{"id":15653,"date":"2023-03-22T15:15:45","date_gmt":"2023-03-22T15:15:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=15653"},"modified":"2023-03-25T13:51:20","modified_gmt":"2023-03-25T13:51:20","slug":"vier-im-roten-kreis","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=15653","title":{"rendered":"Vier im roten Kreis"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts15653&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts15653&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p><em>Siddharta Gautama, der Buddha, zeichnete mit roter Kreide einen Kreis und sagte: Wenn es vorherbestimmt ist, dass Menschen einander wiedersehen sollen, was auch immer ihnen geschieht, auf welchen Wegen sie auch wandeln, am gegebenen Tag werden sie einander unvermeidlich \u201eim roten Kreis\u201c begegnen. Rama Krischna<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/em><\/p>\n<p>Wann mein Interesse f\u00fcr M\u00e4dchen genau begonnen hat, wei\u00df ich nicht. Wenn ich mich recht erinnern kann, dann hatte ich im Kindergarten eine Zeit lang eine bisexuelle Einstellung, bevor ich Gefallen an Annika fand. Diese mochte mich \u00fcberhaupt nicht und sperrte mich einmal sogar in ein Gartenh\u00e4uschen ein (\u00e4hnlich ist es \u00fcbrigens auch Mozart gegangen, das war 1787 in Prag). Zum Schulanfang hatte ich einen Schulranzen und den farblich dazu passenden Regenschirm bekommen. Als wir vom Kindergarten zum Schulgeb\u00e4ude, das uns gezeigt wurde, marschierten, regnete es.<br \/>\nIch hatte den Regenschirm parat und bekam Annika zugeteilt. Auf dem Weg zur Schule hielt ich ihr den Regenschirm und merkte, dass sie nicht aggressiv zu mir war, sondern dankbar, dass ich ihr den Regenschirm hielt. Au\u00dferdem war sie sch\u00f6n gekleidet. Dies war das erste Mal in meinem Leben, dass ich mich erwachsen f\u00fchlte. Leider ging Annika in eine andere Schule und ich habe nie wieder etwas von ihr geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Mein n\u00e4chstes Erlebnis war Christine, die ich im Gymnasium kennenlernte. Sie war nicht nur die Klassenbeste, sondern\u00a0 auch eine der wenigen Personen, die sehr freundlich zu mir waren. Wenn ich eine schlechte Note bekommen hatte, lieh sie mir ihre L\u00f6sung aus, damit ich das korrekte Ergebnis sehen konnte. Bei einer F\u00fchrung durch die Schulb\u00fccherei lobte sie mich, da ich das \u00e4lteste Buch, noch in Fraktur\u00a0 geschrieben, gefunden hatte. Leider wechselte auch Christine fr\u00fch die Schule und ich habe keinen Kontakt mehr zu ihr gehabt.<\/p>\n<p>Im Studium war es Nataliya, auf die ich immer wieder w\u00e4hrend des Spanischkurses einen Blick warf, als sie auf der hintersten Bank sa\u00df. Und ich war \u00fcberw\u00e4ltigt, als sie sich einmal unvermittelt neben mich setzte und mir sogar ihre E-Mail-Adresse gab, da ich in der n\u00e4chsten Stunde etwas f\u00fcr sie mitschreiben sollte. Leider war ich damals noch zu sch\u00fcchtern und wechselte, da mir der Kurs nicht gefiel, im n\u00e4chsten Semester das Fach.<\/p>\n<p>Als das n\u00e4chste Semester kam, lernte ich in der ersten Vorlesung Adina kennen, die eine schicke, gestreifte Hose trug. Erstaunlicherweise wusste sie, dass ich in den Semesterferien ein Auslandspraktikum absolviert hatte und das Gespr\u00e4ch verlief sehr anregend. Nach der ersten Einheit der Lehrveranstaltung brach sie diese aber ab und der Kontakt verfl\u00fcchtigte sich.<\/p>\n<p>Andere Begegnungen waren noch fl\u00fcchtiger. Mir sind Frauen aufgefallen, die sehr freundlich zu mir waren, aber ich hatte merkw\u00fcrdigerweise auch Frauen gern, die anfangs zu mir abweisend waren. Langsam begann sich bei mir ein bestimmter Frauengeschmack zu entwickeln.<\/p>\n<p>Es gibt Gesichter, die mir gefallen, Frisuren, die sch\u00f6n sind. Auch Vorlieben f\u00fcr bestimmte Kleidungsst\u00fccke und Accessoires mag ich. Was mir jedoch keine Sicherheit gibt, ist dieses:<\/p>\n<p>Wie konnte ich sicherstellen, dass Frauen, die mir gefielen, mich auch im Gegenzug mochten. Gab es eine gegenseitige Anziehungskraft? Da war ich mir nicht so sicher und vermied oft Begegnungen, da in mir eine Blockade aufkam.<\/p>\n<p>Doch noch einmal zur\u00fcckdenken: Es waren meistens fl\u00fcchtige Begegnungen, die mir in Erinnerung geblieben sind. Seltsam, dass sich nie ein Kontakt herstellen lie\u00df.<\/p>\n<p>Aber einige kleinere Erfolge gelangen mir doch, und es er\u00fcbrigt sich zu erw\u00e4hnen, dass ich auch das Mittel der Flaschenpost eingesetzt habe.<\/p>\n<p>Gerne w\u00fcrde ich wissen, was Annika, Christine, Nataliya und Adina heute machen. Ob es ihnen gut geht. Von Annika m\u00f6chte ich gerne wissen, wie ihre Schullaufbahn war, ob sie ihre geheimnisvolle Aura bewahrt hat und ob sie nun freundlicher zu mir w\u00e4re. Von Christine m\u00f6chte ich wissen, ob sie es damals schon erkannt hat, dass ich sie toll fand, es aber nur nicht hatte zeigen k\u00f6nnen. Gerne m\u00f6chte ich ihr heute versichern, dass ich ihre weiblichen Reize sehr gesch\u00e4tzt habe, auch wenn sie von anderen Sch\u00fclern verspottet wurde.<\/p>\n<p>Nataliya habe ich geschrieben, leider erst Jahre sp\u00e4ter, als ich zuf\u00e4llig die Adresse wiederfand. Ich war mir nicht sicher, ob sie wirklich Kontakt mit mir haben wollte und ob sie sich ge\u00e4rgert hatte, da ich ihr Kontaktangebot nicht angemessen aufgenommen hatte.<\/p>\n<p>Adina hatte ich nach langer Zeit eine Postkarte geschrieben, als ich durch Zufall auf ihre Postadresse stie\u00df. Auch diese Karte blieb unbeantwortet. Jedoch tr\u00f6stete mich der Gedanke, dass die Karte angekommen war.<\/p>\n<p>All diese Begegnungen haben mein Leben beeinflusst. Und ich war es mir zum Zeitpunkt nicht immer unbedingt klar, welche Auswirkungen auf meine Zukunft das haben sollte. Es waren Weichenstellungen, und mir wurde klar, dass das Poetische sehr wohl in den Alltag hereinbrechen kann. Diese Begegnungen hatten f\u00fcr mich einen h\u00f6heren Sinn und ich bin mir nicht sicher, ob es stimmt, wie es im anfangs erw\u00e4hnten Zitat hei\u00dft, dass ein Wiedersehen vorherbestimmt sei. Wer wei\u00df, vielleicht endet es f\u00fcr mich wie f\u00fcr Sappho:<\/p>\n<p><em>Versunken im Meer ist Selanna, und versunken sind die Plejaden. Aber ach! Wieder ging Mitternacht vorbei, und obwohl die Zeit f\u00fcr die Liebe kommt \u2013 doch allein lege ich mich nieder zum Schlaf.<\/em><em> <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><strong>[2]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n<p>Allen vier Frauen sei meine Erz\u00e4hlung gewidmet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Erfundenes Zitat aus dem Film: Vier im roten Kreis (Le cercle rouge). Regie: Jean-Pierre Melville, 1970<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Sappho: Und ich schlafe allein. \u00dcbersetzung von Gerda Kazakou https:\/\/gerdakazakou.com\/2015\/12\/20\/griechische-dichtung-am-sonntag-sappho\/<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Michael Bauer<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a title=\"spazierensehen\" href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=418\">hardly secret diary<\/a> | Inventarnummer: 23082<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Siddharta Gautama, der Buddha, zeichnete mit roter Kreide einen Kreis und sagte: Wenn es vorherbestimmt ist, dass Menschen einander wiedersehen sollen, was auch immer ihnen geschieht, auf welchen Wegen sie auch wandeln, am gegebenen Tag werden sie einander unvermeidlich \u201eim roten Kreis\u201c begegnen. 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