{"id":2153,"date":"2015-01-26T17:37:15","date_gmt":"2015-01-26T17:37:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=2153"},"modified":"2015-01-29T16:24:12","modified_gmt":"2015-01-29T16:24:12","slug":"ccc","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=2153","title":{"rendered":"Die alte Schupfen"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts2153&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts2153&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Schon allein das Wort ist Vergangenheit, weil\u2018s niemand mehr verwendet. Vergangen ist auch die Existenz der alten Schupfen. Weil dort, wo sie einmal gestanden ist &#8211; in einem gro\u00dfen Schrebergarten vom Opa, und rundherum viele andere Schreberg\u00e4rten &#8211; da stehen heute drei Bauten: die Bezirkshauptmannschaft, das Altersheim und die Schule.<br \/>\nAber der Schrebergarten, die alte Schupfen und der Opa sind mir noch im Ged\u00e4chtnis, als ob sie noch da w\u00e4ren.<br \/>\nDie Schupfen, ein Wort, das es nicht mehr gibt, ein Schuppen, ein kleines H\u00e4usel, eine Gartenh\u00fctte aus Holz, vollger\u00e4umt mit Gartenger\u00e4ten aller Art, einen Tisch, drauf ein Krug und ein Lavoire. Und dar\u00fcber mit einem Hunderternagel im Holz befestigt, ein kleiner Spiegel. An der Wand ist ein uralter Divan gestanden &#8211; und das \u201eur\u201c sage ich nicht, weil\u2018s heute Mode ist, sondern weil der Diwan noch von meiner Uroma war, staubig, muffig und abgewetzt. Aber zum Ausrasten gem\u00fctlich.<\/p>\n<p>Ein ganz kleines Fensterl war in der Schupfen. Da ist die Sonne hereingebrochen und man hat gesehen, wie der Staub in der Luft schwebt. Ja und gerochen, gerochen hat die ganze Schupfen nach dem Opa. Na ja, nicht direkt nach ihm &#8211; und doch nach ihm. Er hat sich n\u00e4mlich immer mit Schicht-Seife gewaschen.<br \/>\nUnd er hat geraucht, nicht Zigaretten, sondern Zigarren, nicht irgendeine Zigarre, sondern Virginia, die d\u00fcnnen mit dem Strohhalm drin. Die Virginia hat so einen Duft nach Vanille gehabt. Ja und der Geruch von Vanille, Schicht-Seife, Staub und altem Plunder, das war f\u00fcr mich der Opa, auch lange nachdem er schon gestorben war und sogar heute noch. Ich seh\u2018 ihn noch sitzen in der Laube, gleich neben der Schupfen auf der Bank, wenn er m\u00fcde war von der vielen Arbeit im Garten. Da hat er in Ruhe sein \u201eZigarl\u201c geraucht und dann ist\u2018s weiter gegangen.<br \/>\nUnerm\u00fcdlich war er und sehr zufrieden, wann alles gut gewachsen ist. Ich hab ihm ab und zu geholfen beim Gie\u00dfen. Ich bin am Brunnen gestanden und hab gesch\u00f6pft, er hat dann alles vertragen und ausgegossen mit der Gie\u00dfkandl.<br \/>\nWenn er fertig war, sind wir in die Schupfen hinein und haben uns H\u00e4nde und Gesicht gewaschen mit der Schicht-Seife. Der Opa hat sich in den kleinen Spiegel geschaut und sich die Haare gek\u00e4mmt. Dann sind wir heimgegangen zur Oma. Hand in Hand. Und der Schatten hat sich \u00fcber die Schupfen gelegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Ingrid Hoffmann<br \/>\n<a href=\"http:\/\/ingridhoffmann.twoday.net\" target=\"_blank\">ingridhoffmann.twoday.net<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=416\">es menschelt<\/a>| Inventarnummer: 15017<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon allein das Wort ist Vergangenheit, weil\u2018s niemand mehr verwendet. Vergangen ist auch die Existenz der alten Schupfen. 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