{"id":1396,"date":"2014-06-04T11:08:19","date_gmt":"2014-06-04T11:08:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=1396"},"modified":"2014-06-04T16:00:03","modified_gmt":"2014-06-04T16:00:03","slug":"also-bist-du-einfach-gegangen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=1396","title":{"rendered":"Also bist Du einfach gegangen."},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts1396&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts1396&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Also bist Du einfach gegangen. Bist dem Horizont entgegengeschritten ohne Dich auch nur einmal umzudrehen. Sehr romantische Vorstellung. Vor allem wenn man bedenkt, dass das alles nur f\u00fcr mich war. Sollte ich mich geehrt f\u00fchlen? Ja, ich denke, das w\u00e4re angebracht. Wahrscheinlich sollte ich Dir jetzt danken. Ich nehme an, das Protokoll sieht es so vor. Ein Mann, der sich f\u00fcr die Frau, die er liebt, aufopfert. Ein Held. Dankbarkeit w\u00e4re wohl das Mindeste was man erwarten kann. Vermutlich. Doch etwas in mir, ich kann nicht sagen was, str\u00e4ubt sich dagegen mit aller Kraft. Ja, es schreit sogar aus mir heraus, mit einer schrecklich verzerrten Stimme voller Abscheu und Ekel.<\/p>\n<p>Vielleicht bin ich ja dumm. In den letzten Monaten habe ich gehofft, dumm zu sein. Zu dumm um zu begreifen, dass Du mich nur zu meinem Besten verlassen hast. Wirklich l\u00e4cherlich, dass ich es nicht begriffen habe. Gr\u00fcnde hast Du mir ja genug geliefert. Dass ich zu gut f\u00fcr Dich w\u00e4re. Das klang interessant. Und neu. W\u00e4hrend unserer Beziehung fiel mir nie auf, dass Du mich so derma\u00dfen sch\u00e4tzen w\u00fcrdest. Dass Du mich zu sehr lieben w\u00fcrdest. Das machte mich stutzig. Und dass Du Angst h\u00e4ttest, mich mit Deiner Liebe zu erdr\u00fccken und mir keine Luft mehr zu lassen. Das machte mich w\u00fctend. Das machte mich stumm. Das brachte mich so sehr aus der Fassung, dass ich nichts mehr sagen konnte. Das gab Dir die M\u00f6glichkeit, einfach zu verschwinden ohne meine Meinung zu h\u00f6ren. Ohne jemals meine Antwort zu h\u00f6ren. Bis jetzt.<\/p>\n<p>Jetzt sitzt Du da und bist endlich einmal still. Jetzt musst Du mir zuh\u00f6ren. Die letzten Monate sa\u00df ich hier in diesem Zimmer und wartete auf ein Lebenszeichen. Einen Brief, eine Karte, einen Telefonanruf.<\/p>\n<p>Was m\u00f6chtest Du sagen? Vermutlich, dass es das Beste f\u00fcr mich war, dass ich Dich so leichter vergessen konnte. Aber ich habe Dich nicht vergessen. Jede Sekunde habe ich an Dich gedacht. Dauernd sah ich Dich vor mir, Deinen betroffenen Gesichtsausdruck, als Du mir sagtest, dass Du dieses Opfer f\u00fcr uns beide bringen m\u00fcsstest. Und jeden Tag habe ich Dich mehr gehasst. Dieser Hass hat mich kaum noch denken lassen, kaum noch atmen lassen. Ich konnte kein normales Leben mehr f\u00fchren, doch das Schlimmste daran war, dass ich nicht aufh\u00f6ren konnte, Dich zu lieben.<\/p>\n<p>Es hat mich zerrissen, Du hast mich zerrissen und das alles nur, weil Du mir nicht sagen konntest, dass Du mich nicht mehr liebst. Weil Du nicht einmal in Deinem Leben ehrlich sein konntest. Du hast mich allein gelassen mit meinem Schmerz und meiner Hoffnung, mit meiner Liebe und meinem Hass. Das hast Du mir alles aufgeladen, w\u00e4hrend Du schon mit Deinem neuen Leben begonnen hast. Jetzt ist es an der Zeit, dass <span style=\"text-decoration: underline;\">ich<\/span> neu anfangen darf. Jetzt will ich den ganzen Dreck hinter mir lassen und endlich wieder frei atmen k\u00f6nnen. Deshalb musstest Du hierher kommen. Deshalb musstest Du mir zuh\u00f6ren. Und ich habe Dir gesagt, was ich schon lange loswerden wollte. Mehr verlange ich nicht.<\/p>\n<p>Da sitzt Du nun mit Deinem hochroten Kopf und Deinen m\u00fcden Augen. Ich liebe Dich nicht mehr. Das wei\u00df ich jetzt. Und ich hasse Dich nicht mehr, denn Hass kann ohne Liebe nicht existieren. Jetzt kann ich Dich vom Sessel losbinden und Dir das Tuch aus dem Mund nehmen. Die Beule am Kopf wird bald verschwinden. Nein, es tut mir nicht leid. Es tut mir nichts mehr leid. Nicht einmal, dass ich Dich kennen gelernt habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Constanze Scheib<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=972\">\u00e4rgstens<\/a> | Inventarnummer: 14047<em><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Also bist Du einfach gegangen. Bist dem Horizont entgegengeschritten ohne Dich auch nur einmal umzudrehen. Sehr romantische Vorstellung. Vor allem wenn man bedenkt, dass das alles nur f\u00fcr mich war. Sollte ich mich geehrt f\u00fchlen? 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