{"id":2615,"date":"2015-05-17T10:06:15","date_gmt":"2015-05-17T10:06:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=2615"},"modified":"2017-11-25T14:23:18","modified_gmt":"2017-11-25T14:23:18","slug":"lost-planet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=2615","title":{"rendered":"lost planet"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts2615&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts2615&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Am flie\u00dfenden Wasser war sanftes Rauschen, nichts hat die Ruhe gest\u00f6rt. Gro\u00dfbl\u00e4ttriger Spender Schatten taucht Gr\u00fcn in schonendes Licht. Bachwasser sprudelt hell seit ewigen Zeiten. Im Bl\u00e4tterwaldreigen wiegen sich \u00c4ste zu sanftem Wind. Dort nisten Habicht und Eule und Kr\u00e4he mit ihrer Brut, gesch\u00fctzt vor sengender Hitze im Sommer, im Winter w\u00e4rmendes Nest.<br \/>\nDa sprossen noch Blumen ganz wundervoll, durch frisches saftiges Gras.<\/p>\n<p>Noch konnte man Atem holen und brauchte ihn nicht zu erringen, ein Ort voll Gl\u00fcckseligkeit. Es rankten noch Hoffnung und Sehnsucht nach Liebe, die niemals versiegt. Hier eine Quelle, die l\u00e4ngst nicht mehr sprudelt, ganz nah bei der Linde, welche l\u00e4ngst nicht mehr steht.<br \/>\nDer k\u00fchle Wald, der stille, ist einem Parkplatz gewichen und nackte Fassaden ersetzen ersatzlos das Wogen der Wiesen. Das Pl\u00e4tschern des B\u00e4chleins ist langsam dem L\u00e4rm von Motoren erlegen, die Hoffnung durch Eile und Hast zerst\u00f6rt. Anstelle des Zirpens der Grille ein brummender Vogel in silbernem Alu am Himmel. Die Nacht ist zu hell, durch k\u00fcnstliches Licht, um heute noch Sterne zu sehen, frisst viel zu viel Energie.<br \/>\nEs gibt keine klaren N\u00e4chte mehr, wenn Nebel den Himmel verdecken. Und urpl\u00f6tzlich waren da Tr\u00f6pfchen aus Wasser, die klammern sich l\u00e4stig an Nasen. Genauso an Lippen und Brauen und an jedes einzelne Haar. Die Hand vor den Augen war kaum noch zu sehen, die Landschaft dahinter verschwommen. Als h\u00e4tte die Luft eine dichte Gestalt wie z\u00e4hes Gelee. Und ferne am Horizont vereint sich die Tr\u00fcbung galant mit der Erde, als schmiegte sich Honig auf Butter.<\/p>\n<p>In stiller Erwartung hat Leben so einfach begonnen und rundum schien alles klar, soweit das Auge nur reichte, nichts hat gest\u00f6rt. Rasch wird\u00b4s nun diesig, die Sehnsucht im schimmernden Glanz des Mondes verlor sich im Smog aus der Esse. Zur\u00fcck blieben Tr\u00e4ume, ungelebt, Reisende blo\u00df, wasserschwangere Schwebepartikel, zum Platzen bereit, noch ehe ihr S\u00e4ttigungsgrad ist erreicht! Ru\u00df und Staub verstopfen die wenigen Poren, aus denen der Leib, der geplagte, stets weinte.<br \/>\nZur\u00fcckgeblieben ist nichts als Dreck, verantwortungslos hinterlassen. Der Mensch wird zunehmend Opfer pervers vertikaler inverser Bestimmung. Schon bilden sich Tr\u00f6pfchen \u00fcberall, erst nur vereinzelt und kaum zu seh\u2018n. Die sammeln sich stetig, in Gruppen, in Horden, Verb\u00e4nden, zur Konzentration. Die Folgen sind klar zu erkennen, allein, Spezialisten schau\u2018n ohnm\u00e4chtig zu. Und wie steigt das auf! Tropfen um Tropfen, die Luft wird feuchter, je zahlreicher, desto rascher vermehren sie sich.<br \/>\nWattebauschartig steigt dunkles Gew\u00f6lk sichtbar auf, schie\u00dft unaufhaltsam nach oben. Ein Schwall schwerer Wasser bricht \u00fcber K\u00f6pfe herein, trifft ungesch\u00fctzt hilfloses Land. Aus gift\u2018gen Nebeln steigt siedender Dampf, knallhei\u00dfer S\u00fcmpfe wallende Brunst. Schmorend Blendwerk fetter D\u00fcnste breitet sich \u00fcberall aus. Schwefelgelb kochender Saft n\u00e4hrt f\u00fcrsorglich ausstr\u00f6mend d\u00fcnstend Gebild\u00b4.<\/p>\n<p>Auf verlorenem Posten mahnen verzweifelt Instanzen vergeblich zur Einsicht. Die, die\u00b4s angeht, wollen das L\u00e4uten, das stumme, der dunstigen Glocke nicht h\u00f6ren. \u00c4tzender Smog verbietet der Sonne den fahlen Strahl, verh\u00fcllt sie in apokalyptisches Dunkel. Alarm ist orange, man bleibt in den H\u00e4usern, trotz Maske wird Atmen zur Qual. Vor stechend brennenden Augen verschwimmen Konturen, verschmelzen Wahrzeichen sinnlosen Prunks.<br \/>\nDer Tag wird zur Nacht, in feuchttr\u00fcben Nebeln stecken still Limousinen im dampfenden Stau, hupen verzweifelt. Zerkl\u00fcftete Lungen, geplagte, brennen in dicker Morgenluft, wenn Augen in bei\u00dfenden Tr\u00e4nen liegen, atmen den t\u00f6dlichen Cocktail aus Staub und Oxyden. Der Wind will nicht weh\u00b4n, gew\u00e4hrt nicht den Abzug der t\u00f6dlichen Gase. Ein schmieriger Schleier h\u00e4ngt \u00fcber der Stadt, prall vor Ozon, verursacht panische Atemnot, Kopfschmerz kommt schlagartig in Mode.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Politik fordert reuig Verbote, sich wandelndes Klima wird langsam bewusst. Nasen rinnen, Augen triefen, Fremdk\u00f6rper verursachen Hustenreiz. Schon hebt sich das Zwerchfell, der Brustmuskel spannt sich, Luft entweicht ruckartig, keuchender Husten. Rachen und Kehlkopf entz\u00fcnden sich heftig und pfeifend entflieht, gef\u00e4hrlich verengt und m\u00fchsam gepresst, sp\u00e4rlich, der schwer errungene Atem. In Bronchien sammelt sich z\u00e4hfl\u00fcssig Schleim, behindert den Luftstrom, der Leben bedeutet. Pneumologische Spirometer vermessen akribisch kraftlose Lungen. Verzweifelte \u00c4rzte rufen zum Handeln, dass man was tut.<br \/>\nMan setzt auf Verbote, doch Asche verdunkelt den Himmel. Ru\u00df und Qualm in die Luft geblasen, ohne Kontrolle, jahrzehntelang! Was kann dieser blaue Planet noch verkraften? Unter tropisch feuchtem Glassturz vegetiert blasses Leben mit h\u00e4ngenden K\u00f6pfen. Rufe nach Zeiten der Vorindustrie verhallen im Schock der Bedeutung.<br \/>\nBlo\u00df weil das Pferd zu langsam war, hat man das Dampfross erfunden, und auch den Strom und den Diesel. Zum Zweck rationalen Erringens und um den Vorteil der Produktion zerst\u00f6ren Eliten Balancen der \u00d6kologie.<br \/>\nJetzt wird man die Geister, die man gerufen, nicht los. Ein Flehen um Beistand der G\u00f6tter erstickt im leblosen Keim um den Glauben. Wann endet letztendlich das Sengen, das Brennen, das Roden, der Raubbau, das Rennen ums Kapital?<br \/>\nGefragt w\u00e4ren Taten, nicht endlose Worte, denn sinnlose Reden beseitigen nicht das Problem. Verdammt zum Leben raumzeitlich molekularer Verdunstung dr\u00e4uen die Tage im D\u00fcstern, die endlos erscheinen in \u00f6dem Gel\u00e4nde verlorener Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Norbert Johannes Prenner<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at |Kategorie: <a title=\"Que ser\u00e1, ser\u00e1?\" href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=3081\">\u00bfQu\u00e9 ser\u00e1, ser\u00e1?<\/a> | Inventarnummer: 15054<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am flie\u00dfenden Wasser war sanftes Rauschen, nichts hat die Ruhe gest\u00f6rt. Gro\u00dfbl\u00e4ttriger Spender Schatten taucht Gr\u00fcn in schonendes Licht. Bachwasser sprudelt hell seit ewigen Zeiten. Im Bl\u00e4tterwaldreigen wiegen sich \u00c4ste zu sanftem Wind. 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