{"id":2693,"date":"2015-05-30T10:12:16","date_gmt":"2015-05-30T10:12:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=2693"},"modified":"2015-06-03T17:40:03","modified_gmt":"2015-06-03T17:40:03","slug":"einleitung-zur-schwedenplatzpartie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=2693","title":{"rendered":"Einleitung zur Schwedenplatzpartie"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts2693&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts2693&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Elefanten, alles nur nie mehr Elefanten. Die sind ja sowieso bl\u00f6d, merken sich alles und sind trotzdem gro\u00df und stark.<br \/>\nGuter Anfang, gute Geschichte? Nein, glaub ich nicht. Selbst der beste Anfang der Welt kann mit viel K\u00f6nnen versaut werden und zu einem minderwertig billig kitschigen Buch, Film, Theaterst\u00fcck usw. werden. Viel interessanter ist das ja umgekehrt. Einen Anfang machen, der so derma\u00dfen mittelm\u00e4\u00dfig ist, dass der Mensch immer kurz davor ist, die Besch\u00e4ftigung mit der jeweiligen Unterhaltungsform abzubrechen, es aber doch nicht tut und dann den Unterhaltungswert immer st\u00e4rker ansteigen lassen, bis zum finalen Triumph, der alles bisher Dagewesene mehr als nur in den Schatten stellt. So wie gute amerikanische Popmusik, mit Streichern zum Schluss und Klavier am Anfang. Solche St\u00fccke darf man aber als echter Musiker nicht gut finden und muss sich zwingen, nicht laut und voller Inbrunst den letzten tausendmal wiederholten Refrain mitzupl\u00e4rren, sondern hat die vom nicht vorhandenen Gott auferlegte Pflicht, das Musikst\u00fcck f\u00fcr schlecht zu halten, weil es schlie\u00dflich nur f\u00fcr den einfachen Menschen gemacht wurde und nicht f\u00fcr jemanden der sich stolz als musikalisch bezeichnen darf. Gute Musik ist nur dann gut, wenn sie niveauvoll ist, und umso beschissener und unanh\u00f6rbarer ein St\u00fcck Musik ist, umso besser ist es. Apropos Jazz. Allen, die jetzt Wutschwei\u00dfperlen auf der Stirn haben und Druckstellen an der Stelle, an der sie das Buch\/ihren Kindle halten, verursachen, sei gesagt: Ich hab nichts gegen Jazz, nur was gegen die Leute, die den h\u00f6ren und vor allem, wie die den h\u00f6ren. Mit wissendem, genussvollem Kurz-vor-dem-Orgasmus-sei-Gesicht wird im Studio aufgenommenen Freejazznummern gelauscht, um sich dabei zu gefallen, f\u00fcr sehr schwierige aber k\u00fcnstlerisch einmalige Musikst\u00fccke offen zu sein.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu den Elefanten. Ich hatte gestern einen Traum, in dem ich auf einer Insel gelegen bin, also ganz knapp beim Meer, aber gerade so, dass meine Haare von den Wellen nicht nass wurden, und in meinem Blickfeld war eine einzige Palme, die vor einem ganz kleinen Teich mit Swimmingpoolwasser stand. Swimmingpoolwasser war es nat\u00fcrlich nicht wirklich, sondern nur, damit jetzt jeder wei\u00df, wie es ausgesehen hat, rein farblich. \u201eHeast Deppata\u2026 Wos liegst do so f\u00e4u umaranaund?\u201c Ich schaue nach links: \u201eNa oistan\u2026 Jetzt bewegta si da Herr Supaleiwand\u00fcwaguad\u2026 Bring ma jetzt mei Bier oda i blos di um, du Fetznsch\u00e4dl.\u201c Ein Blick nach rechts: \u201eNa siegstas\u2026 jetzt sichta mi, da Deppate\u2026 Pass amoi auf\u2026 Wonnst da no long Zeit lost, steck i da mein Riassl in dei Bapm und blos Luft eine und donn mochts Bam oida, des konn i da vasprechn. Oiso, i sogs da nua no amoi in Guadn\u2026\u201c Endlich hab ich ihn gesehen. Einen zehnter Bezirkselefanten (f\u00fcr alle Nichtwiener: einen Proletenelefanten) gerade im schwierigen Krochaalter. Leicht zu erkennen an den neonfarbenen Elefantenohren, den Goodyearreifen, die er um seine F\u00fc\u00dfe gest\u00fclpt hatte und den stampfenden drehenden Tanzbewegungen, die er am Strand pausenlos machte, und das mit allen vier Beinen gleichzeitig. Also an Schlaf war sowieso nicht mehr zu denken. Deswegen war ich auch bereit, einen Deal mit ihm zu machen: \u201ePass auf\u2026 Wenn du dir eine Zahl merkst, die ich dir gleich sagen werde, dann bring ich dir dein Bier\u2026 Also: 231069874032106987463510.\u201c Er sagte die Zahl selbstverst\u00e4ndlich absolut problemlos auf, h\u00fcpfte in Tanzschritten zu mir und sagte: \u201eF\u00fcr den Scha\u00df stompf i da dei Gsicht in Asphalt\u201c, und auch die Tatsache, dass es hier nur Sand gab, hinderte ihn nicht, mit seinen kreisrunden Goodyearreifenf\u00fc\u00dfen mir 231069874032106987463510-mal in mein Gesicht zu treten. Davon bin ich schlie\u00dflich aufgewacht und h\u00f6rte meine Nachbarn einen Stock weiter oben fr\u00f6hlich und munter schnaxeln (f\u00fcr alle Nichtwiener: Geschlechtsverkehr haben).<\/p>\n<p>Ich stand auf, ging aufs Klo und lie\u00df Mengen aus mir rausrinnen, die ich aus einem gef\u00fchlten (nein, NICHT gef\u00fcllt) 5-Liter-Kanister vermutlich nicht herausbekommen h\u00e4tte. Warum muss man nach komischen Tr\u00e4umen immer so derma\u00dfen viel pinkeln? Egal. Ich legte mich gleich wieder ins Bett und wartete gespannt auf die Folgen. Es gibt ja zwei M\u00f6glichkeiten, wie sich ein Ins-Bett-Legen auswirken kann. M\u00f6glichkeit eins: Man legt sich hin, je nach Schlaftyp unterschiedlich, f\u00fchlt gar nichts, au\u00dfer dass die Augen gerne wieder aufspringen wollen und man viel Kraft ben\u00f6tigt, um sie zuzuhalten, oder M\u00f6glichkeit zwei: Es f\u00fchlt sich so an, als w\u00fcrde alles, was Gewicht hat, unter das Bett sinken und man selbst nur noch aus angenehm leichter warmer Luft bestehen, bis dann mein Wecker l\u00e4utet, den ich schwungvoll an die Wand werfe und ich mich jedes Mal dar\u00fcber \u00e4rgere, keine Kamera zu haben, die eine von der Natur geschaffene Explosionszeichnung festh\u00e4lt. Diesmal war es M\u00f6glichkeit zwei.<\/p>\n<p>So, endlich aufstehen, Z\u00e4hneputzen, anziehen und in die Arbeit fahren. Bl\u00f6dsinn, ich hab doch Urlaub und das sogar noch drei Wochen. Die Sonne blinzelt schon durch die zugemachten Jalousien und schimpft durch ihre Helligkeit mit mir, dass ich noch im Bett liege. Da h\u00f6re ich dann immer so Erziehungsechos meiner Eltern: \u201eSchau, so sch\u00f6n is drau\u00dfen und du liegst nur deppat umadum und machst nix. So sch\u00f6nes Wetter muss man ausnutzen.\u201c \u201eNEIN muss man NICHT\u201c, h\u00e4tte ich fr\u00fcher gesagt. Man braucht oft ein bisschen Abstand von Dingen, die man von Eltern gesagt bekommt, um dann den tats\u00e4chlichen Sinn und nicht nur die Anordnung zu sehen, die selbstverst\u00e4ndlich nur daf\u00fcr da ist, das Kind zu qu\u00e4len und auf gar keinen Fall dessen Leben zu verbessern, sondern fatal zu verschlechtern, wie man immer glaubt als Jugendlicher. Generation f\u00fcr Generation wird ins Freie getreten, bis sie ausziehen, ein Jahr absichtlich zu Hause in ihrer Wohnung hocken und sich dann selbst dabei erwischen, wie sie nach dem vergangenen Jahr auf Wiesen liegen, die sie mit keinem Fahrzeug eines Durchschnittsb\u00fcrgers erreichen h\u00e4tten k\u00f6nnen, also folgedessen zu Fu\u00df dort hingelangt sein m\u00fcssen, und sich einfach dar\u00fcber freuen, dass die Sonne so sch\u00f6n scheint und das M\u00e4del, das neben ihnen liegt, so h\u00fcbsch ist, und auf die erstrebenswerten Belohnungen, die auf ihn dann nach dem Spaziergang warten.<\/p>\n<p align=\"right\">Lukas Lachnit<br \/>\nKurzgeschichten: fiktiv, enorm, abnorm | Fleischlabel \u00a92013<\/p>\n<p align=\"right\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=432\">Vorhang auf f\u00fcr den Nachwuchs<\/a>| Inventarnummer: 15065<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Elefanten, alles nur nie mehr Elefanten. 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