{"id":1753,"date":"2014-10-14T06:36:01","date_gmt":"2014-10-14T06:36:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=1753"},"modified":"2014-10-27T08:56:59","modified_gmt":"2014-10-27T08:56:59","slug":"die-maschine-version-schoengeist","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=1753","title":{"rendered":"Die Maschine (Version Sch\u00f6ngeist)"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts1753&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts1753&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Sie erz\u00e4hlte der Wand, wie es sich anf\u00fchlte. Sie erz\u00e4hlte ihr, es f\u00fchlte sich an, als w\u00fcrde sie die lauwarme Asche aus dem Becher g\u2019rad in den Sack f\u00fcr den Mist sch\u00fctten, in den Sack, in den unter der Abwasch, lang davor schon bis oben ganz aufgekrempelt, der Sack, viel zu viel und zu voll schon, und alles steht.<br \/>\nDer ganze Aschenbecher.<br \/>\nAuf die F\u00fc\u00dfe.<br \/>\nUnd zwischen den Restl\u2019n die Zehen, die stanken, wie gebrannt und verraucht.<br \/>\nSie sagte, so ungef\u00e4hr, so f\u00fchlte sich das an, aber anders halt.<br \/>\nAnders.<br \/>\nWie in breit anders.<br \/>\nAnders wie in gro\u00df.<br \/>\nAnders wie in gro\u00df, ja, wie in gro\u00df, gro\u00df wie ein Gro\u00df so gro\u00df, es sollte gar nicht reinpassen d\u00fcrfen, nicht reinpassen d\u00fcrfen in den schmalen, d\u00fcnnen Spalt, dort, wo ihr bis gestern nur das Dr\u00fccken dahinter schon gereicht hatte.<br \/>\nAber was war schon gro\u00df anders?<br \/>\nNur ein winziger Stich.<br \/>\nGeb\u00fcgelt die Bluse.<br \/>\nUnd sie zog hinter sich die T\u00fcr zu, zum Schlafzimmer.<br \/>\nDie T\u00fcr.<br \/>\nSie sp\u00fcrte das Schnapperl der T\u00fcr hell und hei\u00df wie beim Aussperr\u2019n im Rahmen einschnappen, etwas Hungriges war das, seit langem f\u00fcr Besteck schon zu leer im Bauch, barfu\u00df war das, drau\u00dfen ohne Schl\u00fcssel auf der T\u00fcrdacke, aber daweil war sie ja erst nur im Wohnzimmer.<br \/>\nNur: Alles war Beton.<br \/>\nAlles war grau und grau und noch mehr grau ganz in den Ecken innen, und da stand diese riesige Maschine mit ihrem R\u00fccken genau an der Wand, durch die es irgendwann einmal noch am Gang raus gegangen war, und die Stiegen runter.<br \/>\nMit oder ohne Schl\u00fcssel: Sie f\u00fchlte sich wie im Keller.<br \/>\nIm Keller, unter der Erde unten, eine Gl\u00fchbirne nackt an verstaubten Kabeln, im Keller unten, dick, fett, und doppelt unterstrichen.<br \/>\nDie Maschine war, wie gesagt, enorm.<br \/>\nVom Boden bis hinauf bis zur Decke, kein Herumschummeln auch links und auch rechts, und an der senkrechten Front, da leuchteten Kn\u00f6pfe, in Reihen und Reihen und Spalten.<br \/>\nViele Kn\u00f6pfe.<br \/>\nSehr viele.<br \/>\nSehr, sehr, sehr, sehr, sehr viele Kn\u00f6pfe, die alle auf etwas zu warten schienen.<br \/>\nAlle.<br \/>\nAll die Kn\u00f6pfe, die vielen, wie Augen, alle rund und rot und aus und an wie in Panik die Lider, nur Punkte hier und Punkte dort und Punkte hier wieder, wie im Regen, drau\u00dfen, auf hoher See.<br \/>\nJa, sie erwarteten etwas.<br \/>\nVon ihr.<br \/>\nJa, die Luft schmeckte \u00f6l und metallisch, und sie suchte, aber sie fand nichts.<br \/>\nKeinerlei Schildchen, unter und \u00fcber keinem, unm\u00f6glich gleich die Kn\u00f6pfe, zumindest so weit, wie ihre Augen zum Vergleichen rauf kamen maximal auf die Zehenspitzen.<br \/>\nDann h\u00f6rte sie die Stimme, zum ersten Mal.<br \/>\n\u201eEntscheid\u2019 ma uns vielleicht amal, Fr\u00e4ulein?!\u201c<br \/>\nDie Stimme, sie war rau, und vom Groll her mechanisch, Groll, wie ein Mantel aus Schleifpapier.<br \/>\n\u201eWer &#8230;? Wer spricht da?\u201c<br \/>\nKeine Antwort.<br \/>\nAuch beim zweiten Mal nicht, und beim dritten, \u201eWer spricht da?\u201c, aber weiter nur Rattern aus der Maschine und Schweigen, dass es unh\u00f6flicher nicht mehr ging.<br \/>\nIhre Z\u00e4hne mahlten.<br \/>\nEs knirschte.<br \/>\n\u201eEntscheid\u2019 ma uns amal vielleicht endlich?!\u201c<br \/>\n\u201eWas?\u201c<br \/>\n\u201eEntscheid\u2019 ma uns amal vielleicht?!\u201c<br \/>\n\u201eWas entscheiden? Und uns?\u201c<br \/>\n\u201eEntscheid\u2019 ma uns?!\u201c<br \/>\n\u201eEntscheid\u2019 ma uns, ha?!\u201c<br \/>\n\u201eHopp, hopp, entscheid\u2019 ma uns!\u201c<br \/>\n\u201eHopp! Hopp! Hopp! Hopp! Hopp! &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eBitte!\u201c<br \/>\nSie sagte, \u201eBitte! Von mir aus! Wenn\u2019s sein muss!\u201c, nein, sie schrie eher noch nicht ganz, und lie\u00df dann ihren Zeigefinger \u00fcber x-beliebige Kn\u00f6pfe kreisen, drehte den Kopf zur Seite mit den Augen zu, und dr\u00fcckte einen davon hinunter, so weit hinunter er ging.<br \/>\nDer Rest der Kn\u00f6pfe ging aus.<br \/>\nBeep, beep, beeeeeeeep.<br \/>\nWomit dann alles anfing.<br \/>\nZuerst:<br \/>\nEin grausames Ineinander viel zu harter Ger\u00e4usche, wie Metall auf Metall mit dem Geweih nach vorn, immer und immer wieder, es klang, es klang, es klang, ja, es klang, als w\u00fcrde die Maschine ihr jeden Moment in Fetzen um die Ohren fliegen, ja, so klang das.<br \/>\nDann:<br \/>\n\u201eA schlechte Wahl schon wieda, meine Liebe!\u201c, gefolgt von Lachen, ganz h\u00e4sslich, \u201eEntscheid ma uns halt nochamal andas, oda!\u201c, nur wusste sie noch immer nicht, wof\u00fcr und f\u00fcr was.<br \/>\nNein.<br \/>\nAlles, was ihr blieb, war das Gl\u00fcck.<br \/>\nAlso Zufall.<br \/>\nUnd nichts als der Zufall, und nur noch das Gl\u00fcck, daf\u00fcr, den richtigen Knopf da zu erwischen im Leben, was immer auch richtig war, oder falsch, und was, wenn sie kein Leben mehr Zeit hatte, kein Leben mehr, zum Probier\u2019n, jeden Knopf einzeln.<br \/>\nJa.<br \/>\nWas, wenn?<br \/>\n\u201eEntscheid\u2019 ma uns halt amal endlich!\u201c<br \/>\n\u201eEntscheid\u2019 ma uns!\u201c<br \/>\nDie Maschine verlangte, fast kindlich im Nachdruck, \u201eEntscheid\u2019 ma uns, entscheid\u2019 ma uns, entscheid\u2019 ma uns!\u201c<br \/>\n\u201eUnd warum?!\u201c<br \/>\nSie schrie jetzt.<br \/>\n\u201eWarum?! Und macht das \u00fcberhaupt irgendeinen Unterschied dann auch?!\u201c<br \/>\n\u201eJed\u2019n, mein Fr\u00e4ulein, jed\u2019n!\u201c<br \/>\nDie Maschine wiederholte: \u201eJed\u2019n.\u201c<br \/>\nMhmm.<br \/>\n\u201eUnd was soll das wieder hei\u00dfen jetz\u2019?\u201c<br \/>\nNichts.<br \/>\nKeine Antwort, auch aufs Nachfragen, und sie stand da, schon mit den Zehen in F\u00e4usten in l\u00e4nglichen, und sah den einst gedr\u00fcckten Knopf elegant aus seinem Schacht wieder auftauchen, als w\u00fcrde er sagen wollen, \u201eG\u00f6, do schaust deppat!\u201c<br \/>\nIhre Zehen knacksten.<br \/>\nWirklich!<br \/>\nDie Maschine verlangte erneut, \u201eEntscheid\u2019 ma uns endlich!\u201c, und ihre Zehen krachten, und dieser Raum war hier aufgetaucht, einfach so, aus dem Nichts \u00fcber Nacht?<br \/>\nJa.<br \/>\nAber wie?<br \/>\nDie Maschine grollte, \u201eEntscheid\u2019 ma uns bald amal endlich!\u201c, und, \u201eDes, Fr\u00e4ulein, des is\u2019 die letzte Warnung\u201c, geh\u00e4ssig, bis rein ins Hinterste.<br \/>\nDr\u00f6hnen.<br \/>\nSie fragte laut: \u201eUnd? Und was? Und was sonst?\u201c, schon spielten die Kn\u00f6pfe verr\u00fcckt.<br \/>\nDie Kn\u00f6pfe, sie spielten verr\u00fcckt, und ihr Blinken schw\u00e4rmte aus und formte Ecken, \u00fcbers ganze Gesicht der Maschine, Ecken, die von links nach rechts, und von links nach rechts, und von rechts nach links liefen, wie die Kirschen am Leuchtschild im Fenster vom Wettb\u00fcro drei H\u00e4user runter die Gasse.<br \/>\nDie Kn\u00f6pfe, mehr und mehr, rotteten sich zusammen.<br \/>\nErst lose Ecken, dann Quadrate, erst Quadrate dann Rechtecke, von Rechtecken dann zu Stoppschildern, zu leeren, dann zu Kreisen, die aufgingen, klebriger, roter Germteig, so in sich heraus so aufgel\u00f6st, dass ihr die Augen wie Staub so trocken wurden, vom Offenhabenm\u00fcssen.<br \/>\nSie hoffte auf den richtigen Zeitpunkt zum Blinzeln, aber da war keiner.<br \/>\nKeiner.<br \/>\nSchneller und schneller und schneller, die Kn\u00f6pfe, nur Geblinke ohne erkennbare Form jetzt, spitz, weiter auch, unter der Bluse drinnen, sie, sie konnte es sp\u00fcren unterm Stoff dort, wie es ihr den Magen tiefer und tiefer ins Becken dr\u00fcckte, und sie fl\u00fcsterte, \u201eDas kann aber jetz\u2019 nicht euer Ernst sein, oder?\u201c, und pl\u00f6tzlich war alles schwarz.<br \/>\nSchwarz.<br \/>\nEs wurde schwarz, alles, alles war schwarz, alles sah aus, als w\u00e4re die Maschine toter als tot, aber doch nicht.<br \/>\nEs begann zu knistern.<br \/>\nEin Knistern zuerst, leise nur anfangs, dann aber Blitze, die bl\u00e4ulich oben aus der Maschine heraus kraxelten wie Insektenbeine, und Gewitter, \u00fcber ihr, an der Decke.<br \/>\nIhre Lippen zuckten.<br \/>\nUnd richtig.<br \/>\nDie Maschine war zu hoch, zu hoch als zu hoch schon vorher.<br \/>\nZu hoch.<br \/>\nSo hoch, sie h\u00e4tte l\u00e4ngst schon durchbrechen sollen durchs Dach, die Maschine, durch ein unsaub\u2019res Loch, mit dicken, grauen Wolken als G\u00fcrtel, mit V\u00f6geln, die ihr ausweichen mussten, wie jedem anderen Hindernis, derart hoch.<br \/>\nKein Bersten von Holz und nichts.<br \/>\nKein Jucken, keine Flocken aus D\u00e4mmwolle, die ihr gem\u00e4chlich runter auf die Schultern sanken, es war, als w\u00e4re allem herzlich egal, ob es m\u00f6glich war, oder nicht.<br \/>\nSie stand da.<br \/>\nSie stand da, und sie sah zu, wie die nackte Gl\u00fchbirne an ihrem verstaubten Kabel von dem\u00a0 betonenen Himmel tr\u00fcb auf sie herunter schien, wie es sie zerriss in der Fassung, lautlos, wie die Scherben wie weicher Nebel nach unten sanken, der tanzte, als w\u00fcrde Musik gespielt.<br \/>\nIhr Mund fiel ihr auf, \u201eSo sch\u00f6n\u201c, und alles war vor\u00fcber.<br \/>\nDie Maschine sah wieder aus wie tot, der Raum und sie zur\u00fcck geschnalzt auf normale Gr\u00f6\u00dfe, und selbst die Gl\u00fchbirne war wieder nackt und in einem St\u00fcck, ihr Licht verzogen und flackernd, wie ein Grinsen unterdr\u00fcckt, aber schlecht.<br \/>\nJa.<br \/>\nAlles war wie vorher wieder, nur zitterte ihr der Handr\u00fccken, und sie bemerkte erst da jetzt, wo genau dessen Zeigefinger war.<br \/>\nIn der Maschine drin, da war er, ihr Finger, drin, bis fast ganz zum Gelenk oben, darunter ein Knopf, ein fest fest gedr\u00fcckter, ein Nagel, verbogen, zerbrochen und kaputt.<br \/>\nBeep, beep, beeeeep.<br \/>\nEs ratterte.<br \/>\nSie sagte, \u201eDas \u2026 das \u2026 Das war ich nicht!\u201c<br \/>\n\u201eA schlechte Wahl schon wieda, meine Fr\u00e4ulein!\u201c, trotzdem.<br \/>\nDie Maschine, sie verlautbarte, \u201eAba zwei Versuche hamma ja noch, g\u00f6!\u201c<br \/>\nZwei?<br \/>\nAha?<br \/>\nGut.<br \/>\nUnd sie konnte da nicht mehr anders, als schrei\u2019n.<br \/>\nEs \u00e4nderte nichts.<br \/>\nDie Maschine gr\u00f6lte mahnend: \u201eEntscheid\u2019 ma uns halt amal!\u201c<br \/>\n\u201eEntscheid\u2019 ma uns endlich amal!\u201c<br \/>\n\u201eEntscheid\u2019 ma uns!\u201d, die Maschine dr\u00e4ngelte, \u201eWarum?\u201d, fragte sie, kaum, dass sich ihr Mund bewegte, \u201eWarum jetzt?\u201c<br \/>\n\u201eEntscheid\u2019 ma uns amal!\u201c<br \/>\n\u201eEntscheid\u2019 ma uns, entscheid\u2019 ma uns, entscheid\u2019 ma uns!\u201c<br \/>\n\u201eHeast!\u201c, so sie dazu, und in ihr stieg etwas nach oben, das sich zwar warm anf\u00fchlte, nur nicht gem\u00fctlich war, in den Kn\u00f6cheln ein Wackeln, die Knie aus Plastilin.<br \/>\nSie h\u00e4tte es wissen sollen.<br \/>\nAlles Irrsinn.<br \/>\nEs roch verbrannt.<br \/>\nSie hustete kurz: \u201eUnd? Zufried\u2019n?\u201c<br \/>\n\u201eAls w\u00fcrd\u2019st as net selba wiss\u2019n!\u201c<br \/>\nSchweigen.<br \/>\n\u201eAlso hopp: Entscheid\u2019 ma uns endlich! Letzte Warnung, Fr\u00e4ulein, nochamal!\u201c<br \/>\nOffensichtlich: Das musste ein Albtraum sein.<br \/>\nSie befahl sich selbst: \u201eAufzuwachen!\u201c, aber zu sp\u00e4t!<br \/>\nDie Maschine, rote Punkte, wie ein Bildschirm mit ganz wenig Pixel wieder, nur anders diesmal. Keine Formen mehr, keine harten, keine Ecken und Winkel, keine Kanten, nichts zum Messen, nichts zum Zerlegen in Einzelteile. Nur Schweben, nur merklich, nur weich, nur ein Schunkeln, das Blinken der Kn\u00f6pfe, es trieb, wie auf Brombeergelee.<br \/>\nGeschmeidig.<br \/>\nDie Lichter sagten, \u201eEiner geht noch!\u201c, ohne etwas zu sagen, sie nahmen sie mit wie aus Gummi, und wie schwer war pl\u00f6tzlich ihr Unterkiefer? Sie k\u00e4mpfte, aber der Mund ging ihr trotzdem auf, ihr Genick, es klappte nach hinten, und beinah\u2019 w\u00e4r sie ertrunken da, an sich selbst.<br \/>\nDas Licht nahm sie bei der Hand und sagte, \u201eEiner geht noch!\u201c<br \/>\nEs sagte, \u201eEiner geht noch!\u201c, und es zog sie hoch an den Handgelenken, hoch, bis ihre Abs\u00e4tze genau g\u2019rad nicht mehr am Boden ankamen, und sie schwang vor und zur\u00fcck.<br \/>\nWie fr\u00fcher am Spielplatz.<br \/>\nWie wujjjj.<br \/>\n\u201eEiner geht noch!\u201c, sagte das Licht, rot und dunstig, so fl\u00fcsterte es ihr ins Aug\u2019.<br \/>\nDie Lichter sagten, \u201eEiner geht noch!\u201c<br \/>\n\u201eEiner geht noch!\u201c, und sie atmete aus, wieder zur\u00fcck am Boden.<br \/>\nDie Lichter sagten, \u201eEiner muss noch!\u201c<br \/>\n\u201eEiner muss noch!\u201c, und es saugte ihr die Lichter an ihren Z\u00e4hnen vorbei, den Rachen hinunter.<br \/>\nHinein.<br \/>\n\u201eEiner muss noch!\u201c<br \/>\nDie Lichter sagten, \u201eEiner muss noch!\u201c, als w\u00e4re das gar nicht so wichtig mehr, und die Lichter schw\u00e4rmten aus, von unter ihrem Rock nach vor, und sammelten sich in den Ecken.<br \/>\nSie kamen n\u00e4her, wie als w\u00fcrden sie Brustschwimmen.<br \/>\nDie Lichter sagten, \u201eEiner muss noch!\u201c, und die W\u00e4nde r\u00fcckten zusammen, wie eins mit dem Licht davor, der Raum schrumpfte.<br \/>\nSie sagten, \u201eEiner muss noch!\u201c<br \/>\n\u201eEiner!\u201c<br \/>\n\u201eEiner!\u201c, sagten die Lichter, wie S\u00e4ure stieg es auf, und sie gab nach, mit den Augen schon weit hinterm Oberlid, und sackte zusammen, wie roher Reis:<br \/>\nBeep, beep, beeeeeep.<br \/>\nSie rang eine Zeit mit dem Recken.<br \/>\n\u201eA schlechte Wahl scho wieda, mein Fr\u00e4ulein!\u201c, die Maschine, gegen Ende, doch kichernd, die Kn\u00f6pfe wieder aus, auch der gedr\u00fcckte, und was blieb, war ihr letzter Versuch.<br \/>\n\u201eEntscheid\u2019 ma uns bald amal!\u201c<br \/>\n\u201eEntscheid\u2019 ma uns bald amal jetz\u2019!\u201c<br \/>\nSie fragte, immer noch bitter die Zunge, \u201eUnd was, wenn der auch dann falsch is\u2019? Was? Was dann?\u201c<br \/>\n\u201eAlles andere!\u201c, die Maschine, die Stimme noch tiefer als sonst, sie fragte, \u201eDas kann doch nur ein Witz sein, oder?\u201c, aber niemand lachte.<br \/>\n\u201eAha.\u201c<br \/>\n\u201eAha, sehr nett.\u201c<br \/>\nNichts zu h\u00f6ren, au\u00dfer das eig\u2019ne Blut.<br \/>\nEs wurde lauter.<br \/>\nEs wurde lauter, lauter, nicht zum Aushalten bald, dieses Raunen, und dieses Rohren, beides in St\u00fccke gehackt von diesem gr\u00e4sslichem Kreischen, als w\u00e4r\u2019 da ein Zug, der entgleist.<br \/>\nSie brauchte, dass etwas passierte.<br \/>\n\u201eWag es ja nicht!\u201c<br \/>\nIhr Zeigefinger begann, sich zu heben.<br \/>\n\u201eWag es aber sowas von ja nicht!\u201c, und die Dunkelheit kroch in Schatten auf sie zu, wie ein Tier seiner Beute, wie schwarzer Sand, der sich um sie zusammen zog, ein Wind war das, der pl\u00f6tzlich wehte.<br \/>\nEs war, wie aus.<br \/>\nWie aus, und sie sah zu, wie die Dunkelheit schon halb ihre Nase verschlang, eine Dunkelheit, nicht wie hinterm Lichtabdrehen, nicht so auf die Art dunkel, wie Schlafen.<br \/>\nIhre Nasenspitze, sie existierte nicht mehr.<br \/>\nIhre Nase, war weg.<br \/>\nSie war weg, und da, da, da, da war ihre Oberlippe, die ihrer Nase r\u00fcber auf die and\u2019re Seite folgte, feuchter Beton und Schimmel.<br \/>\nSie quetschte sich an die Maschine und kaute an ihrer Zunge, so fest es ging, sie sp\u00fcrte ihre Rippen brechen, aber doch nicht, und die Gl\u00fchbirne drehte sich quietschend, wahrscheinlich aus der Fassung.<br \/>\nSie sagte, \u201eOh nein! Neinneinneinneinnein!\u201c, und ihre Stimme, erb\u00e4rmlich, als Ganzes verschluckt, aber: Licht!<br \/>\nGlei\u00dfendes, glei\u00dfendes Licht aus dem leeren Sockel der Gl\u00fchbirne!<br \/>\nBeep, beep, beeeeeep.<br \/>\nDie Maschine, sie ratterte, und sie kontrollierte die Finger, aber alle war\u2019n da. Alle da, wieder, auch ihre Nase und die Oberlippe, und keiner hatte gedr\u00fcckt, genau niemand.<br \/>\n\u201eA schlechte Wahl scho wieda, mein Fr\u00e4ulein!\u201c<br \/>\n\u201eSo! Und zuadrah\u2019t is\u2019!\u201c, und da sprang eine Klappe auf, vor ihr in der Maschine, und das Telefon, das da drin l\u00e4utete, nahm sie ab, z\u00f6gerlich.<br \/>\n\u201eJa?\u201c<br \/>\n\u201eJa, bitte?\u201c, fragte sie, und eine h\u00e4ssliche Stimme gab Antwort.<br \/>\n\u201eHallo, ja, ich am Apparat, also du, aber ja, ich hab\u2019 da jetz\u2019 abbrechen m\u00fcssen, weil das is\u2019 ja nur noch l\u00e4cherlich.\u201c<br \/>\n\u201eDu bist \u2026 wer?\u201c<br \/>\n\u201eIch bin du, du Hirnederl! Wir sprechen schon noch die selbe Sprache, oda? Ja, jedenfalls: Ich schau\u2019 dir ja sonst gern zu beim Herumstolpern, aber das: Um Himmels Willen, was macht dein Therapeut eigentlich f\u00fcr sein Geld?\u201c<br \/>\n\u201eH\u00e4?\u201c<br \/>\n\u201eJa: eh. T\u00e4towier\u2019s da auf die Stirn am best\u2019n! Aba ich muss dann eh wieder. Wir seh\u2019n uns dann morg\u2019n um die \u00fcbliche Zeit. Vielleicht schaffst das ja da amal weiter als \u00fcbers Anzieh\u2019n, bevorst dich \u00fcberhaupt nimmer auskennst.\u201c<br \/>\nDie Stimme legte auf, und da war nur noch der Freiton, und die T\u00fcr zu ihrem Schlafzimmer ging auf, wie absichtlich, wie gestellt.<br \/>\nSie lie\u00df den H\u00f6rer aus.<br \/>\nEr fiel.<br \/>\nSie erz\u00e4hlte der Wand, so zirka, so f\u00fchlte sich das an halt gerade.<br \/>\n\u201eAber du wei\u00dft eh, das dauert nur, das macht\u2019s immer.\u201c<br \/>\n\u201eDas bleibt nicht so, das macht\u2019s nie.\u201c<br \/>\n\u201eDas is\u2019 das Schlimmste d\u2019ran eigentlich, eh oder?\u201c<br \/>\n\u201eDas Schlimmste \u00fcberhaupt vielleicht?\u201c, fragte sie, mit der Stirn schon im Polster drin.<br \/>\nSie sagte, es war halt nur einer von diesen Tagen.<br \/>\nNur einer von denen.<br \/>\nDie gibt\u2019s.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Markus Peyerl<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.markuspeyerl.at\/\" target=\"_blank\">www.markuspeyerl.at<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=418\">hardly secret diary<\/a> | Inventarnummer: 14070<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #c0c0c0;\"><em>(Auf Wunsch des Autors wurde bei diesem Text auf manche Lektoratskorrektur verzichtet und der Text teilweise im Original belassen.)<\/em><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie erz\u00e4hlte der Wand, wie es sich anf\u00fchlte. 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