{"id":12578,"date":"2021-03-24T06:37:54","date_gmt":"2021-03-24T06:37:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=12578"},"modified":"2021-03-27T13:35:12","modified_gmt":"2021-03-27T13:35:12","slug":"professor-biermanns-rosskur","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=12578","title":{"rendered":"Professor Biermanns Rosskur"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts12578&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts12578&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Wer ist Herr Professor Biermann, und was hat es mit seiner Rosskur auf sich?<\/p>\n<p>Herr Dr. Martin Biermann ist Mitte f\u00fcnfzig und unterrichtet an einem Oberstufen-Realgymnasium Geschichte und Geographie. Unter einer Rosskur \u2013 so steht es im Internet \u2013\u201eversteht man heute in der Umgangssprache eine medizinische Behandlung mit Hilfe von unsanften Methoden oder umstrittenen und drastischen Mitteln.\u201c Im <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutsches_W%C3%B6rterbuch\" target=\"_blank\">Grimm\u2019schen W\u00f6rterbuch<\/a> steht, die Rosskur sei \u201e<em>eine gewagte kur mit ungeheuerlichen mitteln<\/em>\u201c.<\/p>\n<p>Es war ein milder Juni-Nachmittag, als Herr Dr. Biermann und Gattin Hilde auf der Hausbank vor ihrem Reihenhaus sa\u00dfen und behaglich in die sp\u00e4tgoldene Sonne blinzelten, so recht angenehm entspannt (obwohl Rock und Hose deutlich spannten), und den sch\u00f6nen Tag nochmals vorbeiziehen lie\u00dfen. Ihre beiden S\u00f6hne Hermann und Rudolf waren mit ihren Frauen und je einem Enkelkind auf Besuch dagewesen, und das reichhaltige gute Mittagessen ist im Garten unter dem schattigen Birnbaum mit genie\u00dferischer Langsamkeit eingenommen worden. Der Hausherr und die Kinder sparten nicht mit Lob f\u00fcr die Hausfrau (welche den ganzen Vormittag in der dampfenden K\u00fcche gestanden war). Sie kochte gut und gerne, und die Leibesf\u00fclle ihres Gatten sowie, seien wir ehrlich, auch ihre \u201estattliche Erscheinung\u201c bezeugten dies nachdr\u00fccklich nach au\u00dfen.<\/p>\n<p>\u201eAlso ich muss schon sagen, dein heutiges Dessert war super-super \u2013 diese kleinen Powidl-Buchteln mit Vanilleso\u00dfe \u2013 die Kinder haben ganz sch\u00f6n eing\u2019haut\u201c, lobte der Gatte nochmals und seufzte wohlig. Frau Biermann sah ihn von der Seite liebevoll-sp\u00f6ttisch an: \u201eAh so, nur die Kinder \u2013 dir hat\u2019s ja gar net g\u2019schmeckt, wie du nachher das Reindl mit der restlichen So\u00dfe in der K\u00fcche heimlich ausgel\u00f6ffelt hast?\u201c Der Angetraute drehte sich zu ihr und hob hilflos die Handfl\u00e4chen nach oben: \u201eIch war wehrlos \u2013 es war halt der Jamaica-Rum, den du f\u00fcr die Gro\u00dfen dazugeschwindelt hast \u2013 sowas kann man doch net wegsch\u00fctten!\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas sagst du\u201c, meinte Frau Biermann, die gute Stimmung und Gelegenheit ausn\u00fctzend, mit dem wohlgelaunten G\u00f6ttergatten allein und ohne Eile ein schon lange anstehendes \u201eschwer-wiegendes\u201c Problem anzugehen, \u201emeinst du nicht, dass wir doch endlich den G\u00fcrtel ein wenig enger schnallen sollten \u2013 ich meine, wir haben beide ein paar Kilo zu viel?\u201c<\/p>\n<p>Dr. Biermann, der diese schwarze Wolke am Horizont schon zwanzig Jahre routiniert vor sich hergeschoben hatte und au\u00dferdem die Berechtigung dieser Forderung nicht leugnen konnte, antwortete nachgiebig: \u201eJa sicher, damit sollten wir endlich einmal N\u00e4gel mit K\u00f6pfen machen \u2013 ich denke, die Fastenzeit vor Ostern w\u00e4re ein guter Anfang. Wollten wir nicht voriges Jahr schon so ein sch\u00f6nes Kurhaus mit Reduktionskost aufsuchen? Da zahlt die Krankenkasse sicher dazu!\u201c<\/p>\n<p>\u201eMein lieber Martin\u201c, so die Gattin, \u201edu bist wohl ein ganz Schlauer \u2013 das w\u00e4re erst in einem dreiviertel Jahr! Du schiebst doch sonst nicht alles auf die lange Bank \u2013 sagst du nicht immer, das Richtige soll man gleich tun, und dass die guten Vors\u00e4tze ein kurzes Ablaufdatum haben? Es ist ja f\u00fcr unsere Gesundheit, und j\u00fcnger werden wir auch nicht. Ich meine, wir sollten jetzt gleich damit beginnen \u2013 stell dir vor, wie wir im August mit unseren Speckrollen \u00fcber der Badehose aussehen \u2013 wo wir doch heuer den Badeurlaub in Zypern gebucht haben! Habe ich dir schon erz\u00e4hlt, dass eure Schulsekret\u00e4rin, die Frau Engel, mit ihrem Mann den gleichen Urlaub gebucht hat wie wir?\u201c<\/p>\n<p>Ihr Gatte erschrak. Ausgerechnet Frau Engel, die h\u00fcbsche blonde Sekret\u00e4rin in seinem Gymnasium und heimlicher Schwarm vieler Kollegen (und sagen wir\u2019s ehrlich, auch von ihm) sollte ihn mit seiner schwabbeligen Figur am Strand sehen, tagelang, da w\u00fcrde kein noch so m\u00fchsames Bauch-Einziehen helfen, das w\u00e4re ja schrecklich, das musste verifiziert werden: \u201eWieso wei\u00dft du das, Hilde, ich meine, sie hat es dir wohl nicht erz\u00e4hlt \u2013 ihr kennt euch doch fast nicht?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein, nein, das hat sich zuf\u00e4llig ergeben. Als ich vorige Woche im Reiseb\u00fcro war, du wei\u00dft schon, weil wir ja wegen der Kinder um eine Woche verschieben mussten, da habe ich eine Regina Engel auf unserer Hotelliste gesehen, wie der Schalterbeamte auf dem Bildschirm geschaut hat, ob noch was frei ist \u2013 sie hei\u00dft doch Regina mit dem Vornamen, nicht? Das hast du mir damals gesagt als sie eingetreten ist. Ja, ich wollte es dir ja am selben Abend erz\u00e4hlen, aber da war doch die Sache mit dem Stromausfall, und die ganze Tiefk\u00fchltruhe ist geschwommen, und so habe ich das halt vergessen. Also was sagst du, fangen wir heute an?\u201c Sie blitzte ihn einladend mit ihren graublauen Augen an \u2013 wie immer, wenn sie einen guten Einfall hatte und sich der Zustimmung ihres G\u00f6ttergatten sicher war: \u201eWei\u00dft du, das k\u00f6nnen nur Leute mit Mut und Charakterst\u00e4rke wie wir!\u201c<\/p>\n<p>Der Hausherr seufzte aus Herzensgrund: \u201eJa, hast recht, mach ma\u2019s in Gottes Namen\u201c und schlug in ihre senkrecht aufgerichtete offene Hand \u2013 das war ihr Treuegel\u00f6bnis und Einverst\u00e4ndnis bei spontanen Einf\u00e4llen. Seine bessere H\u00e4lfte seufzte erleichtert: \u201eGott sei Dank, ich hab ja gewusst, auf dich kann man sich verlassen \u2013 wei\u00dft, ohne dich w\u00fcrd ich es ja nie schaffen, das mit dem Hungern und Kalorienz\u00e4hlen, aber miteinander sind wir unschlagbar, sagst du doch immer. Dann war das heute mittags sowas wie unsere Henkersmahlzeit vor den mageren Zeiten.\u201c<\/p>\n<p>Aber ihrem Eheliebsten fiel noch etwas ein: \u201eAlso mein abendliches Bier m\u00f6chte ich schon haben \u2013 das brauch ich zum Einschlafen!\u201c \u201eJa nat\u00fcrlich\u201c, beruhigte seine Frau, \u201edas Bier ist doch ab heute dein Abendessen, und ich werde nur zwei Tassen Kr\u00e4utertee trinken, damit ich was Warmes im Magen habe. Und noch was: Wir werden ab heute \u2013 nat\u00fcrlich nur bei gutem Wetter \u2013 jeden Tag einen Abendspaziergang von einer Stunde machen! Vor den Nachrichten halt. Die Strecke k\u00f6nnen wir uns gemeinsam aussuchen \u2013 ich denke, wir gehen heute einmal \u00fcber den Bach durch die neue Siedlung, dann am Waldrand bis zur Barbara-Kapelle und durch die Kellergasse zur\u00fcck \u2013 ja?\u201c<\/p>\n<p>Der \u00fcberfahrene Gatte nickte resigniert: \u201eWas bleibt mir anderes \u00fcber \u2013 in guten und in schlechten Zeiten, hat es gehei\u00dfen. Ich habe ja nicht gewusst, dass die schlechten \u2013 nein, die mageren \u2013 Zeiten jetzt schon anfangen.\u201c Frau Hilde k\u00fcsste ihn liebevoll: \u201eDu bist ein Schatz. Wie ich schon gesagt habe \u2013 allein t\u00e4t\u2019 ich das nicht schaffen. Bleib sitzen, jetzt hol ich uns einen guten Kaffee, dann geht\u2019s los \u2013 es ist ja schon f\u00fcnf vorbei.\u201c Sie ging ins Haus und lie\u00df einen verunsichert in die Zukunft blickenden Gatten auf der Hausbank zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Dass der Kaffee nur mit einem statt wie gewohnt mit zwei L\u00f6ffeln Zucker ges\u00fc\u00dft war, w\u00e4re noch ertr\u00e4glich gewesen, aber dass der nunmehr verpflichtende Abendspazierweg gerade \u00fcber die steilste Stra\u00dfe des St\u00e4dtchens bergauf f\u00fchrte, wurde von Herrn Dr. Biermann, als sie endlich die Anh\u00f6he erklommen hatten und er wieder gen\u00fcgend Atemluft sammeln konnte, heftig kritisiert. Was seine bessere H\u00e4lfte, die auch vernehmlich schnaufte, zur streng-liebevollen Replik veranlasste: \u201eSiehst du, wie n\u00f6tig wir das haben \u2013 diesen Weg sind wir \u2013 wenn du dich erinnerst \u2013 in unserer Verlobungszeit wohl hundert Mal gegangen. Nur, damals hast du dich nicht aufgeregt dar\u00fcber, ganz im Gegenteil!\u201c Dieser Logik konnte der gute Martin nichts entgegensetzen.<\/p>\n<p>Aber das Schlimmste stand ihm noch bevor. Nach der abendlichen Dusche wurde ihm zwar sein k\u00fchles Bier im sch\u00f6nen Steinkrug serviert, aber als sich die Gattin kurz um die Waschmaschine k\u00fcmmerte, schlich der hungrige Hausherr heimlich in die K\u00fcche, um sich als Zukost ein St\u00fcck des fetten Schweizer Emmentalers zu holen. Geschockt erstarrte er vor der offenen K\u00fchlschrankt\u00fcr: Ein K\u00fcberl Leicht-Joghurt, einige Karotten und zwei Gurken waren in Begleitung von zwei Litern Magermilch und einer Packung Margarine die einzigen Insassen dieses noch heute vormittags \u00fcbervollen Kalorien-Speichers. In der Brotdose war au\u00dfer einer Packung Vollkornbrot auch nichts zu holen, und als der nunmehr geradezu verzweifelt hungrige Professor die T\u00fcr zur Speis \u00f6ffnete (wo sich doch seit ewigen Zeiten Kekspackungen, Fleischkonserven, Sardinen, Schokolade und andere Trosthappen befunden hatten) grinsten ihm leere Stellagen entgegen; und wie zum Hohn pr\u00e4sentierten sich in Augenh\u00f6he je eine Familien-Packung Di\u00e4t-Zwieback und Kn\u00e4ckebrot. Aus, Ende, fertig, es gab nichts von der Hand in den Mund zu steckendes Essbares mehr im Haus!<\/p>\n<p>Herr Biermann ging, geknickt und gedem\u00fctigt, ja sich \u00fcberrumpelt f\u00fchlend, zur\u00fcck ins Wohnzimmer und br\u00fctete schwarze Gedanken aus. Das war keine liebevolle Einladung zur gut gemeinten Gewichtsreduktion gewesen, sondern ein Komplott, eine hundsgemeine geplante Falle! Seine erst vor zwei Stunden gegebene \u2013 nein, ihm abgeluchste \u2013 Zustimmung war genau kalkuliert und als minimales Risiko eingestuft. Da sollte doch der Teufel dreinfahren \u2013 so war das nicht ausgemacht, so nicht! Zornig erhob er sich, um nach oben zur Frau in die Waschk\u00fcche zu gehen \u2013 da passierte es: Infolge der sto\u00dfweisen Bauchatmung beim ruckartigen Aufstehen gab der m\u00fcde Zwirn der Belastung nach und die untersten zwei Kn\u00f6pfe des prall gef\u00fcllten Hemdes sprangen ab und knallten gegen den Wohnzimmer-Spiegel. Und was quoll ihm daraus f\u00f6rmlich entgegen? Im goldenen Rahmen sah er sich mit geplatztem Hemd, den Nabel hervorstechend aus einem rosa-wei\u00dfen Berg von Bauch! So grausam deutlich hatte er seine Leibesf\u00fclle noch nie gesehen.<\/p>\n<p>Er sank reuig und besch\u00e4mt wieder in den Ohrenfauteuil zur\u00fcck und ging in sich. Ja, seine Hilde hatte Recht \u2013 er war absto\u00dfend fett geworden \u2013, da half alles Sch\u00f6nreden und Verniedlichen nichts. Er hatte einen schwabbelnden Bauch wie ein Sumo-Ringer, aber ohne dessen Muskeln. Da konnte man dar\u00fcber anziehen, was man wollte \u2013 und in der Badehose am Strand w\u00fcrde er wirken wie eine Witzfigur, von Kindern verspottet und jungen Frauen gemieden. Der P\u00e4dagoge versank in dumpfes Br\u00fcten.<\/p>\n<p>\u201eMartin, was ist los \u2013 du wirkst so bedr\u00fcckt! Und wie siehst du denn aus \u2013 warum ist das Hemd offen? So sitzt man doch nicht im Wohnzimmer herum.\u201c Frau Biermann kam mit einem Korb B\u00fcgelw\u00e4sche ins Zimmer und ihr Mann rang um eine Erkl\u00e4rung: \u201eNichts ist los \u2013 nur die zwei Kn\u00f6pfe sind mir beim Aufstehen abgerissen \u2013 und da hab ich mich halt genau im Spiegel gesehen, wie dick ich geworden bin. So kann\u2019s wirklich nicht weitergehen, jetzt ist h\u00f6chste Eisenbahn zum Abnehmen.\u201c Er zog das Hemd aus und hielt es der Gattin hin: \u201eBitte leg das nach dem Waschen ganz oben auf meinen Stapel, damit ich jeden Tag daran erinnert werde, dass sowas nicht mehr passieren darf. Und die Kn\u00f6pfe werden erst nach minus zehn Kilo wieder angen\u00e4ht. Jetzt machen wir N\u00e4gel mit K\u00f6pfen!\u201c Die Gattin stellte den Korb ab und legte ihm beide H\u00e4nde auf die Schultern: \u201eSo kenne ich dich, ein Mann mit Entschlusskraft und eisernem Willen. Wir schaffen das \u2013 pro Woche ein, zwei Kilo, bis wir zwei Konfektionsgr\u00f6\u00dfen herunter haben!\u201c<\/p>\n<p>Sp\u00e4tabends, nach dem \u201eGute-Nacht-Bussi\u201c, drehte sich Herr Biermann aber noch einmal zur Gattin um: \u201eAlso ein bisserl hinterfotzig bist du\u2019s schon angegangen; wieso war heute nachmittags unser Haus mit einem Schlag komplett kaloriensauber? Ich mein, das muss doch von langer Hand vorbereitet gewesen sein, also komm!\u201c Seine Hilde drehte sich von der gewohnten R\u00fcckenlage auf die linke Seite und sah ihn schuldbewusst mit gro\u00dfen Augen an: \u201eDas war nicht so raffiniert geplant, wie du meinst, sondern halt eine Gelegenheit, die\u2019s kein zweites Mal gibt. Unser Bub ist doch gerade vorgestern in die neue Wohnung eingezogen, und da war nat\u00fcrlich noch nichts zum Essen da in der K\u00fcche und so. Die Erika hat mich gestern fr\u00fch angerufen, ob ich ihr f\u00fcr die erste Zeit mit ein paar Sachen aushelfen kann, bis sie mit dem Rudi einen Gro\u00dfeinkauf macht. Und da ist mir klar geworden, dass wir eigentlich viel zu viel haben \u2013 an Lebensmitteln und so \u2013 und dass wir eh schon seit langem zu viel essen. Also habe ich der Erika g\u2019sagt, sie soll mit ein paar von den leeren Umzugskartons kommen, und wir haben, w\u00e4hrend du in der Schule warst, miteinander den Gro\u00dfteil eingef\u00fcllt und sie hat\u2019s mitgenommen. Und heute nach dem Essen, w\u00e4hrend dein\u2019 Mittagsschlaferl, haben wir den letzten Rest verpackt und in ihr Auto verladen. Weil das war die Chance, dass wir endlich ein paar Kilo loswerden! Ich hab seit der Fr\u00fch schon ein schlechtes Gewissen, dass ich dich so \u00fcberfallen hab damit, aber so war unseren Kindern g\u2019holfen, und in ein paar Wochen freu\u2019n wir uns vielleicht an Haxen aus, dass wir endlich nimmer so dick sind, was meinst?\u201c<\/p>\n<p>Der Gatte grunzte ger\u00fchrt: \u201eAlso wenn das so war \u2013 ego te absolvo! Weil, vertrau\u2019n m\u00f6chte ich dir schon k\u00f6nnen, immer, gell? Also mach\u2019 ma\u2019s Beste draus. Gute Nacht.\u201c<\/p>\n<p>Im Gymnasium erkl\u00e4rte Professor Biermann seinen Wechsel vom Jausen-Speckbrot zur Karotte mit seinen zu hohen Cholesterinwerten, und der einmal eingef\u00fchrte Abendspaziergang wurde f\u00fcr das Ehepaar nach und nach zur liebgewordenen Gewohnheit. Denn nach den ersten zwei verlorenen Kilos einer zugegeben \u00e4u\u00dferst unangenehmen Woche mit t\u00e4glicher Abwaage kam wieder Freude an der Bewegung und der lockerer sitzenden Kleidung auf. P\u00fcnktlich vor dem Abflug nach Zypern konnte der um neun Kilo reduzierte Professor seine geliebte rote Freizeit-Lederjacke wieder zukn\u00f6pfen, und die erschlankte Gattin hatte mit einem Jubelschrei alle ihre nunmehr zu gro\u00dfe Kleidung in einen Humana-Container gestopft.<\/p>\n<p>Nur zwei kleine Entt\u00e4uschungen mussten zur Strafe noch sein: Die von Frau Biermann angeblich in der Hotelliste ersp\u00e4hte Regina Engel \u2013 auf die in einem knappen Bikini am Strand zu sehen sich Herr Biermann schon seit Wochen gefreut hatte \u2013 erwies sich als ein Herr Reginald Engel, ein vertrocknetes altes M\u00e4nnlein mit einer stets n\u00f6rgelnden Frau im Schlepptau. Und das wundersch\u00f6ne gr\u00fcnseidene Strandkleid, welches der Professor seiner Frau heimlich gekauft und in deren Koffer geschmuggelt hatte, erwies sich als noch immer eine Nummer zu eng! Das war seine schmunzelnd ausgekostete Rache f\u00fcr ihren \u00dcberfall \u2013 und so musste die Gattin wohl oder \u00fcbel ihre strenge Di\u00e4t im ganzen Urlaub fortsetzen, um es wenigstens bei der Abschieds-Strandparty tragen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Robert M\u00fcller<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=3102\">Lesebissen<\/a> | Inventarnummer: 21054<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer ist Herr Professor Biermann, und was hat es mit seiner Rosskur auf sich? Herr Dr. Martin Biermann ist Mitte f\u00fcnfzig und unterrichtet an einem Oberstufen-Realgymnasium Geschichte und Geographie. 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