{"id":2706,"date":"2015-05-30T10:58:31","date_gmt":"2015-05-30T10:58:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=2706"},"modified":"2015-06-15T07:57:45","modified_gmt":"2015-06-15T07:57:45","slug":"der-berufsschueler-1-personenbeschreibung-eines-klischeemaessigen-berufsschuelers-mit-einem-beispiel-zur-veranschaulichung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=2706","title":{"rendered":"Der Berufssch\u00fcler 1: Personenbeschreibung eines klischeem\u00e4\u00dfigen Berufssch\u00fclers mit einem Beispiel zur Veranschaulichung"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts2706&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts2706&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p><em><b>Vorwort:<\/b><\/em><br \/>\n<em>Dieser Text dient ausschlie\u00dflich zur Unterhaltung und soll nicht aussagen, dass alle Berufssch\u00fcler dieser Welt geistig benachteiligte Gesch\u00f6pfe sind, die von einer Qualle im Schach besiegt werden, weil sie die \u201eStartaufstellung\u201c der Figuren f\u00fcr zu defensiv halten. Nein, Spa\u00df beiseite. Ich war selbst Berufssch\u00fcler und habe die Dinge, die ich hier geschrieben habe, selbst exakt so erlebt. Dennoch soll dieser Text nicht aussagen, dass ausnahmslos alle Berufssch\u00fcler auf diesem Niveau agieren. Ich habe einen meiner besten Freunde in der Berufsschule kennengelernt und auch sonst einige liebe, interessante, intelligente Menschen kennenlernen d\u00fcrfen, wor\u00fcber ich sehr froh bin. Also wer sich an bisschen b\u00f6sartigem Sarkasmus und einem knapp an der Grenze des Zumutbaren Ma\u00df an Geh\u00e4ssigkeit erfreuen kann, f\u00fcr den ist dieser Text unterhaltsam und alle anderen, die das nicht wollen oder k\u00f6nnen, sollten sp\u00e4testens jetzt aufh\u00f6ren zu lesen.<\/em><\/p>\n<p><em>Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Berufsschule\u2026<\/em><\/p>\n<p>\u201eRegau? Wie kann man nur Regau hei\u00dfen?\u201c \u201eNaja, f\u00fcr seinen Nachnamen kann ja niemand was, oder?\u201c \u201eEh nicht, aber trotzdem.\u201c \u201eIntelligente Begr\u00fcndung. Gut gemacht, Hr. Janik.\u201c<\/p>\n<p>So beginnt ein ganz normaler Berufsschultag von Markus Regau. Er ist eher ein ruhiger Mensch, und die leichte Unsicherheit gegen\u00fcber den sympathischen Klassenkollegen sieht man ihm sofort an. Da beginnt schon einmal sein erstes Problem. Jedes Mal bei solch anspruchsvollen Wortgefechten begeht er denselben Fehler. Gut, er ist auch noch nicht lange in der Berufsschule, aber gerade die ersten Tage sind so wichtig, um in der Klasse wenigstens ein halbwegs angesehener Mensch zu werden.<br \/>\nEin akzeptierter Au\u00dfenseiter war er schon. Ein gehasster, aber wegen seiner Gr\u00f6\u00dfe in Ruhe gelassener war er auch. Sogar ein l\u00e4ssiger Repetent ist er schon gewesen. Diesmal sollte aber endlich alles anders werden. Einmal, nur ein einziges Mal, wollte er der sein, den alle mochten. Wenigstens bei Berufssch\u00fclern m\u00fcsste das doch funktionieren. Nein, gerade da ist es am schwierigsten, da hier mehr mit Instinkt als mit gedanklicher Leistung entschieden wird, ob man sympathisch oder unsympathisch ist.<\/p>\n<p>Normalerweise hatte er mit ein paar verschachtelten und komplizierten S\u00e4tzen die Leute zum Lachen gebracht. Die haben dann kopfsch\u00fcttelnd, aber lachend, gemeint: \u201eNa Oida, du bist schon oag.\u201c Und man wurde als leicht verr\u00fcckt, aber sympathisch eingestuft, wodurch man sich mehr Bl\u00f6dheiten leisten durfte als andere Menschen. Doch diesmal scheint es nicht funktioniert zu haben, und er begann sich zu fragen, warum. Er analysierte jedes seiner Worte bis er auf den einzigen, aber alles erkl\u00e4renden Fehler kam. Er hatte logisch geantwortet. Er hatte eine Antwort gegeben, die zwar ein guter Konter war, aber erst als dieser gelten konnte, wenn man \u00fcber das Gesagte nachgedacht hatte. Berufssch\u00fcler denken nicht nach. Diese Tatsache hatte er schon festgestellt, und wenn sie es versuchen, kommen keine erfreulichen Ergebnisse dabei heraus.<\/p>\n<p>Wie musste also die perfekte Antwort auf die Frage \u201eRegau? Wie kann man nur Regau hei\u00dfen?\u201c lauten? Richtig. Sie musste nichtssagend sein und, ganz wichtig, man musste sie verstehen k\u00f6nnen, ohne dar\u00fcber nachdenken zu m\u00fcssen. Ein Beispiel w\u00e4re da als Antwort: \u201eJa, komisch.\u201c Zwei kurze W\u00f6rter, die jeder versteht und die auch so zusammengesetzt sind, dass es keine Missverst\u00e4ndnisse geben kann.<br \/>\nDoch die Antwort auf die erste Frage war nicht der fatalste Fehler. Die Antwort auf die zweite Frage war der schmerzliche Anfang vom Ende. Der Sarkasmus. Eine Leidenschaft von Markus Regau. Doch gerade der ist ja genau das Gegenteil von einem verst\u00e4ndlichen Satz f\u00fcr einen Berufssch\u00fcler, weil, wie vor kurzem erw\u00e4hnt, man ja \u00fcber die genaue Formulierung nachdenken und gleichzeitig auf die Wortmelodie des Gesagten achten muss, also eine Tatsache, die bei dem Gehirn eines Berufssch\u00fclers nur einen kompletten Systemabsturz hervorrufen kann. Denn dass der Berufssch\u00fcler gerade nicht die gesamte Botschaft des Satzes verstanden hatte, sp\u00fcrt er, und um \u00fcber die Unf\u00e4higkeit, einen Gegensto\u00df zu vollziehen, hinwegzut\u00e4uschen, werden gewaltandrohende W\u00f6rter verwendet sowie \u201eGusch\u201c, \u201egeh schei\u00df\u2018n\u201c usw. usf.<\/p>\n<p>Lieb gehabt von einem Berufssch\u00fcler wird man dann, wenn man ihn nicht in solch eine Situation bringt, und wenn doch der Ansatz bereits da ist, ebendieser sofort ausgeglichen wird mit einer einfach und verst\u00e4ndlich formulierten Antwort. Nehmen wir zum Beispiel an, der Berufssch\u00fcler h\u00e4tte die Feststellung \u201eEh nicht, aber trotzdem.\u201c ausgesprochen. Sehr anbieten w\u00fcrde sich eine \u00e4hnliche Wortwahl, da man dann sichergehen kann, dass der Berufssch\u00fcler das, was man sagt, auch versteht, da er ja die Worte selbst ben\u00fctzt hat. Das ist zwar noch lange kein Hinweis daf\u00fcr, dass er inhaltlich wei\u00df, was er von sich gibt, aber die Wahrscheinlichkeit, nicht nur akustisch verstanden worden zu sein, stiege zumindest einen Hauch. Eine passende Antwort w\u00e4re dann beispielsweise: \u201eJa, eh.\u201c Hier verwendet man bereits ein Wort, dass der Berufssch\u00fcler auch verwendet hatte und bei dem Wort \u201eJa\u201c kann man davon ausgehen, dass er es kennt.<\/p>\n<p align=\"right\">Lukas Lachnit<br \/>\nKurzgeschichten: fiktiv, enorm, abnorm | Fleischlabel \u00a92013<\/p>\n<p align=\"right\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=432\">Vorhang auf f\u00fcr den Nachwuchs<\/a>| Inventarnummer: 15068<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorwort: Dieser Text dient ausschlie\u00dflich zur Unterhaltung und soll nicht aussagen, dass alle Berufssch\u00fcler dieser Welt geistig benachteiligte Gesch\u00f6pfe sind, die von einer Qualle im Schach besiegt werden, weil sie die \u201eStartaufstellung\u201c der Figuren f\u00fcr zu defensiv halten. Nein, Spa\u00df beiseite. 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