{"id":16447,"date":"2023-08-14T12:41:08","date_gmt":"2023-08-14T12:41:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=16447"},"modified":"2023-10-14T16:31:26","modified_gmt":"2023-10-14T16:31:26","slug":"horror-modus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=16447","title":{"rendered":"Horror-Modus"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts16447&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts16447&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Ich spiele gerade ein Browser-Game, da erscheint die Meldung auf dem Bildschirm: \u201eWollen Sie den Horror-Modus aktivieren? Ja \/ Nein.\u201c Nat\u00fcrlich klicke ich auf Ja.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich gehen alle Lichter aus. Ich begebe mich zum Schaltkasten und bringe den Strom wieder zum Laufen. Den Computer lasse ich ausgeschaltet, da es schon sp\u00e4t ist und ich morgen Fr\u00fch in die Schule muss.<\/p>\n<p>Ich gehe zu Bett und schlafe bald ein. Mit dem Gef\u00fchl, verschlafen zu haben, wache ich auf. Und tats\u00e4chlich, ein Blick auf meinen Wecker zeigt, dass dieser stehengeblieben ist. Es ist zwar schon hell, V\u00f6gel sind aber keine zu h\u00f6ren. Ich stehe auf, kontrolliere die Uhren im Haus, sie sind alle stehengeblieben, und zwar um 10:30 Uhr, meine Digitalarmbanduhr um 22:30 Uhr, das war direkt, bevor der Strom ausfiel. Etwas beunruhigt schalte ich mein Handy ein, kein Netz, Uhrzeit: 22:30, Datum: gestern. Normalerweise aktualisiert sich das Handy \u00fcber die mobile Internetverbindung, doch Uhrzeit und Datum sind immer noch die gleichen, als ich eine ungef\u00e4hr eine halbe Stunde sp\u00e4ter das Haus verlasse. Was auch nicht anders m\u00f6glich ist, da keine mobile Internetverbindung hergestellt werden kann.<\/p>\n<p>Auf dem Weg zur Schule sehe ich keinen Menschen, kein Auto, nicht einmal ein Tier. Schlie\u00dflich stehe ich vor der Schult\u00fcr. Sie ist ge\u00f6ffnet. Im Flur steht die Uhr auf 10:30 Uhr, ich erwartete es nicht anders. Ich gehe in meine Klasse. Die Schulglocke l\u00e4utet, eine Unterrichtsstunde hat begonnen. Ich bin v\u00f6llig alleine. Auf der Tafel steht: \u201eLauf weg!\u201c Ich blicke nach rechts, auf der Innenseite der Klassent\u00fcr sind Kratzspuren und kleinere Blutspuren, sie sind ebenfalls auf der Innenseite der Fenster zu sehen. Ich wei\u00df genau, dass ich diesen Ort verlassen sollte, aber in meinem Hinterkopf sagt mir eine Stimme, dass jetzt Mathematik auf dem Stundenplan steht und dass ich mich darauf konzentrieren sollte, ein strebsamer Sch\u00fcler zu sein. Ich gehe zur Tafel und schreibe Rechnungen aus dem Mathematikschulbuch an. Ich rechne sie durch. Es funktioniert problemlos.<\/p>\n<p>Nach ein paar Minuten muss ich pinkeln gehen. Auf der Toilettenwand steht mit Blut geschrieben: \u201eHilf mir!\u201c und \u201eDu wirst sterben!\u201c. In einem Pissoir sind Menschenz\u00e4hne. Ich gehe zur\u00fcck in die Klasse. Meine innere Stimme sagt mir, dass ich das hier durchstehen und vorerst einmal weiterrechnen sollte. Als ich wieder die Klasse betrete, bemerke ich, dass die Tafeln gewischt sind. Pl\u00f6tzlich ert\u00f6nt eine Sirene, Feueralarm!<\/p>\n<p>Ich verlasse die Klasse und laufe den Gang entlang. Am Ende des Ganges sehe ich den Schulwart mit seiner kurbelbetriebenen Handsirene. Er geht in sein B\u00fcro. Ich laufe dorthin. Dort sehe ich den Schulwart in seinem Sessel sitzen, mit dem R\u00fccken zu mir. Auf mein \u201eHallo, brennt es wirklich?\u201c reagiert er nicht. W\u00e4hrend ich mich weiter auf ihn hinzubewege und ein zweites lautes \u201eHallo\u201c anstimme, f\u00e4llt mein Blick auf das Regal an der linken Wand. Da stehen kleine, gegerbte K\u00f6pfe, Schrumpfk\u00f6pfe. Die meisten sind mir bekannt, es sind Klassenkameraden und Lehrer. Von Panik erf\u00fcllt, st\u00fcrze ich aus der Schule. Ich renne so schnell ich kann. Auf dem Fu\u00dfballplatz der Schule sehe ich einen Ball rollen, obwohl niemand dort ist.<\/p>\n<p>Erst nach mehreren Kilometern, als ich au\u00dfer Atem haltmachen muss, f\u00e4llt mir das vollkommen ver\u00e4nderte Stadtbild auf. Pl\u00f6tzlich tauchen von allen Seiten Menschen auf. Sie greifen nach mir. Ich will losrennen, doch ich stolpere. Ich schlie\u00dfe die Augen, ergebe mich meinem Schicksal, aber nichts passiert. Ich \u00f6ffne wieder die Augen. Ich liege in meinem Bett, bin gerade aufgewacht.<\/p>\n<p>Vom Erdgescho\u00df ruft meine Mutter nach mir: \u201eDas Essen ist fertig.\u201c Mit Hunger im Bauch laufe ich hinunter. Vater und Schwester sitzen schon am Tisch. Es gibt Herrengulasch, Gulasch mit W\u00fcrstchen, Spiegelei, zerschnittenen G\u00fcrkchen und Semmelkn\u00f6deln. Appetitlich dampft der Topf. Vater, Mutter und Schwester grinsen st\u00e4ndig. Irgendetwas stimmt nicht. M\u00f6glichst beil\u00e4ufig frage ich: \u201eSag mal, wie geht es dir denn eigentlich jetzt in der Schule, Sophie?\u201c Meine Schwester hei\u00dft allerdings nicht Sophie, sondern Magdalena. \u201eGanz gut\u201c, sagt sie. \u201eM\u00f6chtest du noch etwas?\u201c, fragt mich meine Mutter. \u201eNa klar, Mama\u201c, sage ich. Sie gibt mir zwei Sch\u00f6pfer Gulasch mit einem Semmelkn\u00f6del in meinen Teller. Ich r\u00fchre mit dem L\u00f6ffel um. Was schwimmt da. Es ist kein Fleischst\u00fcckchen, kein W\u00fcrstchen, es ist ein Zeigefinger. Ich versuche, mir nichts anmerken zu lassen. Hat niemand au\u00dfer mir den Finger gesehen? Alle drei sind v\u00f6llig unbeeindruckt. \u201eDanke, ich bin schon satt\u201c, sage ich und stehe auf. Ich gehe auf mein Zimmer, setze mich an meinen Tisch und denke nach, wie ich m\u00f6glichst schnell m\u00f6glichst weit davonkommen kann. Drau\u00dfen h\u00f6re ich einen Zug vorbeirauschen. Mir f\u00e4llt ein, dass weniger als einen Kilometer von unserem Haus entfernt ein Bahnhof liegt. Gespannt warte ich, bis ich aus dem Erdgescho\u00df keine Ger\u00e4usche mehr vernehme.<\/p>\n<p>Dann laufe ich los. Ich brauche ein paar Minuten bis zum Bahnhof. Auf dem Weg dorthin treffe ich auf keinen Menschen. Mein Plan ist es, den ersten Zug zu nehmen, egal, wohin er f\u00fchrt. Ich warte am ersten Bahnsteig, f\u00fcnf Menschen, zehn Minuten, eine W\u00fcrstelbude. Jetzt f\u00e4hrt von links ein Zug ein. Ich steige ein, betrete den Waggon und setze mich hin. Viele Sitze sind besetzt. Jetzt f\u00e4hrt der Zug an. ich blicke auf meine Armbanduhr. Es ist 22:30 Uhr. Sie steht still. Ich sehe mir die Menschen zu meiner Linken an. Es sind alles M\u00e4nner mit dem gleichen Gesicht und dem gleichen Gewand. Meine Armbanduhr beginnt wieder zu ticken.<\/p>\n<div id=\"attachment_16452\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/A.C.A.B.-ALL-COMPUTERS-ARE-BROKEN.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16452\" class=\"size-full wp-image-16452\" src=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/A.C.A.B.-ALL-COMPUTERS-ARE-BROKEN.jpg\" alt=\"A.C.A.B. - ALL COMPUTERS ARE BROKEN\" width=\"450\" height=\"600\" srcset=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/A.C.A.B.-ALL-COMPUTERS-ARE-BROKEN.jpg 450w, http:\/\/www.verdichtet.at\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/A.C.A.B.-ALL-COMPUTERS-ARE-BROKEN-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-16452\" class=\"wp-caption-text\">A.C.A.B. &#8211; ALL COMPUTERS ARE BROKEN<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: right;\">Johannes Tosin (Text und Bild)<br \/>\nund<br \/>\nMichael Tosin (Text)<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=972\">\u00e4rgstens<\/a> | Inventarnummer: 23142<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>(Foto: A.C.A.B. \u2013 ALL COMPUTERS ARE BROKEN.jpg von Johannes Tosin)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich spiele gerade ein Browser-Game, da erscheint die Meldung auf dem Bildschirm: \u201eWollen Sie den Horror-Modus aktivieren? 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