{"id":2447,"date":"2015-04-10T17:53:52","date_gmt":"2015-04-10T17:53:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=2447"},"modified":"2024-06-26T07:31:32","modified_gmt":"2024-06-26T07:31:32","slug":"auch-so-eine-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=2447","title":{"rendered":"Auch so eine Geschichte"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts2447&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts2447&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Die Sachlerin ist eine Frau in den Siebzigern. Sie ist mir schon \u00f6fter auf der Stra\u00dfe begegnet und hat mich freundschaftlich mit Gria\u00dfde angesprochen. Aha, bist auch wieder mal zu Besuch. Sie l\u00e4chelt einen offen an. Ihre Augen haben etwas Direktes und Ehrliches, ihre Z\u00fcge sind einladend. Eine einfache Frau, auf die Verlass ist, die im Leben steht, die nicht so leicht etwas umhaut. Sie ist nicht allzu gro\u00df, eigentlich gedrungen, und kr\u00e4ftig gebaut. Vielleicht wirkt sie aber auch nur so, weil ihr im Laufe ihres Lebens einiges unverdaulich war. Diesen ganzen Ballast hat sie sich als Schutzschicht, als Polster gewisserma\u00dfen, um die Figur gewickelt. So kann ihr kaum mehr etwas was anhaben. Ich habe sie nur in Stoffhosen mit akkurater B\u00fcgelfalte, flachen bequemen Schn\u00fcrschuhen, weiten Pullovern und Anorak gesehen. Ihre Sach\u2018 hat sie sauber beieinand\u2018, der Garten ist gepflegt, das Haus ordentlich, die Fenster geputzt.<br \/>\nDie Sachlerin wei\u00df, was sich geh\u00f6rt, und wei\u00df auch, was sie im Leben zu tun hat. Nie konnte sie faul sein, immer hat sie sich gek\u00fcmmert, immer war sie mit dem zufrieden, was ihr der Herrgott zugedacht hat, wenn es auch, wei\u00df Gott nicht immer leicht war. Mit vielem hat sie sich abgefunden, mit anderem hat sie sich eingerichtet, aber auch jetzt begegnen ihr noch Situationen, ja Schicksalsschl\u00e4ge, die ihr schwer zusetzen.<\/p>\n<p>Der Hund von der Sachlerin hei\u00dft Rexi. Er ist eine Dame, aber als die Sachlerin das feststellte, hatte sie schon ihren m\u00e4nnlichen Namen. Ein Name ist ein Name, den kann man nicht mehr \u00e4ndern. Jetzt l\u00e4uft die Rexi halt mit einem m\u00e4nnlichen Namen durchs Leben. Wen k\u00fcmmert das schon? Rexi habe ich schon viel fr\u00fcher als seine Besitzerin kennengelernt. Wenn ich bei Monika zu Besuch war, hat sie immer vorbeigeschaut und die Elli besucht. Die Elli ist ein keiner Spitz mit rotbraunem Fell und sehr klugen braunen Augen. Wenn Rexi vor der Haust\u00fcr stand, lief Frau Elli hin, bellte kurz, damit jemand \u00f6ffnete. Schnell und energisch wetzte Rexi durch den T\u00fcrspalt, nahm wenig Notiz von Mensch und Tier, sondern lief schnurstracks zum Futternapf, den sie ratzeputz leer fra\u00df. Dabei beobachtete sie die Elli von oben herab. Sie verachtet es, den niederen Trieben so nachzugeben, lie\u00df Rexi aber gew\u00e4hren. Sie ist halt irgendwie ganz anders, einfacher, direkter, primitiver, aber wenn sie Hunger hat, soll sie fressen. Die Charaktere sind unterschiedlich und man muss Verst\u00e4ndnis f\u00fcr jeden aufbringen.<br \/>\nWenn die Monika mitbekommen hat, dass Rexi wieder alles aufgefressen hat, hat sie liebevoll ver\u00e4rgert gesagt: Geh Rexi, lass der Elli doch auch noch was \u00fcbrig. Aber das hat Rexi nicht bek\u00fcmmert. Vielmehr hat sie Monika bedr\u00e4ngt, Nachschub zu holen. Meist hat sie ihr dann auch noch ein Stangerl gegeben, das ist wahrscheinlich f\u00fcr Hunde so etwas wie f\u00fcr uns Menschen ein Ripperl Schokolade.<br \/>\nRexi ist eine Promenadenmischung. Kopf und Schweif haben etwas vom Sch\u00e4ferhund, der K\u00f6rper ist unheimlich lang und kr\u00e4ftig. Deswegen hat Rexi auch unabl\u00e4ssig Hunger. Die Beine passen nun \u00fcberhaupt nicht zum restlichen Erscheinungsbild. Sie sind viel zu kurz, also Stummelbeine. Eine taktlose Cousine von der Monika hat angeblich einmal im Beisein von Rexi laut ausgesprochen, was man nie ausspricht, ja nicht einmal denkt: Was f\u00fcr ein grei\u00dflicher Hund! Rexi hat das geh\u00f6rt, hat sich abgewandt und ist heimgegangen. Verst\u00e4ndlicherweise war Rexi gekr\u00e4nkt und ist nie mehr gekommen, wenn jene Cousine zugegen war.<\/p>\n<p>An dieser Begebenheit kann man sehen, wie feinf\u00fchlig Rexi trotz ihres derben Aussehens ist. Au\u00dferdem ist sie unheimlich klug. Sie versteht jedes Wort und kann die Menschen einsch\u00e4tzen. Auf sein Frauchen, die Sachlerin, h\u00f6rt sie. Sie wei\u00df, dass sie sich auf sie verlassen kann. Genauso geht es der Sachlerin mit Rexi. Die Gesellschaft ihres Hundes ist ihr lieber als die von manchem Menschen. Von den Menschen ist sie schon oft entt\u00e4uscht, gekr\u00e4nkt und verlassen worden. Rexi wird das nie tun, sie ist treu. Aber beleidigen l\u00e4sst sie sich nicht und Kraftfutter braucht sie auch regelm\u00e4\u00dfig. Daf\u00fcr garantiert die Sachlerin. Die beiden k\u00f6nnen sich aufeinander verlassen. Oft machen sie zusammen einen Spaziergang durch das Neubaugebiet, am \u00fcberaus gro\u00dfz\u00fcgig und praktisch gebauten Feuerwehrhaus vorbei, durch die Felder und Wiesen bis zur Bahnstation und wieder zur\u00fcck. Rexi geht brav an der Leine, pieselt an so manchen Baum, macht ihr H\u00e4ufchen, das die Sachlerin dann in ein Plastiksackerl verpackt und mit nach Hause nimmt. Ordnung muss sein!<\/p>\n<p>Der Sohn von der Sachlerin hei\u00dft Alois und wohnt noch mit ihr im Haus, obwohl er schon um die f\u00fcnfzig ist. Oft h\u00f6rt man sie: Geh, Alois! sagen. Er geht zwar flei\u00dfig zur Arbeit, ist auch sonst verl\u00e4sslich, benimmt sich aber insgesamt wie ein Kind. Niemand wei\u00df, warum der Alois nicht erwachsen werden kann. Es ist f\u00fcr eine Frau nicht leicht, sich ihr Lebtag lang um ein dem Alter nach erwachsenes Kind zu k\u00fcmmern. Da h\u00f6ren das Sorgen und die Plackerei ja nie auf. Davon hat die Sachlerin nun wei\u00df Gott in ihrem Leben mehr als genug gehabt und es w\u00e4re an der Zeit, dass endlich einmal Schluss damit ist.<\/p>\n<p>Vor Jahren hat eine der T\u00f6chter eine Gehirnblutung bekommen. Es war an einem Sonntagnachmittag am Badesee. Alles ging ganz schnell. Der Annelies wurde pl\u00f6tzlich schlecht, sie wollte mit dem Radl heimfahren und da fiel sie auch schon bewusstlos um. Die Rettung wurde gerufen, brachte sie in die Ambulanz, operierte, versorgte sie und versetzte sie ins k\u00fcnstliche Koma. Am n\u00e4chsten Tag waren sich die \u00c4rzte sicher, dass da nichts mehr zu machen sei. Sie bereiteten die Sachlerin wenig einf\u00fchlsam darauf vor, dass die Annelies nicht mehr ins Leben zur\u00fcckkehren werde. Aus diesem Grund wollten sie die lebenserhaltenden Maschinen wenige Tage sp\u00e4ter abschalten. Diese ersch\u00fctternde Nachricht war sogar f\u00fcr eine gestandene Frau wie die Sachlerin zu viel. Sie wollte auf keinen Fall ins Grab ihres eigenen Kindes blicken. Alles, blo\u00df das nicht!<br \/>\nDie siebenmalklugen \u00c4rzte waren offensichtlich mit ihrem Latein am Ende. Jetzt konnte nur noch der Herrgott helfen. Sie fuhr also am Heimweg vom Spital sofort am Pfarrhof vorbei, l\u00e4utete den Herrn Pfarrer heraus, erz\u00e4hlte ihm die ganze Geschichte und forderte unerbittlich von ihm, sofort alle verf\u00fcgbaren Kr\u00e4fte zum gemeinsamen Gebet zu mobilisieren. Der Herr Pfarrer konnte gar nicht mehr anders, als in der Fr\u00fchmesse die ganze Gemeinde um das inst\u00e4ndige Gebet f\u00fcr Annelies zu bitten. Schlie\u00dflich ging es um Leben und Tod. Das Dorf betete mit einer bis dato ungekannten und ungeahnten Ernsthaftigkeit. Die Kunde pflanzte sich sogar \u00fcber das Dorf hinaus fort. Alle beteten ohne Unterlass, stellten sogar die Arbeit hinten an, und, oh Wunder, Annelies erwachte aus dem Koma und wurde erstaunlich schnell gesund.<br \/>\nDie gescheiten \u00c4rzte konnten es nicht verstehen, aber was verstehen die denn \u00fcberhaupt. F\u00fcr die Sachlerin war von da ab klar, welche Kraft das Gebet hat, und sie hat sich auch nicht mehr gescheut, sich energisch daf\u00fcr einzusetzen und selbstsicher \u00fcber etwaige Widerst\u00e4nde hinwegzusetzen.<br \/>\nSo kam es zur Gr\u00fcndung des Gebetsvereins im Dorf. Dreimal w\u00f6chentlich treffen sich die eingeschriebenen Mitglieder und beten gemeinsam f\u00fcr Anliegen, die ihnen zugetragen werden. Meines Wissens geh\u00f6ren dem Verein ausschlie\u00dflich Frauen an, M\u00e4nner haben ja meist Wichtigeres zu tun. So manche Not konnten sie damit schon lindern, manchen Schicksalsschlag abmildern, Gottes Hilfe herbeibitten und das oft recht schwere Leben ertr\u00e4glicher machen.<\/p>\n<p>Die Sachlerin kann also so manches in die Wege leiten. Sie verf\u00fcgt \u00fcber betr\u00e4chtliche Energie und schafft es auch, Menschen f\u00fcr sich und ihre Anliegen zu gewinnen. Dar\u00fcber hinaus k\u00fcmmert sie sich und hilft gern, wo Not am Mann ist. Sie ist keine, die man bitten muss, sie sieht selber, wo sie gebraucht wird, wo sie Hand anlegen muss. Viele waren schon oft froh \u00fcber ihre unkomplizierte Hilfe. Die einen l\u00e4dt sie zur Leberkn\u00f6delsuppe ein, den anderen putzt sie die Stube oder \u00fcbernimmt die W\u00e4sche. So ist die Sachlerin!<\/p>\n<p>Im vergangenen Sommer hatte sie mit dem Alois einen gro\u00dfen \u00c4rger, ein ziemliches Gescherr sozusagen. Da hat ihm doch tats\u00e4chlich eine blondierte Tschechin den Kopf verdreht. Der dumme Bub hat sich in das Frauenzimmer verliebt, und keiner konnte ihm die Sache ausreden. Auf seine Mutter, die Sachlerin, hat er \u00fcberhaupt nicht geh\u00f6rt. Die flotte Tschechin lie\u00df sich sogar von einem Zuh\u00e4lter vorbeibringen, machte dem Alois sch\u00f6ne Augen, ging mit ihm spazieren und lie\u00df sich von ihm alles bezahlen. Alois zahlte gern, gab ihr sogar mehr, als sie wollte, bis seine Ersparnisse aufgebraucht waren. Alle warnten ihn, alle sagten ihm klipp und klar, was das f\u00fcr ein Weiberleit sei, aber der einf\u00e4ltige, verliebte Bub glaubte niemandem.<\/p>\n<p>Die Monika meint, dass das so offensichtlich gewesen sei, aber man hat nichts machen k\u00f6nnen. Pl\u00f6tzlich ist die h\u00fcbsche Tschechin nicht mehr gekommen, und beim Alois hat der Liebeskummer angefangen. Niemand hat ihn mehr tr\u00f6sten k\u00f6nnen. Dabei war ihm gar nicht um das Geld und das Auto leid, das er dem niedertr\u00e4chtigen Frauenzimmer so leichtfertig angeh\u00e4ngt hat. Vielmehr litt er so unbeschreibliche Qualen, weil sich diese Frau in seine Seele eingeschlichen hat. Er hat ihr, wie es seine Art ist, alles geglaubt, und dabei hat sie es gar nicht ernst gemeint. Sie hat ihn belogen, hat ihn ausgen\u00fctzt, hat ihn zutiefst verletzt. So etwas tut man nicht, aber es gibt Menschen, die schrecken nicht vor derart gemeinen Handlungen zur\u00fcck, wenn f\u00fcr sie ein Vorteil herausschaut.<br \/>\nSo muss der Alois nun mit seinem verwundeten Herzen durchs Leben gehen, und seine Mutter kann ihm auch nicht mehr helfen. In der Sonntagsmesse traut er sich gar nicht mehr zur Kommunion zu gehen, weil er sich vor Gott sch\u00e4mt und vor sich selbst und vor all den anderen, die ihn scheinheilig fragen: Na Alois, wie geht\u2019s dir denn? Ja, geht schon, antwortet er kurz angebunden und l\u00e4chelt jenes verzweifelte L\u00e4cheln. Beim Alois ist etwas ganz empfindlich aus dem Lot geraten und er muss mit diesem gewaltigen Kummer seine Tage verbringen, und die Sachlerin muss zuschauen und kann ihrem Bub nicht helfen. Dabei hat sie in der Tat schon mehr als genug mitgemacht.<\/p>\n<p>Ihr Mann hat sie bereits vor Jahren verlassen. Eines Morgens hat sie ihn erh\u00e4ngt im alten Stall gefunden.<\/p>\n<p>H\u00e4ngt sich der einfach auf und l\u00e4sst mich mit all der M\u00fchsal allein zur\u00fcck. Das schaut ihm \u00e4hnlich, einfach abhauen, wenn es schwierig wird. H\u00e4ngt sich der doch tats\u00e4chlich auf! Mein Gott, so was tut man nicht. Warum hat er denn nicht geredet?\u00a0 Ich hatte ja keine Ahnung! Warum hat er denn sein Maul nicht aufgemacht? Ich h\u00e4tte doch f\u00fcr ihn beten k\u00f6nnen. Aber nein, stur wie er ist, h\u00e4ngt er sich einfach gleich auf. Ich kann schauen, wie ich zurechtkomme. Als ich ihn so h\u00e4ngen hab&#8216; sehen, hab&#8216; ich mit ihm geschimpft, aber dann hat er mich auch gleich wieder erbarmt. Leicht hat er es ja auch nie gehabt. Von jung auf hat er schwer gearbeitet, dass wir es zu was gebracht haben und dann ist ihm alles zu viel geworden und er hat das Saufen angefangen. Irgendwann hat er gemerkt, dass er so auch nicht mehr weitermachen kann und dann hat er von einem Tag auf den andern mit dem Saufen aufgeh\u00f6rt. Da war er dann st\u00e4ndig so niedergedr\u00fcckt und er hat an \u00fcberhaupt nichts mehr eine Freude gehabt. Die feinsten Sachen hab&#8216; ich ihm gekocht, ein Rindfleisch mitten in der Woche, aber auch das hat ihm nicht mehr geschmeckt. Arbeiten hat er nicht mehr wollen und Fernsehen auch nicht mehr. Ich hab&#8216; nicht mehr gewusst, was ich noch machen soll. Das ist einige Zeit so gegangen und dann hab&#8216; ich ihn im Stall gefunden.<\/p>\n<p>Jetzt ist die Sachlerin schon jahrelang Witwe, und auch daran hat sie sich gew\u00f6hnt. Als ich sie beim Spazieren gehen treffe, sagt sie, dass sie von ihrem Mann noch den sch\u00f6nen Trachtenanzug im Schrank h\u00e4ngen hat. Auch die Feuerwehruniform hat sie aufgehoben genauso wie den leichten Sommeranzug. Sie habe es einfach nicht \u00fcbers Herz gebracht, alles wegzugeben. Es dauert, bis man sich an jemanden gew\u00f6hnt, und es dauert auch, bis man sich von jemandem trennt, bis man ihn loslassen und verabschieden kann. Bis dahin soll sein Gwand im Schrank h\u00e4ngen bleiben. So ist das.<\/p>\n<p>Als die Totenmesse f\u00fcr Frau R. gelesen wurde, habe ich die Sachlerin von einer ganz anderen Seite kennengelernt. Selbstbewusst trat sie ans Lesepult, streckte sich nach dem Mikrophon, faltete ihre Notizen sorgf\u00e4ltig auseinander und sprach mit fester Stimme, indem sie liebevoll auf den vor ihr stehenden Sarg mit der verstorbenen Freundin blickte. Aus tiefstem Herzen brachte sie viele bewundernswerte Begebenheiten zur Sprache, die Frau R. im Laufe ihres Lebens ganz selbstverst\u00e4ndlich vollbracht hat. Niemals hatte sie dar\u00fcber auch nur ein Wort verloren, weil sie ihr so unbedeutend erschienen. Sie sollen und d\u00fcrfen aber nicht vergessen werden. \u00dcberall hat Frau R. geholfen. Sei es bei Familien, denen die Mutter weggestorben ist, oder bei hinf\u00e4lligen alten Leuten. Die Sachlerin vergisst nicht darauf zu verweisen, dass sie selber einmal nach einer schweren Operation nahe daran gewesen sei, die Lebensfreude und vor allem auch die Lebenskraft g\u00e4nzlich zu verlieren. Die \u00c4rzte haben ihr nicht mehr helfen k\u00f6nnen, wie denn auch? Nerventabletten haben sie ihr verschrieben, aber das sei auch kein Leben mehr gewesen. V\u00f6llig verzweifelt sei sie gewesen.<br \/>\nDa ist Frau R. immer wieder gekommen und hat mit ihr gesprochen, hat ihr von den Rosen und vom Sommer und den Enkelkindern und all den sch\u00f6nen Dingen erz\u00e4hlt, und man kann es kaum glauben: Langsam ist das Leben zur Sachlerin zur\u00fcckgekehrt, und sie hat keine Nerventabletten mehr gebraucht und hat wieder angefangen all das zu machen, was man tagt\u00e4glich machen muss, weil es sonst ja auch nicht geht. Inzwischen sind Jahre vergangen, die Sachlerin hat wieder so viel Kraft bekommen, dass sie nun auch der Frau R. beistehen hat k\u00f6nnen in ihrer schweren Krankheit und auf ihrem letzten Weg. Das musste unbedingt noch gesagt werden. Vergesst es ja nicht!<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Claudia Kellnhofer<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=418\">hardly secret diary<\/a>| Inventarnummer: 15038<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Sachlerin ist eine Frau in den Siebzigern. Sie ist mir schon \u00f6fter auf der Stra\u00dfe begegnet und hat mich freundschaftlich mit Gria\u00dfde angesprochen. Aha, bist auch wieder mal zu Besuch. Sie l\u00e4chelt einen offen an. Ihre Augen haben etwas Direktes und Ehrliches, ihre Z\u00fcge sind einladend. 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