{"id":2552,"date":"2015-05-04T16:37:45","date_gmt":"2015-05-04T16:37:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=2552"},"modified":"2015-06-08T07:48:32","modified_gmt":"2015-06-08T07:48:32","slug":"alois-in-ordnung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=2552","title":{"rendered":"Alois in Ordnung?"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts2552&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts2552&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p><em>Tiburtius<\/em> hat heute Namenstag. Woher ich das wei\u00df? Steht im Kalender. Morgen ist <em>Waltmann<\/em> f\u00e4llig. Steht auch im Kalender. Namen gibt es\u2026 Etwa <em>Dankwart<\/em> oder <em>Eustachius<\/em>. Schraubt sich einem bei ersterem der Geruch von Autopolitur und Benzin in die Nase, sp\u00fcrt man bei Nennung des zweiten irgendwas Spitziges in den Ohren stochern. <em>Zinelda<\/em> klingt nach Tschinellentusch oder nach dem Klang von geworfenen M\u00fcnzen auf einen Zinnteller und <em>Plutonia<\/em> nach der Aufforderung, umgehend die Schutzr\u00e4ume aufzusuchen. <em>Petronilla<\/em> wartet bestimmt Presslufth\u00e4mmer in einer Firma, die sich auf Betoninstandsetzungsarbeiten spezialisiert hat, <em>Winnie<\/em> ist keine gewinnende, sondern vielmehr eine windige Type und <em>Korbinian<\/em> fristet sein armseliges Dasein wahrscheinlich als Korbflechter in Oberammergau, dem er nur anl\u00e4sslich der Passionsspiele in seiner Rolle als Reservechristus alle zehn Jahre entkommt. Antwortet man einem <em>Sixtus<\/em> immer mit \u201eja\u201c oder \u201enein\u201c oder mit der Gegenfrage: \u201eWas denn?\u201c Was kann man einem <em>Tiburtius<\/em> zuschreiben? Dass er mit Tuberkel eher nichts zu schaffen hat? Dass er sich stattdessen mit Burzn besch\u00e4ftigt? Zunge im Mundwinkel, angestrengt Kernh\u00e4user mit schrundigem Klingenstumpf aus Obsth\u00e4lften fitzelt? Und ein <em>Waltmann<\/em> schreibt nat\u00fcrlich Gedichte, Schmachtlyrik, durchsetzt von Seufzern und peinlichen Gest\u00e4ndnissen. Oder waltet als Angestellter eines aufgebl\u00e4hten Verwaltungsapparates seines Amtes. Die <em>Walpurga<\/em> denkt man sich nicht auf einem Besenstiel durch Gewitterwolkenschwaden reiten, sondern im Brustharnisch hinterm Wall aus Stampflehm und Stauden eine Burg h\u00fcten. <em>Kasimir<\/em> ist, wie k\u00f6nnte es anders sein, eines\u00a0 Katers Name. (Oder es benennt ein Arachnophiler seine handzahme Tarantel so.) <em>Frowin<\/em> muss ein unersch\u00fctterlich Frohsinniger sein, den es nach zwei Dezennien regelm\u00e4\u00dfigen Lottospielens noch immer nicht verdrie\u00dft, dass er niemals auch nur einen Cent gewonnen hat. <em>Wolfhelm<\/em> tr\u00e4gt die Ged\u00e4chtnisfrisur, die zu ihm passt: als s\u00e4\u00dfe ihm, wie weiland jenem russischen K\u00fcrassier Opratschojew vor Petrowskoje eine Haube aus r\u00e4udigem Pelz auf. Ein <em>Trudpert<\/em> neigt in Gesellschaft zu Impertinenz und ist nirgendwo gerngesehener Gast. Schon in der Schule galt er als Petze und bezog Dresche. <em>Medardus<\/em> macht auf Nussh\u00e4ndler. Das Zeug verkauft er en gros. Darunter Cashew-, Erd-, Para- und Kokosn\u00fcsse. Selber kaut er gern die Betelnuss. Davon werden ihm die Z\u00e4hne gelb, aber das st\u00f6rt ihn nicht weiters und vor allem nicht beim H\u00f6ren der disharmonischen Sinfonien von Wallingford Riegger. Bei <em>Diethild<\/em> mochten sich ihre Eltern nicht zwischen <em>Dietlinde<\/em> und <em>Hildegund<\/em> entscheiden und losten schlie\u00dflich einen Kompromiss. Ihre Freundinnen, wenn sie nicht gerade \u201edie da\u201c sagen, nennen sie hinter ihrem R\u00fccken \u201ePummelchen\u201c. <em>Bernulf<\/em> hat Germanistik inskribiert, in der Hoffnung, das w\u00fcrde ihn irgendwie inspirieren. Dabei versteht er sich eigentlich auf das Provenzalische und w\u00e4hnt sich als Gem\u00fctsverwandter des Panurg aus der Rabelais-Dichtung \u201eGargantua und Pantagruel\u201c. Was seine langj\u00e4hrige Freundin angeht, wei\u00df er nicht, ob er sie heiraten soll oder doch lieber nicht. Weil ein Schwerh\u00f6riger einer Mutter Jostabeeren als Justabeeren verkaufte, muss ihre Tochter jetzt <em>Justa<\/em> hei\u00dfen. Ihre Bekannten ziehen sie mitunter mit der einleitenden Wendung \u201ejust a \u2026\u201c auf. Daraufhin pflegt sie ihre Miene wie nach dem Verzehr von Sauerkirschen zu verziehen. <em>Eusebius<\/em> wollte eigentlich professioneller Illusionist werden, also Wirtschaftsberater, wischt aber gegenw\u00e4rtig im Verband einer Putzkolonne blo\u00df B\u00f6den. Nachdem <em>Winfriede<\/em> von mehreren Seiten bescheinigt wurde, sie h\u00e4tte ein gewinnendes Wesen, geht sie ins Spielcasino \u2013 und verliert. <em>Hyazinth<\/em> ist, passenderweise, Florist. Es plagt ihn allerdings eine Bl\u00fctenstauballergie. <em>Gorgonius<\/em> hat zwar nicht das Antlitz der Gorgo geschaut, wirkt aber trotzdem immer ziemlich derangiert. Vielleicht sollte er den Grog, so unausgeschlafen am Morgen, doch lieber lassen. <em>Melitta<\/em> k\u00fcrzt ihren Namen stets auf Mel ab, um sich Anspielungen zu ersparen, die mit Flecken am Kleid und Kaffeefilterpapier zu tun haben. Man k\u00f6nnte meinen, <em>Krispin<\/em> w\u00e4re ein Krispindl. Weit gefehlt, er glich bereits als Hosenmatz einem Elefantenbaby. <em>Hermelindis<\/em> ist mit einem K\u00fcrschner verbandelt, der unter anderem auch Zobel verscheuert. Die Gesch\u00e4fte gehen eher flau. Da verfolgt sie die Idee, mit ausrangierten Pelzm\u00e4nteln alte St\u00fchle neu zu bespannen und sattelt um auf Polsterei. <em>Torben<\/em>, hei\u00dft es, sei gestorben. <em>Branko<\/em> wird nach ein paar Slibowitz immer andienlich-amikal und patscht einem seine Pranke auf die wenig belastbare linke Schulter, was einen einsinken l\u00e4sst, aber ihn damit auch nicht sympathischer macht. <em>Malwida<\/em> k\u00f6nnte mal wieder nach Riga reisen, sagt sie sich, vermag sich aber nicht einmal dazu aufraffen, Stollberg zu verlassen, um ihre Tante in Berlinchen zu besuchen. <em>Ulfried<\/em> k\u00f6nnte auch anders hei\u00dfen. Zum Beispiel <em>Wignand<\/em>. <em>Irmtrud<\/em> gilt als Trotzkopf. <em>Wilma<\/em> mit der was unternehmen, sollte man sich vorher \u00fcberlegen was. <em>Seifried<\/em> erkl\u00e4rt sich namensetymologisch wohl als <em>Friedbert<\/em>, der auf der Seife steht. <em>Kistenwart<\/em> m\u00f6chte man auch nicht hei\u00dfen. <em>Stanislaus<\/em> musste ja Kammerj\u00e4ger werden, zum Kammers\u00e4nger fehlt ihm die Stimme. Ein <em>Theobald<\/em> hat es nicht eilig, der ist von eher eingebremstem Phlegma. Was Wunder, dass kein Theobald jemals irgendeine Rekordzeit gelaufen ist, und sei es unter Schnecken, die man auf Isomatten nagelt, und es auch in Zukunft nicht fertigbringen wird. <em>Kilian<\/em> gibt mit seinen guten Beziehungen an, gilt aber allen als Schn\u00f6sel, der wenig anderes drauf hat als Larmoyanz, wenn man ihn auf seinem Gebiet der Unf\u00e4higkeit \u00fcberf\u00fchrt. <em>Bringfriede<\/em> versteht ihren Namen durchaus als Auftrag, so kurz nachdem sie sich von <em>Kunibert<\/em> und dessen fixen Faxen trennte und stellt sich als Mediatorin beruflich neu auf. Also Tatausgleich und andere Verfahrensweisen zur einvernehmlichen Sedierung chronisch Streits\u00fcchtiger und ihrer Opfer. <em>Anselm<\/em> arbeitet haupts\u00e4chlich \u00fcber Amseln. Er ist in seiner Familie der erste Ornithologe, der einen Artikel in der britischen Fachzeitschrift <em>Bird Study<\/em> unterbringen kann. Darin verbreitet er sich \u00fcber das Einemsen. <em>Almuth<\/em> nimmt im Schwimmbad allen Mut zusammen und h\u00fcpft von der h\u00f6chsten Plattform des Sprungturms in das Becken. <em>Sigismund<\/em> entstellt nicht nur eine Zahnspange, die irgendwie dem Bei\u00dfkorb eines American Football-Spielers \u00e4hnelt. Er erw\u00e4gt auch, seine Hakennase chirurgisch zu korrigieren, erkennt aber anhand der Gesichter von <em>Bernward<\/em> und Britney Spears, dass das auch schiefgehen kann. <em>Damian<\/em> ist gar nicht der Dummian, f\u00fcr den ihn viele halten. Den Einf\u00e4ltigen zu markieren ist nur Pose, andere sagen: Chose. Es gelingt ihm recht \u00fcberzeugend, seine Belastbarkeit hinter einer Fassade aus Faulheit und Widersetzlichkeit zu verbergen. <em>Cordelio<\/em> kann sich seinen Vornamen auch nicht erkl\u00e4ren und tippt auf \u201eSchreibfehler\u201c. Seine Stiefmutter vermutet, er r\u00fchre von seiner echten Mutter Vorliebe f\u00fcr eine bestimmte italienische Eissorte. <em>Eulalia<\/em> k\u00f6nnte der euphemistische Name f\u00fcr eine Gesch\u00fctzbatterie sein und nat\u00fcrlich m\u00f6chte man mit der keinen Streit anzetteln. Wer l\u00e4sst sich schon gern, erst halb aus dem Bett, wenngleich auch nur verbal, auf n\u00fcchternem Magen niederkart\u00e4tschen? Herr <em>Zacharias<\/em> hei\u00dft der Oberkellner im Caf\u00e9 an der Esplanade und der ist voll auf Zack, bringt dir dein Pils an den Tisch, noch bevor du dich \u00fcberhaupt gesetzt und es bestellt hast. (Was zwangsl\u00e4ufig darauf hindeutet, dass er dich verwechselt.) <em>Gangolf<\/em> war fr\u00fcher Unruhfabrikant, also als Zulieferbetrieb eines jurassischen Uhrenherstellers selbst\u00e4ndig, ist aber jetzt nur noch mit der Verbesserung seines Handicaps besch\u00e4ftigt. Nein, <em>Engelmar<\/em> sieht keine schwebenden Leintuchgestalten vor seinen Augen wandeln, nach dem Aufschrauben des einen Fl\u00e4schchens \u201eGoldwasser\u201c zu viel. Aber er rudert dann beim \u201eRitt der Walk\u00fcren\u201c mit schwungvollen Armbewegungen das Dirigat jenes verblichenen Maestros in seinem Diwan mit, der einst eine bestimmte Frage, seine Vergangenheit betreffend, mit einer motzigen Ged\u00e4chtnisl\u00fccke beantwortete. <em>Gunilla<\/em> hat eine Vorliebe f\u00fcr alles, was sich in die L\u00e4nge zieht und man trotzdem kauen kann. Zum Beispiel Schn\u00fcre aus Lakritze. Solange <em>Solange<\/em> nur so dasteht, als k\u00f6nnte sie kein W\u00e4sserchen tr\u00fcben, macht sie das nicht verd\u00e4chtig. Aber der Schattenwurf ihres Profils verr\u00e4t sie, findet ein als Sachverst\u00e4ndiger beigezogener Scherenschnittk\u00fcnstler, der ihre Pausbacken als das Depot der entwendeten Diamanten deutet. Der Rest ist f\u00fcr <em>Eilhard<\/em>, den Kommissar, reine Routine, also Papierkram und Kaffee aufsetzen. <em>Richilde<\/em> hat es mit dem Fliegenfischen. Zwar hat sie keinen Riecher daf\u00fcr, sprich: f\u00fcr die Fische \u2013 was diese an ihr zu sch\u00e4tzen w\u00fcssten, reflektierten sie au\u00dfersinnlich \u2013 aber sie sch\u00e4tzt die Bewegung in der freien Natur. <em>Dolf<\/em> gilt so manchem als Dolm. Intelligent tun, kann jeder, verantwortet er sich, es nicht sein, <em>das<\/em> verlangt Mut! Er sa\u00df f\u00fcr Jahre als Abgeordneter im Parlament. <em>Romilda<\/em> spielt am liebsten Rommee, verliert aber nicht gern. Was sie in ihren Kreisen nicht sonderlich beliebt macht. Nur zu <em>Urte<\/em> fehlen dir die Wurte.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Bernhard Hatmanstorfer<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=426\">schr\u00e4g &amp; abgedreht<\/a> | Inventarnummer: 15047<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tiburtius hat heute Namenstag. Woher ich das wei\u00df? Steht im Kalender. Morgen ist Waltmann f\u00e4llig. Steht auch im Kalender. Namen gibt es\u2026 Etwa Dankwart oder Eustachius. Schraubt sich einem bei ersterem der Geruch von Autopolitur und Benzin in die Nase, sp\u00fcrt man bei Nennung des zweiten irgendwas Spitziges in den Ohren stochern. 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