{"id":12518,"date":"2021-03-10T06:59:53","date_gmt":"2021-03-10T06:59:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=12518"},"modified":"2021-03-13T16:19:07","modified_gmt":"2021-03-13T16:19:07","slug":"der-unverstandene-mann","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=12518","title":{"rendered":"Der unverstandene Mann"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts12518&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts12518&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p><em>Provokante Einsichten<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Beispiel f\u00fcr den geschlechtsspezifischen Zeitbegriff<\/h3>\n<p>Sonntagmittags: An sch\u00f6nen warmen Tagen wie heute f\u00e4hrt die Familie gerne in den Garten am Stadtrand. Das Kind hat sich nach dem Essen in sein Zimmer zur\u00fcckgezogen, der Mann hilft den Tisch abr\u00e4umen und fragt zwischendurch die Gattin: \u201eWann fahren wir raus?\u201c Darauf die Hausfrau gereizt: \u201eWas glaubst denn? Ich muss noch die K\u00fcche saubermachen, das Geschirr einr\u00e4umen und dann muss ich mir noch die Haare machen und ein paar Minuten ausrasten! Du wirst es erwarten, hetz mich nicht dauernd!\u201c<\/p>\n<p>Worauf der Mann \u2013 tief ausatmend \u2013 die Arena verl\u00e4sst, missverstanden wie immer. Er wollte doch nur eine Zeitangabe. Bei \u201eIn einer Viertelstunde\u201c h\u00e4tte er schon einige Sachen ins Auto getragen, bei \u201eIn einer halben Stunde\u201c w\u00e4re er noch zum Tanken gefahren und h\u00e4tte das Auto waschen lassen, und bei \u201eIn einer Stunde\u201c w\u00e4re sich sogar noch ein Mittagsschlaferl ausgegangen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Sachliche Sichtweise<\/h3>\n<p>Ein Mann hat ein schmerzendes H\u00fchnerauge auf der kleinen Zehe des rechten Fu\u00dfes. Nach etlichen Wochen des Salben-Schmierens und diverser abendlicher Fu\u00dfb\u00e4der geht er heute zum Arzt, um den Qu\u00e4lgeist operativ entfernen zu lassen. Der Mann tut, was in solchen Angelegenheiten zu tun ist, er setzt sich in Unterkleidung an den Rand der Badewanne und w\u00e4scht sich mit Seife und B\u00fcrste gr\u00fcndlich den rechten Fu\u00df. Bis hier ist (f\u00fcr einen Mann) alles klar und richtig! Weshalb er den zurechtweisenden Ton der hinzukommenden Gattin: \u201eNa, dass d\u2019 halt net z\u2019viel Wasser auf d\u2019 Haut kriegst. Also wirklich, man geht doch wenigstens Duschen, vor man zu an Dokter geht!\u201c als sowohl unn\u00f6tig wie auch komplett unverst\u00e4ndlich empfindet. Der rechte Fu\u00df wird operiert und daher vorher gr\u00fcndlich gereinigt \u2013 was ist da falsch daran?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Arbeit<\/h3>\n<p>Ein Mann arbeitet am liebsten (bzw. seiner Natur nach) blockweise und mit Termin und Ziel: Das und jenes ist dann und dann von bis zu tun (oder bis es halt fertig ist). Das ist seit Urzeiten so: Es wird mit Mut, Geschicklichkeit, Ausdauer und Kraft, oft auch unter Gefahr, eine Leistung vollbracht, das Mammut oder die Wildsau erlegt und ins Lager geschafft; aber dann will sich der Mann am Feuer ausstrecken und bald was zu essen bekommen!!! Das ist seine Natur, das liegt in seinen Genen, und das ist gut so!<\/p>\n<p>Eine Frau wischt und kratzt und zupft den ganzen Tag herum, sie arbeitet immer dann, wenn sie meint, dass dies und jenes noch getan werden muss, aber immer punktuell, und dann ist noch das zu tun und da w\u00e4re es ganz h\u00fcbsch, wenn dies oder jenes auch gleich passierte und \u2026 und \u2026 und. Der nach seiner Schwerarbeit ruhende Mann wird dabei immer \u00f6fter durch strafende Seitenblicke gest\u00f6rt, weil er so faul herumsitzt und nicht daran denkt, unaufgefordert mitzuarbeiten, wo doch die Frau den ganzen Tag immer zu tun hat und \u2026 und \u2026 und!<\/p>\n<p>Es hat da in den Siebzigerjahren einen Film \u201eDer Babutz\u201c gegeben, wo in einer Wohngemeinschaft M\u00e4nner und Frauen die Rollen getauscht haben: Die vier Frauen gingen arbeiten, die M\u00e4nner machten den Haushalt und rationalisierten mit m\u00e4nnlicher Logik diese \u201eFrauenarbeit\u201c derma\u00dfen, dass nur eine einzige Stunde Arbeit pro Tag der drei M\u00e4nner ausreichte, um einen perfekten Ablauf zu garantieren. Zum Beispiel: Die guten drei Meter Balkonblumen zu gie\u00dfen besch\u00e4ftigt eine Frau gerne eine halbe Stunde. Die M\u00e4nner dachten nach, befestigten einen Klosettsp\u00fclkasten an der Au\u00dfenmauer und eine gelochte Dachrinne genau \u00fcber den Blumen. T\u00e4glich um 16 Uhr zog der zust\u00e4ndige Mann am Griff, das Wasser aus der Sp\u00fclung floss in die Dachrinne und die Blumen waren in 10 Sekunden gew\u00e4ssert. Erst der neu dazugekommene Schwiegersohn machte Schwierigkeiten, weil er auch arbeiten ging und der berufst\u00e4tigen Frau nach altem Muster den Haushalt \u00fcberlie\u00df. Das ging nicht gut und brachte so lange Sand ins Getriebe der Hausgemeinschaft, bis er sich letzten Endes in die neue Rolle f\u00fcgte und alles wieder wie geschmiert lief!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Essen<\/h3>\n<p>Was haben die meisten M\u00e4nner am liebsten? Einfaches, kr\u00e4ftiges Essen wie zum Beispiel Rindsuppe mit Leberkn\u00f6del, Kalbsgulasch mit Nockerl, Braten vom Rind oder Schwein mit Semmelkn\u00f6del, Faschiertes mit Erd\u00e4pfelsalat, Selchfleisch mit Erd\u00e4pfelp\u00fcree, deftige Bohnensuppe mit Speck; zum Gabelfr\u00fchst\u00fcck auch K\u00e4sekrainer, Waldviertler mit Senf oder eine Leberk\u00e4sesemmel. Fallweise mittags einmal ein Kaiserschmarrn mit Kompott, und an kirchlichen Fasttagen der gebackene Fisch mit gemischtem Salat. Der wird dann \u2013 so wie die \u00fcbrige Nahrung auch \u2013 mit k\u00fchlem Bier oder G\u2019spritzten hinuntergesp\u00fclt, denn ein Fisch muss schwimmen!<\/p>\n<p>Ist Ihnen aufgefallen, dass ein richtiger Mann jahrelang fast g\u00e4nzlich ohne Vitamine leben kann? Weshalb er den \u201egesunden\u201c Nahrungsmitteln mit gesundem Misstrauen begegnet. Eine Vitaminvergiftung, hervorgerufen durch viel Gr\u00fcnzeug und Salate, ist eine ernste Sache und sch\u00e4digt insbesondere die Psyche. Immer diese kalten, nassen, sauren Sachen wie Salate! Es ist aber nicht so, dass diese Zuspeise generell abgelehnt w\u00fcrde, nein, da sind Kompromisse m\u00f6glich: \u00dcber Rindfleischsalat, Gurkensalat mit Rahm, Erd\u00e4pfelsalat zum Grillkotelett, K\u00e4ferbohnensalat mit Kern\u00f6l und sommerlichen Wurstsalat kann man durchaus reden!<\/p>\n<p>Auch dass M\u00e4nner kein Gem\u00fcse m\u00f6gen, ist glatter Unsinn. Eine Rindsuppe ohne Karotte ist unvollst\u00e4ndig, desgleichen eine Leberk\u00e4sesemmel ohne Gurkerl; das eine Roulade umh\u00fcllende Kraut wird gerne gegessen, und gef\u00fcllte Paprika mit milder Paradeisso\u00dfe sind ein H\u00f6hepunkt der Sommerk\u00fcche. W\u00e4hrend hingegen ausschlie\u00dflich gr\u00fcn gef\u00fcllte Teller ein grober Versto\u00df gegen den Tierschutz sind. Den armen Ziegen frisst kein Mann das Futter weg! Nein, das sicher nicht!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Umwelt<\/h3>\n<p>W\u00e4re diese Erde nur von M\u00e4nnern bewohnt, wir h\u00e4tten \u2013 umweltm\u00e4\u00dfig \u2013 ein fast unber\u00fchrtes Paradies auf Erden. Weil: Ein Mann will und braucht nur sehr wenig! Vor allem kleidungsm\u00e4\u00dfig stellt der Mann bescheidene Anspr\u00fcche. Er wei\u00df, dass sein Wintermantel mit jedem Jahr angenehmer tragbar ist und dessen Ablaufdatum erst in 10 bis 20 Jahren sein wird. Der gr\u00fcne Hubertus-Kurzmantel mit schr\u00e4gen Taschen zum Beispiel ist f\u00fcrs Auto sehr bequem, man kann in den vier gro\u00dfen Taschen leicht den halben Wocheneinkauf unterbringen, die Innentasche nimmt noch die Tageszeitung auf. Eine f\u00fcnf, sechs Jahre getragene Hose passt jetzt erst richtig und k\u00f6nnte, wenn sie nicht so oft meuchlings gewaschen w\u00fcrde, noch weitere sieben Jahre halten. Einen Mann erkennt man auf der Stra\u00dfe oder bei der Arbeit schon von weitem an seiner gewohnten Kleidung, die bereits Teil seiner Pers\u00f6nlichkeit geworden ist.<\/p>\n<p>Die m\u00e4nnliche Beziehung zu Wasser und sogenannten K\u00f6rperpflegemitteln kann man getrost als hochgesch\u00e4tzt und vorsichtig bezeichnen. Nein, das ist kein Gegensatz, im Gegenteil. M\u00e4nner lieben die warme Dusche. Insbesondere dann, wenn es sich \u201eauszahlt\u201c, wenn der m\u00e4nnliche K\u00f6rper ausreichend verstaubt, eingedreckt und\/oder gen\u00fcgend verschwitzt ist. Geradezu mit behaglicher Freude wird dann der m\u00e4nnliche Urzustand wieder hergestellt. Wozu Wasser und Seife gen\u00fcgen; gelegentlich \u2013 bei starkem Oberfl\u00e4chenbelag \u2013 wird auch eine B\u00fcrste ins Rennen geschickt. In Gottes Namen und weil man schon im Bad ist, wird auch eine Rasur angeh\u00e4ngt. Der nunmehr schmutz- und duftlose K\u00f6rper kehrt zufrieden in die Wohnr\u00e4ume zur\u00fcck, wenngleich an hohen Feiertagen oder am Hochzeitstag auch ein versch\u00e4mter Hauch von Rasierwasser dem Helden voranweht. Oder beim Zubettgehen am Samstagabend.<\/p>\n<p>Aber geradezu als verschwenderisch und verweichlichend wird eine Dusche beim Wegfall der \u201eNotwendigkeit\u201c empfunden. Diese rituelle Reinigung, wie fr\u00fcher \u201edas Bad am Sonnabend\u201c bezeichnet und zelebriert wurde, nunmehr t\u00e4glich inflation\u00e4r zu entweihen, ist wider die m\u00e4nnliche Natur, welche achtsam jede Verschwendung und Umweltsch\u00e4digung vermeidet. Weshalb diese aufdringlich nach Chemie stinkenden sogenannten \u201eDuschgels\u201c und Deodorants und sonstigen \u201ePflegemittel\u201c weder dem Mann noch der Umwelt zugemutet werden d\u00fcrfen. Ja nat\u00fcrlich, das H\u00e4ndewaschen vor dem Essen ist genauso Pflicht wie das Z\u00e4hneputzen am Abend, aber das war\u2019s dann auch schon.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Schei\u00dferlzeug<\/h3>\n<p>Eine gebr\u00e4uchliche Redewendung sagt: \u201eDer Mann baut das Haus und die Frau gestaltet es aus!\u201c Das hei\u00dft in der Praxis, sie stopft es gnadenlos bis zum letzten Winkel mit allen m\u00f6glichen \u201elieben, h\u00fcbschen, farbigen, \u2026 Sachen (die m\u00e4nnliche Bezeichnung daf\u00fcr ist \u201eSchei\u00dferlzeug\u201c) voll, egal was das kostet und wof\u00fcr das gut sein soll. Ob und wozu das n\u00f6tig ist, darf ein Mann ja nicht fragen!!!!!!! Aber Mann braucht das nicht \u2013 und die Frau kann ohne das nicht leben! Der m\u00e4nnliche Hinweis, dass gr\u00f6\u00dfere leere Fl\u00e4chen viel einfacher, \u00fcbersichtlicher und schneller zu entstauben sind, w\u00e4hrend ein Zimmer mit mehreren Teppichen, Hockern, Bodenvasen, Stehleuchten, Tischchen und \u00e4hnlichem den Raum verstellenden Ger\u00e4t (m\u00e4nnlich auch \u201eGraffelwerk\u201c genannt) kein rationelles Staubsaugen erm\u00f6glicht, und dass da immer was umf\u00e4llt und im Weg ist, wird mit der weiblichen Zurechtweisung \u201ena da passt man halt auf\u201c ungn\u00e4dig-unsachlich abgew\u00fcrgt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Conclusio<\/h3>\n<p>Mit einem Mann ist sehr gut auszukommen, wenn man ihn<br \/>\n<strong>a:<\/strong> ausreichend und artgerecht f\u00fcttert<br \/>\n<strong>b:<\/strong> ausreichend in Ruhe l\u00e4sst<br \/>\n<strong>c:<\/strong> oft genug um seine Meinung fr\u00e4gt<br \/>\n<strong>und d:<\/strong> diese Ratschl\u00e4ge auch gro\u00dfteils befolgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Robert M\u00fcller<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=416\">es menschelt<\/a>| Inventarnummer: 21047<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Provokante Einsichten &nbsp; Beispiel f\u00fcr den geschlechtsspezifischen Zeitbegriff Sonntagmittags: An sch\u00f6nen warmen Tagen wie heute f\u00e4hrt die Familie gerne in den Garten am Stadtrand. 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