{"id":21917,"date":"2026-01-22T17:37:00","date_gmt":"2026-01-22T17:37:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.verdichtet.at\/?p=21917"},"modified":"2026-01-24T13:48:36","modified_gmt":"2026-01-24T13:48:36","slug":"max-der-bauherr-endlich-fertig","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=21917","title":{"rendered":"max, der Bauherr \u2013 Endlich fertig"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts21917&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts21917&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p style=\"text-align: right;\"><em>Aus der Wiener H\u00e4uslbauer-Serie<\/em><\/p>\n<p><strong>max,<\/strong> der Bauherr, hatte es geschafft: Das Haus war fertig!!! Endlose Jahre der Grundst\u00fcckssuche, der W\u00fcrgerei mit den Kreditraten, der Planung und des m\u00fchsamen Stein-auf-Stein-Legens lagen hinter ihm. Gebaut hatte er gr\u00f6\u00dftenteils selbst, mit \u201eerweiterter Nachbarschaftshilfe\u201c \u2013 und nat\u00fcrlich mit Hilfe von Verwandten und Freunden, denn jeder, der ihm am Wochenende als Maurer, Helfer, Elektriker oder Installateur gegen \u201eSpesenersatz\u201c geholfen hatte, war mit der Zeit sein Freund geworden.<\/p>\n<p>Was hatte es nicht f\u00fcr Schwierigkeiten gegeben: ewiger Geldmangel, chronische \u00dcberarbeitung (<strong>max<\/strong> freute sich jeden Sonntag aufs B\u00fcro, denn nach einem starken Tag Betonmischen oder Ziegelschleppen hatten seine Bandscheiben locker eine Woche Erholung gebraucht, bis er sich die Schuhe wieder schmerzfrei anziehen konnte), \u00c4rger mit der Gemeinde, dem Baustoffh\u00e4ndler, den Handwerkern, die oft genug aussichtslose Terminkoordination, die er immer wieder mit der Geduld eines Stehaufmanderls irgendwie geschafft hatte \u2013 er wollte gar nicht mehr daran denken. Die gehabten Schmerzen sind die sch\u00f6nsten \u2013 aber nun aus, Schluss damit. Es war ihm mit Gottes Hilfe (denn es grenzte mehrmals an ein Wunder, dass alles doch noch geklappt hatte) gelungen, ein durchaus brauchbares und h\u00fcbsches kleines Einfamilienhaus auf die Beine oder besser aufs selbstgegossene Fundament zu stellen. Ein Marathonl\u00e4ufer in der Zielgeraden ist ein ausgeschlafener Beamter gegen einen H\u00e4uslbauer, der fertig geworden ist. Alle Materialreste und sogar die Mischmaschine hatte <strong>max<\/strong> bereits an andere Leidensgenossen verschenkt, er konnte nichts mehr davon sehen.<\/p>\n<p>Gestern abends hatte es eine sehr gelungene Fertigstellungs-Grillparty gegeben, wo alle am Werk Beteiligten mit ihren Familien eingeladen waren \u2013 das Buffet hatte <strong>max<\/strong> vom n\u00e4chsten Heurigenwirt beistellen lassen, der ihm auch einige B\u00e4nke und Tische geliehen hatte. Auch dieser war sein Freund, denn er hatte dem wohlgelittenen langj\u00e4hrigen Stammgast mehrmals mit dem Traktor ausgeholfen, wenn nichts anderes mehr ging. Und um Mitternacht wurden in einem feierlichen Akt symbolisch die letzten Arbeitshandschuhe und die den ganzen Bau gebrauchte, von allerlei R\u00fcckst\u00e4nden schon \u201eallein-stehende\u201c ehemals blaue Latzhose in einem gro\u00dfen Lagerfeuer aus kleingeschnittenem Bauholz verbrannt. Leider fiel dieses ziemlich gro\u00df aus, weshalb die von \u00e4ngstlichen Nachbarn alarmierte Feuerwehr ausr\u00fcckte, was gr\u00f6\u00dfere Schwierigkeiten und Kosten verursacht h\u00e4tte, wenn nicht deren Kommandant der Sohn des befreundeten Heurigenwirten gewesen w\u00e4re. Kurzerhand lud <strong>max<\/strong> den gesamten L\u00f6schzug ein mitzufeiern, was gerne angenommen wurde und neuen Schwung in die fr\u00f6hliche Party brachte.<\/p>\n<p>Die Kinder schliefen irgendwo in den improvisierten Matratzenlagern, nach und nach folgten deren M\u00fctter, und schlussendlich fielen gegen drei Uhr fr\u00fch auch die h\u00e4rtesten \u201eHackler\u201c todm\u00fcde, aber zufrieden zu den Frauen aufs Lager (wenn auch nicht immer zu den eigenen). <strong>max<\/strong> hatte vorsorglich einen gro\u00dfen Topf Gulaschsuppe und Brot f\u00fcr das Fr\u00fchst\u00fcck bereitgestellt und die Raumpflegerin aus seinem B\u00fcro f\u00fcr die morgendliche Kaffeek\u00fcche engagiert, sodass sich auch die \u201eWieder-in-Betriebnahme\u201c seiner G\u00e4ste geordnet vollzog. Alle versicherten ihm, dass dies die sch\u00f6nste Party gewesen w\u00e4re, an der sie je teilgenommen h\u00e4tten, und verabschiedeten sich mit einem scherzhaften \u201eAlso bis zur n\u00e4chsten Baustelle\u201c, und dann war es soweit.<\/p>\n<p>Das Haus stand, es hatte auch die Party unbeschadet \u00fcberstanden, und nach den \u201eAufr\u00e4umungsarbeiten\u201c, die sich bis in den fr\u00fchen Nachmittag hinzogen, waren alle Spuren getilgt, alles strahlte nagelneu, und auch der sch\u00f6n angelegte Garten war wie aus dem Sch\u00f6ner-Wohnen-Prospekt. Jetzt war es soweit, die Besitzerfreude und der Stolz auf das Selbstgeschaffene, der so lange ersehnte Genuss konnten stattfinden. <strong>max<\/strong> und seine Elli waren ganz ger\u00fchrt, die gro\u00dfe Terrassent\u00fcre wurde mit einer Girlande geschm\u00fcckt, und <strong>max<\/strong> trug seine Gef\u00e4hrtin in guten und vielen weniger guten Tagen feierlich \u00fcber seines Hauses Schwelle, k\u00fcsste sie und sprach die bewegenden Worte: \u201eUnd jetzt h\u00e4tt ich gern an g\u2019scheiten Kaffee mit Schlag und an Guglhupf von deiner Muatter!\u201c Denn auf das hatte er sich jahrelang gefreut; immer, wenn es ihm schlecht ging (oder er nicht wusste, wie es weitergeht), hatte er sich ausgemalt, wie er k\u00fcnftig auf der Terrasse beim Kaffee sitzen w\u00fcrde und alles w\u00e4re geschafft.<\/p>\n<p>Elli nickte und blitzte ihn mit strahlender Zustimmung an: \u201eJo, ich hab auch schon Z\u00e4hnd\u2018 drauf, endlich einmal auf gepflegt und net auf einer dreckich\u2019n Baustell\u2019!\u201c Auch sie hatte viel entbehren m\u00fcssen, bis es soweit war. Gemeinsam machten sie die paar Handgriffe in der K\u00fcche und trugen alles hinaus, um sich dann die wohlverdiente Jause in der neuen gelb-wei\u00df gestreiften Sitzgarnitur auf der Terrasse schmecken zu lassen. Als kr\u00f6nenden Abschluss holte <strong>max<\/strong> eine Flasche Marillenschaumwein aus dem K\u00fchlschrank und sie stie\u00dfen auf den neuen, sch\u00f6nen Lebensabschnitt ohne schwere, schmutzige Arbeit an.<\/p>\n<p>Und dann sagte die liebende Gattin mitten hinein in <strong>max<\/strong>ens blass werdendes Gesicht: \u201eIch fahr gach in die Wohnung noch ein paar Sachen holen, bist so lieb und hebst derweil die Waschbetonplatten unterm Garten-Wasserhahn um zwei, drei Zentimeter h\u00f6her, weil da bleibt immer so eine Gatschlacken steh\u2019n!\u201c Um Gottes Willen, das hie\u00df ja schon wieder die schweren Platten heben (= Kreuzweh), vom Nachbarn einen K\u00fcbel Sand erbetteln (er hatte ja weder Arbeitsgewand noch Baumaterial mehr), in der \u00e4ltesten Jean niederknien, mit Kelle und Wasserwaage herumhantieren und dann alles wieder saubermachen. Und wie ein Blitzschlag aus heiterem Himmel traf <strong>max<\/strong> die vernichtende Erkenntnis: Bisher hatte er geschuftet, <strong>um<\/strong> ein Haus zu haben. Und nun w\u00fcrde er sein Lebetag <strong>f\u00fcr<\/strong> sein Haus weiterarbeiten m\u00fcssen. Und die einzige Erholung, die langersehnte sch\u00f6ne sorglose Zeit nach Bau-Ende \u2013 das war die Dreiviertelstunde beim Kaffee gewesen!<\/p>\n<p>Man muss eine Frau sein, um nicht zu verstehen, warum sich <strong>max<\/strong> diesen Abend mit dem restlichen Maurerbier in den Schlaf trinken musste.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Robert M\u00fcller<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at |\u00a0Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=7360\">fest feiern<\/a> | Inventarnummer: 26054<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus der Wiener H\u00e4uslbauer-Serie max, der Bauherr, hatte es geschafft: Das Haus war fertig!!! 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