{"id":10437,"date":"2019-10-31T17:21:05","date_gmt":"2019-10-31T17:21:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=10437"},"modified":"2019-11-17T09:26:05","modified_gmt":"2019-11-17T09:26:05","slug":"handke-der-serbische-nobelpreis-und-die-falsche-heiligsprechung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=10437","title":{"rendered":"Handke, der serbische Nobelpreis und die falsche Heiligsprechung"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts10437&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts10437&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Es ist zu hoffen, dass der frisch gebackene Nobelpreistr\u00e4ger Peter Handke eine Hilfskraft hat, die ihm in diesen Tagen die nationalkommunistische Presse in Serbien \u00fcbersetzt.<br \/>\nWeil da ist er das Thema Nr. 1, und es herrscht die reine Freude vor. Mit Handke habe nach Ivo Andric der zweite Serbe den Nobelpreis bekommen. Er habe Serbien und das serbische Volk stetig und tapfer verteidigt und sei damit nach Milosevic der gr\u00f6\u00dfte Serbe. Dabei wird der Diktator in alter nationalistischer Rhetorik von \u201eEin Volk, ein Reich, ein F\u00fchrer\u201c mit dem Volk gleichgestellt; wer gegen Milosevic sei, stelle sich gegen das serbische Volk uswusf. Der Jubel kennt keine Grenzen und keine Scham.<\/p>\n<p>Das sind schlimmere T\u00f6ne als in den 90er Jahren, als Milosevic noch an der Macht war, und es zumindest in der Hauptstadt relativ freie, anti-nationalistische Medien gab, die der nationalistischen Vergiftung Widerpart gaben. Die heftig betriebene Restauration des Milosevic-Regimes wird nun also mit dem h\u00f6chsten internationalen Preis ausgezeichnet \u2013 und damit eine Person, die wie keine andere Milosevics Verbrechen geleugnet und sch\u00f6ngeredet hat.<\/p>\n<p>So wird alles in Frage gestellt, die Zerst\u00f6rung von Vukovar, die Toten von Ovcara, die ermordeten Moslems von Srebrenica, das zerschossene Krankenhaus von Gorazde, die von der serbischen Artillerie get\u00f6teten K\u00fche am Stra\u00dfenrand, die verschreckten, ausgemergelten Menschen mit ihren Handw\u00e4gelchen in den elendslangen Z\u00fcgen die kroatischen und bosnischen Stra\u00dfen entlang, die unz\u00e4hligen Verbrechen in Sarajewo und im Kosovo, das blutrote Wasser der Drina bei Foca und Visegrad, die K\u00fchlwagen voller albanischer Leichen, die in der Donau versenkt wurden und in den Bleigruben von Trepca. Die Massengr\u00e4ber auf dem Polizeigel\u00e4nde von Batajnica. Und all diese Kr\u00fcppel, Vertriebenen und Gefl\u00fcchteten.<\/p>\n<p>Ich nenne nur diese wenigen Beispiele von Verbrechen, die ich mit eigenen Augen gesehen und \u00fcber die ich in den Jahren 1991 bis 1997 im ORF berichtet habe.<\/p>\n<p>Aber man muss solche Erfahrungen gar nicht haben. Noch viel mehr zu berichten h\u00e4tten die Hunderttausenden Gefl\u00fcchteten aus den jugoslawischen Kriegsgebieten und ihre Nachkommen, die in \u00d6sterreich Schutz und Heimat gefunden haben. Sie alle wissen aus eigener Anschauung oder Familiennarration, was Handke besch\u00f6nigt oder verschweigt.<br \/>\nUnd das mit Zynismus verziert als Poesie oder Freiheit des Autors.<br \/>\nHandke hat unfassbare Schuld auf sich geladen, indem er Milosevic und Karadzic glorifiziert. Er bespuckt damit alle Opfer und ihre Angeh\u00f6rigen \u2013 wie auch durch seine Teilnahme an Milosevics Begr\u00e4bnis in Pozarevac: \u201eDie letzte Ehre erweisen.\u201c<\/p>\n<p>Wie kann das Komitee in Stockholm so v\u00f6llig versagen und eine internationale Nobilitierung vergeben, genau zur selben Zeit, als die Welt entsetzt und in Trauer vor dem Anschlag auf die Synagoge von Halle steht. Was f\u00fcr ein b\u00f6ser \u201eZufall\u201c! Will da jemand die Menschen verh\u00f6hnen, die nicht mit literaturgeschm\u00e4cklerischem Wortgeklingel \u00e0 la Akademie, sondern mit Wissen und Gewissen die Wirklichkeit beobachten.<\/p>\n<p>An mich, an alle und auch an das zornige Rumpelstilzchen (\u201eIch komme von Tolstoj, ich komme von Kafka, ich komme von Cervantes\u201c) m\u00f6chte ich zwei Fragen stellen, oder vielmehr ein Gedankenspiel spielen: Was h\u00e4tten diese drei \u2013 es k\u00f6nnten aber auch genauso gut Goethe, Beethoven oder Kant sein \u2013 zu den Balkankriegen der 90er Jahre gesagt?<br \/>\nUnd was w\u00e4re, wenn die Opfer Schweden gewesen w\u00e4ren?<\/p>\n<p>13.10.19<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Veronika Seyr<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.veronikaseyr.at\/\" target=\"_blank\">www.veronikaseyr.at<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/veronikaseyr.blogspot.co.at\/\" target=\"_blank\">http:\/\/veronikaseyr.blogspot.co.at\/<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=5678\">about<\/a> | Inventarnummer: 19139<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist zu hoffen, dass der frisch gebackene Nobelpreistr\u00e4ger Peter Handke eine Hilfskraft hat, die ihm in diesen Tagen die nationalkommunistische Presse in Serbien \u00fcbersetzt. 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