{"id":16599,"date":"2023-09-04T16:16:51","date_gmt":"2023-09-04T16:16:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=16599"},"modified":"2023-10-14T16:24:15","modified_gmt":"2023-10-14T16:24:15","slug":"die-weinende-kraehe-begegnung-im-november","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=16599","title":{"rendered":"Die weinende Kr\u00e4he \u2013 Begegnung im November"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts16599&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts16599&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Am Allerseelentag bog Sebastian \u2013 von der Heiligenst\u00e4dter Br\u00fccke kommend \u2013 in die Anton-Bosch-Stra\u00dfe ein und ging, entlang der G\u00e4rten zwischen Karl-Marx-Hof und dem erh\u00f6hten Gleisk\u00f6rper der U4, vorw\u00e4rts zur Station Heiligenstadt. Es war ziemlich kalt und windig, der Fr\u00fchnebel lichtete sich gerade. Da sa\u00df auf einem der B\u00e4ume eine Kr\u00e4he und kr\u00e4chzte ziemlich laut und anhaltend. Sebastian hielt an, denn irgendetwas an diesem ohrenkratzenden Geschrei war anders, er konnte nur nicht sagen was. Kr\u00e4hen kr\u00e4chzen oft genug, es ist ein unangenehmes Ger\u00e4usch. Warum aber so durchdringend?<\/p>\n<p>Er sah hinauf: Der Vogel sa\u00df auf einem unteren Ast und schrie ununterbrochen. Irgendwie tat er ihm leid, also \u00f6ffnete er seine Tasche, riss ein Br\u00f6ckerl seines Jausenbrotes ab und warf es ihm hin. Aber die Kr\u00e4he reagierte \u00fcberhaupt nicht darauf. Und dann sah er \u2013 am Rasen neben dem Baumstamm \u2013 eine zweite Kr\u00e4he liegen. Offenbar noch nicht lange, der Vogel war noch gl\u00e4nzend sauber und ganz. Also das war\u2019s. Er erinnerte sich, geh\u00f6rt oder gelesen zu haben, dass die Rabenv\u00f6gel in lebenslanger Einehe leben. Jetzt trauerte der \u00dcberlebende um den Gef\u00e4hrten. Sebastian vermeinte nun in der rauhen Stimme den Schmerz, das Weinen des Verlassenen herauszuh\u00f6ren, seine Totenklage.<\/p>\n<p>Es fiel Sebastian ein, dass die Raben als Totenv\u00f6gel galten, ja verrufen waren. Und dass sich seinerzeit im britischen Tower wohl deshalb eine Kolonie von ihnen ansiedelte, weil bekanntlich in der Zeit der englischen \u201eWeltherrschaft\u201c und der Intrigen am K\u00f6nigshof ein britischer Henker selten arbeitslos war und somit den Raben oft genug eine schmackhafte Leiche zur Verf\u00fcgung stand bzw. hing. Vermutlich bedeutete die alte Weissagung, dass es mit dem Reich zu Ende gehen w\u00fcrde, wenn es dort keine Raben mehr g\u00e4be (d.h. wenn dessen imperiale Interessen nicht mehr mit allen Mitteln, auch durch brutale Beseitigung der Feinde = \u201eRabenbraten\u201c, verfolgt w\u00fcrden), genau das.<\/p>\n<p>Aber die Rabenv\u00f6gel (zoologische Familie) waren auch \u2013 neben der Eule \u2013 die V\u00f6gel der Weisheit und Botenv\u00f6gel. Der germanische Gott Odin umgab sich mit ihnen, in vielen Sagen und M\u00e4rchen kommen sie vor. Und wer wollte so einem Tier, das auch als klug und gelehrig gilt, das ein ausgepr\u00e4gtes Sozialleben hat und immer in der Gruppe lebt, Gef\u00fchle absprechen? Dass die \u201eRabeneltern\u201c ihre Jungen im Stich lassen, ist ein dummes M\u00e4rchen \u2013 richtig ist, dass ein Rabe seine Jungen auch unter eigener Lebensgefahr sch\u00fctzt.<\/p>\n<p>Sebastian jedenfalls tat der Vogel leid, er fuhr in richtiger Allerseelen-Stimmung zum Friedhof. Und jedesmal, wenn er Kr\u00e4hen sieht, denkt er an dieses Erlebnis.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Robert M\u00fcller<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=7515\">Von M\u00fccke zu Elefant<\/a> | Inventarnummer: 23135<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Allerseelentag bog Sebastian \u2013 von der Heiligenst\u00e4dter Br\u00fccke kommend \u2013 in die Anton-Bosch-Stra\u00dfe ein und ging, entlang der G\u00e4rten zwischen Karl-Marx-Hof und dem erh\u00f6hten Gleisk\u00f6rper der U4, vorw\u00e4rts zur Station Heiligenstadt. Es war ziemlich kalt und windig, der Fr\u00fchnebel lichtete sich gerade. 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