{"id":12018,"date":"2020-12-05T13:58:15","date_gmt":"2020-12-05T13:58:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=12018"},"modified":"2020-12-20T14:32:35","modified_gmt":"2020-12-20T14:32:35","slug":"ideenfee-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=12018","title":{"rendered":"Pur"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts12018&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts12018&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Ich m\u00f6chte etwas tun. Etwas kreieren. An nichts denken, nichts kontrollieren, mich hingeben. Mich fallen lassen. Ich m\u00f6chte, was auch immer aus mir rausflie\u00dfen will, aus mir rausflie\u00dfen lassen. Ohne Einschr\u00e4nkungen, ohne Anleitung. Nur dann kann es pur sein.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte einer der Regentropfen auf dem Fenster des Autos, das mit 130 km\/h auf der Autobahn f\u00e4hrt, sein, die ich als Kind auf der R\u00fcckbank sitzend beobachtete. Ich wusste noch nichts von den Gesetzen der Physik, die schlussendlich den Pfad der Tropfen \u00fcber das Fenster hinweg kontrollieren w\u00fcrden. Ich dachte, sie w\u00fcrden selbst w\u00e4hlen. Ich dachte, sie wollten mich reizen, mich glauben lassen, dass sie entlang eines bestimmen Weges\u00a0 flie\u00dfen w\u00fcrden. Dass sie ihren Kurs erst dann \u00e4nderten, wenn ich dachte, ich w\u00fcsste, wohin sie ihr Weg f\u00fchren w\u00fcrde. Sie beugten sich meinem Willen nicht.<br \/>\nIch m\u00f6chte mich ebenso von meinem Willen befreien.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte mich aufschneiden und heraustreten. Die Person, die ich dachte sein zu m\u00fcssen, hinter mir lassen. Dorthin gehen, wohin ich mich entscheide zu gehen. Und meinen Kurs erst dann \u00e4ndern, wenn die, die sich entscheiden, mich zu beobachten, weil sie nichts Besseres mit ihrer Zeit anzufangen wissen,\u00a0 denken, sie w\u00fcssten, wohin ich gehe. Wie ich als Kind. Auf der R\u00fcckbank des Auto sitzend, nichts Besseres mit meiner Zeit anzufangen wissend, als die Regentropfen am Fenster zu beobachten.<\/p>\n<p>Mit der Zeit habe ich einen Weg gefunden, mich von mir zu befreien. Tempor\u00e4r zumindest.<br \/>\nWenn ein Mann zum ersten Mal in mich eindringt, denke ich an nichts, kontrolliere nichts, gebe ich mich hin. Lasse ich mich fallen. Ich lasse, was auch immer sich richtig anf\u00fchlt, passieren.<br \/>\nOhne Einschr\u00e4nkungen, ohne Anleitung.<\/p>\n<p>Wenn ich mich in der Welt, wie sie jetzt gerade ist, umsehe, ersehne ich mir nichts mehr als einen Moment, um anzuhalten und tief einzuatmen. Einen echten Atemzug. Einen, der meine Zehen erreicht, meine Lungen in vollem Ma\u00df ausf\u00fcllt, meinen K\u00f6rper f\u00fchlen l\u00e4sst, \u00a0als sei er endlich vollkommen erwacht. Einen Moment, in dem alles still h\u00e4lt. Fast wie der Augenblick, wenn man aus Wasser auftaucht und die Luft s\u00fc\u00dfer als je zuvor schmeckt und es sich anf\u00fchlt, als ob man zum ersten Mal im Leben atmet.<\/p>\n<p>Dieser Moment hat seinen Preis. Im Gegenzug verlangt er einen Moment, in dem man es nicht wagt zu atmen. Wenn deine Lippen nur einen Bruchteil eines Millimeters von seinen entfernt sind. Wenn sich dein Herzschlag beschleunigt und mit ihm dein Atem. Du bist dir seines K\u00f6rpers pl\u00f6tzlich allzu sehr bewusst und wo er sich bez\u00fcglich deines eigenen befindet. Deine Augen sind geschlossen. Du kannst seinen Mund, der deinem so schmerzhaft nah ist, im Geiste sehen. Du f\u00fchlst, wie sich deine Lippen voneinander l\u00f6sen und du h\u00e4ltst deinen Atem.<br \/>\nEine Pause.<br \/>\nSein Mund ist auf deinem. Seine Zunge hinterl\u00e4sst dort, wo sie deine Lippen ber\u00fchrt, den s\u00fc\u00dfesten Geschmack. Hinterl\u00e4sst dort, wo er entscheidet, deinen K\u00f6rper zu kosten, kleine Feuer und l\u00e4sst eine Spur aus hei\u00dfen Funken zur\u00fcck, die zu deiner Mitte f\u00fchrt. Ein goldenes Reich, das die Macht hat, dich deinen K\u00f6rper verlassen und inmitten der Sterne tanzen zu lassen.<\/p>\n<p>Du f\u00fchlst dich, als w\u00fcrdest du verzweifelt ertrinken. Du schaffst es, kurz \u00fcber der Oberfl\u00e4che Atem zu sch\u00f6pfen, doch wirst du beinahe sofort wieder zur\u00fcck unter Wasser gezogen. Er vergr\u00e4bt sich zwischen deinen Schenkeln, erlaubt dir nicht, besser zu Atem zu kommen, als h\u00e4tte er seine Hand um deinen Hals gelegt. Du willst mehr. Du sehnst dich nach der s\u00fc\u00dfen Erl\u00f6sung. Nach dem kleinen Tod, der dich so lebendig f\u00fchlen l\u00e4sst, wenn du von ihm zur\u00fcckkehrst.<br \/>\nEr verl\u00e4sst deine Mitte, hinterl\u00e4sst dich kalt, als du abrupt von inmitten der Sterne herunterf\u00e4llst. Kurz bevor du auf den Boden prallst, gerade als du denkst, dass du die Welt nie wieder von oben sehen wirst, rettet er dich. Er dringt in dich ein. Macht dich vollkommen. Langsam bringt er dich zur Oberfl\u00e4che bis endlich \u2013<br \/>\nDie Welt h\u00e4lt f\u00fcr eine Sekunde still und du atmest ein. Als w\u00e4re es das erste Mal in deinem Leben.<br \/>\nS\u00fc\u00dfer als je zuvor.<br \/>\nPur.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Emma Kreska<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=430\">\u00fc18<\/a> | Inventarnummer: 20128<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich m\u00f6chte etwas tun. Etwas kreieren. An nichts denken, nichts kontrollieren, mich hingeben. 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