{"id":2670,"date":"2015-05-27T16:54:14","date_gmt":"2015-05-27T16:54:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=2670"},"modified":"2015-05-28T06:07:48","modified_gmt":"2015-05-28T06:07:48","slug":"die-leiden-des-jungen-edv-technikers-1","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=2670","title":{"rendered":"Die Leiden des jungen EDV-Technikers 1"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts2670&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts2670&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Er war schon f\u00fcnf Jahre dabei und hat in der Richtung einiges erlebt, aber hier und da musste er noch innehalten und schlucken, um dem Gespr\u00e4chspartner nicht die M\u00f6glichkeit zu geben, mitzubekommen, was er sich gerade dachte.<br \/>\nDas Telefon l\u00e4utete und mit einem Seufzer hob er ab: \u201eIT-Abteilung M\u00fcller, guten Tag. Wie kann ich Ihnen helfen?\u201c und wurde schon beinahe unterbrochen: \u201eDer geht einfach nicht. Was soll ich jetzt machen?\u201c<br \/>\nMit ausdruckslosem, aber routiniertem Gesichtsausdruck fragte er nach: \u201eWas genau geht denn nicht Herr\u2026 \u00e4hm?\u201c<br \/>\n\u201eNa der Bildschirm. Der ist einfach schwarz. SCHWARZ. Wie soll ich so bitte arbeiten?\u201c<\/p>\n<p>Nicht verwundert, aber dennoch leicht ver\u00e4rgert dar\u00fcber, dass der sympathische, mitdenkende Herr am Telefon den leichten Hinweis, dass er doch bitte vielleicht einmal zuerst seinen Namen nennen sollte, bevor er sein Problem schildert, nicht verstanden hatte, fragte er weiter: \u201eSeit wann funktioniert er denn nicht mehr?\u201c<br \/>\nEin ver\u00e4rgertes, ungeduldiges Ausatmen war zu h\u00f6ren: \u201eNaja, kaum hab ich ihn abgesteckt, war er schon finster. Ist das schon wieder so ein Sicherheitsschas von Ihnen?\u201c<br \/>\nDie Augen von Herrn M\u00fcller weiteten sich ein wenig, dennoch blieb er ruhig: \u201eWelches Kabel haben Sie abgesteckt?\u201c<br \/>\nEin kr\u00e4ftiges R\u00e4uspern war zu h\u00f6ren: \u201eFragen S\u2018 nicht so deppat. Kommen S\u2018 her und schauen Sie sich das an. Ich will, dass das funktioniert. Mich interessieren keine Begr\u00fcndungen, sondern nur das Ergebnis.\u201c<br \/>\nJetzt musste Herr M\u00fcller zum ersten Mal l\u00e4cheln: \u201eMein Terminplan ist sehr voll. Moment, ich schau f\u00fcr Sie nach\u2026 In vier Tagen h\u00e4tte ich noch etwas frei. Haben Sie so gegen zw\u00f6lf Uhr Zeit?\u201c<br \/>\n\u201eErstens bin ich da auf Mittagspause und au\u00dferdem\u2026 was hei\u00dft da in vier Tagen? Soll ich mir jetzt die n\u00e4chsten drei Tage Urlaub nehmen, oder wie stellen Sie sich das vor?\u201c<br \/>\nIn gleichg\u00fcltig ruhigem Ton entgegnete M\u00fcller: \u201eHaben Sie <i>jetzt<\/i> Zeit? Ja? Dann bin ich in zehn Minuten bei Ihnen. Wiederh\u00f6ren.\u201c<\/p>\n<p>In der St\u00f6rungsliste auf seinem Computer las er die vorhandenen St\u00f6rungen durch und suchte nach der zum Telefonat passenden: <i>Bildschirm funktioniert nicht. St\u00f6rungstext: Herr Merx Bildschierrm ist schwarz. Er braucht ihm aber tringent und hat schon zweimal um Erledigung urgirt. Hab mich zu ihn hinverbunden und Bildschirm futioniert einbandfrei. Bitte um rasche erledigung. TRINGENND!!!<\/i><br \/>\nKurz vor der B\u00fcrot\u00fcr von Herrn Merx kommt Herrn M\u00fcller ein anderer Kollege entgegen: \u201eHalbzeit, h\u00f6h\u00f6. Entschuldig\u2018n S\u2018, a private Froge. Ich hab mir f\u00fcr meinen PC zu Hause eine neue Grafikkarte gekauft, aber die passt \u00fcberhaupt nicht auf den USB-Anschluss drauf. Gibt\u2019s da irgendeinen Adapter? Habt\u2019s ihr sowas zum Ausfassen bei euch in der Abteilung?\u201c Gekonnt und mit viel Routine entgegnete M\u00fcller: \u201eNein, leider. Solche Adapter sind genauso schwer zu bekommen wie Wirelesslankabel.\u201c<br \/>\nM\u00fcllers Gegen\u00fcber bekam einen erleichterten Gesichtsausdruck: \u201eUnd ich hab schon geglaubt, ich bin zu deppat, um diese Kabel zu finden. Ich wollte mir letztens erst ein Wirelesslankabel kaufen, aber keine Chance, die gibt\u2019s einfach nirgends. Ein Verk\u00e4ufer war wenigstens so nett und hat mir gesagt, dass es die wahrscheinlich nur bei den echten Profis gibt, aber da kann man halt nichts machen. Wie soll dann ein armer kleiner Hackler wie ich zu so einem Kabel kommen?\u201c<br \/>\nM\u00fcller bekam einen mitleidigen Blick. Die Zeit wo er in dieser Situation das Lachen zur\u00fcckhalten musste, war lange vorbei. \u201eJa das kenn ich, aber da sitzen wir halt leider alle im selben Boot. Also dann, eine sch\u00f6ne Mittagspause. Wiederschaun.\u201c<\/p>\n<p>Er \u00f6ffnete die B\u00fcrot\u00fcr und schon pl\u00e4rrte ihm Herr Merx entgegen: \u201eNa endlich. Wenn wir alle so hackeln w\u00fcrden wie bei euch in der Abteilung, k\u00f6nnte das ganze Unternehmen zusperren.\u201c Den Satz ignorierend sagte M\u00fcller: \u201eNa wo ist er denn, der Patient?\u201c Merx deutete kommentarlos Richtung Bildschirm. \u201eNa dann sagen Sie mir einmal ganz genau, was Sie wann wo ausgesteckt haben.\u201c<br \/>\nHektisch und mit freudigem, gierigem Blick, ganz gleich die Chance zu haben, Herrn M\u00fcller als Trottel dastehen lassen zu k\u00f6nnen, griff er hinter dem Bildschirm zum Monitorkabel: \u201eDA. Ich hab nur die Diebstahlsicherung ausgesteckt und schon ist er nicht mehr gegangen, der schei\u00df Bildschirm.\u201c<br \/>\nM\u00fcllers Blick blieb gelassen und gleichg\u00fcltig: \u201eDas ist keine Diebstahlsicherung, sondern das Monitorkabel. Das ist daf\u00fcr da, dass der Computer von der Grafikkarte die Bildinformationen zum Bildschirm schicken kann.\u201c<br \/>\nMerx war entr\u00fcstet: \u201eGeh verkaufen Sie mich doch nicht f\u00fcr bl\u00f6d. Ich bin vielleicht kein Technikgenie, aber ein bisschen kenne ich mich schon aus. Au\u00dferdem, wieso sollte dann das Bildschirml\u00e4mpchen aufleuchten, wenn das Monitorkabel abgesteckt ist?\u201c<br \/>\nM\u00fcller konnte den kurzen resignierenden Seufzer nicht zur\u00fcckhalten: \u201eDaf\u00fcr, lieber Herr Merx, ist das Stromkabel des Bildschirmes verantwortlich. Ein Kabel ist f\u00fcr den Strom und das andere f\u00fcr den Informationstransport vom Computer zum Bildschirm.\u201c<br \/>\nMerx schien, was man anhand seines Blickes erkannte, ein Licht aufzugehen: \u201eAch erz\u00e4hlen Sie doch keinen Bl\u00f6dsinn. Weil, wenn das angeblich ein Monitorkabel sein soll und keine Diebstahlsicherung, warum gibt es dann bei dem Stecker kleine Schrauben zum Reindrehen und beim Stromkabel nicht? Herr M\u00fcller, ich bin ja kein Idiot. Seien Sie einfach ehrlich zu mir und geben Sie zu, dass das eine Diebstahlsicherung ist.\u201c<\/p>\n<p>Langsam aber sicher sp\u00fcrte M\u00fcller doch ein wenig Unruhe in seinem Bauch aufkommen: \u201eWeil es aufgrund der technischen Form des Steckers bei dem Monitorkabel deutlich wahrscheinlicher ist, dass der Stecker von selber runtergeht, als beim Stromkabel und deshalb sind beim Monitorkabel Schr\u00e4ubchen dabei und beim Stromkabel nicht.\u201c<br \/>\nMerx winkte ab: \u201eJaja, jetzt wollen Sie sich retten, indem Sie mit technischen Fachbegriffen um sich werfen. F\u00fcr Ehrlichkeit haben Sie wohl zu wenig Charakter. Naja, egal. Tun Sie einfach, worum ich Sie gebeten habe und schauen Sie, dass der Bildschirm wieder funktioniert.\u201c<br \/>\nM\u00fcller schloss kurz die Augen und entgegnete dann: \u201eDaf\u00fcr muss nur das Monitorkabel wieder angesteckt werden.\u201c<br \/>\nMerx wurde lauter: \u201eIch habe Ihnen jetzt schon x-Mal gesagt, dass ich kein Interesse an dieser idiotischen Diebstahlsicherung habe. Ich will, dass mein Monitor funktioniert, ohne dass ich \u00fcberwacht oder sonst wie kontrolliert werde.\u201c<br \/>\nM\u00fcller, jetzt doch schon ein bisschen verzweifelt: \u201eSelbst wenn das Monitorkabel eine Diebstahlsicherung w\u00e4re, k\u00f6nnten Sie davon nicht \u00fcberwacht werden, aber um das Ganze doch ein wenig abzuk\u00fcrzen, bleibt nur folgendes Fazit: Wenn Sie arbeiten wollen, m\u00fcssen Sie Ihre \u201eDiebstahlsicherung\u201c wieder in den Monitor stecken.\u201c<br \/>\nMerx trotzig: \u201eDas will ich aber nicht. Ich m\u00f6chte ohne Diebstahlsicherung ungest\u00f6rt arbeiten k\u00f6nnen.\u201c<br \/>\nM\u00fcller zog die Notbremse: \u201eDann kann ich Ihnen nur anbieten, dass ich das so schnell wie m\u00f6glich mit meinem Chef bespreche. Ich rufe Sie dann an, sobald dieses Problem gekl\u00e4rt ist. In einer halben Stunde wei\u00df ich mehr. Wiederschaun.\u201c<\/p>\n<p>Als M\u00fcller das B\u00fcro seines Chefs betrat, telefonierte dieser gerade: \u201e\u2026ja, leider Gottes ist das notwendig und wurde in den Konzernrichtlinien so niedergeschrieben, nicht einmal ich als Chef der IT-Abteilung komme ohne Diebstahlsicherung zwischen PC und Monitor aus, da sitzen wir alle im selben Boot. Ich hoffe, Sie k\u00f6nnen trotzdem so bequem und ungest\u00f6rt wie m\u00f6glich weiterarbeiten. Wiederh\u00f6ren.\u201c<br \/>\nM\u00fcller schaute seinem Chef leicht grinsend mit hochgezogenen, fragenden Augenbrauen in die Augen: \u201eJa, Herr M\u00fcller, manche Leute vertragen die Wahrheit nicht, aber wenn er gl\u00fccklich damit ist, dass ich ihm den selbstgeglaubten Schwachsinn best\u00e4tige, und er mich dann in Ruhe l\u00e4sst, bin\u2019s ich noch mehr.\u201c Kopfsch\u00fcttelnd und lachend verlie\u00df M\u00fcller den Raum.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag in der Fr\u00fch l\u00e4utete wieder das Telefon und M\u00fcller verdrehte die Augen, als er \u201eMichael Merx\u201c auf dem Display seines Telefons aufblinken sah: \u201eIT-Abteilung M\u00fcller, guten Tag. Alles in Ordnung mit Ihrem Bildschirm?\u201c<br \/>\n\u201eNat\u00fcrlich nicht. Gestern hat alles wieder funktioniert, nachdem ich die Diebstahlsicherung wieder angesteckt hatte und heute in der Fr\u00fch komme ich ins B\u00fcro und der Bildschirm ist schwarz.\u201c<br \/>\nM\u00fcller konnte sich nicht beherrschen: \u201eHaben Sie den Bildschirm denn eingeschaltet, Herr Merx?\u201c<br \/>\nBlankes Entsetzen war am anderen Ende der Leitung zu h\u00f6ren: \u201eNa selbstverst\u00e4ndlich, oder halten Sie mich f\u00fcr den absolut letzten Vollidioten?\u201c<br \/>\nM\u00fcller musste seine gesamten ihm zur Verf\u00fcgung stehenden Ressourcen an Selbstbeherrschung aufbieten, um nicht ehrlich zu antworten. \u201eNa dann drehen Sie Ihren Bildschirm bitte einmal ab.\u201c<br \/>\nNerv\u00f6ses Herumgeruckel war zu h\u00f6ren: \u201eWenn Sie meinen, Moment \u2026\u2026\u2026\u2026. JA, jetzt funktioniert er wieder, aber irgendwie ist das doch schon sehr komisch, dass man ein Ger\u00e4t abdrehen muss, um es einschalten zu k\u00f6nnen. Liefern Sie ausschlie\u00dflich defekte Ger\u00e4te aus, oder wie ist das?\u201c<br \/>\nMit einem freundlichen L\u00e4cheln sprach M\u00fcller nun ins Telefon: \u201eAber nein, wobei Sie bestimmt intelligent und flexibel genug sind, um mit so einer kleinen Umgew\u00f6hnung umgehen zu k\u00f6nnen. F\u00fcr einen Mann Ihres Formates ist das doch bestimmt eine Kleinigkeit.\u201c Stolz und angenehm gebauchpinselt sprach Merx: \u201eJa, da haben Sie nat\u00fcrlich recht. Dann danke ich Ihnen f\u00fcr den kleinen Tipp. Wiederh\u00f6ren.\u201c<\/p>\n<p align=\"right\">Lukas Lachnit<br \/>\nKurzgeschichten: fiktiv, enorm, abnorm | Fleischlabel \u00a92011<\/p>\n<p align=\"right\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=432\">Vorhang auf f\u00fcr den Nachwuchs<\/a>| Inventarnummer: 15062<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er war schon f\u00fcnf Jahre dabei und hat in der Richtung einiges erlebt, aber hier und da musste er noch innehalten und schlucken, um dem Gespr\u00e4chspartner nicht die M\u00f6glichkeit zu geben, mitzubekommen, was er sich gerade dachte. Das Telefon l\u00e4utete und mit einem Seufzer hob er ab: \u201eIT-Abteilung M\u00fcller, guten Tag. 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