{"id":2977,"date":"2015-08-02T17:22:33","date_gmt":"2015-08-02T17:22:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=2977"},"modified":"2017-07-18T14:39:33","modified_gmt":"2017-07-18T14:39:33","slug":"der-verbalist","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=2977","title":{"rendered":"Der Verbalist"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts2977&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts2977&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Was ist, fragt ihr, ein Verbalist? Bedaure, dass f\u00fcr derart&#8217;ge Debatten kein Vorschlag einzubringen ist. Doch l\u00e4ngst ist so den Herrn, wohl auch den Damen, aufgefallen, als w\u00e4r er tot und sein Verschwinden leis&#8216; verschwiegen. Sein&#8216; Aufgab&#8216; war, uns stets zu unterhalten. Doch galt er nicht in aller Munde gleich. Dem einen war er Schalk und Narr, dem andren Anarchist. So war er allen das, was sie aus ihm gemacht. War einmal dies und einmal das. Ganz je nachdem, wie es die Zeit verlangt. Was liegt daran, wer spricht? Ist nicht die Stille mehr dem L\u00e4rm der Worte vorzuziehen?<\/p>\n<p>Doch noch einmal zur\u00fcck zur Frage, was er denn sei, der Verbalist? Vielleicht ein Sch\u00f6pfer? Urheber sprachlicher Gebilde? Veranlasser geistiger, sprachlich&#8216; oder bildlich&#8216; Werke? So h\u00f6rt denn selbst, was uns so einer zu erz\u00e4hlen hat:<\/p>\n<p>Beinah ein halbes Leben habe ich verschwendet, um zu berichten. Habe das Publikum ver\u00e4tzt. Mir manches damit auch verbaut. Doch stets darauf bedacht, mir Ungereimtes zu verbeten. War da und dort die Wahrheit selbst verbogen. Vielleicht verdichtet? Ich w\u00e4r verbohrt, warf man mir vor. Was ich verbrach, sei niemals wieder gutzumachen. Den Rest des Lebens sollt&#8216; ich nun mit Stillesein verb\u00fc\u00dfen. Verdacht, sagen die, best\u00fcnde, ich h\u00e4tte sie verladen. Bin nun verdammt, das Maul zu halten. Und was ich schrieb, w\u00e4r schwer verdaulich. Jetzt steh ich da, verdutzt. Versteht: All das tat ich blo\u00df aus Verehrung um Veredelung der Worte. Doch eines tat ich nie, die Zeit verd\u00f6sen. Schrieb niemals unverdrossen in den Tag hinein. Gar zum Verdruss f\u00fcr andere? Hab niemals je verd\u00fcnnt. Schon eher dicke aufgetragen, wenn Fakten oft nicht immer das gehalten, was sie zu allererst versprachen. Doch mit der Zeit verebben alle Worte. Hab unverbl\u00fcmt gesagt, was ich mir denke. Nur um der Wahrheit Willen Getratsche zu verbreiten?<br \/>\nIch tat&#8217;s, das Wort galt&#8217;s zu verehren. Mal zu entzwei&#8217;n, mal zu vereinen. Mein Umfeld wollte ich vereisen, manch einen gern verekeln, wenn es danach schrie. Dann schlie\u00dflich, wenn leise sich der Horizont verengte &#8211; mein Geist verf\u00e4llt &#8211; hab ich nichts weiter zu vererben. Wollte die Welt zum Kritischen verf\u00e4rben. Verzeiht, wenn das, was ich verfasst\u2018, nicht gleich in eure Lade passt. Und manch Hist\u00f6rchen war wohl bass verfault. Verflixt, nie wollt&#8216; ich mich mit euch verfemen. Verzeiht mein unw\u00fcrdig&#8216; Vergehen.<br \/>\nDie Zeit verfloss, derweil ich schrieb. Mich nun zu loben oder zu verdammen, scheint noch verfr\u00fcht. Gebt eine letzte Chance. Doch wenn ich euch verletzt&#8216;, jetzt k\u00f6nnt ihr \u00fcber mich verf\u00fcgen. Mir auch vergeben oder mich vergessen, denn das Papier, auf dem ich schrieb, schon ist&#8217;s vergilbt. Der Geist vergisst leicht mit der Zeit, was er erfuhr. Und dennoch bin ich stets vergn\u00fcgt. Nichts k\u00f6nnt&#8216; man Sch\u00f6n&#8217;res mir verg\u00fcten, als um den Augenblick des Schreibens. Und nichts von alledem war mir verhasster, mehr, als dumpfes Br\u00fcten.<br \/>\nIch h\u00e4tte mich verhauen k\u00f6nnen. Verheult h\u00e4tt&#8216; ich den l\u00e4ngst verlor&#8217;nen Tag. Verhext! Nun will man mich verh\u00f6ren, was ich dazu zu sagen h\u00e4tte. Verh\u00fcten h\u00e4tt ich sollen. Einer wie ich w\u00fcrd&#8216; alles nur verhuren. T\u00e4t&#8216; sich in Wortlaut-Labyrinthen stets verirren. Man k\u00f6nnte mich, wenn man das wollt&#8216;, verjagen. Einer wie ich w\u00fcrd&#8216; ohnehin die Ehr&#8216; verjuxen. Dann auch noch jammern, weil man ihn verkannt&#8216;! So weit soll&#8217;s auch noch kommen! Ist diese Welt denn nicht verkehrt?<br \/>\nWas kann denn ich daf\u00fcr, dass sie mich jetzt verl\u00e4sst? Verlaust, verlebt, verklebt. Ein Wortverdreher. Na und? Was wurde schon verlegt? Das Bisschen? Nein, nein, man hat sich nicht verlesen. Zuwenig war&#8217;s verlinkt. Und alles w\u00e4r&#8216; verlogen. Doch noch ist nichts verloren. Wolltet ihr schon mein Seel&#8216; verlosen? Vermeint ihr, dass ihr&#8217;s k\u00f6nnt? Und mir den Lebensabend tr\u00fcben? Ohn&#8216; jegliche Vernunft. Ihr habt vermutet, dass ich den Anschluss h\u00e4tt&#8216; verpasst? Von wegen! Doch was ich tat, war h\u00f6chst verp\u00f6nt. Ich geb es zu. Kritik zu \u00fcben! Wer meint er, dass er sei?, sagt ihr. Nun, einerlei, der Vorschuss ist verprasst. Da kann man halt nix machen. Ich h\u00e4tte mich verrannt, sag&#8217;n die! Herkunft und Vaterland verraten. Dass ich nicht lach!<\/p>\n<p>Meine verruchten Schriften soll&#8217;n verrohen? Ich h\u00f6r euch schon von Weitem drohen. Jetzt w\u00e4re ich verrufen. Nun gut. Ich schreib nicht mehr. Beschloss&#8217;ne Sache. Tasten, die verru\u00dfen. Ideen versagen. Hilferuf versandt. Den Rest des Lebens nicht versauern. Ihr werdet&#8217;s schon bedauern. Ist kein Verschiss, auf meine Ehr! Ihr dachtet erst, er w\u00e4re recht versiert im Schreiben? Macht selbst ein Bild. Blo\u00df Neider nennen mich versifft. Und andere sagen, er ist total versnobt. Kein&#8216; Red&#8216; auch von Verstand.<\/p>\n<p>So bleib ich im Versteck. Ich schlie\u00dfe das Verdeck. Werd&#8216; mir das Leben schon vers\u00fc\u00dfen. Wenn mir was einfiel, so lie\u00df ich&#8217;s nicht vertagen. Ideen sofort auf dem Papier vert\u00e4ut und rasch f\u00fcr mich in Wort und Laut vertont. Wer kann&#8217;s einem ver\u00fcbeln? Nat\u00fcrlich kam es vor, dass mancher auch verulkt sein muss, weil er so bl\u00f6d war. Das soll beileib\u2018 kein Vorwurf sein. Ist jeder nur so wie er ist. Verwandte blieben da nicht ausgenommen. Und innig tat verwegen ich Zug um Zug mein Spinnennetz verweben. Gedanken kommen und verwehen. Zur\u00fcck bleibt oft das Auge nur, verweint. Der Schreiber wird verwesen, und sein Schreibtisch? Der verwaist. Verzicht&#8216; die Welt auf mich! Ich bin verzogen. Sie ist mir zu verzopft. Ich will sie ganz verachten. Ver\u00e4ndern kann ich&#8217;s nimmermehr.<br \/>\nSchluss ist&#8217;s schlie\u00df- und endlich mit Ver\u00e4ppeln und der Verarschung sei&#8217;s genug. Kein Wort mehr von verbrannter Erde. Mag niemand&#8216; mehr verbellen. Der Hund bleibt stumm. Ich werd&#8216; mich vor den Lesern tief verbeugen. Habt Dank, dass ihr so brav mir zugeh\u00f6rt. War auch nicht alles klug, was ich gesagt, hab nicht gedacht, und nur mein Herz gefragt. Was soll&#8217;s. Mein Image ist verbeult. Wer will mich denn daf\u00fcr verbimsen? Mich gar verbl\u00e4uen, weil so verbissen ich dran schuf? Mein Geist ist hell, ich wollte nicht verbl\u00f6den. Hat oft verbl\u00fcfft. Und ist bereits verbl\u00fcht, mein Schwung.<br \/>\nHab&#8217;s selber mir verbockt und mir den Mund verbrannt, die Zung&#8216; verbr\u00fcht. Und ich gesteh, in meinem Wahn hab alles ich verbraten, was mir wert. Kaum kam ein Lob. Viel Arbeit, wenig Brot. Wie sollt&#8216; man selbes auch verbuchen? Verdamm mich, wenn meine Gabe doch nicht blo\u00df genetisch w\u00e4r. Vererbung, ja, nat\u00fcrlich. Ein jeder hat verdient, was er bekommt. Womit sollt&#8216; ich mir sonst die Stund&#8216; verdingen? Zu sonst nichts Lust, als w\u00e4r mir alles schon verdorben. Die Hand, die stetig schrieb, verdorrt. Den hingeworf&#8217;nen Brocken schwer verdaut. Das Unheil um den hoffnungsvollen Satz beinah vereitelt. Na und?<br \/>\nWo find&#8217;st du den Verfasser? Ist er zu Haus? I wo! Im Internet. Na klar! Denn dort ist alles nachzulesen, was du anderswo nit find\u2018st. Verewigt. F\u00fcr die Ewigkeit. Das h\u00e4tt&#8217;ste nicht vermutet, was? Doch immer schon, die Zeit heilt alle Wunden. Der Schreiber ist schon l\u00e4ngst verfault. Verziehen das verfehlte Wort. Verfeuert in die Menge und verheizt. Verjubelt. Verflucht! Jetzt sag blo\u00df ohne Honorar! Ganz unverfroren. Die Chance, Million\u00e4r zu werden, ist vergeigt. Ist and&#8217;ren Schreibern vorbehalten, gar jenen, die die Welt vermessen. Ich m\u00f6chte sie vergiften! Besser w\u00e4r&#8217;s, sie gleich vergessen. Nicht sinnlos Energie vergeuden. Auch geniale Hirne werden irgendwann vergipsen. Und der Pokal in dem Regal, der wird verrosten, wenn Lobeshymnen l\u00e4ngst verhallen. Der Glanz verhuscht. Trotz alledem. All jenen will ich ihren Ruhm verg\u00f6nnen, wenn sie ihn hart verdient&#8216;. Wir soll&#8217;n nicht die Ehr&#8216; verhunzen. Ach, k\u00f6nnt ich mich verj\u00fcngen! Und mit Vokabeln mich verkabeln. Stattdessen bin ich schon verkalkt. Genie verkapptes! Und die Ern\u00fccht&#8217;rung macht verkatert.<br \/>\nEin Typ, wie ich, g\u00e4nzlich verkokst. Verk\u00fcnder krauser Theorien. Und selbstverliebt, das ja, und nicht zu wenig. Zu schwach verlinkt. Bekanntheitsgrad verlischt. Bleib ohnedies nur der Verlierer, trotz der Verlockung, die so gro\u00df. Vermarktung ausgeblieben. Was blieb, ist lediglich verludern und verlumpen. Vermessen w\u00e4r&#8217;s, sich forthin zu vernetzen. Ganz schlecht verpackt. Die Zeit verpennt. Man sollte sich verpissen. Der fr\u00fche Lorbeer ist verprasst. Und ums Verrecken niemals wieder zu erringen. Die Zukunft scheint verregnet und versalzen. Versp\u00fcr schon den Verstand versanden. Die elektronisch&#8216; Feder rasch verstauen. Sie rasch verstecken. Und selbst? Verst\u00f6rt, verwirrt, verstockt, versunken. Verbittert. Zur\u00fcck bleibt, leicht verblasst, verblichen und verdummt, ein Schreiber.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Norbert Johannes Prenner<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at |Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=418\">hardly secret diary<\/a>| Inventarnummer: 15085<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist, fragt ihr, ein Verbalist? Bedaure, dass f\u00fcr derart&#8217;ge Debatten kein Vorschlag einzubringen ist. 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