{"id":12629,"date":"2021-04-08T15:44:44","date_gmt":"2021-04-08T15:44:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=12629"},"modified":"2021-04-10T16:55:33","modified_gmt":"2021-04-10T16:55:33","slug":"frau-f-leidet-an-briefangst-oder-warum-herr-n-nicht-mehr-bei-der-post-arbeitet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=12629","title":{"rendered":"Frau F. leidet an Briefangst oder Warum Herr N. nicht mehr bei der Post arbeitet"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts12629&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts12629&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Also es gibt so Geschichten, die glaubt man kaum. Wenn ich Ihnen das erz\u00e4hle \u2026 Aber aus n\u00e4chster N\u00e4he hab ich das mitbekommen. Meine Nachbarin, die Frau F. n\u00e4mlich, die war immer schon ein bisschen anders. Einen Fernseher hatte sie nie, braucht sie nicht, hat sie gesagt. Und einen Computer hat heutzutage jeder, aber sie nicht. Und statt einem Smartphone hat sie ein Handy, das man aufklappen muss zum Telefonieren. Ich glaube, eine App hat das dann auch nicht. Die gab es damals noch nicht, als Frau F. ihr Mobiltelefon, wie sie es nennt, gekauft hat.<\/p>\n<p>Jedenfalls, ich bin ja ein toleranter Mensch. Dann soll sie halt ohne das alles leben, hab ich mir gedacht. Ist ja ihre Sache, und sie tut niemandem was zuleide damit. Hab mich also \u00f6fter unterhalten mit ihr, so \u00fcbern Gartenzaun dr\u00fcber, \u00fcber Serien nicht, das war ja sinnlos, aber sonst eh ganz nett. Mir ist schon aufgefallen, dass sie viel Post bekommt. Und Zeitungsabos, zwei sogar. Alles, was wir so online haben, war bei ihr halt im Postkasten. Rechnungen, vermutlich, reingeschaut hab ich nicht, aber manchmal gesehen, was sie so rausgenommen hat aus dem Briefkasten, Briefe auch. Manchmal eine Postkarte, hatte ich sonst ewig nicht mehr gesehen, so etwas.<\/p>\n<p>Ihre Kinder leben im Ausland, vielleicht bekam sie deswegen Ansichtskarten. Ich hab mir schon \u00f6fter Gedanken gemacht, wie ihr Leben aussieht. Alt ist sie ja nicht. Aber anders schon. Und ich hab ja mehr Zeit jetzt, seit der Pension. Der Brieftr\u00e4ger hat auch immer gern mit ihr geredet. Der Herr N., ein freundlicher Mensch. Ich glaube, der war froh, dass er mal keine Pakete herumschleppen musste bei ihr. Weil sie kein Internet hatte, hat sie ja auch nichts online bestellt. Da war ihm ihre leichtere Post und hie und da ein eingeschriebener Brief schon lieber.<\/p>\n<p>Ja, und weil er ja auch ein gem\u00fctlicher Mensch ist, hat sie ihn, wenn sie sich zuf\u00e4llig oder beim Unterschreiben einer Empfangsbest\u00e4tigung trafen, zu sich in den Garten eingeladen, die Gespr\u00e4che hab ich dann nicht geh\u00f6rt, weil sie hinters Haus sind, das ist auf der anderen Seite zu meinem Garten, aber gesessen sind sie schon immer ein Neichterl dort. Also die haben sich verstanden, das hat man einfach gemerkt.<\/p>\n<p>Und dann kam der Tag, an dem Herr N. der Frau F. einen Brief pers\u00f6nlich brachte und darauf wartete, bis sie ihn ge\u00f6ffnet hatte. Ich war zuf\u00e4llig im Garten und sah, wie Herr N. sie zu ihrer Terrasse begleitete, nachdem sie den Brief gelesen hatte. Und dann kam er ewig nicht mehr heraus auf die Stra\u00dfe, ich glaube, an dem Tag hatte er dann Stress mit seiner restlichen Runde.<\/p>\n<p>Von dem Tag an war alles anders. Der Briefkasten von Frau F. ging \u00fcber. Sie holte anfangs noch die Zeitungen heraus, und nach einigen Wochen lagen dann auch die herum, als ob sie auf Urlaub w\u00e4re. War sie aber nicht, das h\u00e4tte ich gemerkt. Und ihr Auto stand in der Garage, da war ich mir sicher. Also sie war schon da, aber irgendwie auch nicht. Um den Briefkasten machte sie jedenfalls einen gro\u00dfen Bogen. Da wurde es dem Herrn N. zu bunt, nehme ich an, denn er brachte ja weiterhin Post, und da war kein Platz mehr im Briefkasten. Er ging jedenfalls mit einem Haufen Papier im Arm zu ihr hinein. Die Haust\u00fcr war offen, wie immer bei ihr, wenn sie daheim war, au\u00dfer nachts, da sperrte sie schon auch zu, glaub ich zumindest.<\/p>\n<p>Er kam nicht mehr heraus an diesem Tag. Ich wei\u00df, dass sie da drinnen sitzen, manchmal gehen sie auch spazieren. Und sie fahren einkaufen mit ihrem Auto oder sonst wohin. Und der Briefkasten geht nicht mehr \u00fcber, Herr N. leert ihn regelm\u00e4\u00dfig. Was er mit der Post macht, wei\u00df ich nicht. Aber was mir aufgefallen ist: Sie haben jetzt eine Feuerschale hinten im \u00a0Garten, wo sie oft \u00a0beisammensitzen und leise lachen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Carmen Rosina<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=418\">hardly secret diary<\/a> | Inventarnummer: 21057<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Also es gibt so Geschichten, die glaubt man kaum. Wenn ich Ihnen das erz\u00e4hle \u2026 Aber aus n\u00e4chster N\u00e4he hab ich das mitbekommen. Meine Nachbarin, die Frau F. n\u00e4mlich, die war immer schon ein bisschen anders. Einen Fernseher hatte sie nie, braucht sie nicht, hat sie gesagt. 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