{"id":18988,"date":"2024-11-02T14:56:03","date_gmt":"2024-11-02T14:56:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=18988"},"modified":"2024-11-16T14:33:26","modified_gmt":"2024-11-16T14:33:26","slug":"mit-freundinnen-zur-auszeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=18988","title":{"rendered":"Mit Freundinnen zur Auszeit"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts18988&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts18988&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Vor \u00fcber zwanzig Jahren hatten die Ehem\u00e4nner, meiner eingeschlossen, unseres Freundinnenquartetts eine herausragende Idee: Uns wurde ein gemeinsames Wochenende \u201eWellnessen\u201c geschenkt. Frauen, die etwas in die Jahre kommen, wo die Kinder aus dem Gr\u00f6bsten raus sind und die mal auf \u201eRunderneuerung\u201c fahren wollen, freuen sich nat\u00fcrlich sehr \u00fcber diese noble Geste. Knapp \u00fcber drei\u00dfigj\u00e4hrig waren wir vier Ladys damals und die Angebote der hiesigen Wellnesshotels an Kosmetikbehandlungen, Massagen und das ganze Drumherum mit Pool und Saunen haben uns schwer begeistert. Unser Motto: Gem\u00fctlich soll\u2019s sein, erholsam und nat\u00fcrlich kann man auch gerne von den diversen Behandlungen profitieren \u2013 Frau will wieder versch\u00f6nert und runderneuert werden. Ob unsere gesch\u00e4tzten M\u00e4nner damals ahnten, dass dies keine einmalige Sache bleiben wird, wissen wir bis heute nicht und hinterfragen das auch besser nicht. Mit Ausnahme der drei Pandemiejahre waren wir somit gesamt achtzehn Mal in unterschiedlichen \u00f6sterreichischen und bayrischen Hotels einquartiert.<\/p>\n<p>W\u00e4re ich eine Influencerin, h\u00e4tte ich vielleicht ein wenig daran verdienen k\u00f6nnen. Tats\u00e4chlich ist es aber so, dass kein Hotel eine \u00fcber f\u00fcnfzigj\u00e4hrige Frau, die bereits Gro\u00dfmutter ist, als Influencerin anfragt. Ohnehin w\u00e4re ein Foto von mir im Bikini vor dem Pool und der Hotelfassade kaum Werbung f\u00fcr das Unternehmen. Die Sache mit dem Business auf Social Media lasse ich also lieber bleiben.<\/p>\n<p>Insgesamt wurden wir in allen Hotels freundlich begr\u00fc\u00dft und hatten durchwegs ausgezeichnete K\u00fcche. Im Laufe der Jahre haben sich jedoch unsere Priorit\u00e4ten ver\u00e4ndert. Von zu Beginn etlichen Buchungen f\u00fcr Massagen und Beautyanwendungen, bevorzugen wir jetzt eher die Stille in den Ruher\u00e4umen zum Lesen und Erholen. Wobei uns schon aufgefallen ist, dass manche Hotelg\u00e4ste das Wort \u201eRuheraum\u201c nicht allzu ernst nehmen. Auf den Liegen wird geratscht, mit Raschelt\u00fcten in der Hand Essen verzehrt, es werden Videos am Smartphone angeschaut und manchmal kommt es sogar vor, dass telefoniert wird. Von unseren vier Liegen h\u00f6rt man maximal ein Bl\u00e4ttern im Buch, oder ein leises Schnarchen \u2013 wobei das Schnarchen nur bei f\u00fcnfzig Prozent des Quartetts vorkommen kann, also quasi nicht erw\u00e4hnenswert ist. Aber gut, wir sind ja im Ruhemodus und regen uns \u00fcber den L\u00e4rmpegel der Mitg\u00e4ste nicht auf. \u00dcberhaupt sind wir vier Damen sehr umg\u00e4ngliche und angenehme G\u00e4ste, haben keine Extraw\u00fcnsche und sind sehr anpassungsf\u00e4hig. Was mich dennoch in einem Hotel etwas stutzig gemacht hat, waren die fix angebrachten Diebstahlschutzsicherungen an allen Kuscheldecken des Ruheraumes. Ich hatte, ehrlich gesagt, bis dahin noch nie dar\u00fcber nachgedacht, mir eine Decke mit nach Hause zu nehmen?! In meinem Koffer w\u00e4re da \u00fcberhaupt kein Platz daf\u00fcr?!<\/p>\n<p>Die ersten Jahre in der Beautyabteilung ist es schon mal vorgekommen, dass man bei einer Detoxganzk\u00f6rperpackung zwei Tage lang riecht wie ein Fisch, Algen helfen, den K\u00f6rper zu entschlacken und das Hautgewebe zu unterst\u00fctzen sowie die Durchblutung und den Stoffwechsel anzuregen. Wenn man da eine halbe Stunde in der Versenkung schwitzt und hofft, dass die Kosmetikerin einen nicht vergessen hat, k\u00f6nnen drei\u00dfig Minuten ganz sch\u00f6n lang werden. Vor zwanzig Jahren war ich auch noch eine gute Kundin f\u00fcr den Einkauf an der Theke der Kosmetikabteilung. Ich wollte all die Salben, Seren und Cremes f\u00fcr das heimische Badezimmer kaufen, um Falten vorzubeugen und das Jahr bis zum n\u00e4chsten Wellnesstermin m\u00f6glichst straff \u00fcberstehen. Leider kamen bei der Bezahlung der Hotelrechnung mit den zus\u00e4tzlich sehr kostspieligen Pflegeprodukten die Sorgenfalten prompt zur\u00fcck und ins Auto stieg ich dann jeweils mit ziemlich erblasster Gesichtsfarbe. Fazit: Heutzutage bleibt manchmal sogar ein Probep\u00e4ckchen einer Salbe aus Versehen liegen.<\/p>\n<p>Nachdem wir untertags bei unseren Aufenthalten viel Zeit f\u00fcr Ruhe und Entspannung aufbringen, kann es vorkommen, dass wir abends eine beachtliche Ausdauer f\u00fcr gutes Essen, angenehme Gespr\u00e4che und den Baraufenthalt vorweisen k\u00f6nnen. Bei irgendetwas muss sich die angesammelte Energie ja entladen. So wird (aus Macht der Gewohnheit) beispielsweise der leere Suppenteller zur K\u00fcche getragen, wenn frau auf dem Weg zum Salatbuffet ist. Daheim verl\u00e4sst man den Tisch ja auch nicht, ohne abzur\u00e4umen. Gut \u2013 dieses Versehen ist mir ein einziges Mal passiert \u2013, wird nicht mehr vorkommen, versprochen. Dabei waren wir sogar schon mal in einem Hotel, das als Servicepersonal einen Roboter einsetzt, leider nur zum Wegtransportieren von Geschirr, Bestellungen nahm er keine entgegen, obwohl unsere Kehlen ziemlich ausgetrocknet waren. Das Personal in jenem Haus war recht besch\u00e4ftigt mit dem Best\u00fccken des Robotertabletts, damit er dieses in die K\u00fcche bringen kann. Ehrlich gesagt etwas befremdlich so ein Technikteil, wenn es durch den Restaurantbereich kurvt, denn in diesem Haus ist alles \u00fcber die Ma\u00dfen gro\u00dfz\u00fcgig mit bunten Plastikblumen, glitzernden Tapeten an den W\u00e4nden und goldenen L\u00fcstern dekoriert. \u00dcber die Dekorelemente des Hotelzimmers werde ich hier nicht n\u00e4her berichten, denn \u00fcber Geschmack l\u00e4sst sich bekanntlich streiten.<\/p>\n<p>Wie eingangs erw\u00e4hnt, wurden wir in wirklich allen Hotels ausgezeichnet verk\u00f6stigt, und zu einem guten Abschluss des Tages geh\u00f6rt nat\u00fcrlich ein Besuch in der Hotelbar. Und da tun sich Gr\u00e4ben auf!! Nicht bei uns, nein, wir sind ja, wie bereits beschrieben, angenehme G\u00e4ste! Aber dass in einem einzigen Jobbereich (Barkeeper:In) so viele unterschiedliche Charaktere arbeiten, ist beinahe unfassbar!<\/p>\n<p>Mir f\u00e4llt da ein \u00fcberaus engagierter und sympathischer Barmann ein, der nach unserem ersten Abend im Haus keine Orangen und keinen Tequila mehr vorr\u00e4tig hatte f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag. Nachdem wir den Barbereich \u2013 als Abschlussg\u00e4ste \u2013 verlassen hatten, ist er ins Nachbarhotel marschiert und hat in einem Korb Orangen und eine Flasche besten Tequila geholt. Zimt war noch vorhanden und seine gute Menschenkenntnis hat ihn nicht getrogen, er hat auch am folgenden Abend mit uns gerechnet, und wir wurden nicht entt\u00e4uscht. Diesen umsichtigen Barkeeper h\u00e4tten wir gerne auch in andere Hotels mitgebucht f\u00fcr unseren Aufenthalt. Leider ist das in dieser Form noch nicht buchbar.<\/p>\n<p>In einem anderen Haus war ein sehr junger Barverantwortlicher, der vermutlich etwas \u00fcberfordert war mit uns vier Damen. Die R\u00e4umlichkeit war gut besucht und er hatte etwas Not, alle Tische rasch zu bedienen. Wahrscheinlich hat ihn das m\u00fcde gemacht und er hat deshalb kurz vor Mitternacht begonnen, die Theke und die freien Tische mit Desinfektionsmittel zu reinigen. Den gastunfreundlichen Geruch habe ich heute noch in der Nase. Es hat nur noch gefehlt, dass er die Sessel auf die leeren Tische stellt und den B\u00fcrgersteig hochklappt, w\u00e4hrend wir bei unseren halbvollen Gl\u00e4sern sitzen.<\/p>\n<p>Das sch\u00f6ne Bundesland Tirol haben wir nur ein einziges Mal f\u00fcr einen Wellnessaufenthalt besucht. Und das ist begr\u00fcndet in einem Wort mit sieben Buchstaben: Schnaps! Die Hotelchefin meinte es nach dem Besuch des Restaurants so gut mit uns, dass sie uns ihre edelsten Tropfen zum Verkosten kredenzte. Und sie hatte etliche Spirituosen! Ein \u201eNein\u201c wurde nicht akzeptiert, und zu unserem Leidwesen waren die Gl\u00e4ser nicht in zarter Fingerhutgr\u00f6\u00dfe. Wir wollten nicht unh\u00f6flich sein und nat\u00fcrlich wollten wir uns auch keine Bl\u00f6\u00dfe geben. \u00dcber das Befinden am n\u00e4chsten Tag legt sich bis heute einvernehmlich Stillschweigen.<\/p>\n<p>Den ganzen Barbesuchen die Krone aufgesetzt hat aber eine Dame im Salzburger Land. Wir haben sie damals auf ca. \u201eKurz-vor-Pensionierung\u201c gesch\u00e4tzt. Eine schlanke, mittelgro\u00dfe Frau, hochdeutsch sprechend und mit Mireille-Mathieu-Frisur. Sie lie\u00df sich \u00e4u\u00dferst selten blicken f\u00fcr eine Neubestellung, das jedoch nicht, weil sie viel zu tun hatte, nein, wir waren ihre einzigen G\u00e4ste! Ihrer versteinerten Miene zu entnehmen, hatte sie keine Lust auf Smalltalk und auch sonst keine Ambitionen, den Barumsatz zu steigern. Bei jedem weiteren Glas meinte sie nur: \u201eDas ist jetzt aber das letzte Gl\u00e4schen, ja?\u201c Nachdem wir das nicht als Frage verstanden haben, fehlte nat\u00fcrlich eine entsprechende Antwort. Kurz vor Mitternacht meinte Frau Mathieu: \u201eJetzt gehen wir dann aber alle h\u00fcbsch schlafen, gestern war hier ein Chirurgenkongress und es ist l\u00e4nger geworden.\u201c Wir haben uns neugierig umgesehen und fragten, wo die Chirurgen denn w\u00e4ren? \u201eDie sind schon abgereist, also dann \u2013 husch husch!\u201c Ich erinnere mich vage daran, dass sie in die H\u00e4nde geklatscht hat beim Wort \u201eHusch\u201c! Kurzzeitig f\u00fchlten wir vier Frauen im besten Alter uns, als w\u00e4ren wir in der Volksschule und die Lehrerin habe uns energisch zur Eile aufgefordert.<\/p>\n<p>Aufmerksame Leser werden bemerken, dass zu all der Ruhe und Erholung, zu den guten Gespr\u00e4chen, dem leckeren Essen und den wunderbaren Stunden mit den Freundinnen noch ein weiteres, ganz wichtiges Attribut bei diesen Aufenthalten dazu geh\u00f6rt \u2013 Spa\u00df! Jede Menge Spa\u00df und viel Lachen! So werden an den drei Tagen im Jahr zwar die Lachf\u00e4ltchen mehr, aber diese Tage sind immer etwas ganz Besonderes und Kostbares. Ich danke meinen \u201eM\u00e4dels\u201c ganz herzlich daf\u00fcr.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\" align=\"right\">Manuela Murauer<br \/>\n<a href=\"http:\/\/waldgefluesteronline.com\/\" target=\"_blank\">waldgefluesteronline.com<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=7360\">fest feiern<\/a> | Inventarnummer: 24180<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor \u00fcber zwanzig Jahren hatten die Ehem\u00e4nner, meiner eingeschlossen, unseres Freundinnenquartetts eine herausragende Idee: Uns wurde ein gemeinsames Wochenende \u201eWellnessen\u201c geschenkt. Frauen, die etwas in die Jahre kommen, wo die Kinder aus dem Gr\u00f6bsten raus sind und die mal auf \u201eRunderneuerung\u201c fahren wollen, freuen sich nat\u00fcrlich sehr \u00fcber diese noble Geste. 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