{"id":17900,"date":"2024-04-11T11:48:50","date_gmt":"2024-04-11T11:48:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=17900"},"modified":"2024-04-13T12:47:42","modified_gmt":"2024-04-13T12:47:42","slug":"max-der-bauherr-auf-rosen-gebettet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=17900","title":{"rendered":"max, der Bauherr \u2013 Auf Rosen gebettet"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts17900&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts17900&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p style=\"text-align: right;\"><em>Aus der Wiener H\u00e4uslbauer-Serie<\/em><\/p>\n<p><strong>max,<\/strong> der Bauherr, hatte wieder einmal kein Geld. Das war an sich der Normalzustand, denn gegen Ende der Rohbauphase geht allen H\u00e4uslbauern das Geld aus und der langj\u00e4hrige finanzielle Seiltanz ohne Netz beginnt. Tats\u00e4chlich hatte sich <strong>max<\/strong> bereits derma\u00dfen an das geldlose Leben gew\u00f6hnt, dass ihm komisch zumute war, wenn er einmal mehr als einen Hunderter in der Tasche hatte. Aber diesmal war es ernst, denn \u00fcbermorgen war Hochzeitstag und da wollte seine Elli ein bisschen verw\u00f6hnt werden \u2013 ein verst\u00e4ndlicher Wunsch, wenn jeder Euro sofort in Zement, Dachziegel, Baustahlgitter etc. investiert wurde. Es soll schlie\u00dflich auch ein Leben vor dem Tod geben, mit ein wenig Luxus wie Tanzen gehen, Theater, Restaurants, sch\u00f6ne Sachen zum Anziehen und so. Aber woher nehmen? <strong>max<\/strong> hatte gerade den Dachdecker ausbezahlt und das bedeutete monatelange finanzielle D\u00fcrre, bis wieder ein paar Euro nachwuchsen.<\/p>\n<p>Anfangs war es ja noch lustig gewesen, seine Leute dergestalt zum Essen auszuf\u00fchren, dass ein Baustoffh\u00e4ndler oder M\u00f6belhaus beim Sommerabverkauf ein halbes Grillhendl mit einem Kr\u00fcgel Bier um f\u00fcnf Euro feilbot. Einmal hatte der Computerlieferant von <strong>max<\/strong>ens Arbeitgeber eine Produktpr\u00e4sentation mit spanischem Ambiente veranstaltet und so kam Elli in den Genuss einer Paella mit Flamenco-Tanzdarbietung, ein anderes Mal bekam <strong>max<\/strong> eine Einladung zu einer \u201eTogether-Party\u201c vor einer beruflichen Fachmesse und schwindelte seine Gattin mit dem Namensschild einer Kollegin in das Nobelhotel ein, was einen lustigen und luxuri\u00f6sen Abend ergab. Mit der Zeit bekam <strong>max<\/strong> eine ph\u00e4nomenale Sp\u00fcrnase f\u00fcr alles, wo es in sch\u00f6nem Rahmen etwas Feines zu schnabulieren gab \u2013 Hausmessen gro\u00dfer Firmen, Jubil\u00e4umsfeiern, Vernissagen und so weiter. Aber das alles verflacht irgendwann einmal, ewig kann man sich nicht durchschwindeln.<\/p>\n<p>Und dieses Mal war totale Ebbe; <strong>max<\/strong> hockte abends auf seiner Rohbau-Schwelle und seufzte vernehmlich. Sein Schr\u00e4g-vis-\u00e0-vis-Nachbar Karl kam mit dem Hund vorbei und setzte sich verst\u00e4ndnisvoll schweigend dazu. Er war mit seinem Haus schon fast fertig, weil er einen wohlhabenden Schwiegervater hatte. Und zwischen den paar H\u00e4uslbauern in der Umgebung war eine unglaublich gute Gemeinschaft entstanden, die weit \u00fcber das Nachbarliche hinausging. Man kannte und vertraute einander, besprach seine Sorgen, half sich gegenseitig aus und hatte dieselben Interessen, unabh\u00e4ngig von Alter, Beruf und sozialem Status. \u201eThema eins oder zwei?\u201c, fragte Karl mitf\u00fchlend (Thema eins war das Geld, Thema zwei waren die Frauen). \u201eKombiniert\u201c, war die leise Antwort von <strong>max,<\/strong> \u201ewir haben \u00fcbermorgen Hochzeitstag.\u201c Der Nachbar pfiff leise durch die Z\u00e4hne und dachte dann laut: \u201e\u00dcbermorgen ist Sonntag, und du bist pleite, stimmt\u2019s?\u201c <strong>max<\/strong> drehte in einer hilflosen Geste die Handfl\u00e4chen nach oben: \u201eWird auch vorbeigehen, mir wird schon was einfallen\u201c, sagte er wenig \u00fcberzeugend, \u201ereden wir von was anderem, was macht ihr morgen?\u201c \u201eIch fange morgen mit dem Garten vor dem Haus an, um sieben Uhr fr\u00fch kommt die Erde, und um acht der G\u00e4rtner, aber Helfer hab ich wieder keinen, weil mir der versoffene Kerl abgesagt hat\u201c, \u00e4rgerte sich der Nachbar, \u201eich wei\u00df noch nicht, wo ich da schnell wen bekommen kann!\u201c<\/p>\n<p>Aber dann hellte sich sein Gesicht auf und er sah <strong>max<\/strong> erwartungsvoll an: \u201eKannst du mir nicht helfen? H\u00e4ttest du Zeit?\u201c <strong>max<\/strong> zuckte gleichm\u00fctig die Achseln: \u201eDie Baustelle aufr\u00e4umen wollte ich, das kostet nichts. Aber das kann ich immer noch. Ja, komm ich halt um achte zu dir.\u201c Der Nachbar strahlte: \u201eDa ist mir viel geholfen. Aber ich m\u00f6chte dir was geben daf\u00fcr, der Hausarbeiter von meiner Firma h\u00e4tte mich auch 15 Euro pro Stunde gekostet, ich will mich ja nicht bereichern!\u201c \u201eKommt nicht in Frage, Karl, wir haben uns immer umsonst ausgeholfen\u201c, lehnte <strong>max <\/strong>kategorisch ab. Aber der Nachbar lie\u00df nicht locker: \u201eSchau, wenn ich es zusammenrechne, hast du mir schon \u00f6fter geholfen als ich dir. Und au\u00dferdem, den ausgeborgten Zement f\u00fcr meine Au\u00dfenstiege bin ich dir auch noch schuldig, den muss ich aber zahlen, weil ich kaufe ja keinen mehr, das sind zusammen zwei Hunderter, in Ordnung? Kannst gleich deiner Elli eine Freude machen, ja? Beim H\u00e4uslbauen sind unsere Frauen eh selten auf Rosen gebettet!\u201c Er hielt <strong>max<\/strong> die Hand hin und dieser schlug erleichtert ein: \u201eAlso gut, wegen der Elli, ausnahmsweise!\u201c<\/p>\n<p>Max pfiff den ganzen Samstag vergn\u00fcgt vor sich hin, der Hochzeitstag war gerettet. Abends besorgte er zwei Theaterkarten und bestellte f\u00fcr nachher einen Tisch im bew\u00e4hrten Restaurant. Aber irgendein \u201eHighlight\u201c sollte es noch geben, etwas Extravagantes, \u00dcberraschendes. \u201eNicht auf Rosen gebettet\u201c, hatte Karl, der Nachbar, gesagt. Es war Mitte Juni, \u00fcberall bl\u00fchten Rosen. Und Elli liebte Rosen, besonders die stark duftenden, wie sie die Schwester vom Karl am Zaun vom Nachbargrundst\u00fcck stehen hatte, einen Riesenstrauch voll erbl\u00fchter Rosen. <strong>max<\/strong> sprach mit Karl, dieser mit seiner Schwester, und alles war paletti.<\/p>\n<p>Nach dem sonnt\u00e4glichen Mittagessen fuhr <strong>max<\/strong> unter einem Vorwand zur freundlichen Nachbarin und pfl\u00fcckte b\u00fcschelweise die lose \u00fcberquellenden Rosenbl\u00e4tter in eine mitgebrachte gro\u00dfe Keksdose. Als er diese aber im Auto noch einmal \u00f6ffnete, um daran zu schnuppern kletterten einige kleine schwarze K\u00e4fer heraus! <strong>Max <\/strong>erschrak \u2013 das h\u00e4tte noch gefehlt. Er gedachte n\u00e4mlich Ellis Bettseite vor dem Theaterbesuch heimlich mit den Rosenbl\u00e4ttern zu bestreuen, sie einmal im Leben echt auf Rosen zu betten, und wenn da die K\u00e4fer herumgekrabbelt w\u00e4ren \u2013 entsetzlich. Also leerte er die Dose auf den Nebensitz und f\u00fcllte nun die Bl\u00fcten kontrolliert wieder zur\u00fcck, dabei die ehemaligen Bewohner von den Bl\u00e4ttern pustend. Dann den Deckel zu und nach Hause.<\/p>\n<p>Es ging alles gut, er konnte ungesehen sein Vorhaben ausf\u00fchren. Sie genossen die Boulevardkom\u00f6die und anschlie\u00dfend ein lecker-leichtes Abendessen \u2013 Elli war selig. Und als sie vor dem Duschen ihr Nachthemd holen wollte, versprach <strong>max,<\/strong> es nachzubringen. Als die Angetraute nach der W\u00e4sche rief, kam <strong>max<\/strong> ohne diese ins Bad und sagte mit dem gewissen L\u00e4cheln: \u201eWer braucht denn ein Nachthemd?\u201c Dann hob er \u2013 seine Kreuzschmerzen nicht achtend \u2013 sein nacktes Weib hoch und trug mit der Bemerkung: \u201eIch hab dir ja versprochen, dich auf H\u00e4nden zu tragen\u201c die nunmehr gro\u00df\u00e4ugig Erwartungsvolle ins Schlafzimmer:<\/p>\n<p>Der ganze Raum war erf\u00fcllt vom berauschenden Duft der \u00fcberall verstreuten Rosenbl\u00e4tter. Elli kriegte fast einen Herzinfarkt vor Freude und schrie ekstatisch auf: \u201eJ\u00f6, das gibt\u2019s ja nicht, ach <strong>max,<\/strong> das hab ich mir immer schon gew\u00fcnscht!\u201c Nun konnte <strong>max<\/strong> seine Last nicht mehr halten und lie\u00df die h\u00fcllenlose Angetraute auf die Rosen gleiten. Aber der Effekt war unerwartet: Ellis erschrockenem Mund entfuhr ein eiskalter Aufschrei \u201eHuhhuhuhuuu\u201c und sie sprang g\u00e4nseh\u00e4utig wieder auf. Entschuldigend und versch\u00e4mt erkl\u00e4rte sie dann: \u201eWei\u00dft, es war auf einmal so kalt auf der Haut nach der warmen Dusche, aber du hast mir so auch eine Riesenfreude gemacht. Das war der sch\u00f6nste Hochzeitstag seit Jahren! Und die Rosen heb ich in einem Glasl auf solang ich leb!\u201c<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen, als Elli ins Auto stieg, krochen einige kleine schwarze K\u00e4fer \u00fcber ihren Rock. Erschrocken und zornig h\u00fcpfte sie wieder heraus, kehrte die Krabbeltiere von Kleidung und Sitz und keifte <strong>max<\/strong> geh\u00f6rig an: \u201eWo hast denn das Viechzeug her, direkt genier\u2019n m\u00fcssert man sich, wenn da wer mitfahrt!\u201c Und sie konnte nicht verstehen, warum <strong>max<\/strong> br\u00fcllend lachte, bis ihm die Tr\u00e4nen kamen \u2013 was denn daran so lustig sei?<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Robert M\u00fcller<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at |\u00a0Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=7360\">fest feiern<\/a> | Inventarnummer: 24090<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus der Wiener H\u00e4uslbauer-Serie max, der Bauherr, hatte wieder einmal kein Geld. Das war an sich der Normalzustand, denn gegen Ende der Rohbauphase geht allen H\u00e4uslbauern das Geld aus und der langj\u00e4hrige finanzielle Seiltanz ohne Netz beginnt. 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