{"id":251,"date":"2013-11-27T14:02:33","date_gmt":"2013-11-27T14:02:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=251"},"modified":"2014-03-25T13:19:15","modified_gmt":"2014-03-25T13:19:15","slug":"ihr-gespraechspartner-wurde-ausgeloggt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=251","title":{"rendered":"Ihr Gespr\u00e4chspartner wurde ausgeloggt"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts251&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts251&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Klick! Mich! An! schrie es ihm von der Webseite entgegen.<br \/>\nMann, war ihm langweilig. Wo war er da nur gelandet? Ein Dienst, der \u201espannende\u00a0 Unterhaltungen mit interessanten Menschen\u201c versprach, versuchte offensichtlich, ihn dazu zu animieren, nach einer besser kurzen als langen Weile eine kostenpflichtige Telefonnummer anzurufen.<br \/>\nDarauf w\u00fcrde er, Philologe, Philosoph und Intellektueller, sicher nicht hineinfallen. Never ever.<br \/>\nAber neugierig war er doch. Und die erw\u00e4hnte Langeweile \u2026<br \/>\nZudem war es h\u00f6chst gef\u00e4hrlich, eine L\u00fccke entstehen zu lassen. In der Ruhe lauerten die Gedanken. Davon hatte er erst einmal genug.<br \/>\nGeistige \u00dcberanstrengung jedenfalls war von dieser Seite nicht zu bef\u00fcrchten, deswegen nur los.<br \/>\nKlick!<br \/>\nAh, eine junge Frau, wie vorhersehbar, ungebunden, chat (und mehr?)- willig bot ein \u201eGespr\u00e4ch\u201c an. Wie praktisch. Eventuell sogar zu \u201eStudienzwecken\u201c verwendbar.<br \/>\nDas \u00dcbliche, wobei er nicht wusste, was in so einem Fall \u00fcblich war, ein Foto einer zu grell geschminkten Dame sollte ihm die \u201eUnterhaltung\u201c schmackhafter machen, als sie es zu werden versprach.<br \/>\nLobesworte folgten einigen einfachen S\u00e4tzen, wie gekonnt er doch formuliere, also in dieser Sprache: Du schreibst so gut. Du bist ein interessanter Mann.<br \/>\nHerausforderung angenommen, Erwiderung: Woher willst Du das wissen?<br \/>\nDas denke ich mir, wie du schreibst.<br \/>\nMann, m\u00fchsam, aber doch, ein Kontakt, wo sonst keiner w\u00e4re: Sonst schreibe ich besser.<br \/>\nSie, ganz auf einf\u00fchlsam trainiert: Hattest du einen anstrengenden Tag? Entspann dich etwas.<br \/>\nDem anstrengenden Tag schien ein \u00f6der Abend zu folgen, er beschloss, dem einen Strich durch die Rechnung zu machen: Ich wei\u00df gar nicht, warum ich Dir schreibe, es gibt Dutzende Menschen, mit denen ich mich besser unterhalten k\u00f6nnte.<br \/>\nNicht gerade die feine Art.<br \/>\nOh! Das hatte sie gerade tats\u00e4chlich geschrieben. Es begann ihn jetzt wirklich neugierig zu machen, folgte da ein \u201eDu schlimmer Junge!\u201c oder eine anspruchsvollere Koketterie?<br \/>\nSicherlich wurde der Schriftverkehr mitverfolgt, regelm\u00e4\u00dfig kontrolliert, ob die Angestellten auch tats\u00e4chlich leisteten, wof\u00fcr sie bezahlt wurden: Lockrufe auszusenden, die unwiderstehlich waren, Suchtpotenzial hatten.<br \/>\nOder hatte sie ihn durchschaut, dass er nur provozieren, irgendeine Reaktion erhalten wollte?<br \/>\nNichts Einstudiertes, sondern tats\u00e4chliche Auseinandersetzung mit der Person am anderen Ende der Leitung sozusagen? Was f\u00fcr eine Art der Verbindung sollte das denn werden?<\/p>\n<p>Na, beleidigt? folgte auf seine Nachdenk- und daher Schreibpause.<br \/>\nKlar, sie musste ihn ja doch bei Laune halten. Und zum weiteren Tastaturbearbeiten animieren.<br \/>\nNein, gar nicht, ich habe blo\u00df gemeint, so besonders vieles gibt es nicht, wor\u00fcber wir uns unterhalten k\u00f6nnten, wir geben sicherlich nichts Pers\u00f6nliches und schon gar nichts Wahres \u00fcber uns preis, \u00fcbers Wetter werde ich mich sicher nicht unterhalten und nach Erotischem ist mir nicht, was bleibt also \u00fcbrig?<br \/>\nIhr halbherziges \u201eWieso glaubst du, so was bekommst du von mir?\u201c lie\u00df ihn wieder zweifeln, ob das zu irgendetwas f\u00fchren, jemals einen wie auch immer gearteten Sinn ergeben k\u00f6nnte.<br \/>\nSchlie\u00dflich rang er sich durch, noch einmal zu antworten: Ich dachte, darum ginge es hier haupts\u00e4chlich.<br \/>\nDie Antwort verbl\u00fcffte abermals: Dabei geht es um <span style=\"text-decoration: underline;\">dich<\/span>.<br \/>\nSchlichte und einfache Worte, die ihn nochmals ins Gr\u00fcbeln brachten. Ging es hier um ihn?<\/p>\n<p>Ums Verdienen vermutlich, um das Ausloten seiner Dummheit, festzumachen an dem Grad des Widerstands oder der Bereitwilligkeit, einen sch\u00f6nen Teil seines Geldes loszuwerden.<br \/>\nEine glatte L\u00fcge also. Es war nie um ihn gegangen. Nicht bei der Hochzeitsplanung, die war so geworden, wie es sich die Braut in spe vorgestellt hatte, nicht bei seinen Vorlesungen, da ging es um die Lehrpl\u00e4ne, die ein anderer f\u00fcr sinnvoll erachtet hatte, nicht bei den Untersuchungen beim Arzt, wo nur versucht wurde, zu eruieren, wie lange seine Arbeitskraft auf m\u00f6glichst hohem Niveau aufrecht erhalten werden konnte.<\/p>\n<p>Er driftete ab, kein Wunder, bei den Belanglosigkeiten, die von ihr kamen.<br \/>\nWas ma\u00dfte sich diese Frau an? Wieder so eine, die ihm die Welt erkl\u00e4ren wollte. Hassenswert \u201epositive\u201c Ratschl\u00e4ge, dazu dieses pinke, bem\u00fchte L\u00e4cheln, das ihn vom Bildschirm aus zu verh\u00f6hnen schien. Die kapierte rein gar nichts. Was hatte er erwartet?<\/p>\n<p>Ich glaube, es ist genug. Sie schien sich leicht aufzuregen.<br \/>\nAber ihm war sie einfach nicht gewachsen, warum sah sie das nicht ein? In Ruhe lassen sollte sie ihn, oder gut unterhalten. So etwas brauchte niemand.<\/p>\n<p>Wie viel Zeit vergangen war, konnte er nicht einmal ahnen. Pl\u00f6tzlich war Schluss, ein eindeutiger Moment.<br \/>\nWarte, ich muss schnell etwas holen.<\/p>\n<p>Der Hahn spannte sich ganz ohne Anstrengung (ein Klick), das war ein wirklich kostbarer Augenblick, aber was f\u00fcr ein Vergn\u00fcgen, endlich, e-n-d-l-i-c-h auch abdr\u00fccken zu d\u00fcrfen, nach all der Zur\u00fcckhaltung, der Vernunft, der v\u00f6llig unangebrachten Ratio!<\/p>\n<p>Der Effekt war maximal. Ein ohrenbet\u00e4ubender L\u00e4rm, ein Bersten, ein Splittern, eine Verz\u00fcckung. Er war mittendrin im Leben. Dann diese Ruhe, das Einssein mit sich, eine unglaubliche und alles und vor allem ihn erf\u00fcllende Stille.<\/p>\n<p>Bis er das n\u00e4chste Ger\u00e4usch h\u00f6rte, die Haust\u00fcre, die sich wie von selbst \u00f6ffnete.<\/p>\n<p>Harsche M\u00e4nnerstimmen, vermutlich seine \u00fcbermotivierten Nachbarn. Aber nicht nur.<\/p>\n<p>Handschellen???<\/p>\n<p>Endg\u00fcltig ins Aus geklickt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Carmen Rosina<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=426\">schr\u00e4g &amp; abgedreht<\/a> | Inventarnummer: 13021<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Klick! Mich! An! schrie es ihm von der Webseite entgegen. Mann, war ihm langweilig. Wo war er da nur gelandet? 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