{"id":14110,"date":"2022-05-02T15:24:57","date_gmt":"2022-05-02T15:24:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=14110"},"modified":"2022-05-07T15:43:35","modified_gmt":"2022-05-07T15:43:35","slug":"understanding-moelzer-ein-essay","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=14110","title":{"rendered":"Understanding M\u00f6lzer. Ein Essay"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts14110&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts14110&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>In den letzten Wochen ist es immer wieder zu Diskussionen \u00fcber die \u00c4u\u00dferungen von Andreas M\u00f6lzer gekommen. Wie ist damit umzugehen? Es gibt die eine Fraktion, die zu Recht emp\u00f6rt ist und die \u00c4u\u00dferungen M\u00f6lzers als neuesten verbalen Tiefpunkt in der \u00f6sterreichischen Politik ansieht. Beschweren sich nun Erstere \u00fcber die unhaltbaren und unertr\u00e4glichen S\u00e4tze, werden diese wiederum als linkslinke Wortverdreher abqualifiziert und M\u00f6lzer als deren Opfer stilisiert.<\/p>\n<p>Was k\u00f6nnen wir als langfristig daraus lernen? Dass wir mit unserer medialen Emp\u00f6rung der FP\u00d6 in die H\u00e4nde spielen, m\u00f6glicherweise.<\/p>\n<p>Versuchen wir doch einmal, M\u00f6lzer wortw\u00f6rtlich zu nehmen und uns in seine Gedankenlogik hineinzuversetzen. Als Erstes w\u00e4re da der Textausschnitt aus dem SZ-Magazin. Darin behauptet der EU-Abgeordnete:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Es ist eine Frage auch des gestalterischen, des Arbeitsethos, was aus diesem Europa wird:<br \/>\nEntweder sind wir ein <span style=\"text-decoration: line-through;\">Neger<\/span>konglomerat, totales Chaos, sage ich jetzt bewusst brutal<br \/>\npolitisch nicht korrekt. Wo das Chaos sich vermehrt, wo Massenzuwanderung, wo<br \/>\ninstitutionelles Chaos, wo wirre Konzerninteressen &#8230;(SZ-Magazin)<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Was will uns M\u00f6lzer also damit sagen? Er entwirft in diesen S\u00e4tzen ein Krisenszenario, das er durch seine Wiederwahl ins Europ\u00e4ische Parlament zu verhindern hofft: also ein durch ein wie auch immer beschaffenes Konglomerat ausgel\u00f6stes oder kultiviertes Chaos, das Massenzuwanderung und Konzerninteressen nichts entgegenzusetzen habe. Dies sage er \u201ebewusst brutal politisch nicht korrekt\u201c. Andererseits beklagt er sich wieder dar\u00fcber, dass es \u201esicher nicht so viele Regeln und Vorschriften, Gebote und Verbote\u201c in den \u201ed\u00fcstersten Systemen\u201c des 20. Jahrhunderts gegeben h\u00e4tte. Wie passt dies alles zusammen?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eUnd allm\u00e4hlich d\u00e4mmerte es ihm, &#8230; dass er von jetzt an, falls es ein Von-jetzt-an f\u00fcr ihn<br \/>\ngeben sollte, sein krankhaftes Streben nach Ordnung aufgeben und sich ein wenig Chaos<br \/>\ng\u00f6nnen musste; denn Ordnung war nachweislich kein Ersatz f\u00fcr Gl\u00fcck \u2026\u201c (John Le Carr\u00e9)<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Schon ein Blick in den Duden \u201eAbwesenheit, Aufl\u00f6sung aller Ordnung; v\u00f6lliges Durcheinander\u201c h\u00e4tte gen\u00fcgen m\u00fcssen, um zu sehen, dass ein Konglomerat, das totales Chaos in sich birgt, nicht viel mit \u201eRegeln, Ge- und Verboten\u201c zu tun haben kann. Weitere Quellen oder Beispiele f\u00fcr seinen eigenartigen Vergleich nennt er nat\u00fcrlich keine. Was kann es denn dann sein, das den EU-Abgeordneten M\u00f6lzer so sehr an seiner Institution zweifeln l\u00e4sst? Wozu m\u00f6chte M\u00f6lzer dann in das EU-Parlament gew\u00e4hlt werden? Und wie stellt er sich eigentlich die EU vor, f\u00fcr die er doch kandidieren m\u00f6chte?<\/p>\n<p>Gehen wir daf\u00fcr nun einen Schritt weiter mit unserer Analyse und nehmen wir uns die Interpretationsans\u00e4tze zu Hilfe, die M\u00f6lzer selbst nachgeliefert hat. Es k\u00f6nnte ja M\u00f6lzer durchaus \u2013 und besonders als \u00d6sterreicher \u2013 ein Freudscher Versprecher unterlaufen sein und er sich <em>\u201ezu den W\u00fcnschen bekannt\u201c <\/em>haben, welche er als seiner <em>\u201ePers\u00f6nlichkeit nicht gem\u00e4\u00df und als peinlich abgewiesen hat\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Setzt man nun in den oben genannten Text ein \u2013 Zitat \u201e<em>nekrophiles Konglomerat\u201c <\/em>ein, so k\u00f6nnte auch M\u00f6lzer selbst \u2013 immerhin mit seinen 61 Jahren auch nicht mehr der J\u00fcngste \u2013 und seinem Wunsch nach \u2013 ich zitiere: \u201enicht so viele[n] Regeln und Vorschriften, Gebote[n] und Verbote[n]\u201c in den d\u00fcstersten Systemen (Stichwort: Nekrophilie!) vielleicht ja selbst Teil dieses Problems sein, ohne es sich \u00fcberhaupt bewusst geworden zu sein. Wie hei\u00dft es doch im Matth\u00e4usevangelium 7, 3 (Jawohl, Abendland in Christenhand!): <em>\u201eDen Splitter im fremden Auge sehen, aber nicht den Balken im eigenen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Auch die Phonetik birgt manchmal gr\u00f6\u00dfere Schwierigkeiten in sich, als sie auf den ersten Blick vermuten l\u00e4sst: Trotz oberfl\u00e4chlicher \u00c4hnlichkeit kommt das N-Wort von \u201eniger\u201c (schwarz), \u201enekrophil\u201c hingegen von \u201enekros\u201c (tot). Und dann w\u00e4ren wir wieder einmal beim Thema Freudscher Versprecher: Vielleicht hat das Ausl\u00e4nderbild der FP\u00d6 schon dazu gef\u00fchrt, beides in eine\u00a0 besorgniserregende semantische N\u00e4he zu r\u00fccken: Omofuma oder die j\u00fcngsten Ereignisse im Mittelmeer zeigen es ja.<\/p>\n<p>Es ist darum fast schon schade, dass M\u00f6lzer sich nicht so elegant und einfach \u2013 dem Vorbild seines Parteivorsitzenden Strache folgend \u2013 aus der Sache herausredet, er habe doch nur so ganz spontan w\u00e4hrend des Interviews etwas Trinkbares bestellen wollen (Drei Bier! \u2013 Konglomerat).<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens hier aber rudert M\u00f6lzer zur\u00fcck und entschlie\u00dft sich f\u00fcr eine andere Argumentationsstrategie: Er geht noch einmal zur\u00fcck zum N*-Wort und behauptet offensiv:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eDas Wort <span style=\"text-decoration: line-through;\">Neger <\/span>als solches ist ein normales deutsches Wort, das weder eine Wertung noch sonst etwas beinhaltet. Das kann man verwenden, genauso wie das Wort <span style=\"text-decoration: line-through;\">Zigeuner<\/span>.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Was hei\u00dft das? Will M\u00f6lzer etwa damit sagen, dass nur ein \u201enormales deutsches Wort\u201c\u00a0 die Weltsicht des \u201enormalen Deutschen (oder \u00d6sterreichers)\u201c im FP\u00d6-Sinn repr\u00e4sentieren darf? Dann scheint diese Aussicht logisch. Vielleicht ist auch M\u00f6lzer jemand, der sich im Gegenzug sehr gerne als Gringo, Gadscho, Langnase, Bleichgesicht bezeichnen l\u00e4sst, denn wenn schon biologische und rassische Taxonomien, dann bitte richtig!<\/p>\n<p>Warum stand M\u00f6lzer dann anfangs nicht zu seinem N*-Wort,wenn es doch so ein \u201enormales deutsches Wort\u201c ist? War es f\u00fcr sein \u00dcber-Ich vielleicht nicht ebenfalls ein genauso \u201enormales deutsches Wort\u201c? Oder war es ebenfalls wieder nur der Freudsche Versprecher, der im \u00dcbrigen besonders h\u00e4ufig im Vergessen fremdsprachlicher Worte zu Tage tritt: Nat\u00fcrlich bedeutet die metasprachliche \u00c4u\u00dferung \u201ebrutal politisch nicht korrekt\u201c auch dasselbe wie \u201esatirisch-ironisch\u201c. Ist ja eh wurscht, sind ja alles Fremdw\u00f6rter. Da kann man ruhig auch mal \u201esatirisch-ironisch Tacheles\u201c reden, wie er auf seiner Webseite schreibt.<\/p>\n<p>Was sollte dann auch der Begriff N* f\u00fcr M\u00f6lzer beinhalten? Einen Menschen, m\u00f6glicherweise? Vielleicht definiert ja der freiheitliche EU-Abgeordnete \u201enormale deutsche W\u00f6rter\u201c einfach so, dass sie \u201eweder Wertungen noch sonst etwas beinhalten\u201c. Damit ist schon einmal ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur De-Chiffrierung M\u00f6lzers getan. Sollte es sich am Ende gar noch herausstellen, dass es sich bei ihm um einen Sprachskeptiker Wittgensteinscher Pr\u00e4gung handeln sollt?<\/p>\n<p>Vielleicht hat die sprichw\u00f6rtliche FP\u00d6-typische Gedankenfreiheit einfach schlicht Angst vor der b\u00f6sen EU und der noch viel b\u00f6seren NSA und daf\u00fcr eine dem Laien unverst\u00e4ndliche Chiffrensprache entwickelt?<\/p>\n<p>Es stimmte \u00fcbrigens auch: Das N*-Wort ist r\u00fcckw\u00e4rts gelesen, ein ganz normales deutsches Wort: Es bedeutet n\u00e4mlich \u201eRegen\u201c. Diese Lesart (engl.: Backward Messaging) ist nat\u00fcrlich berechtigt \u2013 ein jeder Fan von Led Zeppelin, Nirvana und Co. wei\u00df das. Vielleicht sei das N*-Wort ja als dezenter Hinweis darauf gedacht gewesen. In diesem Sinne:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eTkerrok tchin hcsitilop laturb tssuweb tztej hci egas, soahC selatot, taremolgnokregeN nie riw<br \/>\ndnis redewtne.\u201c (saerdnA rezl\u00f6M)<\/em><\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.andreas-moelzer.at\/index.php?id=3371\" target=\"_blank\">http:\/\/www.andreas-moelzer.at\/index.php?id=3371<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.krone.at\/Oesterreich\/Moelzer_verzichtet_komplett_auf%20Kandidatur _fuer _FPOe-Bei der EU-Wahl-Story-399896\" target=\"_blank\">http:\/\/www.krone.at\/Oesterreich\/Moelzer_verzichtet_komplett_auf Kandidatur _fuer _FPOe-Bei <u>der<\/u> EU-Wahl-Story-399896<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.vienna.at\/andreas-moelzer-umstrittene-aussagen-im-wortlaut\/3921118\" target=\"_blank\">http:\/\/www.vienna.at\/andreas-moelzer-umstrittene-aussagen-im-wortlaut\/3921118<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Backward_Messaging\" target=\"_blank\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Backward_Messaging<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nekrophilie\" target=\"_blank\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nekrophilie<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Freud\u2019scher_Versprecher\" target=\"_blank\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Freud\u2019scher_Versprecher<\/a><\/li>\n<li>Bolz, Norbert: Das kontrollierte Chaos: D\u00fcsseldorf 1994<\/li>\n<li>Freud, Siegmund: Zur Psychopathologie des Alltagslebens 1924<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Geschrieben im Vorfeld der EU-Wahl 2014 anl\u00e4sslich der Kandidatur Andreas M\u00f6lzers<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Michael Bauer<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=4535\">Wortglauberei<\/a> | Inventarnummer: 22058<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Wochen ist es immer wieder zu Diskussionen \u00fcber die \u00c4u\u00dferungen von Andreas M\u00f6lzer gekommen. 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