{"id":137,"date":"2013-11-24T17:16:58","date_gmt":"2013-11-24T17:16:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=137"},"modified":"2014-03-25T12:33:04","modified_gmt":"2014-03-25T12:33:04","slug":"roman","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=137","title":{"rendered":"Roman"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts137&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts137&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Die kalte Jahreszeit herrschte nun mit eisernem Griff. Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt lie\u00dfen Romans Schritte schneller und schneller werden. Es war mittlerweile dunkel geworden in der Mozartstadt und man sah kaum noch Menschen auf den verschneiten Gehsteigen. Endlich, Roman war an der Pforte seines Wohnhauses angekommen. Hastig kramte der Blondschopf in den Taschen seiner dicken Daunenjacke. &#8222;Gott sei Dank&#8220;, kam es dem 23-J\u00e4hrigen \u00fcber die Lippen, als er das metallische Scheppern seines Schl\u00fcsselbundes vernahm. Roman dachte schon, er h\u00e4tte seinen Schl\u00fcssel bei Julia vergessen. Oben im zweiten Stock seiner ger\u00e4umigen Wohnung angekommen, hatte der schm\u00e4chtige junge Mann nur einen Gedanken, &#8222;ein warmes Bad&#8220;. W\u00e4hrend das behagliche Pl\u00e4tschern des einlaufenden, warmen Wassers die modernen R\u00e4umlichkeiten vom Badezimmer aus beschallte, bereitete sich Roman in der K\u00fcche einen k\u00f6stlichen Waldbeerentee zu. Langsam tauchte der \u00fcberzeugte Single einen Fu\u00df nach dem anderen in das Badewasser und setzte sich schlie\u00dflich laut ausatmend in die keramische Schale. Romans K\u00f6rper schien jetzt St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck aufzutauen, er lehnte sich entspannt zur\u00fcck und schloss seine blauen Augen.<\/p>\n<p>Klick. Der Feind war schon sehr nahe und es war nur noch eine Frage von Minuten, bis die Schlacht ihren unausweichlichen Anfang finden w\u00fcrde. Man konnte bereits vereinzeltes Kampfgeschrei aus der Ferne vernehmen. Die Anspannung war den Kriegern in die rauen Gesichter geschrieben, als pl\u00f6tzlich die br\u00fcllenden Gegner auf das gut organisierte Bataillon zust\u00fcrmten. &#8222;Angriff&#8220;, ert\u00f6nte der Befehl des Kommandeurs und die Soldaten rannten mit gez\u00fcckten Schwertern einer erbarmungslosen Schar von Eindringlingen entgegen.<\/p>\n<p>Klick. Romans Radiowecker ging p\u00fcnktlich um sechs Uhr los. Aus den englischsprachigen Nachrichten erfuhr der Zahntechniker von weiteren Korruptionsf\u00e4llen in der modrigen, heimischen Politik und eine Korrespondentin in Syrien berichtete von Verletzungen der Waffenruhe. Die Wettervorhersage lie\u00df erneut einen kalten Tag erwarten. Roman h\u00e4tte schon l\u00e4ngst aufstehen m\u00fcssen, doch er f\u00fchlte sich tr\u00e4ger als sonst, zudem sp\u00fcrte der junge Mann ein Kratzen im Hals. &#8222;Oh nein&#8220;, dachte Roman und tastete mit der flachen Hand an seine Stirn. &#8222;Oh nein&#8220;, der Single f\u00fchlte, dass seine K\u00f6rpertemperatur nicht im normalen Bereich lag. Eine Stunde sp\u00e4ter hatte der erk\u00e4ltete Salzburger alle wichtigen Telefonate erledigt, also den wenig erfreuten Chef von seinem krankheitsbedingten Fernbleiben informiert und einen Termin beim Hausarzt vereinbart. Bis zum Arzttermin um halb elf blieb Roman noch etwas Zeit, um seinem angeschlagenen K\u00f6rper nochmals ein Nickerchen zu g\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Klick. Auf dem Schlachtfeld war das Ringen um Leben und Tod in vollem Gange. Der Feind war leider st\u00e4rker als vom Truppenf\u00fchrer angenommen und so blieb ihm nichts anderes \u00fcbrig, als das Kommando zum R\u00fcckzug zu geben. Es dauerte eine Weile, bis im heillosen Durcheinander des Gemetzels, jeder im Bataillon den Befehl realisiert hatte. F\u00fcrs Erste war der Kampf vorbei, doch die Krieger hatten wichtigen Boden aufgeben m\u00fcssen. Im Lager der Soldaten erlag die Stimmung ebenso der bitteren Niederlage, wie viele Kameraden ihren Verletzungen. Der Kommandeur hatte bereits nach Verst\u00e4rkung schicken lassen, um das Blatt mit vereinten Kr\u00e4ften zu wenden.<\/p>\n<p>Klick. Romans Arzt diagnostizierte einen grippalen Infekt und empfahl ihm Bettruhe und hei\u00dfen Tee, um die Krankheit herauszuschwitzen. Dieser Doktor versuchte Erk\u00e4ltungen in erster Linie mit Hausmittel zu therapieren, nur wenn die Beschwerden nicht besser oder gar schlechter wurden, nutzte er die Errungenschaften der Pharmaindustrie zur Heilung. Also tat der Patient wie ihm gesagt wurde und richtete sich am kuscheligen Sofa im Wohnzimmer seine Genesungsst\u00e4tte ein. Hier hatte Roman n\u00e4mlich auch die M\u00f6glichkeit fernzusehen oder eines der vielen B\u00fccher seiner Bibliothek zu studieren. Am sp\u00e4ten Nachmittag wollte Romans beste Freundin Julia, die via SMS von seinem gesundheitlichen Zustand erfahren hatte, nach dem Patienten sehen. Die beiden verband seit Jahren eine innige Freundschaft, aus der jedoch nie das Gef\u00fchl der Liebe gewachsen war. &#8222;Man kann Amors Pfeil nicht lenken&#8220;, hatte Roman Julias Mutter einmal als Antwort gegeben, als die \u00e4ltere Dame sich erkundigte, warum die beiden kein Paar seien. Als es gegen 18 Uhr an der T\u00fcr klingelte, wusste der 23-J\u00e4hrige daher sofort, wer hier um Einlass bat. Julia hatte Topfen zum Auflegen auf den Hals, Orangen und Kiwis f\u00fcr die Vitaminversorgung, und ein Wissenschaftsmagazin im Hochglanzformat mitgebracht. Das 21-J\u00e4hrige, h\u00fcbsche M\u00e4dchen k\u00fcmmerte sich etwa eine Stunde einf\u00fchlsam um ihren Freund, danach verlie\u00df sie mit Genesungsw\u00fcnschen Romans schmuckes Domizil. Bald darauf, nach einer weiteren Tasse hei\u00dfem Tee, \u00fcbermannte die M\u00fcdigkeit den Erk\u00e4lteten, und das war auch gut so, denn Schlaf bringt Erholung.<\/p>\n<p>Klick. Der Kommandeur schritt erhobenen Hauptes durch die in Formation aufgestellten Reihen seiner Soldaten. Die Stimmung hatte sich gebessert, nun da die Verst\u00e4rkung unterst\u00fctzend zur Seite stand, sann man nach Rache. &#8222;Der Tod der Kameraden soll nicht vergebens gewesen sein&#8220;, ermutigte der Befehlshaber seine Truppen, &#8222;Es wird ein langer und erbitterter Kampf, doch am Ende werden wir die Sieger sein, so wahr uns Gott helfe!&#8220; Die Strategie des Befehlshabers war es, die Eindringlinge in einen Hinterhalt zu locken, von wo aus man die Feinde einkesseln konnte. Schon nach kurzer Zeit tappten die Kontrahenten in die Falle und ringsum st\u00fcrmten die Krieger auf die ziemlich verdutzten Feinde ein. Der \u00dcberraschungseffekt tat vollends seine Wirkung, die Unholde wurden vernichtend geschlagen. Schlie\u00dflich zogen die Gewinner ersch\u00f6pft, aber pr\u00e4chtig gelaunt vom Schlachtfeld. Sp\u00e4ter wurde noch lange gefeiert, wobei man jedoch auch der tapferen Gefallenen gedachte und die grandiose Strategie des Kommandeurs in h\u00f6chsten T\u00f6nen lobte. &#8222;Dieser grausame Feind wird uns keinen \u00c4rger mehr machen, jeder von euch kann stolz auf sich sein. Doch wir k\u00f6nnen uns leider nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen, schon morgen kann ein neuer Feind vor der T\u00fcr stehen. Das ist nun mal unsere Berufung, wir bek\u00e4mpfen jeden der diesem Territorium Schaden zuf\u00fcgen will&#8220;, so sprach der erfolgreiche Kommandeur.<\/p>\n<p>Klick. Am n\u00e4chsten Morgen wachte Roman klatschnass auf. Er f\u00fchlte sich zwar noch nicht gesund, doch die unangenehmen Halsschmerzen waren weg und seine Stirn war wieder k\u00fchler. Nat\u00fcrlich rann jetzt die Nase, aber mit einem harmlosen Schnupfen konnte sich der junge Mann ein paar Tage arrangieren. Roman schlenderte ins Badezimmer, um den verschwitzten Jogginganzug abzulegen und zu duschen. Danach f\u00fchlte er sich fast wie neu geboren. Roman wusste, dass die Talsohle der Krankheit durchschritten war und es von nun an wieder bergauf ging. Am Abend kam erneut Julia zu Besuch und wunderte sich \u00fcber die schnelle Besserung von Romans Gesundheitszustand. &#8222;Mein Immunsystem hat sich heute Nacht wacker geschlagen, im Kampf gegen die Viren&#8220;, erkl\u00e4rte der Salzburger mit einem L\u00e4cheln. &#8222;Da kann man nur zum Sieg gratulieren&#8220;, scherzte Julia und blickte liebevoll in Romans Augen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Stefan Ebelsberger<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=408\">an Tagen wie diesen &#8230;<\/a> | Inventarnummer: 13004<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die kalte Jahreszeit herrschte nun mit eisernem Griff. Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt lie\u00dfen Romans Schritte schneller und schneller werden. 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