{"id":2701,"date":"2015-05-30T10:24:28","date_gmt":"2015-05-30T10:24:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=2701"},"modified":"2015-06-07T07:53:03","modified_gmt":"2015-06-07T07:53:03","slug":"feind-und-helfer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=2701","title":{"rendered":"Feind und Helfer"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts2701&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts2701&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Also pass auf, ich muss dir was erz\u00e4hlen: Ich bin Samstagabend mit meiner Freundin zu Hause gesessen, in meiner Floridsdorfer 35 m\u00b2-Wohnung und haben uns, aufgrund des Wetters, mangels anderer Alternativen, \u201eWetten, dass..?\u201c im Fernsehen gegeben, w\u00e4hrend mein temperamentvoller Nachbar in ein emotionsgeladenes Streitgespr\u00e4ch mit seiner Freundin verwickelt war.<br \/>\n\u201eSo, meine Damen und Herren\u2026 Wir kommen jetzt zur Kinderwette.\u201c<br \/>\n\u201eDU HURE, DU SCHEISS SCHLAMPE, HALT DOCH EINFACH EINMAL DIE GOOOOSCHN, OIDAAAAA\u201c<br \/>\n\u201eDer kleine Maximilian wettet\u2026\u201c<br \/>\n\u201eSCHLEICH DICH VON MIR DU GSCHISSANE DRECKSAU\u201c<br \/>\n\u201e\u2026dass er 400000 Telefonnummern, im Handstand auf dem kleinen Finger, mit verklebtem Mund durch die Nase, gleichzeitig innerhalb von drei\u00dfig Sekunden aufsagen kann, und w\u00e4hrenddessen mit dem rausrinnenden Rotz einen detailgetreuen Stadtplan von New York im Ma\u00dfstab 1:10000 zeichnen kann, mit im Centralpark enthaltenen Breakdanceburschen, die optisch nur zwischen zw\u00f6lf und dreizehn Jahre alt sein d\u00fcrfen, w\u00e4hrend seine Oma den t\u00fcrkischen Marsch r\u00fcckw\u00e4rts singt und ihm mit einem K\u00e4rcher mit voller Kraft auf den Kehlkopf spr\u00fcht.\u201c<br \/>\n\u201eICH WETT MIT DIR, DASS DU MICH N\u00c4CHSTES WOCHENENDE NOCH DREIMAL BETR\u00dcGST, DU SCHEISS SCHLAMPE\u201c<br \/>\n\u201eTopp, die Wette gilt.\u201c<\/p>\n<p>Dann war ein lautes POCK zu h\u00f6ren, wie wenn etwas Schweres auf den Boden gefallen w\u00e4re, und danach nur mehr Stille. Meine Freundin hat mich fragend angeschaut. Wir waren einiges gew\u00f6hnt aus der Richtung unseres Nachbarn \u00fcber uns, aber POCK und anschlie\u00dfende Stille war neu.<br \/>\n\u201eSollen wir nicht doch sicherheitshalber die Polizei rufen?\u201c, fragte mich meine Freundin und schaute mich unsicher an.<br \/>\nDa war durch das gekippte Fenster ein Telefongespr\u00e4ch auf der Stra\u00dfe zu h\u00f6ren: \u201eJa, da schlagt einer \u00e4rgstens seine Freundin, ich hab\u2019s ja grad ganz genau gesehen. Er hat sie gerade an das Fenster gedr\u00fcckt und dann ist sie auf den Boden gefallen und seitdem sehe ich sie nicht mehr. Ich hab ja wirklich f\u00fcr viele Sachen Verst\u00e4ndnis, aber wenn einer Frauen schl\u00e4gt, dann ist Schluss. Bitte schickt\u2018s einen Wagen her. Das ist im zweiten Stock\u2026\u201c Dann gab er die Adresse bekannt.<br \/>\n\u201eNa bitte, da ist uns schon jemand zuvorgekommen. Sonst schimpft man immer, dass sich keiner f\u00fcr irgendjemanden interessiert, aber wenn es hart auf hart kommt, sind ja doch alle f\u00fcreinander da. Finde ich leiwand. Mir macht nur irgendwie Angst, dass man jetzt die ganze Zeit nichts mehr h\u00f6rt, aber wenn der Typ sie wirklich so geschlagen hat, wie der auf der Stra\u00dfe gesagt hat, dann wird das der Polizei ja auffallen. Naja, werden wir ja sehen, die machen das schon\u201c, habe ich zu meiner Freundin gesagt, und sie hat verunsichert, aber zustimmend genickt.<\/p>\n<p>F\u00fcnfzehn Minuten sp\u00e4ter sahen wir es blau flackern vor dem Fenster, und meine Freundin atmete auf: \u201eNa bitte, jetzt braucht die Arme da oben nicht mehr lange leiden mit dem Wahnsinnigen.\u201c<br \/>\nIch nickte zustimmend, f\u00fchlte mich aber dennoch einfach unwohl und h\u00f6rte gleichzeitig, wie die Polizisten bei uns im ersten Stock am Gang herumstapften. POKPOKPOK machte es an der T\u00fcr und zwar so laut, dass ich glaubte, dass mir die Wohnungst\u00fcr gleich durch das gesamte Vorzimmer fliegen w\u00fcrde. Meine Freundin \u00f6ffnete hektisch die T\u00fcre und die vor uns stehende Polizistin sah mich mit tiefem Hass in den Augen an und lie\u00df ihren, mich verachtenden, Blick auf meine Freundin schweifen, wo dieser sofort in m\u00fctterlich liebevoll umschwenkte: \u201eIst mit Ihnen eh alles in Ordnung?\u201c, fragte sie besorgt.<br \/>\nIch war kurz verwirrt, doch verstand dann gleich, was die Dame glaubte: \u201eAchso, nein. Bei uns ist alles in Ordnung. Ich glaube, dass es da um die Nachbarn \u00fcber uns geht. Wir haben n\u00e4mlich von oben einen Streit geh\u00f6rt und haben uns schon Sorgen gemacht und dann durch das gekippte Fenster geh\u00f6rt, wie eh Gott sei Dank gerade jemand die Polizei gerufen hat.\u201c<\/p>\n<p>Meine Freundin nickte angespannt. Die Polizistin sah uns beide noch einmal an und beschloss dann doch, mir zu glauben: \u201eNaja gut. Weil ich bilde mir ein, dass die Leute auf der Stra\u00dfe gesagt haben, im ersten Stock, aber vielleicht habe ich mich auch verh\u00f6rt. Heast Lisa, geh amoi auffe und klopf. Genau die Wohnung \u00fcber Ihnen haben S\u2018 g\u2019sagt, gell? DIE WOHNUNG \u00dcBER IHNEN HABEN S\u2018 G\u2019SAGT, LISA.\u201c<br \/>\nUnd wieder war das unvergleichbar laute Wohnungst\u00fcrdurchsvorzimmerfliegklopfen zu h\u00f6ren. Stille\u2026 Wie aus einem Reflex schaute ich nach oben, in der Hoffnung, durch die Decke durchschauen zu k\u00f6nnen, und da war schon wieder das laute Klopfen der Polizistin durch das Stiegenhaus zu h\u00f6ren. Stille\u2026 und wieder noch lauteres Klopfen: \u201ePolizei, moch\u2019n S\u2018 de Tia auf, heast, oder wir sind gezwungen, sie aufzubrechen.\u201c Stille\u2026<br \/>\nDie Polizistin, die vor uns stand, zuckte mit den Schultern: \u201eJa, wenn das so ist, dann muss wohl die WEGA her. Ich melde das einmal an die Zentrale. Darf ich mir gleich einen Grundriss von Ihrer Wohnung aufzeichnen? Ihre Wohnung ist eh genauso wie die Wohnung \u00fcber Ihnen, oder?\u201c<br \/>\nIch rang mit den H\u00e4nden: \u201eKeine Ahnung, ich glaube schon.\u201c<br \/>\nW\u00e4hrend die Polizistin ihre Meldung bei der Zentrale machte, ging sie durch die Wohnung und malte auf einen gelben, kleinen, an der Oberseite verklebbaren Zettel, ich glaube in der B\u00fcrofachsprache hei\u00dft so was Post-it oder so, den Grundriss der Wohnung auf und ging dann in den zweiten Stock zu ihrer Kollegin.<\/p>\n<p>Unsere Mitte sechzigj\u00e4hrige, aber noch sehr r\u00fcstige Nachbarin im selben Stock, die die ganze Zeit fasziniert in ihrer Wohnungst\u00fcr gestanden war, fl\u00fcsterte, nachdem die Polizistin weg war: \u201eDie Polizei war ja schon einige Male da und jedes Mal hat er sich heimlich vorher geschlichen, dieser Unmensch. Jedes Mal haben sie angeklopft und keiner war da und sie sind wieder gegangen. Diesmal machen sie hoffentlich endlich einmal was. Ich finde das sowieso komisch, warum sich dieses M\u00e4dl, das mit ihm zusammen ist, das \u00fcberhaupt antut. Die ist h\u00fcbsch und h\u00e4tte so was ja gar nicht notwendig. Da h\u00f6rst du sie tagein tagaus schreien und herumpoltern und am n\u00e4chsten Tag gehen sie wieder wie ein frisch verliebtes P\u00e4rchen durchs Stiegenhaus.\u201c<br \/>\nIch nickte und machte einen auf kollegial und verst\u00e4ndnisvoll, um mehr Informationen von ihr zu bekommen: \u201eJa, komisch. Warum haben Sie das nicht gleich der Polizei gesagt?\u201c<br \/>\nSie sch\u00fcttelte den Kopf wie ein kleines trotziges Kind, dem sein Essen nicht schmeckte und das gerade von den Eltern gef\u00fcttert wurde: \u201eOh nein. Ich rede nichts mit der Polizei, da bekommt man nur Schwierigkeiten, das interessiert mich nicht. Da halte ich mich raus.\u201c<br \/>\nIch war verwundert: \u201eNa geh, wieso? Die gibt\u2019s ja extra daf\u00fcr, dass wir uns alle sicher f\u00fchlen. Die machen das schon, da mach ich mir keine Sorgen. Man muss ihnen halt nur die Fakten erz\u00e4hlen, f\u00fcr den Rest sind die ja eh ausgebildet.\u201c<\/p>\n<p>Die Nachbarin war nicht zu \u00fcberzeugen und winkte ab: \u201eNein, nein. Vertrauen Sie mir, ich habe schon so viel erlebt, es ist besser, man h\u00e4lt den Mund bei so was. Kaum ist bei irgendwelchen Sachen die Polizei dabei, hat man schon Schwierigkeiten.\u201c<br \/>\nIrritiert von der Haltung der Nachbarin, wollte ich wieder dagegen argumentieren, aber da h\u00f6rte ich schon lautes Getrappel von vielen schweren Stiefeln und da kamen auch schon die Herren von der WEGA in voller Montur angerannt und fragten mich wieder: \u201eD\u00fcrfen wir uns kurz Ihre Wohnung anschauen? Ist die eh genauso wie die Wohnung \u00fcber Ihnen?\u201c<br \/>\nIch zuckte wieder mit den Schultern und antwortete: \u201eKeine Ahnung, aber ich glaube schon.\u201c<\/p>\n<p>Nachdem alle Leute von der WEGA freudig, wie gesagt in voller Montur, durch meine Wohnung getrappelt waren, schaute ich kurz auf meinen Boden, der ein Gemisch aus leicht feuchtem Stra\u00dfenstaub und ein paar gatschigen Erdbr\u00f6ckerln geworden war, und dachte bei mir: \u201eEgal. Da geht es um eine Frau, die wahrscheinlich halb erschlagen in der Wohnung liegt und von ihrem geistesgest\u00f6rten Freund bedroht wird, da ist es wirklich egal, ob die eigene Wohnung dabei dreckig wird, wenn man die Herren, die da gut helfen wollen, noch ein bisschen unterst\u00fctzen kann, indem man ihnen das Durchschauen der eigenen Wohnung erm\u00f6glicht\u201c, und kam mir kurz wie ein Held und ehrenhafter Helfer in wichtigen Staatsangelegenheiten f\u00fcrs Volk vor und als ich gerade Heldenpose einnehmen wollte, unterbrach meine Selbstbefeierung ganz lautes, schnelles Getrappel aus dem zweiten Stock und BUM.<br \/>\nDas Haus vibrierte. Getrappel\u2026 BUM.<br \/>\nDa kam die Polizistin wieder zu uns runter: \u201eDie Kollegen von der WEGA brechen gerade mit dem Rammbock die T\u00fcre auf.\u201c<br \/>\nBUM\u2026 Getrappel\u2026 BUM DOCK. Die T\u00fcr schlug gegen die Wand\u2026 ganz ganz schnelles Getrappel genau \u00fcber uns.<br \/>\nDie Polizistin schaute zufrieden: \u201eSo, jetzt werden die Kollegen von der WEGA das gleich gekl\u00e4rt haben.\u201c<br \/>\nStille\u2026 dann relativ lange langsames Getrappel, da kamen schon zwei Leute von der WEGA wieder zu uns hinunter: \u201eDa ist niemand in der Wohnung\u201c, und schauten uns vorwurfsvoll an.<\/p>\n<p>Die Polizistin seufzte und wurde zornig: \u201eWollt\u2018s ihr uns veroaschen? Was soll das? Wie gibt\u2019s das bitte?\u201c<br \/>\nIch war \u00fcberfordert: \u201eJa ich wei\u00df es nicht. Ich hab ober mir lautes Herumschreien geh\u00f6rt und dann durch das gekippte Fenster, wie jemand die Polizei gerufen hat, ab dann war es ruhig und nach zehn Minuten oder so sind Sie dann gekommen.\u201c<br \/>\nDie Polizistin schaute mich an, mit einem Gesicht wie eine B\u00fcrofrau, deren Aktenordner man falsch bezeichnet hat: \u201eWir waren bereits nach acht Minuten da. Na gut, wenn das so ist, dann werden wir wohl noch einmal ganz genau die Leute auf der Stra\u00dfe fragen, wie das wirklich war.\u201c<\/p>\n<p>Als die Polizistin dann unten war, h\u00f6rte ich schon: \u201eJa genau, bei dem Fenster haben wir gesehen, wie er sie dagegen gedr\u00fcckt hat, ganz sicher\u201c, und dachte mir: \u201eNa endlich, wenigstens ein Zweiter, der das Gleiche sagt wie ich.\u201c<br \/>\nDie Polizistin kam wieder hinauf und schaute mich zornig an: \u201eDie Leute auf der Stra\u00dfe sagen, dass der Vorfall bei Ihrem Fenster zu sehen war. Was haben Sie bitte getan?\u201c<br \/>\nIch war fassungslos: \u201eIch hab gar nichts getan. Ich habe mir mit meiner Freundin \u201eWetten dass..?\u201c angeschaut im Fernsehen und den Rest habe ich Ihnen schon erz\u00e4hlt.\u201c<br \/>\nPl\u00f6tzlich bekam die Polizistin einen m\u00fctterlichen Blick und sagte ganz ruhig und verst\u00e4ndnisvoll: \u201eSeid s\u2018 beide einfach ehrlich zu mir. Habt s\u2018 euch einen Spa\u00df erlaubt? Habt s\u2018 vielleicht ein bissl spa\u00dfhalber herumgerangelt und die Leute auf der Stra\u00dfe haben das falsch verstanden?\u201c<br \/>\nIch konnte immer noch nicht fassen, was da gerade passierte: \u201eNein, haben wir nicht. Wir sind, wie schon gesagt, die ganze Zeit vorm Fernseher gesessen und den Rest habe ich, wie gesagt, schon erz\u00e4hlt.\u201c<br \/>\nDie Polizistin sch\u00fcttelte den Kopf: \u201eHach, das gibt\u2019s ja nicht. Was reden die Leute auf der Stra\u00dfe dann f\u00fcr einen Bl\u00f6dsinn? Ich hol die jetzt rauf, wenn das okay ist, damit wir da endlich Klarheit haben.\u201c<\/p>\n<p>Ich sch\u00fcttelte bem\u00fcht verst\u00e4ndnisvoll und kollegial den Kopf und seufzte ein gequ\u00e4ltes \u201eOk\u201c. F\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter kam die Polizistin mit den Leuten herauf in meine Wohnung. \u201eSo, meine Damen und Herren. Also, waren das jetzt der junge Herr und die junge Dame, die Sie beim Fenster gesehen haben?\u201c<br \/>\nEin Ende 20-j\u00e4hriger, ziemlich fertig aussehender Mann sagte: \u201eJA, ganz genau, die zwei sind das gewesen. Ich hab\u2018s ganz genau gesehen. Das finde ich echt schei\u00dfe von dir, was du deiner Freundin da antust. So was ist echt nicht ok.\u201c<br \/>\nIch schaute drein, als w\u00e4re vor mir gerade ein Raumschiff gelandet: \u201eBitte was soll das jetzt? Ich habe nichts gemacht. NICHTS!!!\u201c<br \/>\nEr nickte ungl\u00e4ubig: \u201eJa, das hab ich eh gesehen, wie du nichts gemacht hast mit deiner armen Freundin.\u201c<br \/>\nEin Mann von der WEGA murmelte dazwischen: \u201eNaja gut, also die junge Dame schaut nicht aus, als st\u00fcnde sie unter Schock und blaue Flecken kann man auch keine erkennen.\u201c<br \/>\nEntr\u00fcstet entgegnete der Anschuldigende: \u201eEr braucht ihr ja nur in den Bauch hauen, da sieht man keine blauen Flecken.\u201c<\/p>\n<p>Sehr bem\u00fcht meine aufkommende Wut zu unterdr\u00fccken, antwortete ich halbwegs ruhig: \u201eWenn das, was du sagst stimmen sollte, dann m\u00fcsste man ja beim Fenster irgendwelche Spuren davon sehen, dass ich sie angeblich dagegengedr\u00fcckt haben soll, abgesehen davon, war nicht die ganze Zeit vom zweiten Stock die Rede?\u201c<br \/>\nDer WEGA Beamte klinkte sich wieder ein: \u201eSiegst, des is a Idee. Helfen S\u2018 ma bitte, dass wir das Kastl wegstellen vom Fenster, sonst komm ich ja gar nicht zum Fenster hin, dass ich es mir anschauen kann.\u201c<br \/>\nIch riss mich zusammen und schlug mir nicht vor den Leuten mit der flachen Hand auf die Stirn: \u201eWenn nicht einmal Sie als ausgebildeter WEGA Beamter ohne fremde Hilfe \u00fcberhaupt zum Fenster hinkommen, wie kann ich dann meine Freundin dagegengedr\u00fcckt haben?\u201c Meiner Freundin wurde es zu viel: \u201eMich hat niemand irgendwann irgendwohingedr\u00fcckt. Ich bin vollkommen unverletzt und habe nirgends blaue Flecken noch sonst irgendwas. Wenn Sie wollen, k\u00f6nnen Sie mich alle gerne untersuchen. Es ist alles ganz genauso gewesen wie mein Freund gesagt hat. Abgesehen davon, wenn er das wirklich getan h\u00e4tte, warum sollte ich ihn jetzt verteidigen?\u201c<\/p>\n<p>Der Anschuldiger wurde nerv\u00f6s: \u201eDie Leute vom Fenster gegen\u00fcber auf der anderen Stra\u00dfenseite haben es ja auch gesehen. Fragen Sie die doch, wenn sie mir nicht glauben.\u201c<br \/>\nDie Polizistin verdrehte die Augen: \u201eJetzt gehen S\u2018 bitte alle einmal raus und wir werden uns um den Rest k\u00fcmmern. Liebe Kollegen von der WEGA, ihr bleibts bitte da zur Sicherheit und ich geh r\u00fcber zu den Leuten von der anderen Stra\u00dfenseite.\u201c<br \/>\nAls die Polizistin weg war, stellte sich ein Herr von der WEGA breitbeinig vor mich hin und sprach: \u201eSo. Wir nehmen jetzt einmal Ihre Daten auf. Haben S\u2018 einen Ausweis da? Pass?&#8230;\u201c<br \/>\nVon meiner Freundin wurden ebenfalls die Daten aufgenommen.<\/p>\n<p>Nach f\u00fcnfzehn Minuten kam dann die Polizistin wieder mit einem dunkelroten Kopf herein und br\u00fcllte meine Freundin an: \u201eJETZT SAGEN SIE MIR ENDLICH DIE WAHRHEIT!!!\u201c<br \/>\nMan konnte meiner Freundin ansehen, wie gleichzeitig Wut und \u00c4rger \u00fcber ihre Hilflosigkeit in ihr hochstiegen: \u201eWas f\u00fcr eine Wahrheit? Wir haben Ihnen alles schon erz\u00e4hlt.\u201c<br \/>\nDie Polizistin war au\u00dfer sich: \u201eSIE SIND DIE FREUNDIN VON DEM NACHBARN OBEN UND DER DA (sie zeigte auf mich) IST SEIN BRUDER UND SIE HABEN MIT BEIDEN WAS GEHABT UND DANN IST ES ZUM STREIT GEKOMMEN!!! DESWEGEN STIMMT AUCH DAS MIT DEM ZWEITEN STOCK, WEIL SIE N\u00c4MLICH ZU DEM ZEITPUNKT, WO SIE GESEHEN WURDEN, ALLE OBEN WAREN!!!\u201c<\/p>\n<p>Die ganze Situation war derartig krank, dass ich gar nicht mehr aufgebracht, sondern wieder ganz ruhig war: \u201eAlso erstens bin ich ein Einzelkind. Zweitens kenne ich den oberen Nachbarn nicht und habe den vielleicht exakt zwei, drei Mal im Stiegenhaus gesehen, geschweige denn waren meine Freundin oder ich jemals in dessen Wohnung.\u201c<br \/>\nDie Polizistin schaute Richtung Himmel: \u201eAlso Sie sagen, dass keiner von Ihnen den oberen Nachbarn kennt und Sie auch nicht mit ihm verwandt sind?\u201c<br \/>\nIch nickte zustimmend und die Polizistin legte sich selbst ihre Hand flach auf die Stirn: \u201eTun Sie mir einen Gefallen? Ich werde jetzt noch einmal hinuntergehen zu den Leuten vom gegen\u00fcberliegenden Haus, die Sie angeblich auch gesehen haben. Stellen Sie sich daweil zum Fenster und dann schauen wir, ob es sich nicht doch um einen Irrtum handelt.\u201c<\/p>\n<p>Ich nickte wieder bem\u00fcht freundlich und stellte mich zum Fenster. Als die Polizistin unten angekommen war, h\u00f6rte ich sie fragen: \u201eMeine Damen und Herren, Sie sehen dort beim Fenster im ersten Stock jetzt einen jungen Herren und eine junge Dame, waren es die beiden, die Sie gesehen haben?\u201c<br \/>\nWie wenn die Leute es ge\u00fcbt h\u00e4tten, antworteten sie quirlig und hektisch: \u201eJA, ganz genau die beiden waren es. Wir haben es ganz genau gesehen.\u201c<br \/>\nIch sp\u00fcrte wie sich mein Magen zusammenkrampfte, mir eiskalt auf H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen wurde und ich zu zittern begann. Mir gingen dauernd Floskeln durch den Kopf wie: \u201eWenn du dich lang spielst, dann zeig ich dich an\u201c oder \u201eSoll ich die Polizei holen, oder k\u00f6nnen wir uns auch ohne offizielle Hilfe weiter normal unterhalten?\u201c<br \/>\nWer sollte mir jetzt helfen? Zu wem sollte ich gehen? Man ist in fast allen Situationen im Leben gew\u00f6hnt, dass es noch einen letzten Rettungsanker gibt, noch eine letzte M\u00f6glichkeit, die einen, falls alles nichts mehr hilft, doch noch aus dem Dreck zieht. Was war es diesmal? Alle Leute, mit Ausnahme meiner Freundin, waren gegen mich, inklusive der Polizei und es gab nichts Handfestes, mit dem ich das Gegenteil beweisen konnte.<\/p>\n<p>Da fiel mir wieder meine \u00e4ltere freundliche Nachbarin ein: \u201eKaum ist bei irgendwelchen Sachen die Polizei dabei, hat man schon Schwierigkeiten.\u201c Dabei konnten die in dem Fall gar nichts daf\u00fcr. Die hatten zwei Seiten, die das exakte Gegenteil voneinander behaupteten, zu einer wahrscheinlich doch sehr ernsten Angelegenheit, die dringend gekl\u00e4rt h\u00e4tte werden sollen. Die Polizistin kam wieder herauf: \u201eAlso ich nehme an, dass Sie geh\u00f6rt haben, was die Leute unten gesagt haben.\u201c<br \/>\nJetzt meldete sich die Nachbarin doch zu Wort: \u201eHern S\u2018, das ist ein netter junger, h\u00f6flicher Herr. Ich wohne seit vierzig Jahren in dieser Wohnung und habe noch nie einen so netten, zuvorkommenden Nachbarn gehabt. Noch nie hatten wir im Entferntesten ein Problem mit ihm, und ich hab auch noch nie irgendetwas Absonderliches geh\u00f6rt aus seiner Wohnung, also bitte. Da kann es sich wirklich nur um einen Irrtum handeln.\u201c<\/p>\n<p>Die Polizistin nickte mit routiniertem Zuh\u00f6rgesicht: \u201eDas mag alles sein, aber auch der freundlichste, netteste Mensch kann einmal durchdrehen.\u201c<br \/>\nSie wandte sich wieder meiner Freundin zu und schaute sie durchdringend an: \u201eAlso Ihnen fehlt nichts und Sie sagen, dass nichts von den Anschuldigungen gegen Ihren Freund stimmt?\u201c<br \/>\nMeine Freundin nickte: \u201eJa, mir geht es gut und es stimmt nichts von den Anschuldigungen.\u201c<br \/>\nDie Polizistin zuckte wieder mit den Schultern: \u201eGut. Dann werden wir alle wieder zur\u00fcck aufs Revier fahren und einmal Ihre Daten \u00fcberpr\u00fcfen. Es kann sein, dass Sie eine Zeugenaussage machen m\u00fcssen, aber da werden Sie dann eh schriftlich verst\u00e4ndigt und da steht dann auch alles drin, was zu ber\u00fccksichtigen ist. Guten Abend.\u201c<\/p>\n<p>Nachdem die T\u00fcr zu war, legten sich meine Freundin und ich ins Bett und zitterten. Wir waren beide eiskalt und trotzdem rann uns kalter Schwei\u00df runter. Beide hatten wir das Gef\u00fchl, als m\u00fcssten wir uns jeden Moment \u00fcbergeben, weil unsere M\u00e4gen so verkrampft waren und so verbrachten wir die Nacht.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag in der Fr\u00fch h\u00f6rten wir, wie jemand im Stiegenhaus in den zweiten Stock ging, dann BUM: \u201eOIDAAAAAAAAAAAAAAAA!!! WARUM HABEN DIE HURENKINDER MEINE WOHNUNG AUFGEBROCHEN? ICH BRING DIE UM OIDAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA, AAAAAAAAAAAAAAAAAAH&#8220;<\/p>\n<p>Und man h\u00f6rte, wie in der Wohnung \u00fcber uns Sachen gegen die W\u00e4nde flogen. Meine Freundin begann zu weinen: \u201eBitte, lass uns fahren. Ich mag nicht mehr hier sein. Bitte d\u00fcrfen wir einfach wegfahren von hier. Ich mag weg. Ich hab Angst. Ich will nicht mehr. BITTE BITTE.\u201c<br \/>\nObwohl ich genau das Gleiche empfand, stieg Zorn in mir hoch. Wie kam ich dazu, obwohl ich absolut nichts Falsches gemacht hatte, wegen diesem Arschloch, aus Angst meine eigene Wohnung verlassen zu m\u00fcssen. Der hatte eine sch\u00f6ne Nacht irgendwo anders, und ich hatte meine Nerven weggeschmissen, die ganze Nacht nichts geschlafen, die Polizei inklusive WEGA in der Wohnung, sechs Leute, die mich f\u00fcr etwas beschuldigten, das ich nicht getan hatte, und Angst um mich selbst und meine Freundin, in meiner eigenen Wohnung, und jetzt ging dieser Schwachsinn auch noch weiter mit dem Typen, der schuld an all dem war und gerade wieder einmal \u00fcber uns durchdrehte.<br \/>\nAls er noch lauter zu schreien begann und man Glas zersplittern h\u00f6rte, bekam meine Freundin einen Weinkrampf: \u201eBITTE lass uns endlich fahren. Was ist, wenn der Wahnsinnige zu uns runterkommt? Ich will das nicht. Bitte fahren wir endlich.\u201c<br \/>\nIch konnte ein: \u201eNa der soll sich hertrauen\u201c nicht zur\u00fcckhalten, obwohl mir nur beim Gedanken daran, wie das dann tats\u00e4chlich w\u00e4re, wenn der wirklich herkommen w\u00fcrde, schon schlecht wurde, aber was tut man nicht alles, damit sich die Freundin sicher f\u00fchlt.<\/p>\n<p>Nach: \u201eOIDA ICH BRING DEN SO UM, DER DIE POLIZEI GERUFEN HAT. DAS WAR SICHER IRGENDEIN SCHEISS NACHBAAAAAAAAAAAAAAAR\u201c, lie\u00df ich mich dann aber dennoch relativ flott \u00fcberreden, mit dem Auto durch die Gegend zu fahren.<\/p>\n<p>Nach einigen Wochen und ein paar freundliche Stiegenhausbegr\u00fc\u00dfungen mit dem geistesgest\u00f6rten Nachbarn sp\u00e4ter f\u00fchlte ich mich wieder sicher in meiner Wohnung. Im gewohnten Alltagstrott schaute ich in mein Briefk\u00e4stchen und mir versetzte es gleich wieder einen Stich. Eine Zeugenladung der Polizei zu dem Vorfall am\u2026blablabla. Ich z\u00e4hlte die Tage bis zum Datum der Zeugenladung und mich qu\u00e4lten die Fragen, die mir dauernd durch den Kopf gingen. Was ist, wenn die mich wirklich einsperren? Was ist, wenn das dort so weitergeht wie in der Nacht damals, dass weiterhin alle gegen mich sind und sich einig darin sind, dass ich meine Freundin geschlagen hab? Ich kam mir dabei so bl\u00f6d vor. Wie in einem billigen Krimi, wobei wenn man dar\u00fcber einen Film machen w\u00fcrde, w\u00fcrden die Leute sicher sagen: \u201eGeh bitte, so ein Bl\u00f6dsinn, so was gibt\u2019s ja gar nicht, naja denen f\u00e4llt ja auch nichts mehr zum Verfilmen ein.\u201c<br \/>\nJetzt war der Tag da. 13:00 Uhr, beim Revier Floridsdorf.<\/p>\n<p>Ich war zwanzig Minuten zu fr\u00fch dort, also wartete ich mit schwei\u00dfnassen H\u00e4nden und wild h\u00fcpfendem Herz auf der gegen\u00fcberliegenden Stra\u00dfenseite, wo ich ein Gespr\u00e4ch von einem kleinen Menschengr\u00fcppchen mith\u00f6ren durfte: \u201eUnd wie lange sperrens dich ein?\u201c \u201eNaja, die haben gesagt, dass ich schon mindestens drei Jahre rein muss und ich jetzt aber noch auf die Gerichtsverhandlung warten muss. Vielleicht kann man es, wenn ich Gl\u00fcck habe, noch auf ein halbes Jahr verk\u00fcrzen.\u201c \u201eJa super, und was mach ich jetzt? Ich hab zwei Kinder von dir und keinen Job.\u201c Mir wurde schlecht. Ich beschloss, noch eine Runde spazieren zu gehen, um nicht weiter zuh\u00f6ren zu m\u00fcssen.<br \/>\nEndlich war es 12:59. Ich ging hinein und h\u00f6rte von dem sympathischen Kollegen hinter dem Panzerglas: \u201eTag. Wos gibt\u2019s?\u201c Ich antwortete mit zittriger Stimme: \u201eIch komme zur Zeugenladung um 13:00 Uhr.\u201c<br \/>\nDie T\u00fcr schnappte auf, ich ging hinein und schaute mich ratlos um, da ich ja nicht wusste, wo ich hingehen sollte, also wandte ich mich wieder zum Panzerglaskollegen, doch bevor ich Luftholen konnte: \u201eDer Kollege kummt glei, woatn S\u2018 do.\u201c Nach zwei Minuten kam ein diesmal tats\u00e4chlich sympathisch aussehender, Mitte vierzigj\u00e4hriger Mann in T-Shirt und Jeans und begr\u00fc\u00dfte mich mit freundlichem Grinsen und einer Stimme, als w\u00fcrde er alle f\u00fcnf Minuten zwanzig Zigaretten auf einmal rauchen und sich dazwischen f\u00fcnf Stamperln Whiskey genehmigen. \u201eKommen S\u2018 bitte mit in mein B\u00fcro, mach ma das dort.\u201c<br \/>\nIch gr\u00fc\u00dfte freundlich zur\u00fcck und ging ihm nach wie ein sch\u00fcchternes H\u00fcndchen, dem gerade sein neues Herrchen vorgestellt wurde. Sein B\u00fcro sah ganz unspektakul\u00e4r aus. Nirgends hing eine Pinnwand mit Mordfallbildern noch sonstigen Klischees, die man immer in Fernsehserien zu sehen bekommt. \u201eNehmen S\u2018 bitte Platz.\u201c Dann fragte er mich nach meinen pers\u00f6nlichen Daten und sagte dann: \u201eSo, na dann erz\u00e4hl\u2019n S\u2018 einmal.\u201c<\/p>\n<p>Ich war so nerv\u00f6s, dass logisches Denken nur schwer m\u00f6glich war: \u201eAlso einfach so von Anfang bis zum Schluss, wie es gewesen ist?\u201c Er nickte ruhig und routiniert, also begann ich zu erz\u00e4hlen, pl\u00f6tzlich fing er an zu tippen, wodurch ich aufh\u00f6rte zu reden und fragte: \u201eAchso, Entschuldigung, ich wusste nicht, dass Sie noch etwas erledigen m\u00fcssen, oder soll ich eh trotzdem weitererz\u00e4hlen?\u201c<br \/>\nEr nickte: \u201eJaja, erz\u00e4hlen S\u2018 nur weiter.\u201c Erst nach einiger Zeit kapierte ich, dass er einfach eins zu eins abtippte, was ich sprach und er das nicht gleich von sich aus sagte, damit die Leute dann nicht stundenlang herum\u00fcberlegen, was sie sagen sollen, also lie\u00df ich mir von erz\u00e4hltem Satz zu erz\u00e4hltem Satz, einfach immer mehr Zeit, um auf keinen Fall irgendetwas zu sagen, was man missverstehen h\u00e4tte k\u00f6nnen, aber da er andauernd best\u00e4tigend nickte und ihm anzusehen war, dass er sich das, was ich erz\u00e4hlte, in etwa so erhofft hatte, machte ich mir keine Sorgen mehr, bis ich mich selbst sagen h\u00f6rte: \u201e\u2026ja und das wars dann eigentlich.\u201c<br \/>\nEr nickte wieder zustimmend und schaute mir extrem ruhig, aber sehr durchdringend in die Augen: \u201eUnd Sie kennen den Herrn, der \u00fcber Ihnen wohnt, nicht?\u201c Ich verneinte: \u201eNein, also halt nur vom Sehen im Stiegenhaus.\u201c Er nickte wieder: \u201eHaben Sie eine weibliche Stimme bei dem Streit geh\u00f6rt?\u201c Ich verneinte: \u201eNein, eigentlich nicht. Ich habe immer nur ihn schreien geh\u00f6rt.\u201c Er nickte und schaute weiter durchdringend und ruhig: \u201eH\u00e4tte es sein k\u00f6nnen, dass der Streit am Telefon stattgefunden hat?\u201c Ich hob die Schultern und drehte meine Handfl\u00e4chen nach oben: \u201eDas kann ich nicht sagen.\u201c<br \/>\nEr nickte wieder verst\u00e4ndnisvoll: \u201eJa, das ist eh klar. Gibt es sonst noch etwas, das Sie mir sagen wollen?\u201c Ich z\u00f6gerte ein bisschen und entschloss mich dann aber dennoch dazu: \u201eIch hab mir eigentlich vorgenommen, das nicht zu sagen, aber ich finde es einfach echt nicht lustig, dass ich von allen Seiten beschuldigt wurde, obwohl ich exakt genau nichts gemacht habe. Ich habe nicht einmal einen lauten Schas gelassen in meiner Wohnung.\u201c<br \/>\nEin mitf\u00fchlendes Grinsen war zu erkennen: \u201eJa, das verstehe ich schon, dass das nicht lustig ist.\u201c Ich schnaubte Zustimmung einfordernd: \u201eAber wie gibt es so was?\u201c Er hob die Augenbrauen und zuckte mit den Schultern: \u201eIch glaube, da hat sich einfach wer verschaut. Also danke, dass Sie bei den Ermittlungen geholfen haben. Nach der zweiten T\u00fcr links und dann sind S\u2018 eh schon beim Ausgang. Auf Wiedersehen.\u201c<br \/>\nEr grinste mich freundlich an, ich grinste zur\u00fcck, wir sch\u00fcttelten uns die H\u00e4nde und ich verlie\u00df das Revier.<\/p>\n<p>Ich f\u00fchlte mich wie Gott, als ich die Stra\u00dfe hinunterging und wusste, dass es endlich geschafft war und gut ausgegangen ist. Die Ereignisse liefen in meinem Kopf noch einmal von Anfang an bis zum Schluss durch und Erleichterung machte sich breit, die sich aber pl\u00f6tzlich zu \u00c4rger umwandelte. Ich habe doch eigentlich nichts gemacht, wie komme ich dazu, jetzt erleichtert sein zu m\u00fcssen, obwohl ich es gar nicht verdient hatte, mich \u00fcberhaupt schlecht zu f\u00fchlen? Wie gibt es das, dass so viele bl\u00f6de unn\u00f6tige Zuf\u00e4lle f\u00fcr so einen riesengro\u00dfen Schas sorgen? Das ist wieder einmal typisch mein Leben. Andere Leute fladern bei jedem Supermarkt den halben Einkauf und werden nie erwischt und ich mach gar nichts und werde beschuldigt, meine Freundin zu schlagen und muss als Dank daf\u00fcr auch noch zu einer Zeugenladung. Andere schauen sich daf\u00fcr \u201eWEGA \u2013 Die Spezialeinheit der Polizei\u201c auf ATV an, weil sich sonst nichts Spannendes abspielt in deren Leben. Das kann ich bei mir wohl nicht behaupten, wobei es mich noch immer mehr \u00e4rgert als ich es unterm Strich lustig finde. Der unvergleichliche, sensationelle und geniale GUNKL h\u00e4tte an dieser Stelle wohl \u201eGleichviel\u201c gesagt, um diese Geschichte mit einem Zitat von einem genialen Menschen zu beenden.<\/p>\n<p align=\"right\">Lukas Lachnit<br \/>\nKurzgeschichten: fiktiv, enorm, abnorm | Fleischlabel \u00a92012<\/p>\n<p align=\"right\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a title=\"drah di ned um \u2026\" href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=2020\">drah di ned um \u2026<\/a>| Inventarnummer: 15067<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Also pass auf, ich muss dir was erz\u00e4hlen: Ich bin Samstagabend mit meiner Freundin zu Hause gesessen, in meiner Floridsdorfer 35 m\u00b2-Wohnung und haben uns, aufgrund des Wetters, mangels anderer Alternativen, \u201eWetten, dass..?\u201c im Fernsehen gegeben, w\u00e4hrend mein temperamentvoller Nachbar in ein emotionsgeladenes Streitgespr\u00e4ch mit seiner Freundin verwickelt war. \u201eSo, meine Damen und Herren\u2026 Wir [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[88],"tags":[73],"class_list":["post-2701","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lachnit-lukas","tag-drah-di"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2701","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2701"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2701\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2722,"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2701\/revisions\/2722"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2701"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2701"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2701"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}