. Als Milana schwieg, schlug er ihr mit der Kalaschnikow \u00fcber den Oberarm, sodass dieser auf der Stelle brach. Die Kinder schrien und weinten. Die Kleinen h\u00e4ngten sich an Milanas Beine und die \u00e4lteste Tochter k\u00fcsste das schmerzverzerrte Gesicht der Mutter.<br \/>\nDie Soldaten beschlagnahmten das Haus samt Inhalt. Sie luden wertvolle M\u00f6bel auf die Wagen und trieben die ganze Familie mit Sch\u00fcssen aus dem Haus. Mutter und Kinder fl\u00fcchteten in Panik in den nahen Wald. Zwei der Kinder verliefen sich an einer Weggabelung. Milana sollte sie nie mehr wiedersehen. Unterwegs stie\u00dfen sie auf zwanzig weitere Fl\u00fcchtlinge, die ihr berichteten, man h\u00e4tte ihren Mann in einem Dorf, zwanzig Kilometer von seinem Heimatort, erschossen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Milana brach eine Welt zusammen. Gemeinsam mit den anderen gelang es ihnen, unbehelligt \u00fcber die Grenze zu kommen. Nach sechs Wochen waren alle an einem sicheren Ort eingetroffen, wo man sich um sie k\u00fcmmerte. Viele Monate vergingen. Die Gruppe wurde inzwischen in einer Wohnhausanlage auf dem Land untergebracht.<br \/>\nIm Innenhof dieser Wohnhausanlage sa\u00df nun Milana eines Nachmittags mit einer Gruppe Frauen, die umst\u00e4ndlich nach Sitzgelegenheiten suchten. Hier ein alter Kunststoff-Gartensessel, dort ein ausrangierter K\u00fcchenstuhl. Jede fand schlie\u00dflich irgendwie einen Platz. Der Hof war weitl\u00e4ufig. Eine junge Sozialarbeiterin stellte den Frauen den neuen Deutschlehrer vor. Vierzehn Augenpaare starrten ihn an. Der Fremde hier war er, schien es. Die Frauen sprachen kaum ein deutsches Wort. Kinder tollten im Hof umher, n\u00e4herten sich zaghaft dem Outdoor-Klassenzimmer.<br \/>\nMilanas dreizehnj\u00e4hrige Tochter ging hier nun schon das zweite Jahr zur Schule. Sie fungierte ausgezeichnet als Dolmetscherin. Manche Frauen hielten die \u00dcbungsbl\u00e4tter verkehrt in den H\u00e4nden und starrten aufs Papier. Alphabetisierungskurs. Eine las langsam und holprig einen kurzen Satz. Sie konnte nur ein Wort darin verstehen: putzen. Ich kann waschen und putzen, hie\u00df der ganze Satz. Die Unterarme dieser Frau wiesen tiefe Narben j\u00fcngst verheilter Brandwunden auf. In ihren Augen spiegelten sich die Gr\u00e4uel eines sinnlosen Krieges wider. Nur manchmal l\u00e4chelte sie.<\/p>\n<p>Milana war abwesend. Sie starrte auf ihr Handy und betrachtete eine MMS, die sie erst k\u00fcrzlich aus ihrer Heimat erhalten hatte. Es zeigte den Pr\u00e4sidenten mit seinen Kumpanen auf Tausenden von Dollarscheinen tanzend in einem geschlossenen Raum. W\u00e4hrend er \u00fcber die Scheine sprang, fuchtelte er mit seiner Pistole in der Luft herum. Ein weiteres Bild zeigte ihn, wie er lachend auf die Dollarnoten schoss.<br \/>\nMilana musste an ihren Mann denken und an ihre beiden verschollenen Kinder. Unbemerkt von all den anderen rannen langsam, perlengleich, Tr\u00e4nen aus ihren traurigen Augen \u00fcber die Wangen, und m\u00fcndeten salzig auf ihren blassen Lippen.<br \/>\nEs war die Zeit des Ramadan. Die Frauen waren sehr schwach vom Fasten und konnten sich nur mit M\u00fche konzentrieren. Was ist eine Verbklammer? Was ist die Infinitivform? Der Lehrer blickte ihnen hilflos in ihre dunklen Augen, die ihn verst\u00e4ndnislos ansahen. Erst am Abend durfte wieder gegessen werden. Ab einundzwanzig Uhr, bis zwei Uhr drei\u00dfig. Dann nicht mehr. In dieser Zeit durfte auch nicht getrunken werden. Nicht einmal ein Schluck Wasser!<br \/>\nDie Frauen hier hatten in der Heimat alles verloren. Die Eltern \u2013 erschossen. Die Br\u00fcder \u2013 bei einem Angriff umgekommen. Die H\u00e4user verbrannt. Nur wenige von ihnen hatten sich mit ihren Kindern in Sicherheit bringen k\u00f6nnen und waren froh, dieses Wild-Ost-Szenario \u00fcberlebt zu haben.<br \/>\nHier waren sie sicher. Vorerst zumindest. Ich habe Angst um meine Kinder, sagte eine Anrainerin, wenn die hier sind. Die gefl\u00fcchteten Frauen hatten auch Angst. Aber wir sind doch Christen, erwiderte die Sozialarbeiterin der Einheimischen. Ist es nicht unsere Pflicht als Christenmenschen, Notleidenden, Hilfesuchenden die Hand zu reichen? Ja, schon, aber, warum m\u00fcssen sie ausgerechnet zu uns kommen?, fragte die Nachbarin.<\/p>\n<p>Wenige von den Frauen hatten schon Arbeit. Ihr gr\u00f6\u00dftes Problem war die deutsche Sprache. Die Arbeitgeber sprachen noch dazu alle im Dialekt. Viele Wochen vergingen mit Lesen oder mit Zeichnen, oft einziges Kommunikationsmittel, wenn etwas nicht verstanden wurde. Tausendmal wurde im W\u00f6rterbuch nachschlagen. Eine hatte ihr Baby mitgebracht und stillte es w\u00e4hrend des Unterrichts. Der Lehrer hatte gewonnen. Er war akzeptiert worden, und das als einziger Mann hier herinnen. Am anderen Ende des Hofes trieben sich die Ehem\u00e4nner der Frauen herum. Unrasiert, die meisten ohne Arbeit, oder blo\u00df geringf\u00fcgig besch\u00e4ftigt. Es passte ihnen \u00fcberhaupt nicht, dass ihre Frauen den Deutschunterricht f\u00fcr sich selbst durchgesetzt hatten. Misstrauisch sahen sie zum Lehrer und zu den Frauen her\u00fcber. Er verk\u00f6rperte das Fremde, das Unbekannte, das Unverst\u00e4ndliche. Sind die gef\u00e4hrlich?, fragte sich der Deutschlehrer. Ein verzweifelter Gatte lieferte ein schreiendes Kind ab, das zu seiner Mutter wollte. Das Kind beruhigte sich, als sie es auf den Arm nahm. Die M\u00fctter schienen streng zu ihren Kindern, aber gleichzeitig auch wieder liebevoll. Die Kinder waren allesamt sehr diszipliniert. \u00dcberhaupt kein St\u00f6rfaktor w\u00e4hrend des Unterrichts.<br \/>\nDer Vermieter der Wohnhausanlage wollte die Miete erh\u00f6hen, erkl\u00e4rten die Frauen dem Lehrer umst\u00e4ndlich. Wovon sollte man das bezahlen, und wie soll man das dem Vermieter erkl\u00e4ren? Sie w\u00e4ren hier in der Fremde. M\u00fcssten sich den Gegebenheiten anpassen. Wenn euch was nicht passt, sagte der Vermieter, zieht eben anderswo hin. Punktum! Nach einigen Wochen klappte das Notwendigste zur Kommunikation. Einer der M\u00e4nner hatte Asthma. Giftgas, sagten die Frauen. Seitdem h\u00e4tte er diese Beschwerden.<br \/>\nEinmal begann der Unterricht damit, dass alle gemeinsam die Tasche einer Kursteilnehmerin trockenlegten, weil die Trinkflasche ihres Babys ausgeronnen war. Ein andermal forderte die Beh\u00f6rde von einem eine plausible Erkl\u00e4rung, weil er, ohne zu fragen, f\u00fcr eine Woche in die Heimat gefahren war, unter Lebensgefahr. Sein Bruder war verungl\u00fcckt, so sagten sie. Das Ungl\u00fcck aber war eine Kugel aus einem Soldatengewehr. Ein Ansuchen h\u00e4tte drei Wochen gedauert, dann w\u00e4re das Begr\u00e4bnis l\u00e4ngst vorbei gewesen. Gemeinsam entwarfen sie mit dem Lehrer ein Schreiben.<\/p>\n<p>Auf Fragen, was f\u00fcr die Fl\u00fcchtlinge hier anders w\u00e4re, antworteten sie einstimmig, die Ordnung. Was f\u00fcr eine Ordnung? Der Stra\u00dfenverkehr, sagte eine. Alle hielten sich an die Ampelregelung, niemand fuhr bei Rot. Sie sch\u00fcttelten die K\u00f6pfe und lachten. Befremdend offensichtlich. Geregelte \u00d6ffnungszeiten! Daheim w\u00e4re das nicht so. Anpassung w\u00fcrde von ihnen verlangt, sagte man ihnen bei den Beh\u00f6rden. Integration. Manchmal w\u00e4re es das Wetter, das sie irritierte. Der hei\u00dfe Sommer, meinte eine. Aber nat\u00fcrlich die Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache, dem Artikelwirrwarr und den unregelm\u00e4\u00dfigen Verben. Alles w\u00e4re anders. Es w\u00fcrde Generationen dauern, hier zu Hause zu sein, heimisch zu werden.<\/p>\n<p>Ob sie etwas vermissten, was sie zur\u00fccklassen mussten? Ja, die Eltern, sagten mehrere Frauen. Milana schluckte. Sie schwieg. Was w\u00e4re noch anders hier? Die Natur. Die Pflanzen, antwortete Milanas Tochter. In den Skripten, die der Lehrer verwendete, fanden sich Kurzgeschichten, in denen von Rekorden die Rede war. Von einem Mann, der sieben Luftballone rasieren konnte, ohne dass einer dabei platzte. Oder von einer Frau, die in siebenundzwanzig Sekunden einen Autoreifen wechseln konnte. Die Kursteilnehmerinnen verstanden anfangs nicht. Was haben diese Leute gemacht? Es herrscht Ratlosigkeit. Das sollte der goldene Westen sein? Haben die Menschen hier nichts Wichtigeres zu tun, fragt das M\u00e4dchen? Er schlug ein anderes Kapitel auf. Pr\u00e4sens \u2013 und Perfekt\u00fcbungen. Die Frauen waren zu m\u00fcde, die Konzentration lie\u00df nach zwei Stunden deutlich nach. Also Pause.<br \/>\nNach dem Unterricht wurde Tee vom Aufgussbeutel und Schokolade gereicht, einziger Luxus. Aber nur f\u00fcr den Lehrer. Schlie\u00dflich war Ramadan. Kein Kuchen, kein Kaffee, kein Zucker. Die eine Frau mit den Verbrennungen war in ihrer Heimat Lehrerin gewesen und zweiundvierzig Jahre alt. Hier w\u00fcrde sie bestenfalls Reinigungsfrau sein.<br \/>\nMilana w\u00fcrde kein eigenes Haus mehr haben. Vielleicht einmal eine eigene Wohnung, wenn sie Arbeit bek\u00e4me. Ihren Kindern k\u00f6nnte sie dann eine gesicherte Zukunft bieten. Doch im Moment bestimmten nur schreckliche Erinnerungen an die Vergangenheit ihr Leben.<\/p>\n<p><em>Nachwort: Leider ist die Geschichte um Milana nicht erfunden und auch nicht \u201e1000 und einer Nacht\u201c entlehnt, sondern sie ist tats\u00e4chlich passiert. Als Milanas Deutschlehrer habe ich sie aufgezeichnet und Milana, deren Namen ich ge\u00e4ndert habe, gefragt, ob sie im Falle einer Ver\u00f6ffentlichung ihre Zustimmung daf\u00fcr geben w\u00fcrde. Sie hat \u201eJa\u201c gesagt.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Norbert Johannes Prenner<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=972\">\u00e4rgstens<\/a> | Inventarnummer: 15091<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor langer Zeit herrschte in einem von der \u00fcbrigen Welt bislang v\u00f6llig unbeachteten Land ein m\u00e4chtiger und reicher Herrscher. 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