{"id":1495,"date":"2014-07-20T08:36:45","date_gmt":"2014-07-20T08:36:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=1495"},"modified":"2015-09-07T11:02:06","modified_gmt":"2015-09-07T11:02:06","slug":"die-schoene-und-das-bier","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=1495","title":{"rendered":"Die Sch\u00f6nen und das Bier"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts1495&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts1495&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p><em>Wie war das nochmal mit dem Bier, Alexandra? Was hast du da letzte Nacht getr\u00e4umt? <\/em><\/p>\n<p><em>Es war ein richtiger Albtraum, ich will nicht mehr dar\u00fcber sprechen.<br \/>\nBier ist \u00fcbrigens gesund. Da sind antioxidative Substanzen drin. Bei Hautkrankheiten und Schlafst\u00f6rungen k\u00f6nnte es helfen. <\/em><\/p>\n<p><em>Ach?! <\/em><\/p>\n<p><em>Man k\u00f6nnte es gar als probiotisch bezeichnen und f\u00fcr die Erhaltung der Darmflora empfehlen. Ein Liter Bier hat die gleiche antioxidative Wirkung wie vier bis f\u00fcnf Portionen Obst und Gem\u00fcse. H\u00e4ttest du das gedacht? Die Kombination der Polyphenole aus Hopfen und Malz macht es aus, das ist wissenschaftlich nachgewiesen.<\/em><\/p>\n<p>Frau Mag.<sup>a<\/sup> Alexandra Hafner-Juric schob die schmalen Schultern nach hinten und die Brust nach vorne. Ihren Kopf hob sie leicht an, um die Illusion zu n\u00e4hren, sie sei putzmunter und im Geiste wach.<br \/>\nIhre Kollegin am benachbarten Barhocker entgegnete zweifelnd:<\/p>\n<p><em>Das glaube ich nicht, denn heutzutage ist Bier ein Produkt der modernen Biotechnologie, unter gro\u00dfem Zeitdruck industriell gefertigt. Dass das wirklich noch gesund sein soll?<br \/>\nUnd es macht dick. So sagt man doch? <\/em><\/p>\n<p><em>Schau ich so aus? <\/em><\/p>\n<p><em>Mitnichten, niemand k\u00f6nnte so etwas behaupten.<\/em><\/p>\n<p>Wahrlich, Alexandra Hafner-Juric hatte f\u00fcrs Auge einiges zu bieten. Aber keinesfalls war sie dick. Keinesfalls!<br \/>\nDer Alkohol hatte ihr nicht wirklich zugesetzt. Na ja, vielleicht ein wenig. Sie war auf eine angenehme, leise Weise illuminiert. Sie l\u00e4chelte h\u00e4ufig, eigentlich andauernd. Das bisschen Kohlens\u00e4ure, im dunklen Gerstensaft sparsam vorhanden, hatte ihre Wangen leicht ger\u00f6tet.<\/p>\n<p><em>Schau Beate, dieses hier solltest du noch probieren, so trink doch noch eine Halbe. <\/em><\/p>\n<p><em>Wei\u00dft du, ich hab schon genug von diesem lauwarmen Starkbier im Kreislauf und der schwere Zigarettenrauch tut das seine. Ich will nach Hause.<\/em><\/p>\n<p>Frau Hafner-Juric war eine elegante Erscheinung, wie sie da so sa\u00df in ihrem schmalgeschnittenen Businessoutfit. Die Laptoptasche lehnte am Barhocker. Der B\u00fcrotag war ein langer und erm\u00fcdender gewesen. Das Feierabendbier verdient.<\/p>\n<p><em>Schau, Beate, angefangen hat es als Jugendliche mit heimlichen Bieren. Schon damals hat es mir geschmeckt. Mein Mann, der versteht das gar nicht. \u201eHopfen-Junkie\u201c wird noch das Netteste sein, das er heute sagen wird, wenn ich nach Hause komme.<br \/>\nAber ich sehe das schon auch wissenschaftlich, ich mag die Sortenvielfalt. In Belgien da gibt es heute noch Brauereien, die versuchen, nach mittelalterlichen Rezepten zu brauen.\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Alexandra Hafner-Juric wohnte in dieser neuen Siedlung zwei Stra\u00dfen weiter, dort wartete bereits ihr Mann auf sie. Sie hatten ein kleines H\u00e4uschen mit bescheidenem Garten, der ein wenig verwildert war. Umso ordentlicher wirkte seine Besitzerin jetzt, aufger\u00e4umt geradezu. Mit aufrechtem R\u00fccken auf dem Barhocker sitzend, gemeinsam mit ihrer Kollegin die breite Palette des Bierangebots analysierend. Das aktuelle war arm an Kohlens\u00e4ure, tr\u00fcb, dunkelbraun wie Bernstein, malzig bitter und eigentlich ziemlich sauer, wie Beate M\u00fcller-Enzenhofer unbek\u00fcmmert konstatierte. Worauf Alexandra Hafner-Juric selbstredend etwas zu erwidern wusste:<\/p>\n<p><em>Bier enth\u00e4lt auch sehr viel Kalium. In Tschechien und Polen bezahlt die Krankenkasse daher f\u00fcr Patienten mit Nierensteinen Bier auf Krankenschein. Hopfen hei\u00dft \u00fcbrigens auf lateinisch Humulus Lupulus. <\/em><\/p>\n<p><em>Das klingt kurios.<\/em><\/p>\n<p><em>Ja, und die Hopfenbl\u00fcten enthalten neben den Bitter- und Aromastoffen, die dem Bier seinen typischen Geschmack geben, etliche gesundheitsf\u00f6rdernde Substanzen, die auch bei hohen Cholesterinwerten, Haarausfall oder sexueller Unlust helfen sollen. <\/em><\/p>\n<p><em>Bier enth\u00e4lt Hormone?<\/em><\/p>\n<p><em>Das stimmt nur halb. Hopfen enth\u00e4lt Flavone, die in der Pflanze selbst keine hormonelle Wirkung haben, im menschlichen K\u00f6rper aber aufgrund ihrer \u00c4hnlichkeit mit Steroidhormonen auf diese Weise wirken k\u00f6nnen. Im Versuch mit weiblichen Ratten hat sich gezeigt, dass Hopfenextrakt ihre Empf\u00e4nglichkeit f\u00fcr sexuelle Avancen des Rattenm\u00e4nnchens erh\u00f6ht. <\/em><\/p>\n<p><em>Ja brauchst du denn diese Bier-Hormone?<\/em><\/p>\n<p><em>Ach, wei\u00dft du \u2026<\/em><\/p>\n<p>Alexandra Hafner-Juric seufzte und stie\u00df mit dem Bein ihre Laptoptasche um, um beim anschlie\u00dfenden Versuch, diese wieder aufzurichten, mit dem anderen Bein darauf zu treten und beim auf diesen Fehltritt folgenden (eigentlich als Korrekturbewegung gedachten) Ausfallschritt das Gleichgewicht vollends zu verlieren.<br \/>\nBeate M\u00fcller-Enzenhofer half ihrer Kollegin f\u00fcrsorglich wieder aus der Horizontale, lie\u00df ihr halbvolles Glas antioxidativen Hopfengebr\u00e4us stehen, beglich mit stoischer Miene die gemeinsame Rechnung und begleitete Frau Mag.<sup>a<\/sup> Hafner-Juric schlussendlich nach Hause.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Michaela Swoboda<br \/>\nSzenisch dargeboten bei <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/theaterzeit-freistadt-2014.pdf\">Theaterzeit Freistadt 2014<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a title=\"s\u00fcffig\" href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=1490\">s\u00fcffig<\/a> | Inventarnummer: 14057<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie war das nochmal mit dem Bier, Alexandra? 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