{"id":14583,"date":"2022-09-25T09:05:50","date_gmt":"2022-09-25T09:05:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=14583"},"modified":"2026-04-27T16:55:21","modified_gmt":"2026-04-27T16:55:21","slug":"abschied","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=14583","title":{"rendered":"Abschied"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts14583&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts14583&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><blockquote><p>Wieder einmal geht was Sch\u00f6nes vorbei, und obwohl ich genau wusste, dass es so kommen musste, bin ich nicht frei,<br \/>\nh\u00e4nge in einer Zeitschleife, noch eh ich begreife, dass ich mit meiner Seele um die Wette schrei,<br \/>\nsp\u00fcre, wie ich im Nacken versteife, weil sich alle Muskeln und Sehnen dagegen wehren<br \/>\nim Hier und Jetzt zu sein und mit allen Sinnen neu zu beginnen, weiterzuspinnen<br \/>\nund eine Zeitblase zu schlie\u00dfen, fall wider alle Vernunft ins Begehren,<br \/>\ndas Glitzern im Gestern mit Goldstaub zu verzieren, einzufolieren und binnen<br \/>\nkurzer Zeit mich darin zu verlieren. Weil es so verdammt schwer ist,<br \/>\nda weiterzumachen, wo es aufgeh\u00f6rt hat. Auch wenn\u2019s noch nicht so lang her ist.<\/p>\n<p>Jeder Tag ist ein Abschied, jede Stunde, jede Minute verl\u00e4sst mein Leben, kommt nicht wieder, denn nichts bleibt, wie es war.<br \/>\nUnd meistens hab ich gar nicht die Zeit, dar\u00fcber nachzudenken, weil das Vergehen so schnell geschah,<br \/>\nund ich, ins Leben vertieft, kann nur noch die Staubwolken sehen von all den Ereignissen,<br \/>\ndie schwinden, sich zu meiner Vergangenheit verbinden, und nur, wenn ich mal innehalte, so wie jetzt, kann ich sie wirklich vermissen.<br \/>\nDann werd ich traurig, wenn der Baum vor meinem Fenster seine Bl\u00e4tter verliert,<br \/>\nweil wieder einmal ein Sommer vergeht und in meiner Erinnerung steht,<br \/>\ndass er so, wie er war, nie wieder passiert. Und mit ihm im Schlepptau zieht die Illusion dahin,<br \/>\ndass ich noch mittendrin im Beginn meines Lebens bin, dass alles noch vor mir liegt und ich resistent gegen das Altern bin.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Jeder Abschied ist ein bisschen wie Sterben, sagt man<br \/>\nund egal, ob er gro\u00df ist oder klein, wird er nie ohne Schmerz und Wehmut sein,<br \/>\nzieht ungeschminkt in deinem Herzen ein, ob du es willst oder nicht,<br \/>\num es zu stempeln und dich f\u00fcr dein Leben zu pr\u00e4gen.<\/p>\n<p>Es gibt viel mehr Abschiede im Leben, als ich denke, und mir war nicht bewusst,<br \/>\ndass ich mich nicht nur von Herzensmenschen, sondern auch von Tr\u00e4umen, Hoffnungen und Glaubenss\u00e4tzen verabschieden muss,<br \/>\nvon einer Bl\u00fcte, die mich bis zum November erfreute, von einer Pr\u00fcfung, die ich scheute,<br \/>\nvon Gedanken, die man mir als Kind einbl\u00e4ute, dass eine Liebe ein Leben lang h\u00e4lt,<br \/>\ndass das, was ich tue, mir jeden Tag gef\u00e4llt, ein Schiff niemals an den Klippen zerschellt<br \/>\nund eine Freundschaft jede Belastung aush\u00e4lt, dass mein Lieblingsk\u00e4se irgendwann verf\u00e4llt<br \/>\nund von der Vorstellung, man br\u00e4uchte kein Geld, um gl\u00fccklich zu sein.<br \/>\nVon dem Glauben daran, dass es keine Kriege mehr gibt auf der Welt, von meinem Papa als Held, und dass auch die Zeit nicht immer<br \/>\nalle Wunden heilt, und manchmal macht auch ein Sonnenstrahl alles nur noch schlimmer.<\/p>\n<p>Und ich ertapp mich dabei, wie ich mich in meinen Zimmern einschlie\u00dfe<br \/>\nmit meinem Erinnern, es nicht rauslassen will, meine Zeitschleife genie\u00dfe<br \/>\ndarin d\u00f6se, in Selbstmitleid zerflie\u00dfe und so tue, als ob es das Jetzt w\u00e4re.<br \/>\nVersuche, in diesem Schein, es mit aller Kraft zu halten, den Lauf der Zeit aufzuhalten,<br \/>\nalle Uhren abzuschalten, es an den W\u00e4nden festzunageln, vor den T\u00fcren aufzustapeln<br \/>\nund sehe, wie ich die F\u00e4hre, die in meinen Adern zirkuliert, damit beschwere,<br \/>\ndie mein Herz bef\u00fcllt, bis es \u00fcberquillt, weil ich alles aufbewahren will, damit der Abschied blo\u00df nicht endg\u00fcltig wird.<br \/>\nSehe, wie das Erinnern wie ein Flimmern durch meine Zellen schwirrt.<br \/>\nUnd mein Herz dann, v\u00f6llig \u00fcberf\u00fcllt, sich in Schweigen h\u00fcllt, still steht,<br \/>\nich an der Erinnerung kleb, und mein Leben kopfnickend an mir vor\u00fcbergeht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Jeder Abschied ist ein bisschen wie Sterben, sagt man<br \/>\nund egal, ob er gro\u00df ist oder klein, wird er nie ohne Schmerz und Wehmut sein,<br \/>\nzieht ungeschminkt in deinem Herzen ein, ob du es willst oder nicht,<br \/>\num es zu stempeln und dich f\u00fcr dein Leben zu pr\u00e4gen,<br \/>\nder dich neu formt und zu dem macht, der du bist, sich durch deine G\u00e4nge frisst,<br \/>\num dich dann von Scherben umrahmt zur\u00fcckzulassen, Narben zu hinterlassen,<br \/>\ndie dich, tief in deinem Innern, f\u00fcr immer an ihn erinnern.<br \/>\nUnd vielleicht wird ein Teil von dir in seinen Tr\u00fcmmern niemals ruhen,<br \/>\nweil er in l\u00e4ngst verschlissenen Schuhen in dir umherirrt.<br \/>\nUnd du setzt deine Scheuklappen auf, obwohl er nicht aufgibt, dir nicht gut zu tun,<br \/>\nbist ein Gewohnheitstier, durch und durch, geblendet von dem Schimmern<br \/>\nder unstillbaren Sehnsucht danach, wie es einmal war.<\/p>\n<p>Wissenschaftlich betrachtet, m\u00fcssen wir ein schlechtes Gef\u00fchl nur 90 Sekunden aushalten, bevor es ganz von allein wieder abf\u00e4llt.<\/p>\n<p>Wenn ich also meinen Abschiedsschmerz f\u00fcr eine Weile ertrage, ihn nicht blockiere und mit giftigen Pfeilen torpediere,<br \/>\nmich nicht st\u00e4ndig frage und studiere, wie es vorher war, mich darin verliere und nicht kapiere,<br \/>\ndass ich loslassen muss, damit ich den Schmerz \u00fcberwinde, auch wenn der sichere Boden wackelt,<br \/>\nweil die Ver\u00e4nderung an meinen Toren rackelt und rumpelt, verzweifelt um Einlass fleht<br \/>\nund mir nur die Kraft ausgeht, weil ich so lange gegen sie angek\u00e4mpft habe,<br \/>\nanstatt mit dem Herzen den neuen Weg zu f\u00fchlen, den alten dankbar zu verlassen,<br \/>\nohne Ungewolltes auszusortieren und die Edelsteine, die ich dort fand, zu verlieren und als besondere Gabe<br \/>\nzu verstehen, als Geschenk des Lebens, das ich mir bewahre, um es dann<br \/>\nin das Neue zu flechten \u2026<br \/>\nDann geht es voran, weil mein Herz endlich tanzen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Jeder Abschied ist ein bisschen wie Sterben, sagt man<br \/>\nund egal, ob er gro\u00df ist oder klein, wird er nie ohne Schmerz und Wehmut sein,<br \/>\nzieht ungeschminkt in deinem Herzen ein, ob du es willst oder nicht,<br \/>\num es zu stempeln und dich f\u00fcr dein Leben zu pr\u00e4gen.<br \/>\nDoch wenn Schmerz und Trauer verblassen, offenbart die Liebe<br \/>\nihre eigene Tiefe, die sie bis dahin nicht kannte und unentdeckt bliebe.<br \/>\nDie dir die Kraft gibt, weiterzugehen, Samen im Neuen zu s\u00e4en und den Segen<br \/>\nder Bl\u00fcte weiterzugeben, in neuen Farben zu strahlen und f\u00fcr das Leben ein funkelndes Fest zu geben.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\">Claudia L\u00fcer<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.verdichtet.at\/?p=14596\">Informationen zu Ver\u00f6ffentlichungen und Buchbestellungen<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=428\">think it over<\/a> | Inventarnummer: 22098<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieder einmal geht was Sch\u00f6nes vorbei, und obwohl ich genau wusste, dass es so kommen musste, bin ich nicht frei, h\u00e4nge in einer Zeitschleife, noch eh ich begreife, dass ich mit meiner Seele um die Wette schrei, sp\u00fcre, wie ich im Nacken versteife, weil sich alle Muskeln und Sehnen dagegen wehren im Hier und Jetzt 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