{"id":15811,"date":"2023-04-25T18:20:40","date_gmt":"2023-04-25T18:20:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=15811"},"modified":"2023-04-29T17:40:01","modified_gmt":"2023-04-29T17:40:01","slug":"minus-12-minuten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=15811","title":{"rendered":"Minus 12 Minuten"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts15811&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts15811&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>\u201eDu bist plus 12 Minuten\u201c, schreibt Eva. \u201eJa, ich wei\u00df\u201c, schreibt Heli, was die Abk\u00fcrzung von Helmut ist. \u201eDu bist minus 12 Minuten. Wir sind 24 Minuten auseinander.\u201c \u201eDu kennst die Nulllinie, nicht?\u201c, fragt Eva. \u201eJa nat\u00fcrlich, der 18. M\u00e4rz 1998 um 10:24 Uhr\u201c, schreibt Heli. \u201eFindest du nicht, dass unsere Situation schlecht ist? Wir k\u00f6nnen uns nicht sehen, nicht einmal miteinander telefonieren. Wir k\u00f6nnen uns schreiben, E-Mails oder im Chat. Das ist die Realit\u00e4t.\u201c \u201eEs ist unlogisch, dass wir einander schreiben k\u00f6nnen. Wir leben ja in unterschiedlichen Zeitebenen\u201c, schreibt Heli zur\u00fcck. \u201eSeien wir froh, dass wenigstens das geht\u201c, schreibt Eva. \u201eInteressiert es dich nicht, warum das m\u00f6glich ist?\u201c, fragt Heli. \u201eEs ist die einzige Kommunikation, die uns geblieben ist, nicht?\u201c, schreibt Eva. \u201eJa, es ist das Zugest\u00e4ndnis an uns\u201c, schreibt Heli. \u201eGenau\u201c, schreibt Eva, \u201eheute ist doch jeder alleine, weil er in einer eigenen Zeitebene lebt. Vielleicht bewahrt uns der Umstand, dass wir uns wenigstens \u00fcber die Schrift verst\u00e4ndigen k\u00f6nnen, davor, dass die Einsamkeit uns erdr\u00fcckt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas hast du sehr allegorisch gesagt\u201c, schreibt Heli \u201eEs ist wirklich so, Heli\u201c, schreibt Eva weiter, \u201ewir leben in einer f\u00fcrchterlichen Welt\u201c. \u201eMeinst du wirklich, Eva?\u201c, schreibt Heli, \u201ein meinem Leben ist immer alles da, was ich brauche. F\u00fcr Nahrung gehe ich in einen wohlbest\u00fcckten Supermarkt. Benzin kriege ich von einer Tankstelle, Fahrzeuge von einem Autohaus, Kleidung von einem Modegesch\u00e4ft und B\u00fccher von einer Buchhandlung. Immer sind sie verlassen, ich bin der einzige Kunde und muss nichts bezahlen. Bei dir muss es ja auch sehr \u00e4hnlich sein, Eva.\u201c \u201eJa, nat\u00fcrlich ist es das\u201c, schreibt Eva, \u201eaber jetzt geht es um dich, Heli, bist du zufrieden mit deinem Umfeld?\u201c \u201eEhrlich gesagt will ich mich gar nicht damit auseinandersetzen. Ich versuche, so gut es geht, dieses Vollkaskoleben zu genie\u00dfen.\u201c \u201eDu sagst genie\u00dfen?\u201c, fragt Eva nach. \u201eEs ist nur das erste Wort, das mir in den Sinn gekommen ist\u201c, schreibt Heli. \u201eGut, ich verstehe\u201c, schreibt Eva. \u201eBrechen wir diese Kommunikation ab. Ich bekomme auch Kopfweh. Bis? Morgen? In einer Woche? Irgendwann? Ich werde mich wieder melden, Heli, aber ich wei\u00df noch nicht, wann. Tsch\u00fcs, mach\u2019s gut.\u201c \u201eDu auch\u201c, schreibt Heli.<\/p>\n<p>Die schriftliche Unterhaltung ist beendet. Eva und Heli sind wieder alleine.<\/p>\n<div id=\"attachment_15815\" style=\"width: 610px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/The-lady-in-the-beginning.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-15815\" class=\"size-full wp-image-15815\" src=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/The-lady-in-the-beginning.jpg\" alt=\"The lady in the beginning\" width=\"600\" height=\"327\" srcset=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/The-lady-in-the-beginning.jpg 600w, http:\/\/www.verdichtet.at\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/The-lady-in-the-beginning-300x164.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-15815\" class=\"wp-caption-text\">The lady in the beginning<\/p><\/div>\n<p>\u201eNur nicht nachdenken!\u201c, sagt sich Eva. \u201eNur nicht nachdenken!\u201c Sie sieht auf die kombinierte ZeitundDatumsAnzeige, die f\u00fcr jeden Menschen individuell ist. F\u00fcr Eva ist heute der 5. Oktober 2026, 16:19 Uhr. \u201eIch brauche warme Sachen zum Anziehen\u201c, sagt sie sich, \u201eich werde mich auf den Weg machen.\u201c Sie verl\u00e4sst ihre gro\u00dfe Wohnung im Erdgescho\u00df und geht stadteinw\u00e4rts. Nach einer Viertelstunde betritt sie die Boutique \u201eBelladonna\u201c. Sie sieht einen hellbraunen Mantel, der aussieht wie aus Kamelhaar gefertigt. Er passt. \u201eSehr gut!\u201c, sagt sie sich. Sonst sind viele Jeanswaren ausgelegt, Hosen, Hemden, Jacken. Eigenartig, findet Eva, wie in den 1980er-Jahren. Dennoch probiert sie, bis sie ein Set findet, das ihr passt. Sogar gro\u00dfe Plastiksackerl sind vorr\u00e4tig. \u201eDas ist schon ein bisschen Modewonderland\u201c, sagt sie sich, \u201edahingehend kann ich Heli schon verstehen. Schade nur, dass mich in meiner Zeitebene keiner sieht, weil niemand au\u00dfer mir darin existiert. Aber ich kann ja Fotos mit meinen E-Mails senden, besser als nichts.\u201c<\/p>\n<p>Auf dem Nachhauseweg f\u00e4llt Eva ein, dass ihr K\u00fchlschrank ziemlich leer ist. Sie kehrt in einen fSPAR ein. f steht f\u00fcr future. Sie schiebt einen Einkaufswagen durch die G\u00e4nge. \u201eWas brauche ich?\u201c, \u00fcberlegt sie. \u201eIch will mich nicht zu Tode schleppen.\u201c Also nimmt sie zwei Liter Milch, ein halbes Kilo Kaffee, einen Brotlaib von einem Kilogramm, nicht allzu viel Wurst und K\u00e4se. \u201eSchokolade?\u201c, fragt sie sich. \u201eDa k\u00f6nnte ich jetzt richtig zuschlagen, aber nein, nein. Ich achte auf meine Linie. Zwar sieht mich keiner, aber erstens will ich in der Lage sein, ein aktuelles Foto von mir zu schicken, und zweitens m\u00f6chte ich mich gut bewegen k\u00f6nnen, weit gehen, l\u00e4ngere Strecken laufen.\u201c Sie nimmt dann doch eine 100-Gramm-Packung reine Milka-Schokolade. An der Kasse zieht sie es \u00fcber den Lesebereich. Am Bildschirm der Kasse erscheint \u201e100g-Milka-Alpenmilch-\u00d6S6,99\u201c. \u201eDie Technik funktioniert immer noch\u201c, sagt Eva sich, \u201edie ist ziemlich unkaputtbar.\u201c<\/p>\n<p>Sie spinnt den Faden weiter. \u201eGenau, wir haben ja immer noch Elektrizit\u00e4t, eigentlich m\u00fcsste ich sagen: Ich habe ja immer noch Elektrizit\u00e4t. Die Kraftwerke funktionieren automatisch. Gibt es eine St\u00f6rung, wird sie von einem oder mehreren Robotern behoben, die daf\u00fcr aktiviert werden. Das funktioniert wirklich gut, muss ich sagen. Dasselbe gilt f\u00fcr die Wasserversorgung. Ich habe flie\u00dfendes Wasser. Manchmal spaziert ein Roboter herum. Er ist dann au\u00dferhalb seines Wirkungsbereichs. Eigentlich ist das nicht richtig, doch die Roboter werden immer intelligenter und wollen auch etwas von der Welt sehen. Das muss man verstehen.\u201c<\/p>\n<p>Eva setzt sich auf eine Bank. Die Weltbev\u00f6lkerung ist ja nicht nur auf unterschiedliche Zeiten aufgeteilt, sondern logischerweise auch auf verschiedene Regionen, \u00fcberlegt sie. Ich teile mir diese Kleinstadt Kreaton mit ihrem Umland mit mehreren Personen. Ich kenne nur eine einzige von ihnen, Patricia. Sie ist sechsundzwanzig und besetzt die Zeitebene minus 3 Jahre 257 Tage, 4 Stunden und 59 Minuten. Nimmt Patricia eine Ware, ist sie fort. Bislang werden keine neuen Waren ausgelegt. Wer in einer sp\u00e4teren Zeitebene als ich lebt, muss hoffen, dass nicht ich die Sachen nehme, die sie oder er gerne h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Die ganze Welt ist bev\u00f6lkert. Heli beispielsweise ist mir zeitlich nahe, aber nicht \u00f6rtlich. Seine Eltern wanderten mit ihm noch vor der Einrichtung der Zeitebenen nach Sumatra aus. Er lernte als Kind schnell Bahasa Indonesia. Mittlerweile braucht er sie nur noch, wenn ihn ein Serviceroboter in seiner Sprache anredet, was er nicht sollte, aber gelegentlich doch tut.<\/p>\n<p>Heli lebt in einer Region im Regenwald. Er teilt sie sich mit Tieren. Tiere gibt es auf allen Zeitebenen, viel mehr als vorher, weil sie sich ungehindert vermehren.<\/p>\n<p>Auch hier in Kreaton ist es wegen der Braunb\u00e4ren grunds\u00e4tzlich ratsam, ein Gewehr, das f\u00fcr ein gro\u00dfes Kaliber geeignet ist, mitzuf\u00fchren. Ja, ich wei\u00df, ich sollte, aber nein, heute will ich nicht. Ein Gewehr ist lang und sperrig. Ich f\u00fchle mich wie im Wilden Westen, wenn ich es umgeh\u00e4ngt habe.<\/p>\n<p>Die Sonne ist schon schw\u00e4cher. Und es ist windig. Es ist ein wenig kalt. Herbst eben. In einer Stunde wird die Sonne untergegangen sein. Ich will nicht das Abendessen irgendeines Tieres werden. Es gibt ja auch wieder Wildkatzen. Gegen eine k\u00f6nnte ich mich bestimmt verteidigen, und da Katzen Einzelg\u00e4nger sind, muss ich mich wohl nicht gro\u00df vor ihnen f\u00fcrchten. Aber W\u00f6lfe im Rudel? Da s\u00e4he es schlechter f\u00fcr mich aus. Nein, nein, besser ich mache mich auf den Nachhauseweg.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Gehens besch\u00e4ftigt Eva ein Gedanke, der st\u00e4ndig wiederkehrt. Es ist ein sehr fraulicher Gedanke. Oh Gott, oh Gott!, \u00fcberlegt sie, ich bin bereits achtunddrei\u00dfig, meine biologische Uhr tickt immer lauter. Wie gern h\u00e4tte ich doch ein Kind!, aber nat\u00fcrlich kann ich keines haben, nicht nur weil es in meiner Zeitebene keinen Mann gibt, sondern weil dann auch das Kind in einer anderen Zeitebene als ich leben w\u00fcrde. Wer soll sich darum k\u00fcmmern? Ich sollte nicht dar\u00fcber nachdenken, es macht mich doch nur traurig.<\/p>\n<p>Von mir wird nichts \u00fcbrigbleiben, wenn ich mein Leben verloren haben werde. Das ist aber bei jedem Lebewesen der Fall, nicht? Doch wir sind die Einzigen, denen das Sorge bereitet.<\/p>\n<p>In der N\u00e4he von Evas Wohnhaus lungert ein Roboter herum. Er sagt nichts, aber er sieht sie an. Hoffentlich kommt er nicht irgendwann auf die Idee, mich zu besuchen, denkt sie. Wahrscheinlich w\u00fcrde er dann \u00fcber seine Arbeit reden wollen. Bitte das nicht!<\/p>\n<p>Zuhause isst sie eine Kleinigkeit, h\u00f6rt Musik mit CDs, sieht aus einem der Wohnzimmerfenster und beobachtet V\u00f6gel. Es sind viele und viele verschiedene. Die Natur hat sich kr\u00e4ftig durchgesetzt, und so wird es weitergehen. In der Nacht sieht sie sich eine Liebeskom\u00f6die auf VHS an. Vor dem Einschlafen denkt sie an den Roboter, den sie Mr Blechi getauft hat. Er ist ihr am n\u00e4chsten.<\/p>\n<p>Eva sieht auf den Wecker, der mit ihrer ZeitundDatumsAnzeige verkn\u00fcpft ist, als sie bereit ist aufzustehen. Es ist 08:49 Uhr am 6. Oktober 2026. Nat\u00fcrlich benutzt sie niemals die Weckfunktion. Sie arbeitet nicht und hat keine Verabredungen. Dem Faulen kommt das vielleicht zupass, aber nicht ihr. Sie w\u00fcrde gern etwas Sinnvolles leisten, nur was? Sie hat keine Idee.<\/p>\n<p>Heute besteht ihr Fr\u00fchst\u00fcck nur aus Kaffee mit Milch und Zucker. Der erste Gedanke kommt hoch, der zweite entwickelt sich, der dritte steigt auf. Die Gedanken verbinden sich und wachsen empor wie ein Baum. \u201eDas geht nicht!\u201c, sagt sich Eva. \u201eIch muss die Gedanken verbrennen, sonst binden sie mein ganzes Denken. Ich kann kein Gef\u00e4ngnis in meinem Kopf brauchen. Was kann ich tun? Ist gar nicht so schwer, ich brauche Action!\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_15817\" style=\"width: 610px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/The-lady-starting-to-talk-fire.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-15817\" class=\"size-full wp-image-15817\" src=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/The-lady-starting-to-talk-fire.jpg\" alt=\"The lady starting to talk fire\" width=\"600\" height=\"364\" srcset=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/The-lady-starting-to-talk-fire.jpg 600w, http:\/\/www.verdichtet.at\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/The-lady-starting-to-talk-fire-300x182.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-15817\" class=\"wp-caption-text\">The lady starting to talk fire<\/p><\/div>\n<p>Sie macht sich fertig, um in die Stadt zu gehen. Diesmal nimmt sie eines ihrer Gewehre mit, eine Beretta, und dreihundert Schuss vom Kaliber 300 Win Mag. Die sollten in jedem Fall reichen.<\/p>\n<p>Eva flaniert nicht durch die Stadt, sondern sie geht schnurstracks in die Erwin-Hoffmann-Kaserne, die fr\u00fcher f\u00fcr dreihundertf\u00fcnfzig Rekruten ausgelegt war. Eva sieht sich einen Wohnraum f\u00fcr Pr\u00e4senzdiener an, in dem f\u00fcnf Stockbetten, ein Tisch und zehn Spinde stehen. Jetzt ist nur sie hier. Wie die Jungs fr\u00fcher geschlafen haben, \u00fcberlegt sie. W\u00fcrde ich oben oder unten liegen wollen? Klare Sache: oben.<\/p>\n<p>Da kommt ihr ein Gedanke: M\u00fcsste es in einer Kaserne nicht auch ein Waffen- und Munitionsdepot geben? Eva macht sich auf den Weg. Sie findet ein alleinstehendes H\u00e4uschen mit der Aufschrift \u201eDepot des \u00f6sterreichischen Bundesheeres\u201c. Die T\u00fcr ist mit einem Schl\u00fcssel verschlossen worden, zus\u00e4tzlich ist sie durch ein Vorh\u00e4ngeschloss gesichert. Das m\u00fcsste es sein, denkt Eva. Ich k\u00f6nnte es mit einem Brecheisen aufbrechen, hier ist sicher eines vorr\u00e4tig. Aber \u2013 vorl\u00e4ufig \u2013 nein, ich habe gen\u00fcgend Waffen und Munition zuhause. Will ich den Dritten Weltkrieg beginnen, komme ich wieder.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck geht Eva ein St\u00fcck durch den Wald. Sie sieht einen Luchs, Wildschweine, verwilderte Hunde, viele Hauskatzen, die nun in der Wildnis leben, Eichh\u00f6rnchen. Kein B\u00e4r kreuzt ihren Weg. Im Wald schweifen Evas Gedanken nicht ab, sie suchen keine Unendlichkeit, Eva gibt Acht vor dem etwaigen Angriff eines Tieres. In der Steinzeit hatten die jagenden Menschen ja sicherlich auch kaum Gelegenheit nachzudenken.<\/p>\n<p>Als Eva wieder in ihrer Wohnung ist, f\u00fchlt sie sich ziemlich gut. Nach einer Stunde verschwindet die Sonne in einem orangen Flammenmeer. Sch\u00f6n, denkt Eva, und alles nur f\u00fcr mich.<\/p>\n<p>Sie setzt sich vor ihren Computer, blickt in die kleine klobige Kathodenstrahlr\u00f6hre. Er ist immer an. Sie ruft ihre E-Mails ab. Selten ist zumindest eines vorhanden, aber diesmal ist eines da. Die Absenderin hei\u00dft Doroth\u00e9e Laporte. Sie bezeichnet sich als Alpenfranz\u00f6sin. Sie wohnt 525 Kilometer von Eva entfernt. Sie lebt in derselben Zeitebene wie Eva. Sie fand Eva in einer Datenbank im Internet. Das Internet umfasst nicht viel, Texte, Bilder, ganz wenige Videos, keine Musik, aber Datenbanken eben schon. Doroth\u00e9e schreibt auf Englisch. Sie fragt, ob sie Eva besuchen d\u00fcrfte. Sie sendet ein Foto von sich in geringer Aufl\u00f6sung mit. Sie ist zweiunddrei\u00dfig, blaue Augen, ein h\u00fcbsches Gesicht, durchschnittlich gro\u00df, verwuschelte Haare wie viele Franz\u00f6sinnen.<\/p>\n<p>Eva wartet. Sie \u00fcberlegt. Es sind gen\u00fcgend Waren vorhanden, da k\u00f6nnten mehrere Leute kommen. K\u00f6nnte die Alpenfranz\u00f6sin ihr etwas Unangenehmes zuf\u00fcgen wollen? M\u00f6glich ist alles, aber besonders wahrscheinlich ist es nicht. Die Einsamkeit nagt schwer an ihr. Sie hat schon viele L\u00f6cher in sie hineingefressen. Na klar, sie soll kommen!<\/p>\n<p>Eva antwortet ebenfalls auf Englisch, dass sie willkommen ist. Sie fragt, f\u00fcr wie lange Doroth\u00e9e sie ungef\u00e4hr besuchen will. Und wann sie denkt, hier einzutreffen.<\/p>\n<p>Die Antwort trifft nach f\u00fcnfunddrei\u00dfig Minuten ein. Doroth\u00e9e schreibt, sie gedenkt zu bleiben, solange sie Eva nicht zur Last f\u00e4llt. Und wann denkt sie, hier anzukommen? Sie kann weder Auto noch Motorrad fahren, schreibt Doroth\u00e9e. Ihr Fortbewegungsmittel wird das Fahrrad sein. Die Reise nach Kreaton dauert vielleicht eine Woche. Ja, wenn sie t\u00fcchtig ist, schreibt Doroth\u00e9e, kann sie eine Woche nach der Abreise bei Eva sein. Sie kann \u00fcbermorgen in der Fr\u00fch losfahren. Soll ich losfahren?, fragt sie.<\/p>\n<p>Eva \u00fcberlegt. Das klingt ziemlich gut. In neun Tagen h\u00e4tte sie also eine Freundin hier in ihrer Wohnung. Sie schreibt zur\u00fcck: Liebe Doroth\u00e9e, mach dich auf den Weg!<\/p>\n<p>Sie fragt auch, ob Doroth\u00e9e klar ist, dass sie unterwegs nur einen Computer, einen herrenlosen wahrscheinlich, zur Kommunikation nutzen kann. Handys sind unbrauchbar, da es kein Funknetz mehr gibt. Was aber viel wichtiger ist, schreibt Eva, f\u00fchre Waffen und reichlich Munition mit dir!<\/p>\n<p>F\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter kommt Doroth\u00e9es E-Mail. Sie schreibt: okay und dass sie sich freut, Eva zu sehen.<\/p>\n<p>Das war es dann. Eva war nie auf den Gedanken gekommen, dass Leute aus derselben Zeitebene einander besuchen k\u00f6nnten. Dabei ist es so einfach. Es kann auch nichts schiefgehen. Oder doch? Nein, eigentlich nicht.<\/p>\n<p>Es wird wunderbar sein, Doro zu treffen. Endlich ein pers\u00f6nlicher Kontakt! Der Mensch vertrocknet ja alleine. Andererseits ist das ganz ungewohnt. Sie sah noch nie eine andere Person live vor sich, griff sie an, sprach mit ihr. Viele neue Sachen, viele neue Sachen, in jedem Fall wird Evas Leben bereichert.<\/p>\n<p>An Schlaf ist vorerst nicht zu denken. Eva h\u00f6rt Musik, sph\u00e4rische Musik, rockige, elektronische, Indie. Dazu mischt sie Campari mit Orangensaft und Gin mit Tonic Water. Sie k\u00f6nnte alle Apotheken leerr\u00e4umen. Hundert Prozent reine Drogen. Nat\u00fcrlich hat Eva daran gedacht, aber sie hat es nicht getan. Na ja, mal warten, vielleicht hat Doro daran Gefallen.<\/p>\n<p>Irgendwann zu weit vorger\u00fcckter Stunde legt Eva sich nieder und schl\u00e4ft bald ein. Sie hat seltsame, aber sch\u00f6ne Tr\u00e4ume. Die Tr\u00e4ume nehmen sie mit auf verschiedene Reisen.<\/p>\n<p>Als Eva munter wird, ist es 11:06 Uhr, am 7. Oktober 2026. Drau\u00dfen ist sch\u00f6nes Wetter. Gleich sch\u00fcttelte sie den Schlaf ab. Sie hat etwas, auf das sie sich freuen kann, eine Freundin, zumindest eine leibhaftige andere Person. Das wird toll, das wird wunderbar! Ich habe achtundzwanzig Jahre darauf gewartet, denkt Eva, und jetzt wird es passieren.<\/p>\n<p>Was muss ich bis zu Doro Ankunft noch machen? Sie braucht eine Schlafstatt. Ich werde ihr das Doppelbett \u00fcberlassen und auf dem Sofa schlafen. Wir beide im Bett, das w\u00e4re doch zu intim. Dennoch gibt es jetzt nichts zu tun, weil ich das Sofa ja noch zum Sitzen nutzen will.<\/p>\n<p>Seitdem die Welt eingefroren wurde, \u00fcberlegt Eva, gibt es keinen Fortschritt. Einer meiner E-Mail-Partner, Chris, er lebt weit im Osten, in einer Zeitebene von mehr als plus 13 Jahren, sandte mir auf meine Bitte hin einmal Fotos, k\u00f6rnige Fotos. Die Autos, Geb\u00e4ude und die Mode<br \/>\nsehen aus wie aus dem Jahr 1998, und das wie in einem schlechten Zustand, beispielsweise nach Unruhen, dabei lebt Chris jetzt im Jahr 2039. Das ist doch gruselig, nicht?, denkt Eva, als w\u00fcrde sie mit jemandem sprechen.<\/p>\n<p>Bevor die verschiedenen Zeitebenen eingef\u00fchrt wurden, weltweit, es war die erste und einzige konzertierte Aktion aller L\u00e4nder, sogar die sogenannten Schurkenstaaten zogen mit, gab es fast \u00fcberall Volksabstimmungen. Die gro\u00dfe Mehrheit war stets daf\u00fcr, den Status quo beizubehalten. Doch die Regierungen fuhren fort, als w\u00e4ren alle Menschen daf\u00fcr, und \u2013 Eva erinnert sich \u2013 pl\u00f6tzlich sa\u00df sie ganz alleine im Speisesaal des SOS-Kinderdorfes, in dem sie lebte. Sie suchte die anderen, rief nach ihnen. Niemand war mehr da.<\/p>\n<p>Nach einiger Weile begriff Eva, dass sie nie mehr in die Schule gehen d\u00fcrfte, sie ging n\u00e4mlich gern in die Schule. Zum Gl\u00fcck hatte sie gut lesen, schreiben und rechnen gelernt. Das SOS-Kinderdorf befand sich im Dorf Mairegen. Als die meisten Vorr\u00e4te in den beiden Superm\u00e4rkten im Juni 1999 zur Neige gingen, marschierte Eva nach Kreaton. Bis sie ihre damalige Wohnung gefunden hatte, waren es zw\u00f6lf Kilometer.<\/p>\n<p>Ich sollte das nicht ausbreiten!, denkt Eva. Es w\u00fchlt mich doch nur auf. Aber andererseits bin ich schon dabei.<\/p>\n<div id=\"attachment_15818\" style=\"width: 610px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/The-lady-talking-fire.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-15818\" class=\"size-full wp-image-15818\" src=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/The-lady-talking-fire.jpg\" alt=\"The lady talking fire\" width=\"600\" height=\"364\" srcset=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/The-lady-talking-fire.jpg 600w, http:\/\/www.verdichtet.at\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/The-lady-talking-fire-300x182.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-15818\" class=\"wp-caption-text\">The lady talking fire<\/p><\/div>\n<p>Huch, es ist schon k\u00fchl. Eva dreht die Heizk\u00f6rper in der K\u00fcche, im Wohnzimmer und im Schlafzimmer auf. Sie funktionieren mit Strom. Das ist die einfachste L\u00f6sung. Zumindest bis zum letzten Winter funktionierte die Fernw\u00e4rme genauso. Eva war damals in einem Mehrparteienhaus, in dem die Wohnungen auf diese Weise beheizt wurden. Private Heizsysteme mit \u00d6l sind nicht mehr in Betrieb.<\/p>\n<p>Eva zieht sich an und tritt ins Freie. Was praktisch ist, ist, dass man seine Wohnung nicht absperren muss, \u00fcberlegt Eva. Zumachen reicht, das aber wegen der Tiere besser schon. Sie nimmt sich ein Moped. Sturzhelm, wozu? Sie f\u00e4hrt zur st\u00e4dtischen Bibliothek. Hier brauche ich ganz bestimmt keinen Bibliotheksausweis, wenn ich mir ein Buch ausborgen m\u00f6chte, denkt Eva.<\/p>\n<p>B\u00fccher sind f\u00fcr Eva etwas Sch\u00f6nes, etwas Gem\u00fctliches, etwas Wissensvermittelndes. Diese Bibliothek ist einer von Evas Lieblingsorten in Kreaton. Heute ist sie aber mehr an der Geschichte der Stadt interessiert. Es gibt zwei Pl\u00e4tze f\u00fcr Mikrofilm und Mikrofiche Readers. Eva legt einen Mikrofilm ein, dessen H\u00fclle mit \u201eKreaton 1900 bis 1914\u201c beschriftet ist. Es ist eine tats\u00e4chliche Filmrolle. Eva sieht kurze br\u00e4unliche Filme. Man sieht ausschlie\u00dflich Kutschen. Jeder Mann trug einen Hut. Kinder waren zahlreich vertreten.<\/p>\n<p>Auf einem Mikrofiche liest Eva Artikel der Kreaton Nachrichten auf dem Jahr 1951. Sie gewinnt den Eindruck, dass damals die Verbrechensrate weit h\u00f6her war als noch vor dem 18. M\u00e4rz 1998.<\/p>\n<p>In jedem Fall, wow, so viel Leben! Als w\u00e4re es damals der Regenwald gewesen, und heute ist es die W\u00fcste, das Zusammenleben der Menschen beziehungsweise das jetzige Nicht-mehr-Zusammenleben.<\/p>\n<p>Das war die Reise in die Vergangenheit. Eva l\u00e4sst das Moped stehen und geht zu Fu\u00df nachhause. Niemand erwartet mich, nie erwartet mich jemand, denkt sie. Warum habe ich eigentlich kein Haustier, eine Katze vielleicht? Weil da drau\u00dfen, Eva macht eine ausladende Geste vor dem Fenster, viele Tausend Katzen sind, und ich der einzige Mensch bin. Man kann sagen, dass jedes Tier mein Haustier ist.<\/p>\n<p>Es wird gut sein, wenn Doro kommt, und es wird ebenfalls gut sein, wenn sie wieder abreisen wird. Eva nimmt ein Magazin vom Dezember 1997 aus dem Zeitungsst\u00e4nder, das sie schon viele Male gelesen hat. Sie bl\u00e4ttert es durch, Mode. Ich habe genug Zeit. Ich k\u00f6nnte mir eine N\u00e4hmaschine und ein Buch \u00fcber Schneiderei besorgen und alle Modelle nachschneidern. Bevor ich vor Langeweile sterbe, werde ich das tun.<\/p>\n<p>Eva isst noch eine Kleinigkeit und liest einen Easy-reading-Roman, von der Bibliothek mitgebracht. Wenig zu denken, viel Romantik, mit Happy End, nimmt sie mal an. Bei Seite 47 legt sie das Buch zur Seite und schaltet das Licht ab.<\/p>\n<p>Alle Tage sind \u00e4hnlich, wie auch die N\u00e4chte. Was soll sich auch gro\u00df \u00e4ndern, wenn h\u00f6chstens eine Person an einem Ort lebt? Diese Person kann \u00fcberleben oder sterben, viel Aktivit\u00e4t wird sie nicht zeigen. Nun jedenfalls muss Eva st\u00e4ndig heizen.<\/p>\n<p>Als sie nach drei Tagen ihre E-Mails abruft, ist eine Nachricht von Doro da. Sie schreibt, dass sie auf ein entz\u00fcckendes gr\u00f6\u00dferes Dorf in der Schweiz gesto\u00dfen ist, das unbewohnt war. Alles, was sie sich w\u00fcnscht, ist vorhanden. Sie wird hier bleiben. Wei\u00dft du, Menschen sind mir gar nicht so wichtig, schreibt sie. <a href=\"https:\/\/defr.dict.cc\/?s=Je\">Je<\/a>\u00a0<a href=\"https:\/\/defr.dict.cc\/?s=suis\">suis<\/a>\u00a0<a href=\"https:\/\/defr.dict.cc\/?s=d%C3%A9sol%C3%A9.\">d\u00e9sol\u00e9<\/a>e, Doroth\u00e9e.<\/p>\n<p>Man sollte sich nicht auf Menschen verlassen, \u00fcberlegt Eva. Seit ich zehn bin, tue ich es nicht mehr, weil keine um mich herum sind. Sie nimmt das Steyr-Mannlicher-Gewehr SM12 und die Glock-19-Pistole, dazu viel Munition und geht in den Wald. Sie beobachtet die Tiere. Keines ist ihr feindlich gesonnen betrachtet sie als Bedrohung oder als Beute. Der Wind streicht durch die B\u00e4ume. Heute ist es auch w\u00e4rmer. Doch es ist nicht das Paradies. Das Paradies war zu Beginn der Menschheit. Jetzt ist es eher das Ende der Menschheit.<\/p>\n<p>Es ist doch schlimm, kriecht es am kommenden Tag, der ein nebelverhangener ist, in ihren Kopf. Ich habe keine Freundin, keinen Partner, an einen Liebhaber wage ich gar nicht zu denken, so fern scheint er mir. Kein Mensch oder fast keiner hat eine andere menschliche Seele. Dabei ist der Mensch nicht daf\u00fcr gemacht, alleine zu sein. Die Neandertaler starben gro\u00dfteils aus, weil sie so wenige waren. Wenigstens sind sie mit bis zu drei Prozent im Genpool des vernunftbegabten Menschen vertreten. Der vernunftbegabte Mensch, ich k\u00f6nnte dar\u00fcber lachen, wie man so sagt, dabei ist mir bitter. Der moderne Mensch ist der einsamste, den es jemals gab.<\/p>\n<p>Das ist die pessimistische Variante. In der optimistischen, die auch realistisch ist, wei\u00df Eva seit der E-Mail-Korrespondenz mit Doroth\u00e9e, dass es schon M\u00e4nner in ihrer Zeitebene gibt. Bestimmt viele auf der ganzen Welt, gutaussehende, nette, welche, in die sie sich verlieben k\u00f6nnte, und solche, die sich in Eva verlieben w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Sie folgt den \u00fcblichen Routinen, in die Stadt gehen oder fahren, Vorr\u00e4te besorgen, etwas zum Anziehen, sich in einer der zwei Videotheken einen Film oder eine Serie als VHS oder selten als DVD ausborgen, oder soll man statt ausborgen einfach nehmen sagen? Nein, ausborgen ist richtig, sie bringt alles zur\u00fcck und stellt es an dieselbe Stelle. Es gibt ja auch Menschen hinter ihr, nach ihr, von minus elf Minuten an ist ein jeder ihr Zukunftsmensch.<\/p>\n<p>Sie geht auch gern in den Wald. Dort f\u00fchlt sie sich wie hundert Jahre in der Vergangenheit. Sieht sie ein schickes Auto, schlie\u00dft sie es kurz, au\u00dfer die Schl\u00fcssel sind unter der Sonnenblende. Ist kein Sprit im Tank, holt sie welchen in einem Kanister von der n\u00e4chstgelegenen Tankstelle. Dann f\u00e4hrt sie mit diesem eleganten Auto. Meist l\u00e4sst sie es sp\u00e4ter irgendwo stehen und geht nachhause.<\/p>\n<p>Sie schl\u00e4ft tief und fest. In ihren Tr\u00e4umen ist Eva meist mindestens zwanzig Jahre j\u00fcnger. Dies ist bei Menschen oft der Fall. Viele Dinge kann sie gar nicht tr\u00e4umen, weil ihre Erinnerungen vage sind. Sie wei\u00df, wie es mit ihren Br\u00fcdern und Schwestern und Erwachsenen im SOS Kinderdorf war, doch danach lernte sie nichts mehr in Gemeinschaft kennen.<\/p>\n<p>Am Abend des 15. Oktobers 2026 setzt Eva sich wieder vor ihren Computer und \u00f6ffnet das E-Mail-Programm. Sie hat eine Nachricht von Bernhard empfangen. Bernhard ist ihr unbekannt. Er schreibt, er sein ein Bewohner von Kreaton und minus 13 Minuten. Er k\u00f6nne mittels einer hohen Dosis von Betablockern seinen Puls soweit verringern, dass er sich in Evas Zeitebene aufhalten k\u00f6nne. Er wisse allerdings nicht, wie lange. F\u00fcr den Anfang vielleicht f\u00fcr eine Minute. Wenn Eva ihn treffen wolle, schl\u00e4gt er morgen um 13 Uhr beim Haupteingang des City-Kaufhauses vor. \u201eWirst du dort sein, Eva?\u201c, schlie\u00dft er.<\/p>\n<p>\u201eJa nat\u00fcrlich, ich bin gespannt, was passieren wird\u201c, schreibt Eva.<\/p>\n<p>Eva ist um 12:45 Uhr dort. Alles ist unauff\u00e4llig. Um genau 13 Uhr kommt ein starker Wind auf. Er ist nur lokal, schon hundert Meter entfernt bewegt sich nichts. Pl\u00f6tzlich erscheint eine orange-gelbe M\u00e4nnergestalt. Er l\u00e4uft innerhalb des Windes. Er dreht seinen Kopf zu Eva. Offensichtlich will er etwas zu ihr sagen, aber kein Laut verl\u00e4sst seinen Mund. Er ist von gequ\u00e4lter Gestalt.<\/p>\n<p>Eva l\u00e4uft zu ihm. Sie ber\u00fchrt ihn am R\u00fccken. Da zerf\u00e4llt er zu Staub. Der Wind hat aufgeh\u00f6rt. Alles ist wieder so, wie es sein soll.<\/p>\n<div id=\"attachment_15816\" style=\"width: 610px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/The-lady-in-the-end.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-15816\" class=\"size-full wp-image-15816\" src=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/The-lady-in-the-end.jpg\" alt=\"The lady in the end\" width=\"600\" height=\"382\" srcset=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/The-lady-in-the-end.jpg 600w, http:\/\/www.verdichtet.at\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/The-lady-in-the-end-300x191.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-15816\" class=\"wp-caption-text\">The lady in the end<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: right;\">Johannes Tosin<br \/>\n(Text und Bilder)<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at |\u00a0Kategorie:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=3714\"><span style=\"color: #0066cc;\">fantastiques<\/span><\/a> | Inventarnummer: 23098<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDu bist plus 12 Minuten\u201c, schreibt Eva. \u201eJa, ich wei\u00df\u201c, schreibt Heli, was die Abk\u00fcrzung von Helmut ist. \u201eDu bist minus 12 Minuten. 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