{"id":256,"date":"2013-11-29T15:00:03","date_gmt":"2013-11-29T15:00:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=256"},"modified":"2019-12-09T05:53:13","modified_gmt":"2019-12-09T05:53:13","slug":"volkers-fahrt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=256","title":{"rendered":"Volkers Fahrt"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts256&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts256&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Ja, der Volker, mit dem ist es eine eigene Geschichte, ein Exkurs lohnt sich vermutlich, vielmehr hoffentlich.<br \/>\nEigentlich wollte er ja gar nicht einsteigen, und ebenso eigentlich war das sein Hauptproblem. Immer alles offen lassen, Optionen sollen M\u00f6glichkeiten bleiben und keine Entscheidungen nach sich ziehen, wer also in einen Zug steigt, l\u00e4sst einen anderen sein, auch einen, der vielleicht erst \u00fcbermorgen kommen mag und der viel sch\u00f6ner, gr\u00f6\u00dfer, ansprechender w\u00e4re als der jetzige.<br \/>\nSo kann man auch das Leben verpassen, meint in gro\u00dfer Sorge seine Mutter. Das mit der Ilse lassen wir jetzt aber lieber. Oder wir kommen darauf zur\u00fcck, falls die Schreibe auf die Folgen von Alkoholmissbrauch kommen soll(te).<\/p>\n<p>Der Volker also sitzt in diesem vermaledeiten Zug, er fragt sich schon, was das soll, da betritt eine auffallend sch\u00f6ne, leicht verwirrt wirkende Frau das Gro\u00dfraumabteil, sofort bricht ein Blickgewitter \u00fcber sie herein, sie entscheidet sich schlie\u00dflich f\u00fcr einen Sitzplatz schr\u00e4g gegen\u00fcber Volker. Dieser winkt den Zur\u00fcckgelassenen m\u00fcde aus dem Fenster zu und schon ruckelt es und der Zug f\u00e4hrt ab.<br \/>\nEr, der Schl\u00e4frige, sieht mit einigem Neid zu, wie sie ihr einziges Gep\u00e4ckst\u00fcck, ein recht gro\u00dfes Kopfkissen, an die Scheibe lehnt und ersch\u00f6pft die Augen schlie\u00dft.<br \/>\nDie hat recht, denkt er. Das, was sie gerade braucht, hat sie mit, mehr nicht, keinen unn\u00f6tigen Ballast.<br \/>\nEr hingegen schleppt immer Unmengen an M\u00f6glichkeiten mit sich herum, gewappnet f\u00fcr Vorf\u00e4lle, die sich nie ereignen m\u00f6gen, einen monstr\u00f6sen Regenschirm am strahlendsten Fr\u00fchlingstag hat er sich bis heute nicht verziehen.<\/p>\n<p>Vielleicht hat er auch geschlummert, schwierig zu sagen, der Nacken schmerzt, irgendwie wird er schon einge(k)nickt sein.<br \/>\nEr reibt sich die Augen, die Sch\u00f6ne ist offenbar gerade erwacht, sch\u00fcttelt sich ein kleines aufreizendes bisschen, streckt ihre langen Glieder und hat pl\u00f6tzlich ein Sandwich in der rechten Hand. Der Polster ist nirgendwo zu sehen.<br \/>\nSie betrachtet das Br\u00f6tchen und bei\u00dft schlie\u00dflich mit Appetit hinein, was Volker daran erinnert, dass seine letzte Mahlzeit viele Stunden zur\u00fcckliegt.<\/p>\n<p>Auch ein Schluck zu trinken w\u00e4re gut, denkt er und macht sich auf die Suche nach einem Speisewagen. Die Suche bleibt erfolglos, so kehrt er schlie\u00dflich um und st\u00fcrzt fast, als der Zug in eine engere Kurve f\u00e4hrt, weil er damit besch\u00e4ftigt ist, die Frau anzustarren.<br \/>\nSie trinkt gen\u00fcsslich aus einer Wasserflasche, die gek\u00fchlt zu sein scheint, wie die Kondenswassertropfen verraten.<br \/>\nSie muss wohl schneller gewesen sein als er, und in der anderen Richtung erfolgreicher unterwegs.<\/p>\n<p>Sie nach dem Speisewagen zu fragen, traut er sich nicht, diese Erscheinung jagt ihm Ehrfurcht oder gar Angst ein. So geht er in die andere Richtung, doch dort befinden sich au\u00dfer halbleeren Wagons nur die Lokomotive und eine Toilette.<br \/>\nHier spritzt er sich einige H\u00e4nde kaltes Wasser ins Gesicht und atmet tief durch.<\/p>\n<p>Wenig \u00fcberrascht stellt er fest, dass ihr Platz leer ist, als er in das Abteil zur\u00fcckkommt.<\/p>\n<p>Es wird Zeit, auszusteigen.<\/p>\n<p>Er sieht Ilse fast schon am Bahnsteig stehen, h\u00f6rt sie beinahe lachen und sagen, er h\u00e4tte gleich auf sie h\u00f6ren sollen.<br \/>\nAusgerechnet Ilse!<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Carmen Rosina<br \/>\nText ver\u00f6ffentlicht in: <a title=\"Die Zeitgenossin\" href=\"http:\/\/die-zeitgenossin.de.tl\/\" target=\"_blank\">Die Zeitgenossin<\/a>, Heft 8<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=420\">hin &amp; weg<\/a> | Inventarnummer: 13019<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ja, der Volker, mit dem ist es eine eigene Geschichte, ein Exkurs lohnt sich vermutlich, vielmehr hoffentlich. 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